Mit ‘ungarn’ getaggte Artikel

Ungarn installiert gerade ein Reichspropagandaministerium

Samstag, 25. Dezember 2010

Sehr bedenkliche Nachrichten lesen wir derzeit aus aus Ungarn: Viktor Orbáns Fidesz-Regierung, die das Parlament seit den letzten Wahlen mit einer Zweidrittelmehrheit dominiert,  möchte mit einem umstrittenen Gesetz die Berichterstattung im Land in geregelte Bahnen lenken. Geregelt heißt in dem Fall, dass eine Kontrollkommission sämtliche (!) Publikationen im Land kontrollieren und nicht genehmen Autoren Geldstrafen auferlegen darf. Offiziell spricht man von einer „ausgewogenen“ Berichterstattung – zwischen den Zeilen liest sich das Ganze wie eine klassische Zensurbehörde ohne jegliche parlamentarische Kontrolle.

Rechte im Aufwind

Einen Trend zum Rechts-wählen kann man in Ungarn bereits seit einiger Zeit beobachten. Dies manifestiert sich insbesondere in Form der ultra-nationalistischen Partei „Jobbik“. Jobbik bedeutet übersetzt so viel wie „besser“ – oder auch „rechter“; hergeleitet vom ungarischen Begriff für Rechts, „jobbra“.  Jobbik, die bei den letzten Wahlen über 16% der Stimmen erhielten, profitiert dabei von gesellschaftlichen Entwicklungen, die man auch in anderen Teilen Europas und insbesondere Osteuropas beobachten kann. Ökonomische Missstände lassen die Bevölkerung nach Schuldigen suchen und stärken nationalistische Tendenzen. Dies erkennen wir auch im eigenen Land, man denke nur an die aktuelle „Integrationsdebatte“.

Im Gegensatz zu Deutschland pendelt über den Ungarn jedoch kein Damoklesschwert der geschichtlichen Verantwortung. Die Ungarn sehen sich eher als Opfer der politischen Kämpfe des 20. Jahrhunderts. Zunächst zogen die Habsburger Ungarn durch die K&K-Monarchie auf die Anklagebank der Schuldigen des Ersten Weltkriegs, was zur Konsequenz hatte, dass das Land ca. zwei Drittel seines Territoriums verlor. Im Zweiten Weltkrieg geriet Ungarn wieder in die Reihen der Achsenmächte, es folgten bekanntermaßen 40 Jahre Diktatur als Satellitenstaat der UdSSR. Ausgerechnet die Ungarn waren es, die als erste die Grenzen zum Westen öffneten und damit den Untergang der kommunistischen Regime in Europa einläuteten.

Diese Einschätzung mag dem einen oder anderen etwas unkritisch erscheinen, aber ich schreibe dies aus der Perspektive der Ungarn selber – das Land ist schließlich so etwas wie meine zweite Heimat. Und nur wenn man die ungarische Perspektive versteht, begreift man die aktuellen politischen Tendenzen im Land.

Diese Tendenzen haben den ehemaligen Freidemokraten und jetzigen Rechtspopulisten von Fidesz an die Macht geholfen. Eine starke Demokratie muss auch mit einer solchen Mehrheitsentscheidung zurecht kommen. Kann sie das noch, wenn wichtige Instrumente der Meinungs- und Willensbildung unter parteiliche Aufsicht gestellt werden? Wir als Deutsche können diese Frage beantworten – vor allem über die Kontrolle der Medien konnte es der zunächst demokratisch gewählten Hitler-Regierung gelingen, Deutschland in die Diktatur zu führen.

Parallelen zur politischen Entwicklung Deutschlands in den 30er Jahren bieten sich auch deswegen an, da das Protestpotential in Ungarn gegen die geplanten Maßnahmen erstaunlich gering ist. Man ist froh, wenn man den Bauch voll bekommt – da gerät die Meinungsfreiheit auch gern mal auf die hinteren Ränge. Oder wie es jemand auf den Webseiten der Tagesthemen so repräsentabel kommentiert:

Die uneingeschränkte Pressefreiheit hat längst nicht nur Gutes gebracht. Viele Menschen sind nicht zu letzt durch sie zu Schaden gekommen, siehe Lady Diana.

Es ist natürlich völliger Blödsinn, den Tod von Lady Diana in den Zusammenhang mit der Pressefreiheit zu stellen. Die gute Frau kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben, der nicht passiert wäre, hätten sich alle Protagonisten an geltendes Recht gehalten. Aber es zeigt sehr deutlich, mit welcher Argumentation Menschen sich Situationen schönreden. Gleiches ist von der Mehrheit der Ungarn zu erwarten.

Ungarn soll am 1. Januar die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen. Wie Europa mit dieser Tatsache im Hinblick auf das geplante Zensurgesetz umgeht, wird viel über die Stärke der Europäischen Demokratie aussagen. Ich bin gespannt!

