Manchmal hat man einfach so ein Bauchgefühl. Man entdeckt beispielsweise einen Artikel, liest die Überschrift oder den Teaser und ahnt irgendwie bereits, was einen erwartet. Nein, es geht mal zur Abwechslung nicht um Deutschlands beliebtestes Einwickelpapier. Spiegel-Online schreibt heute über die “Teenager-Soap” Skins, die offenbar in Nordamerika gerade für einige Schlagzeilen sorgt. Ausgestrahlt wird die Serie vom ehemaligen Musiksender MTV, der seit kurzem in Deutschland nur noch verschlüsselt zu empfangen ist. Eine segensreiche Entscheidung, wie ich bereits im Oktober anmerkte.
Wenn man sich die amerikanischen Quellen zu dem Thema genauer ansieht, wird bereits deutlich, dass es sich hier eher um eine B-Meldung denn um einen handfesten Medienskandal á la “Big Brother” Staffel 1 handelt. Auto Marc Pitzke spart nicht mit lobenden Worten für die Serie, die tatsächlich 2008 eine “Rose d’Or” abgestaubt hat.
Vielleicht ist ja mein Ironie-Detektor kaputt, aber diese “Kolumne” liest sich eher wie ein PR-Beitrag direkt aus der MTV-Pressestelle. Wer MTV, mittlerweile zu Viacom gehörend, angesichts solcher Scripted-Reality-Katastrophen wie “Jersey Shore” und “Scream Queens 2″ oder Trivia-Pseudodokus wie “40 Most Slimmed Down Celebrities” ernsthaft als “Kult-Sender” bezeichnet, der war entweder die letzten 15 Jahre kryokonserviert oder kennt den Sender gar nicht und hat das Wort aus einer Bravo mit Vanilla Ice auf dem Cover abgeschrieben.
Dass es mit MTV wirtschaftlich bergab geht, mag nicht nur der Tatsache geschuldet sein, dass Jugendliche heute kein Fernsehen mehr schauen. Das “Music Television” hat vor Fernsehäonen seine Seele verloren und nie wiedergefunden. Vielleicht mag das Format, welches MTV in den 90ern zu dem machte, was es war (nämlich einem Kult-Sender; ohne Apostrophe) heutzutage in der “werberelevanten Zielgruppe” nicht mehr funktionieren und man sollte nicht so streng mit den Geldverdienern von Viacom ins Gericht gehen. Nichtsdestotrotz ist das, was heute unter dem Label über den Äther flimmert nur noch eine Hülse, eine Marke. Und Marken brauchen Hype, Schlagzeilen. Ob negative oder positive. Pitzke stellt dann auch richtigerweise fest:
Der Wirbel um “Skins” ist also einerseits ein durchsichtiger PR-Trick von MTV (…)
Und macht sich bzw. den Spiegel mit seiner Kolumne gleichzeitig zu einem Instrument der PR-Trickser. Ja, wir haben verstanden. MTV, den ehemaligen “Kult-Sender”. Und den Spiegel, das ehemalige Nachrichtenmagazin.
