Mit ‘papst’ getaggte Artikel

Die Welt ist nicht genug

Freitag, 01. März 2013

Warum nicht gleich das ganze Universum?

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Liebe Tagesschauredaktion, zur Erinnerung: Ca. 6 Mrd. Menschen geht der katholische Papst am Arsch vorbei.

Mr. Unfehlbar

Dienstag, 26. Februar 2013

Wenn die BILD über den Papst und den Vatikan berichtet, wird es feierlich. Kerzen werden angezündet, die Luft beginnt zu flimmern. Weihrauchschwaden vernebeln den verklärten Blick.

Es muss den Qualitätsjournalisten von Springer offensichtlich schwer fallen, über die jüngeren Kirchenskandale im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen zu berichten. Ungewohnt nüchtern lesen sich die Artikel über bekannt gewordene Missbrauchsfälle. Auf das BILD-typische Vokabular („Sex-Bestie„, „Sex-Monster„) verzichtet das Blatt stets, wenn es sich beim Täter um katholische Geistliche handelt. Ebenso spart sich BILD die Suche nach Verantwortlichen. Wenn es um Stellungnahmen und Reaktionen geht, ist stets verallgemeinernd von „der Kirche“ die Rede.

Besonders der Vorstandsvorsitzende der in Linienorganisation strukturierten Glaubensgemeinschaft, Papst Benedikt, kam im BILD-Universum ohne einen Flecken auf der Soutane davon:

Auf der einen Seite das diffuse, namenlose Böse, auf der anderen Seite der Papst der die Ärmel hochkrempelt und aufräumt.

Wenig verwunderlich stimmt folglich die Lektüre des BILD-Artikels zu den jüngsten Missbrauchsvorwürfen gegen den britischen Kurienkardinal Keith O’Brien, der als Hardliner (ja, Link geht auf Fox-News!) im Kampf gegen gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften gilt.

So heißt es gleich zu Beginn:

Papst Benedikt XVI. (85) wollte nicht davonlaufen vor den Problemen. Er wollte den Stuhl Petri erst räumen, wenn sich die Wogen um die Vatileaks-Affäre und die Missbrauchsvorwürfe geglättet haben…

Nach der BILD-Logik läuft man also vor Problemen davon, wenn man als Konsequenz aus einem Skandal von seinem Amt zurück tritt. Lässt man Gras über die Sache wachsen, ist das natürlich in Ordnung. Ähm… nun ja. BILD nutzt übrigens die Chance, im Schatten des O’Brien Rücktritts auf die Spekulationen der „La Repubblica“ einzugehen, die bereits am Donnerstag über einen Zusammenhang zwischen dem Papst-Rücktritt und der Vatileaks-Affaire spekulierte.

Auslöser für den neuen Wirbel ist nun ein Bericht der Zeitung „La Repubblica“ (…), die seit Monaten im Clinch mit dem Heiligen Stuhl liegt, [die Zeitung] hatte zuvor schon mehrmals zurückrudern müssen.

BILD stellt die nun folgenden Vorwürfe zunächst also in den „richtigen“ Kontext.

Von Machtkämpfen und Karriere-Seilschaften in der Kurie schrieb die Zeitung, gar von einer einflussreichen „Schwulen-Lobby“.  Als wäre es im 21. Jahrhundert noch eine Nachricht oder ein Skandal, dass auch hinter den Mauern des Kirchenstaates Homosexuelle leben und arbeiten.

Ach! Plötzlich tut BILD so, als würde die ganze Diskussion zur Einstellung der katholischen Kirche gegenüber Homosexuellen überhaupt nicht existieren! Und als wäre im Titel des Artikels nicht die Rede von „bösen Gerüchten“. Was ist denn so „böse“ an diesen Gerüchten? Stimmt ja, diese Hetzmedien giften gegen den Papst und damit gegen uns (denn „Wir sind Papst“!)

Wie auch immer – Benedikts Abschied wird von diesen bösen Gerüchten überschattet. Verdient hat er das nicht!

