Mit ‘spiegel’ getaggte Artikel

Quotenossi

Montag, 03. Februar 2014

Irgendwie schaffe ich es seit ein paar Jahren, nach einer fröhlichen Runde an genau jenem Freitag im Jahr auf der Couch vor dem Fernseher zu sitzen, an dem RTL den Einzug in das „Dschungelcamp“ wiederholt. Meistens verliert sich meine Aufmerksamkeit nach einem kurzen Blick auf die Kandidaten und ich erwache mitten in der Nacht mit dem unguten Gefühl eine größere Menge an Gehirnzellen verloren zu haben.

Wer bei „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ einzieht, war entweder irgendwann mal ein „Star“ oder wäre gern einer. Ein Karrieresprungbrett ist die Sendung dabei für keinen der Protagonisten; allenfalls verschaffen sie sich einen ersten oder letzten größeren Schwung an Aufmerksamkeit, bevor sie mit etwas Glück Baumärkte und Autohäuser eröffnen dürfen.

Den einen oder anderen kennt man noch: Mola Adebisi moderierte bei VIVA, als dieser noch ein Musiksender mit durchaus anarchistischen Tendenzen war; Tanja Schubert kenne ich von „RTL Samstagnacht“. Winfried Glatzeder, den sie wie ich mich zu erinnern meine als „Don Juan der DEFA“ vorstellten, sprach von seinem „vielleicht letzten großen Abenteuer“ als Antwort auf die von ihm selbst gestellte Frage „Warum macht der das?“. Traurig.

Nun, die anderen Kandidaten bewegten sich zwischen „Name mal gehört“ und „wer zum Teufel ist das“. Offenbar fiel es auch dem SPIEGEL schwer, die Gewinnerin Melanie Müller in den richtigen Kontext zu setzen. Und so reduziert das Magazin das Erotikmodel auf eine ihrer wesentlichen Eigenschaften:

Nach einer letzten Prüfung (…) setzte sich die Ostdeutsche Melanie Müller überraschend als Dschungelkönigin durch.

Wenn man ein österreichiches Model ist, ist man auch beim Spiegel ein österreichiches Model. Wenn man Jochen Bendel ist, ist man einfach der „Ex-‚Ruck-Zuck'“-Moderator, aber wenn man aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen kommt ist man schlicht und ergreifend: Ostdeutscher.

Warum ich AdBlock nicht abschalte

Mittwoch, 15. Mai 2013

Ist man nicht gerade Medientotalverweigerer, kann einen diese Meldung nicht verfehlt haben: Angelina Jolie hat sich die Brustdrüsen entfernen lassen. Ja, Nein, Ja, Nein, Ooooooch!

Eine Meldung, die man natürlich in der BILD und deren Derivaten erwartet, in den „Frauen-Illus“, im Stern sowieso, auch im Focus und selbstverständlich trüge die prädestinierte Rubrik im Spiegel nicht den Scherznamen „Pornorama“ wenn sich nicht auch dort Platz für einen Tittengeschichte fände.

OK, man sollte den ernsten Hintergrund der Meldung nicht außen vor lassen. Die Schauspielerin lebt mit einem genetisch bedingt erhöhten Krebsrisiko. Nun ist auch überhaupt nichts verwerfliches dabei, im Zusammenhang mit der Meldung das Thema Brustkrebs zu thematisieren. Fraglich ist hingegen, warum der Spiegel 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 Artikel nebst Fotostrecke featured. Über den Artikeln wie generell über jedem Spiegel-Artikel prangt nun seit 2 Tagen ein auffälliges rotes Banner, das sich an die bösen AdBlock-Nutzer richtet und um das Abschalten des Werbeblockers bittet. Man müsse ja schließlich seine Kosten decken. Angesichts von satten 8 Artikeln für eine Meldung, die man auch mit 2 Artikeln gut hätte darstellen können muss ich natürlich davon ausgehen, dass die Einnahmen immer reichlich sprudeln.

Man könnte glauben, dass diese sich inhaltlich überschneidenden Beiträge vorrangig zum Ziel haben, mehr virtuelle Werbefläche anbieten zu können und die Klickraten zu erhöhen. Vielleicht könnte jemand vom Spiegel gegenargumentieren „ja das müssen wir machen, weil ihr kostenlos-mentalen AdBlocker unseren schönen Online-Spiegel für lau lest“. Nun stelle ich mir die Frage, warum der Spiegel eigentlich nicht bei Flattr mitmacht. Ich finde die Idee hinter Flattr ziemlich gut! Man klickt und bezahlt, wenn es einem gefällt. „Kasse des Vertrauens“ hieß das mal zu DDR-Zeiten wenn es sich nicht gelohnt hat, einen Blumenkohl zu 10 Pfennig von einer Verkäuferin veräußern zu lassen.

