Die einen sehen ihn zunehmend ins Boulevardeske abrutschen – andere kritisieren mangelnden, kritischen Abstand hinsichtlich bestimmter Themenkomplexe: Den Spiegel.
Sebastian Fischers Artikel “Deutsche wünschen sich starke USA”, der mit der Subline “Amerika-Bild” getaggt ist, indiziert zumindest grobe handwerkliche Mängel an journalistischer Sorgfaltspflicht. Fischer beschreibt Meinungsbilder, die Europäer von Amerika haben und stützt sich dabei auf eine Studie. Nun muss man mit den Ergebnissen von Studien und Befragungen immer sehr, sehr vorsichtig sein. “Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.” soll angeblich Winston Churchill festgestellt haben. Nun muss man nicht gleich gefälschte Ergebnisse unterstellen. Denn guter Journalismus zeichnet sich meines Erachtens durch ein hohes Maß an Objektivität aus. Ein guter Journalist gibt dem Leser die Informationen, mit deren Hilfe er sich eine Meinung bilden kann.
Warum Sebastian Fischer nun in seinem Artikel lediglich den Titel der Studie nennt, jedoch mit keinem Wort den Auftraggeber, den “German Marshall Fund of the United States“, erwähnt, ist mir schleierhaft. Das muss sich der Leser selber zusammengooglen – was nicht schwer ist: Bereits der erste Treffer bei der Suche nach “Transatlantic Trends” führt zu der entsprechenden Website. Mit ein paar Klicks gelangt man auch zu den Ergebnisdaten, zumindest bis zu den Umfrageergebnissen von 2009.
Auffällig ist der Sprung bei den Antworten auf die Frage “Wie wünschenswert ist es, dass die Vereinigten Staaten von Amerika eine starke Führung in der internationalen Politik ausüben?”. Fanden dies ein Jahr zuvor lediglich 39% der Befragten “wünschenswert” bzw. “sehr wünschenswert”, kletterte das Ergebnis 2009 auf 65%. Obama-Effekt hin oder her – dass mehr als ein Viertel der Befragten ihre Meinung zur Führungsrolle der USA innerhalb eines Jahre um 180° wendet, erscheint dann doch fraglich. Dass dieser Trend trotz der Ernüchterung, die mittlerweile sicher bei vielen in Hinblick auf Barack Obamas Politik eingekehrt ist, nach wie vor anhält, erscheint dann geradezu unwahrscheinlich.
Das hier bei den Ergebnissen getrickst wurde, ist nun freilich reine Spekulation. So weit hätte der Journalist Fischer nicht gehen brauchen. Ein Link auf die Website des GMFUS hätte schon gereicht.