Kulinarium XIV: Csirke Paprikás

Mittwoch, 31. März 2010

paprikasDer kulturphilosophische Diskurs um das in Ungarn unbekannte „ungarische Gulasch“ wurde bereits an anderer Stelle geführt. So geht das richtig: ein wunderbares Csirke Paprikás mit Spätzle – ein Traum! Abweichend vom Original lediglich getuned mit einem Teelöffel Créme Doublé.

Beute

Sonntag, 10. Januar 2010

Leider ist der Auchan-Markt mit seinen über 50 Kassen, in dem ich diese Leckereien erstanden habe, mit knapp 1.000 km etwas zu weit weg für den Wochenendeinkauf 🙁

Kulinarium IX

Samstag, 09. Januar 2010

Was für ein Wetter… auch wenn der angekündigte Blizzard bisher ausgeblieben ist; es hat schon ganz ordentlich geschneit da draußen! Also nix mit Einkaufen fahren, der Mini-Supermarkt um die Ecke muss heute reichen.

Aber zuerst greife ich zum Basiskochbuch der ungarischen Küche, und bleibe beim ersten Fleischgericht stehen: Bakonyi Sertésborda soll es geben. Für die Kotlett nach Bakonyi-Art klopft und salzt man 2 Kotlett und wälzt sie in Mehl. Die Kotlett werden in der Pfanne scharf in Öl angebraten und zur Seite gestellt. Gemüsepaprika, Tomate, Schinkenspeckwürfel, Zwiebel und Pilze werden kleingewürfelt in der Pfanne angebraten. Dann mit Paprika bestreut und etwas Wasser aufgekocht. Man gibt die Kotlett dazu und lässt alles schön durchgaren. Am Ende rührt man saure und süße Sahne ein und kocht mit starker Hitze auf. Dazu reicht man Nockerln, Reis oder Nudeln.

Dieses einfache aber sehr schmackhafte Gericht kommt mit recht wenigen Zutaten aus, gerade deshalb sollte man hier auf Qualität achten. Ich musste wie gesagt mit dem Mini-Supermarkt klar kommen; deshalb gab es leider keine frischen Champignons, sondern tiefgefrorene Pilze. Die Kotlett waren OK, Paprika gab es nur aus Holland aber immerhin hatte ich eine echte, ungarische Zwiebel und einen Becher Téjföl, also ungarischen Sauerrahm. Daraus ließ sich dann doch ein anständiges Gericht zaubern, dem ich der Kälte wegen noch ordentlich Zunder in Form von Erös Pista gegeben hab. Dazu passt – wie ich finde – sehr schön ein spritziger Olaszrizling aus den Kellern von Gere Tamás, einem der bekanntesten ungarischen Winzer.

Jó étvágyat és egészségedre!

Von der Puszta will ich träumen

Mittwoch, 04. November 2009

So nennt sich ein von Zarah Leander gesungenes, wundervoll-melodramatisches Lied aus dem Vorkriegsfilm „Der Blaufuchs„. Das dort vermittelte, stereotype Bild von Ungarn hat auch 60 Jahre später noch Bestand, wie ich sehr oft feststelle. Die beliebtesten Vorurteile, die mir immer wieder begegnen, sind:

1. Ungarn = Puszta
Wer kennt nicht die romatisch-verklärenden Aufnahmen vom Csikós, der auf mehreren Pferden stehend vor einer Sonnenuntergangskulisse mit Ziehbrunnenschattenriss dahinreitet und dabei wild die Peitsche knallen lässt. Solche „typischen“ Landschaften findet man auf dem heutigen Staatsgebiet fast nur noch in der nördlichen Tiefebene. Und wenn einem dort ein Csikós begegnet, kann die nächste Reisegruppe nicht weit sein.

2. Ungarisches Gulasch
GIBT ES NICHT!eins!!ELF! Egal was unter der Bezeichnung auf dem Teller landet – so ein Gericht existiert einfach nicht. Aber: es gibt einerseits eine Reihe von Gerichten, die der Unkundige als Gulasch bezeichnen würde und andererseits ein Gericht, das zumindest namentliche Ähnlichkeit hat: Die Gulyás Leves (Gulyás-Suppe). Zu den Pseudo-„Gulasch“-Gerichten zählen: Pörkölt, Paprikás oder Borsos Tokány. Das allein stehende „s“ wird übrigens immer als „sch“ ausgesprochen.

Szegediner Gulasch (schlimmstenfalls „Tschegediner Gullasch“ ausgesprochen)
Unter dieser Bezeichnung wird gern ein profanes, deutsches Gulasch mit Sauerkraut serviert. Auch dies kennt der Ungar so überhaupt nicht. Vor allem sollte man diese Erfindung der deutschen Großgastronomie nicht mit dem wunderbaren „Szekely Kaposzta“ verwechseln. Dabei wird ein Pörkölt (also vom Schwein) mit Sauerkraut gemischt und Tejföl (so etwas ähnliches, wie saure Sahne) versetzt. Das ganze wird als Eintopfgericht mit frischem Weißbrot verzehrt.