Anstatt sich um alternative Geschäftsmodelle zu bemühen greift man aber lieber zum Mimimi-Balken. Oder lässt sich per Gesetz von Google bezahlen.

Für Heise.de und Golem.de habe ich den AdBlock übrigens abgeschaltet. Nicht, weil sie mich darum gebeten haben. Sondern wegen der klaren Statements zum Leistungsschutzrecht.

Und weil der Spiegel ja kein Flattr macht, habe ich AdBlock für einen Artikel pausiert. Und zwar für jenen.

Abgestürzt

Sonntag, 25. März 2012

Die Saar hat gewählt. Mit für mich wenig überraschenden Ergebnissen:

  • die FDP schmiert erwartungsgemäß auf erniedrigende 1,8% 1,2% ab und kann folgerichtig als Wahlverlierer bezeichnet werden
  • die Linke büßt im Vergleich zur letzten Landtagswahl über 5% der Wählerstimmen ein und kann mit gutem Gewissen ein Verlierer der Wahl bezeichnet werden
  • die Grünen schaffen es nicht, die abflachenden Wellen der Anti-Atomkraft/Stuttgart21-Stimmung mitzunehmen und retten sich mit voraussichtlich 5% der Stimmen gerade so über die gleichnamige Hürde. Aus der Regierung fliegen sie raus. Man könnte sie mit etwas Häme Verlierer nennen.
  • Die CDU bekommt mit 35,2% die meisten Stimmen noch ein paar Nachkommaprozente mehr als bei der letzten Wahl und hat demzufolge die Wahlen im Saarland gewonnen.
  • Die Piraten feiern einen beachtlichen 8% Erfolg und ziehen erstmals in das saarländische Parlament ein. Damit verdienen sie sich zweifelsfrei die Bezeichnung eines Wahlgewinners.

Eine fehlt noch: die SPD. Sie erhält 30,6% der Stimmen und landet damit auf Platz 2 hinter der CDU. Sie verbessert ihr letztes Wahlergebnis um über 6%. Dem bekunden der beiden stimmstärksten Parteien wird die SPD zusammen mit der CDU eine große Koalition bilden und „nach zwölf Jahren (…) wohl wieder mitregieren“, wie der Spiegel richtigerweise feststellt. So, und wie nennt Björn Hengst das – und selbst Leute wie ich, die nichts mehr von der SPD halten, stimmen hier sicherlich zu – erfolgreiche Wahlergebnis der Saar-Sozis? Genau:

Das Piratenphänomen

Dienstag, 20. September 2011

Sonntag war „Wähl ’nen Piraten„-Tag in Berlin. Gestern war „Sprich wie ein Pirat„en-Tag. Spätestens heute beflissen sich nahezu alle deutschen Mainstream-Medien, das „Phänomen“ Piratenpartei zu analysieren. Ein hervorragender Anlass für eine kleine Presseschau.

Christian Stöcker betrachtet den Wahlerfolg auf Spiegel.de als Ergebnis von Unverständnis oder gar netzfeindlicher Gesinnung der meisten etablierten politischen Instanzen. Eine sehr realistische Einschätzung – gibt ihm doch die Reaktion so mancher Politiker Recht. Solche Wendemanöver versprechen jedoch ähnlich erfolglos wie Röslers Griechenland-Gebashe zu enden. Stöckers Kollegin Sybille Berg schwingt die Feminismus-Keule und identifiziert die Piratenpartei als Jung-Herrenclub

„[sie] verengen das Blickfeld, vernachlässigen Körper- und Familienpflege und arbeiten an etwas, das ihnen sinnvoll erscheint, aus welchen Gründen auch immer.“

Ob Frau Berg, die ihre Kolumne mit der Zeile „Warum gibt es eigentlich keine Frauenpartei?“ betitelt, eigentlich weiß, dass es sehr wohl eine Frauenpartei gibt?