Bigotterie ist ja nun „weiß Gott“ nichts neues, wenn es um BILD geht. Doch selten wurde sie in einem einzigen Artikel so anschaulich dargestellt.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

Freitag, 13. Juli 2012

Nochmal TITANIC: Das Thema ist mittlerweile auch bei BILD angekommen. Betitelt mit einer klassischen So-Headline („So diskutiert das Netz über die Papst-Satire“) hat BILD verschiedene Links zu Seiten veröffentlicht, die sich mit der durch den Vatikan initiierten einstweiligen Verfügung auseinandersetzen. Zu Udo Vetters Beitrag schreibt BILD-Kolumnist Görlach:

Ihr prominentester Vertreter, der Lawblogger Udo Vetter, räumt der Titanic im „Gerichtsprozess gegen den Papst schlechte Chancen ein“.

Nun findet sich weder das in Anführungszeichen gesetzte Zitat in Vetters Text wieder noch geht aus dem Beitrag in irgendeiner Art und Weise hervor, die TITANIC hätte bei einem Prozess „schlechte Karten“. Im Gegenteil; Vetter weist auf frühere Prozesse hin, die das Satiremagazin gewonnen hat:

In ähnlich religiösem Kontext hat übrigens vor Jahren schon Jürgen Klinsmann gegen die taz verloren.

Udo Vetters Fazit (von mir hervorgehoben):

Es wird spannend sein, ob der Papst unter diesen ungünstigen Auspizien tatsächlich gegen die Titanic vor Gericht zieht.

Der „Lawblogger“ ist so überzeugt davon, der Papst würde das Verfahren verliert, dass er bereits einen Nachtrag mit Hinweis auf eine Revision der einstweiligen Verfügung durch das Bundesverfassungsgericht mit Platzhalterdatum unter den Beitrag gesetzt hat.

So etwas fällt übrigens unter den Tatbestand der schlampigen Recherche, sollte aber von den gesetzlichen Regeln zur Pressefreiheit abgedeckt werden 🙂

Der Christ und die Pressefreiheit

Dienstag, 10. Juli 2012

Die „Titanic“ illustriert ihre aktuelle Ausgabe mit einem Foto des Papstes, auf dem selbiger mit einem gelben Fleck auf seiner Soutane abgebildet ist. Die Bildunterschrift „Undichte Stelle gefunden“ spielt dabei auf die „Vatileaks“-Affaire an; kürzlich wurde ein Informant enttarnt, der Vatikan-Interna an die Presse lancierte. Das Foto kann man lustig finden (ich habe sehr gelacht) oder geschmacklos. Ja sogar würdelos. Aber genau das muss Satire dürfen: überspitzen, übertreiben, Grenzen ausloten. Wenn man in einem Land aufgewachsen ist, in dem man für einen politischen Witz eine Gefängnisstrafe riskierte, findet man Presse- und Kunstfreiheit wahrscheinlich besonders wichtig. Man kennt es eben auch anders. Das Verhältnis der CSU zur Freiheit der Kunst ist hingegen ein gänzlich anderes:

Der Chefredakteur sei seines Berufes nicht würdig. Er persönlich würde ihm „die Lizenz zum Schreiben entziehen“, so Goppel weiter.

Astreine Demokraten, diese Leute von der CSU. Wahrlich.

Potjemkinsche Ränge

Donnerstag, 15. September 2011

Die BILD findet es peinlich: Bis zu 100 Abgeordnete wollen der Papst-Rede im Bundestag am 22.9. fern bleiben. Die Tatsache, dass es sich wohl ausschließlich um Fraktionsmitglieder von SPD und Linkspartei handelt, treibt die Empörung des journalistischen und hauptberuflichen Klerus in ungeahnte Höhen:

„Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages müssen sich der Wirkung dieser Art von Protest im Ausland bewusst sein: Sie verstärken dadurch das Bild vom ‚hässlichen Deutschen‘, das leider immer noch existiert.“

Ich habe ja auch so einige Bilder im Kopf… von katholischen Seelsorgern, die sich an Kindern vergreifen; Pfaffen, die gegen Homosexuelle hetzen; einem Papst, der Kondome verteufelt und sich damit indirekt mitschuldig am Aidstod Tausender zwangsmissionierter, armer Seelen macht.

Vor allem aber habe ich Bilder im Kopf von Staatsbesuchen zu Zeiten der DDR, als hektisch Fassaden gepinselt und Schlaglöcher geflickt wurden. Wer in letzter Zeit die Baumaßnahmen in der Erfurter Innenstadt beobachtet hat, fühlt sich an genau jene Zeiten erinnert.

