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Was zu erwarten war: Friedrich fordert mehr Überwachung

Sonntag, 16. Dezember 2012

Man brauchte wirklich nicht in die Glaskugel zu blicken, um diese Reaktion unseres Innenministers (neben weiteren heißen Kandidaten wie Uhl und Schünemann) vorherzusehen:

Dieser Fall und die tödlichen Schläge gegen einen jungen Mann am Berliner Alexanderplatz zeigten, dass die Beobachtung und Aufzeichnung effizienter werden müsse (…)

Und wieder einmal frage ich mich: wer, glaubt Herr Friedrich, nimmt ihm diesen Mist eigentlich noch ab? Nehmen wir doch mal an, die Ermittlungsbehörden verfügten über Videoaufnahmen und Frontalfotos des Täters in 1080p, Farbe. Nehmen wir weiter an, die Bombe wäre korrekt zusammengebaut gewesen und tatsächlich explodiert. 1.000 wohlpositionierte Kameras hätten dies nicht verhindern können! Abschreckung? Die Kameras existieren! Vielleicht nicht in der Zahl und der Qualität, von der Herr Friedrich nachts träumt aber es wird überwacht und das hat den oder die Täter NICHT davon abgehalten, ihre Bombe zu platzieren und auszulösen.

Genau so wenig hätte es die Schläger vom Alexanderplatz davon abgehalten, den 20-jährigen Jonny totzuprügeln. Das kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, denn die meisten der in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Verbrechen ähnlicher Natur waren bestens per Video dokumentiert. Und den 19 mutmaßlichen Selbstmordattentäter vom 11.9. wäre es schlicht und ergreifend egal gewesen, wenn man von Ihnen Echtzeitvideos aus den entführten Flugzeugen direkt an die NSA gestreamt hätte. Was können Kameras dagegen ausrichten, wenn sich Politiker weigern einzusehen, dass man wenn überhaupt nur bei den Ursachen ansetzen könnte? Je entschlossener ein Täter ist, desto unwahrscheinlicher lässt er sich durch Überwachung oder Strafandrohung von seinem Vorhaben abbringen.

Man muss, auch wenn es manchmal schwer fällt, Politikern wie Hans-Peter Friedrich keine 1984-Allmachtsfantasien unterstellen; doch dann ist es immer noch in höchstem Maße populistisch, einen Aktionismus vorzutäuschen der am eigentlichen Problem vorbei geht.

Und by the Way, ich warte ja immer noch auf Konsequenzen aus dem NSU-Skandalkonglomerat, wo die „Sicherheitsbehörden“ genug Informationen hatten um den Tätern auf die Spur zu kommen. Aber wahrscheinlich haben im entscheidenden Moment einfach nur hochaufgelöste Videoaufzeichnungen gefehlt.