Jörg Sundermeier zieht in der TAZ den naheliegenden Vergleich zwischen der Piratenpartei und den frühen Grünen. Eine gewisse Portion Neid (oder Furcht vor einer Erosion der Grünen?) meint man schon aus seinen Zeilen zu lesen – alleine ist er damit nicht. So bewies Renate Künast wenig politisches Feingefühl, sondern eher ein gehöriges Maß an Arroganz, als sie vor gut 2 Wochen die Piraten zu „resozialisieren“ verprach. Vielleicht gab sie damit ja noch ein paar weiteren Hundert ehemaligen Grünen-Wählern Anlass, ihre Stimme den Piraten zu geben. Wahscheinlicher ist jedoch, dass es mit den Piraten nun endlich die Alternative zu den schon lange von Realos beherrschten Grünen auf dem Wahlzettel gibt. Grün ist das neue schwarz.

Durchaus treffend erkennt Marcus Jauer in der Frankfurter Allgemeinen, wie hilflos die etablierten „Protestparteien“ nun anfangen zu schwimmen,

„Die Journalistenfrage, wie sich der Aufstieg der Partei erklärt, verstanden sowohl Linke als auch Grüne als Kritik am eigenen Programm und antworteten, auch ihre Partei „sei im Internet aktiv“ (Harald Wolf) oder sogar „netzaffin“ (Renate Künast).“

andererseits macht er deutlich, dass die Piraten keine „Internetpartei“ sind, sondern vielmehr im Internet ein wichtiges wenn nicht sogar das wichtigste Instrument zur Schaffung von Transparenz in der parlamentarischen Politik sehen.

Soweit reicht der Horizont Franz Josef Wagner freilich nicht. So attestiert er in seiner „Post von Wagner“ der „lieben Piratenpartei“, ihre Forderung nach Freiheit im Internet sei „super-idiotisch und lebensgefährlich.“ Das, Herr Wagner, erklären Sie dann aber bitte auch mal den Damen und Herren vom Bundesverfassungsgericht, die eben genau jene anlasslose Vorratsdatenspeicherung für verfassungswidrig erklärt haben. Überhaupt versucht(e) sich BILD darin, die Piratenpartei („Chaostruppe“, „Spaßpartei“) möglichst in ihr eigenes Biotop, die Gaga-Ecke zu lancieren. Mittlerweile ist man aber bei Springer etwas vorsichtiger geworden, und so avanciert der „1. Offizier der Piraten“ über Nacht zu „Berlins neuem Polit-Star„.

Ach ja, nun ratet mal, wer noch überhaupt nicht begeistert vom Berliner Wahlergebnis ist? Na? Richtig – unsere Brüder und Schwestern von Gottes Gnaden, denen die Forderung nach (im Grundgesetz verankerter) Säkularität bitter aufstößt. Ob solche Forderungen ihre Mehrheit finden werden, was evangelisch.de kategorisch ausschließt, wird die Zukunft zeigen.

USA! USA!

Mittwoch, 07. September 2011

Die einen sehen ihn zunehmend ins Boulevardeske abrutschen – andere kritisieren mangelnden, kritischen Abstand hinsichtlich bestimmter Themenkomplexe: Den Spiegel.

Sebastian Fischers Artikel „Deutsche wünschen sich starke USA“, der mit der Subline „Amerika-Bild“ getaggt ist, indiziert zumindest grobe handwerkliche Mängel an journalistischer Sorgfaltspflicht. Fischer beschreibt Meinungsbilder, die Europäer von Amerika haben und stützt sich dabei auf eine Studie. Nun muss man mit den Ergebnissen von Studien und Befragungen immer sehr, sehr vorsichtig sein. „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ soll angeblich Winston Churchill festgestellt haben. Nun muss man nicht gleich gefälschte Ergebnisse unterstellen. Denn guter Journalismus zeichnet sich meines Erachtens durch ein hohes Maß an Objektivität aus. Ein guter Journalist gibt dem Leser die Informationen, mit deren Hilfe er sich eine Meinung bilden kann.

Warum Sebastian Fischer nun in seinem Artikel lediglich den Titel der Studie nennt, jedoch mit keinem Wort den Auftraggeber, den „German Marshall Fund of the United States„, erwähnt, ist mir schleierhaft. Das muss sich der Leser selber zusammengooglen – was nicht schwer ist: Bereits der erste Treffer bei der Suche nach „Transatlantic Trends“ führt zu der entsprechenden Website. Mit ein paar Klicks gelangt man auch zu den Ergebnisdaten, zumindest bis zu den Umfrageergebnissen von 2009.

