Von Blockwarten und Schrebergärten

Wer Schrebergartenbesitzer in seinem Bekanntenkreis oder selber ein solches Kleinod gepachtet hat, wird sicher schon von den dort herrschenden strengen Regeln, zumeist in Vereinssatzungen verschriftet, gehört haben.
Das Vereinstum als eines der Deutschen liebsten Kinder wird hier hemmungslos ausgelebt. Da wird unter anderem genau definiert, wie viel Fläche des Gartens der Erholung dienen darf und wie viel Prozent dem Obst- und Gemüseanbau gewidmet werden müssen. Ich zitiere mal einen der harmloseren Absätze der Vereinssatzung der “Gartenkolonie Inselblick e.V.” (Typos vom Verfasser):

3.3. Mindestens ein Drittel der Gesamtfläche des Gartens ist für den Anbau von Obst und Gemüse zu nutzen. Mindestens 10 % der Gesamtfläche des Gartens muss als zusammenhängende Fläche als Grabeland genutzt werden. Ausnahmen sind durch den Vorstand zu prüfen. Der Garten ist in einem gepflegten Zustand zuhalten. Naturnahe Flächen (Ökowiesen) sind erlaubt.

Und, wer hätte daran gezweifelt, natürlich gibt es auch ein Bundeskleingartengesetz, welches unter anderem regelt, wie eine Gartenhütte beschaffen sein muss oder dass die Kündigung eines Pachtvertrages der Schriftform bedarf.

Nun gut; des Menschen Wille ist sein Himmelreich und schließlich wird niemand gezwungen, einem Gartenverein beizutreten. Wer dies tut, der ist sich meistens der vorgenannten Umstände bewusst und nimmt diese in Kauf. Das verlangt unter Umständen sehr viel Toleranz und Nachgiebigkeit, denn insbesondere Vereinsvorsitzende solcher Gemeinschaften sind oft einem ganz besonderen Schlag Menschen zuzuordnen. Ohne jemandem persönlich nahe treten zu wollen, aber es hat ganz den Anschein, dass sich hier insbesondere Leute engagieren, die in der Vergangenheit in einer recht machtvollen Position tätig waren oder eben gerade nicht und sich nun in der Vereinsmeierei als Micro-Diktatoren austoben wollen. Dies führt unter Umständen zu ernsten Verwürfnissen und kann auch mal in gewalttätigen Auseinandersetzungen enden. Das ist sicher ein tragischer Einzelfall, aber auch das Sabotieren von Nachbars Hecke mit Herbiziden, so dass der Boden auf Jahre hin kontaminiert ist und kein Grashalm mehr wächst, ist schon vorgekommen und hat nichts mehr mit einem harmlosen, nachbarlichen Scharmützel zu tun.

Worauf will ich hinaus? Es hat ganz den Anschein, dass gerade eine neue Generation von solchen Vereinshitlern heranwächst – zumindest bekommt man den Eindruck, wenn man die aktuelle Diskussion um die Löschung diverser Wikipedia-Artikel verfolgt. Exemplarisch sei hier ein Beitrag von Fefe zum Thema genannt. Da das Interesse an der Kleingartenkultur bei diesen Leuten offenbar nur schwach ausgeprägt ist, haben sie sich ein eigenes Betätigungsfeld gesucht: Die Wikipedia. Vor allem in der Blogosphäre hat dieses Thema nunmehr so stark an Relevanz gewonnen, dass sich die hinter der Wikipedia stehende Wikimedia-Foundation zu einer Stellungnahme veranlasst sah. Die Aussagen, die man dort findet, mögen in großen Teilen sicherlich richtig sein und es ist unbedingt begrüßenswert, wenn die Wikimedia hier zur offenen Face-to-Face Diskussion einlädt! Was aber einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt, sind Aussagen wie diese (Hervorhebung von mir, Typos von Wikimedia ;-) :

Es ist für jemanden ohne lange Erfahrung innerhalb der Wikipedia enorm schwierig, sich mit den dortigen Regeln und der Form der Diskussion Vertraut zu machen. Häufig reden die Parteien aneinander vorbei, Argumente für das Löschen werden als “Zensur” beschimpft, Argumente für das Behalten eines Artikels als “Selbstdarstellung” oder “Werbung”; gelegentlich entgleist die Diskussion auch völlig. Hier treffen unterschiedliche Erfahrungen und unterschiedliche Stile aufeinander – und es ist nicht immer leicht für Neulinge, sich da zurecht zu finden und die Nuancen einer solchen Diskussion zu erfassen.

Ich selber habe bisher an nur wenigen Artikeln selber editiert; unter anderem deshalb, weil ich schon ein wenig, nennen wir es Repekt, vor den teilweise durchaus berechtigten, strengen Reglementarien der Wikipedia habe. Ich habe auch selten bis nie die stellenweise ausufernden Lösch- oder Qualitätsdiskussionen verfolgt, da habe ich wirklich besseres zu tun. Auch deshalb respektiere ich die Bemühungen, auch die der Admins, die unentgeltlich für ein wenig Ordnung im großenteils frei editierbaren Internetlexikon sorgen. Insofern zähle auch ich mich zur Gruppe der “Neulinge”, wie sie die Wikimedia nennt. Doch fehlt mir deshalb die Kompetenz, über den offensichtlichen Löschwahn einiger Weniger zu urteilen? Auf gar keinen Fall, denn ICH bin Nutzer der Wikipedia, und damit Teil von deren Zielgruppe! Dies darf bei der ganzen Debatte nicht vergessen werden, deshalb hier fett, kursiv und unterstrichen: Die Wikipedia ist für die Nutzer gemacht und kein Selbstzweck für Admins mit zu kleinem Piephahn! Niemand zwingt euch, liebe Admins mit kleinem Schniepel, bei der Wikipedia rumzutrollen. Wenn ihr irgend etwas kompensieren müsst, macht es so wie ich und schreibt ein Blog oder kauft euch einen pervers tiefergelegten 3er.

Und lasst mich am Schluss noch ein Beispiel rauskramen, was zurzeit viele tun, aber dieses finde ich besonders passend. Die Gruppe “weiße Rose” um Hans und Sophie Scholl hatte gerade einmal 6 Mitglieder (schreibt die Wikipedia ;-) Und ich möchte nicht erleben, dass mich später mal der eigene Nachwuchs (sollte es denn welchen geben) fragt, wer denn dieser Mogis war, der sich mit einer gewissen Frau von der Leyen angelegt hat, als es um das zweite Reichsermächtigungsgesetz Deutsche Internetzensurgesetz ging. So denn, den Link “Helft Wikipedia” habe ich zunächst ausgeknipst. Ich hoffe, dass man bei Wikipedia gründlich über das Thema Relevanz nachdenkt und vielleicht etwas vom toitschen Ordnungswahn abrückt. Dann binde ich vielleicht auch den Link wieder ein, auf den dann die vielen tausend Leser, die DS täglich besuchen *rofl*, klicken können :-)

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