Es gibt ja seit kurzem eine neue, unheilige Allianz zwischen der “Kreativwirtschaft”, wie sich die Produzenten medialen Einheitsbreis in schönstem Neusprech mittlerweile nennen, und der Gewerkschaft ver.di.
So verkündete man heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz, wie man sich künftig den Staat als Steigbügelhalter zur Verfolgung raubender und mordender Internetdownloadhorden vorstellt. Neben dem althergebrachten Gedöns von Umsatzeinbrüchen und Arbeitsplatzverlusten kam Christiane Wahlert von der SPIO dann allerdings mit einem Argument um die Ecke, dass aufgrund mangelnder Stringenz durchaus erwähnenswert ist:
Das Kino sei mit dem gegenwärtigen 3D-Boom zwar wieder attraktiv geworden. Fast alle großen Filme seien aber vor, während oder nach den Kinostarts illegal im Netz zu erhalten. Der Bushido-Film “Zeiten ändern dich” des Studios Constantin sei beispielsweise außerordentlich gut gestartet, dann sei der Kinobesuch aber jäh abgebrochen. Parallel habe der Streifen die “Bestseller”-Listen bei rechtswidrigen P2P-Netzen oder Streaming-Seiten angeführt.
Da hat sich die gute Dame genau die richtige Argumentation herausgegriffen. Der Streifen bringt es bei imdb auf satte 2 Sterne. Damit unterbietet er tatsächlich noch solche Knüller wie “Afghan Knights” – ehrlich einem der beklopptesten Filme, die ich in den letzten 10 Jahren anschauen musste. Dass der offensichtliche Mangel an Qualität für den Besuchereinbruch verantwortlich ist, muss den Leutchen der SPIO wohl zu abwegig erscheinen. Ebenso, dass voreilig geschlussfolgerte Dependenzen nicht unbedingt stimmen müssen. “Avatar” zum Beispiel, der erfolgreichste Film aller Zeiten (nach Umsatz), spielte seine Rekordergebnisse ein, obwohl er in den “zynischen” P2P Charts auf Platz zwei gelandet ist.
Aber früher war eben doch alles besser. Da sind die Leute eben in’s Kino gerammelt und haben sich hinterher über das vergeudete Eintrittsgeld geärgert. Und da die Mundpropaganda eben etwas länger brauchte, als der Diskurs im Internet, hatte die Filmindustrie einfach mehr Zeit, Kohle abzugreifen und davon wiederum neue, billige Machwerke auf den Markt zu werfen. Klar, dass denen das nicht passt, dass sich Leute eine eigene Meinung bilden und diese verbreiten. “Gangsta-Rapper” Bushido, dem das Outlaw-tum doch eigentlich inne wohnen sollte, sieht das offenbar ähnlich, wie man bereits vor 2 Jahren beobachten konnte.
Tja – schlimme Sache, wenn man plötzlich im Wettbewerb steht.
