Mit ‘journalismus’ getaggte Artikel

Link-O-Rama zum Wochenende

Freitag, 21. Januar 2011

“Der Journalismus siecht”
Die Zeit-Online berichtet über die Entscheidung des Leipziger Institutsrats der Kommunikations- und Medienwissenschaftler, den Fokus der Ausbildung weg vom Journalismus hin zur PR zu hieven.

Der Putz ist ab
Wer bisher trotz allem noch glaube, unser Herr Baron sei eine positive Ausnahmeerscheinung in der deutschen Politiklandschaft, sollte sich endlich eines besseren belehren lassen. Zu Guttenberg wieselt sich aus der Kritik an der Informationspolitik seines Ministeriums.

Wutbürger und die Massentierhaltung
Der Dioxinskandal bewegt vielleicht doch ein paar mehr Menschen, über die selbstverschuldete Industrialisierung unsere Ernährung nachzudenken. Die Verbraucherschutzministerin Aigner schenkt uns derweil kalten Kaffee ein.

Hard-Rock-Win
Ein 13-jähriger Norweger berichtet, er habe 4 Wölfe, die ihm auf dem Heimweg auflauerten, mit dem Lied “Overcome” der Hard-Rock-Band Creed vertrieben. Das rockt!

Seitenwechsel
Mehr als nur ein Buchstabe: der Bürgermeister einer Gemeinde in Sachsen-Anhalt wechselt von der SPD zur NPD.

Eine große Tüte Mitleid

Dienstag, 23. März 2010

Frank Patalong stimmt im gestrigen Spiegel-Online in den Trauerchor um den vielbeschworenen Niedergang des Qualitätsjournalismus im Netz ein. Man kann nun über die formulierten Thesen (hier genannt “Symptome der Medienkrise”) denken was man will. Spätestens am Ende der ersten Seite des Artikels sollte der aufmerksame Internetauskenner jedoch stutzig werden:

Aus Onliner-Sicht fehlt nur noch ein Punkt, den Online-Medien höchst ungern thematisieren: Werbeblocker – Programme, die Werbung aus Web-Seiten ausblenden. [...] Der inzwischen 16 Jahre alte Deal zwischen Online-Medien und Mediennutzern lautet eigentlich so: Wir liefern Ihnen kostenfrei Inhalte, und Sie sehen sich dafür im Umfeld Werbung an.

Achso? Hey, ich habe niemals sowas unterschrieben! Und wie kommt Patalong überhaupt zu der Feststellung, das sei ein “inzwischen 16 Jahre alter Deal”? Ah ja: 1994 ging der Spiegel, nun, online. Vorher: Vakuum. Da gab es ja gar kein Internet. Jedenfalls nicht so richtig. Nur so ein paar Technikspinner, die sich HTML-Dokumente und Usenet-Posts um die Ohren gehauen haben. Dann kam Spiegel-Online und alles wurde gut, oder wie? Nun, nicht ganz, wie der noch nicht gelöschte Wikipedia-Artikel zum Thema verrät:

Das Entstehen eines kommerziellen Marktes für Internetanbieter anzuregen und zu fördern, war eines der Ziele der NSFnet-Initiative. [...] Die kommerziellen ISPs sollten Ende der 80er den Erhalt und Ausbau des Internet von den Universitäten und Forschungbehörden übernehmen. Dadurch entstand auch ein bedeutender Markt für internetbasierte Produkte.

So kannte ich das bisher auch, dass die kommerzielle Bedeutung des Internet über die Bereitstellung und Vergütung von technischer Infrastruktur wuchs. Doch dann kam irgendjemand auf die Idee, das Internet (genauer gesagt, das Usenet) für den ersten Werbespam zu nutzen. Von da an gab es kein Halten mehr. Javascript wurde zum Liebling der kommerziellen Penetranten und damit zum Feind vieler Internetnutzer, die Scripting einfach deaktiviert haben. Schuld daran waren vor allem: Popups. Und so kann folgende Feststellung eigentlich kaum verwundern:

Paul Mudter, Vorsitzender des Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW): “Wir gehen davon aus, dass rund 50 Prozent der deutschen Internetnutzer einen Pop-up-Blocker aktiviert haben. [...]

Genau! Sogar die Internet Explorer besitzen mittlerweile von Hause aus einen Popup-Blockierer.