3. Alles mit Paprika
Paprika ist in Gemüse- oder Gewürzform ohne Zweifel eine beliebte Zutat in der ungarischen Küche. Trotzdem kennt man dort auch eine ganze Menge an Gerichten, die ohne Paprika auskommen. Exemplarisch: Brassói aprópecsenye (Geschnetzeltes nach Kronstädter Art), Vadás (Schweinefilets in Gemüsesoße) oder Lángos (ölgebackenes Fladenbrot aus Kartoffelteig).

4. Ungarn gehört zum Balkan
Ungarn gehört weder zur Balkanhalbinsel noch wird das heutige Staatsgebiet vom Balkangebirge berührt.

5. Ungarisch ist eine slawische Sprache
Ungarisch ist eine finno-ugrische Sprache! Ungarisch gehört damit nicht zu den indo-germanischen, slawischen Sprachen wie Russisch, Bulgarisch, Polnisch, Serbisch usw. Prägend für das Sprachbild sind stark akzentuierte lange oder kurze Vokale (lange Vokale sind z.B.: á, é, í; kurze hingegen a, e, i, ö, ü, ä). Hier ein paar grundsätzliche Regeln:

  • s wird wie „sch“ gesprochen, wenn es alleine steht; „sz“ entspricht dem deutschen „ß“; „cs“ einem „tsch“; „zs“ als stimmhaftes „sch“ wie in „Journal“
  • das y wirkt wie ein Weichheitszeichen; gy wird wie dj gesprochen (Györ = Djör anstatt Giör), ny wie nj
  • die Konjugation erfolgt über das Anfügen von Suffixen, so wird aus dem Verb „vergessen“ / elfelej in der 2. Person Plural im Imperativ das wundervolle Gebilde elfelejetétek (habt Ihr vergessen)
  • es gibt im Ungarischen viele doppeldeutige Begriffe, z.B. idö (Wetter und Zeit), nap (Tag und Sonne); andere werden doppeldeutig, wenn man sie falsch ausspricht: Rendörség steht für Polizei, spricht man das e jedoch kurz, also Rendörsegg, würde dies auf grob unflätige Art und Weise das Gesäß des Polizisten beschreiben.

Mehr dazu bei ungarische-sprache.de

6. In Ungarn leben die meisten Zigeuner
Meint man damit das heutige ungarische Staatsgebiet, ist diese Aussage anzuzweifeln. Vermutlich leben derzeit mehr Roma auf dem Territorium des heutigen Rumänien. Nichtsdestotrotz stellen die Roma mit einem Bevölkerungsanteil von 5-10% (genaue Zahlen gibt es nicht) die größte ethnische Minderheit in Ungarn dar.

7. Alle wichtigen Erfindungen stammen von Ungarn
Das ist ein „Vorurteil“, welches vor allem die Ungarn selbst pflegen. Und ganz so falsch ist das ja auch nicht. Ungarn zeichnet sich für folgende Erfindungen maßgeblich verantwortlich:

  • Zündhölzer (Irinyi)
  • Kugelschreiber (Gebürder Biro)
  • Zeppelin (Schwarcz)
  • Telefonzentrale (Puskas; das deutsche Wort „hallo“ entstammt diesem Zusammenhang, als Puskas seine Anlage mit dem Wort „Halom“ getestet hat, was dem deutschen „Hört Ihr?“ oder „Hören Sie?“ entspricht)
  • Wasserstoffbombe (Teller)
  • Computer (Neumann) und BASIC (Kemény)
  • Atomreaktor (Szilárd)
  • Weltempfänger (Korda)
  • Glühbirne (Just / Hanaman / Bródy)
  • Holografie (Denes)
  • Fernsehen (Mihály)
  • Zauberwürfel (Rubik)

Fragt man einen Deutschen, so geht die Erfindung des Fernsehens natürlich auf Nipkow und die der Glühlampe auf Göbel zurück, wogegen ein US-Amerikaner lautstark protestieren und „Edison“ rufen würde. Auf keinen Fall sollte man sich auf solche Diskussionen mit Ungarn einlassen. Da kann man nur verlieren!

Die Frage nach dem Leben, dem Universum und allem

Samstag, 11. Juli 2009

Manche sind ja der Meinung, die Antwort lautet 42. Das ist allerdings falsch. Die Antwort auf diese Frage ist ein 2001er Tokajicum 5 Puttonyos Aszú zu einem Paprikás aus Schweinefilet. Ich könnte sofort auf die Knie fallen und weinen! Und nein, DAS Rezept verrate ich nicht! Niemals!111ELF!!!

Paprikas in Space

Sonntag, 13. Juli 2008