Auffällig ist der Sprung bei den Antworten auf die Frage „Wie wünschenswert ist es, dass die Vereinigten Staaten von Amerika eine starke Führung in der internationalen Politik ausüben?“. Fanden dies ein Jahr zuvor lediglich 39% der Befragten „wünschenswert“ bzw. „sehr wünschenswert“, kletterte das Ergebnis 2009 auf 65%. Obama-Effekt hin oder her – dass mehr als ein Viertel der Befragten ihre Meinung zur Führungsrolle der USA innerhalb eines Jahre um 180° wendet, erscheint dann doch fraglich. Dass dieser Trend trotz der Ernüchterung, die mittlerweile sicher bei vielen in Hinblick auf Barack Obamas Politik eingekehrt ist, nach wie vor anhält, erscheint dann geradezu unwahrscheinlich.

Das hier bei den Ergebnissen getrickst wurde, ist nun freilich reine Spekulation. So weit hätte der Journalist Fischer nicht gehen brauchen. Ein Link auf die Website des GMFUS hätte schon gereicht.

Schwein gehabt im Sommerloch!

Dienstag, 28. Juni 2011

Uiuiuiui… das war knapp!

Ein Gesteinsbrocken so groß wie ein Reisebus ist in 12.000 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeigeflogen – für kosmische Verhältnisse ein äußerst geringer Abstand.

So beteasert „Spiegel-Online“ heute einen Artikel, der uns darüber informiert, dass ein Asteroid in der Größe eines Reisebusses in 12.000 Kilometer Entfernung unseren blauen Planeten passiert hat. Klingt erst einmal dramatisch. Doch der Verfasser legt noch eine Kohle auf:

Für die Dinosaurier endete der Crash tödlich: Vor etwa 65 Millionen Jahren schlug ein mehrere Kilometer großer Asteroid auf die Erde ein und besiegelte das Ende der riesigen Lebewesen (…)

Wem spätestens jetzt noch kein kalter Schauer über den Rücken läuft, bitte mal die Hand heben. Die Kernbotschaft dieser Meldung erscheint übrigens erst im dritten Absatz:

Bei der Nasa geht man davon aus, dass ein derart kleiner Asteroid jedoch keinen Schaden anrichten würde, sollte er die Erde treffen.

Nun frage ich mich doch ernsthaft, warum SPON diese Meldung mit der Relevanz eines chinesischen Reissacks dennoch und ausgerechnet heute prominent auf der Startseite verlinkt. Die Spezialexperten für hochdramatische Nichtereignisse waren da ganze zwei Tage schneller!

…der werfe eine Ladung Steine!

Donnerstag, 12. Mai 2011

Ähm… vermutlich sollte ich den Titel dieses Blogs bald in Richtung „BILD-Blog“ abändern. Das unsympathische Käseblatt ist aber auch ein Quell nie endenden an den Kopf greifens.

Nachdem gestern mal wieder Deutschlands bekanntester Plagiator zaghaft hofiert wurde (siehe auch „Deutschlands dümmste Meinung„), ruft die BILD heute den Medienkrieg gegen den Spiegel aus.

Es geht um diesen Artikel, in dem Spiegel Redakteur René Pfister Horst Seehofer portraitierte. Dafür wurde ihm zunächst der Henri-Nannen-Preis verliehen – und nun aufgrund mutmaßlich unsauberer journalistischer Methoden wieder aberkannt.

Nun ist meine Meinung zum zunehmend in Richtung Boulevard abdriftenden Spiegel sicher nicht (mehr) die allerbeste. Allerdings spricht es Bände, von welch grotesker Absurdität das Selbstbild der Springer-Postille geprägt sein muss. Es würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, würde man die unzähligen Artikel aufzählen, in denen BILD nicht nur den Eindruck des „dabei Seins“ vermittelt hat, sondern dies schlicht behauptete. Mal unabhängig von den unzähligen, unwahren Tatsachenbehauptungen. Mal unabhängig von den unzähligen Rüfflern des Presserates, die BILD über die Jahre kassiert hat. Das kann man alles beim echten BILDblog nachlesen.

Aber – just for the Records; bevor man all zu hart über die Bigotterie von BILD urteilt: sie haben dafür ja andere Qualitäten. Zum Beispiel, wenn es mal wieder um Luftbildtotenschädel und Nazigold geht!

