Wie jetzt?

Ach Sabine, altes Mädchen, was haste dir dabei wieder gedacht?

Es sei nicht Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Sender, den privaten Verlagen Konkurrenz zu machen.

soll Frau Minister haben verlauten lassen, glaubt man Heise.de. Das Statement galt übrigens der „Tagesschau-App“, gegen die verlegende Schreihälse gerade Sturm laufen. Die ARD erdreistet sich nämlich, gedruckte (nicht im Gutenberg’schen Sinne, sondern in Form von elektrischen Lettern) Nachrichten für Mobilgeräte zu produzieren. Das hat zwar beim Videotext jahrelang niemanden gestört aber das Internet gehört plötzlich zum Print und da haben sich die öffentlich-rechtlichen gefälligst rauszuhalten.

Man muss nämlich wissen, dass seit es die Tagesschau-App gibt, niemand mehr die vielen, vielen kostenpflichtigen Apps der privaten Verlage nutzt und sie dort mittlerweile schon Armenküchen eingerichtet haben, damit die hungernden Redakteure wenigstens eine warme Mahlzeit am Tag zu sich nehmen können. Deshalb wollen die privaten Verlage auch unbedingt das Leistungsschutzrecht durch den Bundestag prügeln (lassen), weil ja sonst der ganze privat finanzierte Journalismus morgen stirbt und dann sehen wir alle, was wir davon haben!

Jenes Leistungsschutzrecht war eigentlich des Pudels Kern in Leutheusser-Schnarrenbergers Rede auf dem 24. Medienforum in NRW, der Hinweis auf die ARD-App lediglich eine seitliche Arabeske. Und doch löst dieses Statement bei mir Verwunderung aus. Ist denn nicht der Binnenpluralismus das Prinzip des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland? Müsste man nicht, folgte man konsequent Leutheusser-Schnarrenbergers Philosophie, sofort etwas gegen die Ausstrahlung von Spielfilmen, Soaps und „Infotainmentformaten“ auf ARD & Co. tun? Was bliebe denn noch, wenn die Ö/R lediglich die Informations- und Qualitätslücken schließten, die die Privatsender hinterlassen? Richtig, Nachrichten und Dokumentationen, und eine Ausprägung dieser Nachrichten ist jene Tagesschau-App.

Vermutlich wäre uns allen mit einer umfassenden Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und einem damit einhergehenden Paradgimenwechsel auf das außenpluralistische Prinzip besser gedient.  Überlassen wir doch die seichte Unterhaltung den RTLs und PRO7s und investieren die Rundfunkgebühren in ein interessantes und vielfältiges Informations- und Nachrichtenangebot. Warum müssen ARD und ZDF Bundesligarechte kaufen? Warum gibt es Sendungen wie „Brisant“?

Bisher hielt ich unsere Justizministerin immer noch für die am wenigsten schlimme Politakteuse aber all das oben Geschriebene hatte Frau Leutheusser-Schnarrenberger sicher nicht im Kopf, als sie sich zu der zitierten Aussage hinreißen ließ. Das war pure Lobbyarbeit.