[...] Allerdings spielen Pop-ups im Bereich der Online-Werbung nur noch eine untergeordnete Rolle. Komplette Werbeblocker kommen dagegen deutlich seltener zum Einsatz.”

Gesprochen wie ein wahres Wunderkind. Das sind nämlich genau die Mechanismen, die im hochreaktiven WWW geradezu vortrefflich funktionieren und die Grundlage für unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem darstellen: Angebot und Nachfrage. Actio und Reactio. Ein Produkt, das der Markt nicht möchte, wird sich nicht durchsetzen. Und manchmal passiert es eben auch, dass sich ein Produkt selber überlebt, als Beispiel sei hier die Polaroid-Kamera genannt. Es war früher ein famoser Spaß, Fotos zu schießen, die man sich 5 Minuten später anschauen konnte – und das trotz der mitunter bescheidenen Qualität der Bilder und der sauteuren Filmkassetten. Man stelle sich nun vor, Polaroid hätte den abtrünnigen Käufern vorgeworfen, durch den Kauf von Digitalkameras den Markt für Polaroid-Kameras zu zerstören.

Man beachte bitte das Henne-Ei-Prinzip. Nur weil ihr, liebe Werbeerlössuchende “Journalisten” meint, uns Internetnutzer mit blinkenden, tönenden, vollflächigen Flash-Orgien vom eigentlichen Inhalt eures Angebotes abzulenken zu müssen, brauchen wir das noch lange nicht gut finden. Ihr müsst es endlich begreifen, nach 16 Jahren: Das WWW ist mit NICHTS vergleichbar, was es vorher gab. Jeder kann publizieren. Jeder kann sich die angebotenen Inhalte so umbiegen, wie es ihm passt. Im Notfall eben mit Lynx. Ihr verliert euer Informationsmonopol! Den elitären Club, der vor dem Newsticker sitzt und Meldungen interpretiert, gibt es nicht mehr! Warum tut ihr immer noch so, als gehe es euch um die “Freiheit von Informationen”, Meinung für alle. Ihr seid nicht die verdammte Jeanne d’Arc, ihr wollt einfach nur Kohle machen. Nichts anderes indiziert doch die wirtschaftliche Konzentration der Medienanbieter, die man seit Jahren beobachten kann. Man kann in Thüringen drei große Tageszeitungen lesen und sicher sein, dass immer dieselbe Mischpoke dahinter sitzt, mit allen negativen Folgen. Mit den Idealen des Journalismus habt ihr doch schon lange nichts mehr am Hut – Inhalt ist zum Träger für Werbung verkommen. Und ihr wurdet immer gieriger, wollt natürlich auch im WWW große Kasse machen. Keine Druckkosten, keine Logistik, dafür ungeahnte technische Möglichkeiten, den Nutzer mit Produktinformationen zu beschießen.

Jetzt setzt ihr euch wie ein verzogener Kevin vor das Bonbon-Regal im Supermarkt und trommelt mit den Fäusten auf den Boden! So wird das nicht funktionieren! Seid flexibel! Seid kreativ! Bewegt etwas! Sonst endet ihr wie die Musikindustrie und müsst eure eigene Kundschaft kriminalisieren. Oh ja, macht ihr ja schon längst.

Was bleibt? Eine letzte Frage, die Herr Patalong stellt:

Wann schalten Sie Ihren Werbeblocker ab?

Ich antworte: From my cold, dead hands!

Was bin ich froh, dass ich kein "Promi" bin!

Mittwoch, 10. März 2010

Ernsthaft. Nicht nur, weil ich der Meinung bin, dass zu viel Geld und öffentliche Aufmerksamkeit den Charakter versauen (siehe vorher / nachher Vergleich…). Auch, weil man als sog. “Promi” so etwas wie “Societyexperten” (WTF? Müssen die eigentlich auch in die IHK?) und natürlich die BILD an der Gesäßbacke kleben hat wie Schmeißfliegen in einem besudelten Bahnhofsklo. Man hat letztendlich 2 1/2 Möglichkeiten, wie man mit dem, nennen wir das Kind gleich beim Namen, Springer-Meinungskonsortium umzugehen hat. Zum einen wäre da die Thomas-Gottschalk-Ganzkörperprostitution. Die funktioniert, indem man möglichst oft und offenherzig über sein vermeintliches Privatleben informiert. Damit kann man sich die Bratwurst-Journaille so halbwegs vom Leib halten, wenn man wirklich mal tief im Schlamassel steckt.
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