Drogen im Kaffee

Donnerstag, 07. April 2011

Vielleicht hat ja der Verzicht auf den morgentlichen Latte-Macchiato-Einlauf anlässlich des Weltgesundheitstages dem einen oder anderen Schreiberling das Hirn vernebelt. Von der BILD ist man ja so einiges gewohnt. Weniger verwunderlich als eher amüsant wirken daher auch die heutigen „Gewinner & Verlierer“ in der Berliner Krawallpostille, von ereignisblick sehr schön kommentiert.

Etwas erstaunt bin ich hingegen über diesen realitätsfremden Kommentar zur FDP bei Spiegel-Online:

Eine Marktwirtschaft braucht Politiker, die strenge marktwirtschaftliche Prinzipien vertreten.

Ja, es geht tatsächlich um die FDP. Genau – DIE FDP, die gerade in der aktuellen Legislaturperiode vor allem durch Klientelpolitik auf sich aufmerksam machte. Seitliche Arabeske: Norbert Blüm, der heutige BILD-Gewinner, hat vor drei Jahren mal sehr schön gegen die Lobbypolitik gerantet!

Spiegel-Online: Amnestie für MTV

Montag, 31. Januar 2011

Manchmal hat man einfach so ein Bauchgefühl. Man entdeckt beispielsweise einen Artikel, liest die Überschrift oder den Teaser und ahnt irgendwie bereits, was einen erwartet. Nein, es geht mal zur Abwechslung nicht um Deutschlands beliebtestes Einwickelpapier. Spiegel-Online schreibt heute über die „Teenager-Soap“ Skins, die offenbar in Nordamerika gerade für einige Schlagzeilen sorgt. Ausgestrahlt wird die Serie vom ehemaligen Musiksender MTV, der seit kurzem in Deutschland nur noch verschlüsselt zu empfangen ist. Eine segensreiche Entscheidung, wie ich bereits im Oktober anmerkte.

Wenn man sich die amerikanischen Quellen zu dem Thema genauer ansieht, wird bereits deutlich, dass es sich hier eher um eine B-Meldung denn um einen handfesten Medienskandal á la „Big Brother“ Staffel 1 handelt. Auto Marc Pitzke spart nicht mit lobenden Worten für die Serie, die tatsächlich 2008 eine „Rose d’Or“ abgestaubt hat.

Vielleicht ist ja mein Ironie-Detektor kaputt, aber diese „Kolumne“ liest sich eher wie ein PR-Beitrag direkt aus der MTV-Pressestelle. Wer MTV, mittlerweile zu Viacom gehörend, angesichts solcher Scripted-Reality-Katastrophen wie „Jersey Shore“ und „Scream Queens 2“ oder Trivia-Pseudodokus wie „40 Most Slimmed Down Celebrities“ ernsthaft als „Kult-Sender“ bezeichnet, der war entweder die letzten 15 Jahre kryokonserviert oder kennt den Sender gar nicht und hat das Wort aus einer Bravo mit Vanilla Ice auf dem Cover abgeschrieben.

Dass es mit MTV wirtschaftlich bergab geht, mag nicht nur der Tatsache geschuldet sein, dass Jugendliche heute kein Fernsehen mehr schauen. Das „Music Television“ hat vor Fernsehäonen seine Seele verloren und nie wiedergefunden. Vielleicht mag das Format, welches MTV in den 90ern zu dem machte, was es war (nämlich einem Kult-Sender; ohne Apostrophe) heutzutage in der „werberelevanten Zielgruppe“ nicht mehr funktionieren und man sollte nicht so streng mit den Geldverdienern von Viacom ins Gericht gehen. Nichtsdestotrotz ist das, was heute unter dem Label über den Äther flimmert nur noch eine Hülse, eine Marke. Und Marken brauchen Hype, Schlagzeilen. Ob negative oder positive. Pitzke stellt dann auch richtigerweise fest:

Der Wirbel um „Skins“ ist also einerseits ein durchsichtiger PR-Trick von MTV (…)

Und macht sich bzw. den Spiegel mit seiner Kolumne gleichzeitig zu einem Instrument der PR-Trickser. Ja, wir haben verstanden. MTV, den ehemaligen „Kult-Sender“. Und den Spiegel, das ehemalige Nachrichtenmagazin.