Die Strategie der Fraktionen, das Bild vom „hässlichen Deutschen“ gerade zu rücken besteht übrigens darin, die leeren Plätze mit Pappkameraden Bundestagsmitarbeitern und ehemaligen Abgepordneten zu füllen.

Wie peinlich!

Gegen den Papstwahn: Demos am 23. und 24. September

Freitag, 05. August 2011

Im Rahmen des Papstbesuches wurden in Erfurt zwei Demonstrationen angemeldet. Am 23. und 24. September 2011 finden auf dem Bahnhof bzw. Anger Veranstaltungen unter dem Motto „Heidenspaß statt Höllenangst“ statt. Ich hoffe, es finden sich möglichst viele Ketzer ein, um „der Welt“ zu zeigen, dass in Erfurt die Vernunft das Sagen hat und nicht eine anachronistische Sekte, die Kinderschänder deckt, Homosexuelle diskriminiert und das Geld ihrer dummen Schafe zum Fenster hinaus wirft, anstatt die Hungrigen zu füttern – wie sie es doch so gern selber behaupten! Manch einer macht sich übrigens schon Gedanken über das Image unserer Landeshauptstadt:

„Ich halte es für eine Katastrophe, wenn an einem derart historischen Tag demonstriert wird.“

Sagt zum Beispiel Rechtsanwalt Spilker, Vorstandsvorsitzender des Vereins City Management Erfurt. Na dann hoffen wir mal auf ein katastrophales Septemberwochenende! Weitere Informationen: http://papstabschaffen.blogsport.de/demokundgebung/

Via TLZ

Verordnete Freude

Sonntag, 20. März 2011

Der Chef der größten christlichen Sekte größten internationalen Schwulenorganisation Knabenfreunde katholischen Kirche, Papst Bededikt, wird im September Erfurt besuchen. Erfurt.de titelt:

Erfurt freut sich auf den heiligen Vater

Veto! Auch ich „bin“ Erfurt. Und ich freue mich überhaupt nicht! Wegen mir kann der Kerl bleiben, wo der Pfeffer wächst! Ich schlage vor, man schenkt sich die ganze Besuchsgeschichte und spendet das Geld, was man für Polizeieinsätze etc. spart, lieber einem Fond zur Unterstützung von Mißbrauchsopfern der katholischen Kirche.

Der Papst poltert

Freitag, 17. September 2010

„Unser“ Papst Joseph Ratzinger trat diese Woche seine schwierige Missionsreise in das eher Rom-kritische Großritannien an. Nun dachte sich der ältere Herr, man könne bei den Briten punkten, indem man auf die Nazis schimpft:

Ratzinger sagte auch, noch zu den Lebzeiten könne man sich an den Widerstand Britanniens und ihrer Führer gegen die Nazi-Tyrannei erinnern, welche “Gott aus der Gesellschaft auslöschen” wollte und die gemeinsame Menschlichkeit mit vielen anderen, besonders den Juden, ablehnte.

Ratzinger stellt damit, wie schon der eine oder andere Würdenträger vor ihm, die seines Erachtens „aggressiven Formen des Säkularismus und atheistischem Extremismus“ in einen direkten Kontext mit der faschistischen Ideologie des 20. Jahrhunderts.

Nun ja, bei dem Thema kennt sich der Mann unzweifelhaft aus, genau wie die Organisation, der er dient.

Ein Kapitän verlässt als Letzter das sinkende Schiff!

Montag, 15. März 2010

Im übertragenen Sinne gilt diese Weisheit auch für Unternehmen, für die Politik und nicht zuletzt auch für andere gesellschaftliche Systeme und Organisationen. „Im übertragenen Sinne“ bedeutet hier übrigens nicht, dass der Chef zuletzt seinen Stuhl räumt, sondern dass er Verantwortung für seine Organisation und damit für die Organisationsmitglieder trägt. Manchmal nicht ganz uneigennützig; so ist es doch zumindest ein Zeichen von Demut, auch für das Handeln seiner Mitglieder Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung kann jedoch nur der übernehmen, der sich der eigenen Fehlbarkeit bewusst ist. Und fehlbar sind alle Menschen. Alle, außer einem. Der ist nämlich je nach Kontext unfehlbar. Denn er redet mit Gott. Persönlich! Und steht damit über den Dingen. Auch denjenigen gegenüber, die gedemütigt wurden.