Mit ‘internet’ getaggte Artikel

Medienkompetenz bei BILD-Online

Montag, 05. Dezember 2011

Heute zu lesen:

Ich meine: Um-bruch

“…feige in die Anonymität flüchten”

Mittwoch, 07. September 2011

Erzbube Uhl kann’s einfach nicht lassen:

“Wir brauchen eine solche Kultur der Offenheit und keine Foren oder Netzwerke, in denen man sich feige in die Anonymität flüchten kann”

Uhl und sein Amigo Krings kritisieren mit diesem Kopfschüttel-Statement die Forderung der Unterzeichner eines offenen Briefes an Google, Pseudonyme im sozialen Netz “Google+” zu erlauben.

die Entscheidung darüber liege letztlich beim Betreiber der Online-Plattform

…und die Entscheidung, eine solche Plattform zu nutzen, liegt beim Nutzer. Schon klar. Die Entscheidung, wer die Interessen der Bürger in einer parlamentarischen Demokratie vertreten darf, liegt übrigens beim Wähler. Ich hoffe, dass solche Konsorten wir Herr Uhl bald von der politischen Bildfläche verschwinden. Solche Politiker brauchen wir wirklich nicht!

Gesellschaftsphilosophie nach Friedrich

Sonntag, 07. August 2011

Na, wie war der Guten-Morgen-Kaffee? Hat das Brötchgen geschmeckt oder steht der Sonntagsbraten bereits auf dem Tisch? Dann solltet ihr diesen Spiegel-Artikel vielleicht lieber nicht lesen. Euch könnte ziemlich übel werden.

Innenminister Friedrich verbreitet im Zusammenhang mit dem Norwegen-Attentat wirre Forderungen:

“Politisch motivierte Täter wie Breivik finden heute vor allem im Internet jede Menge radikalisierter, undifferenzierter Thesen, sie können sich dort von Blog zu Blog hangeln und bewegen sich nur noch in dieser geistigen Sauce”

Bin ich denn ein hoffnungsloser Träumer, wenn ich erwarte, dass ein “Spitzenpolitiker” insbesondere bei solch sensiblen Themen fundierte Thesen äußert, anstatt irgendwelchen populistischen Durchfall zu fabrizieren? Helfen wir dem Mann auf die Sprünge. Was er hier in BILD-Vokabular beschreibt, könnte man im weitesten Sinne den Mechanismen kognitiver Dissonanz zuordnen. Hat man eine bestimmte Meinung verinnerlicht, sucht man nach Bestätigung dieser Meinung. Nachrichten, Meinungen, Tatsachen, die dieser Meinung widersprechen, werden bewusst und unbewusst gemieden. Ein Raucher wechselt den Sender, wenn über die Gefahren des Rauchens berichtet wird. Ein Innenminister holt den Phrasendrescher raus, wenn er keine Argumente hat:

Die Grundsätze der Rechtsordnung “müssen auch im Netz gelten”, Blogger sollten “mit offenem Visier” argumentieren.

Da war er wieder, der “rechtsfreie Raum” Internet. Angesichts solcher Argumentationsketten kann man an dieser Stelle getrost aufhören, sich mit Friedrichs Thesen auseinanderzusetzen. Man käme zu keinem sinnvollen Ergebnis. Genauso gut könne man versuchen, einen Höhlenmenschen davon zu überzeugen, dass ein Fernseher kein Voodoo-Zauber ist.

Jemand, der eine bestimmte Meinung vertritt und willens ist, diese Meinung zu verbreiten und andere davon zu überzeugen, wird immer einen Weg finden. Dazu braucht es kein Internet. Und ob anonym oder nicht: Leuten wie Hitler oder David Koresh ist es schließlich auch gelungen, eine Anhängerschaft für ihre wirre Philosophie zu aktivieren. Man schafft Meinungen nicht aus der Welt, indem man sie verbietet. Eine Lektion, die bisher noch alle Unrechtssysteme lernen mussten.

Interessant ist übrigens auch folgende Feststellung Friedrichs:

“Die Sarrazin-Debatte hat gezeigt, dass es zum Thema Islam eine Stimmung und einen Gesprächsbedarf gibt, die sich weder in der veröffentlichten Meinung noch in der Politik widerspiegeln”

Nicht doch! Das hätte jetzt wirklich keiner ahnen können, dass es in unserer Gesellschaft islam- und ausländerfeindliche bzw. rechtsradikale Gedankenströme gibt. Das ist Herrn Friedrich erst durch Thilo Sarazzin bewusst geworden? Dann muss ich mich ernsthaft fragen, in welchem Dornröschenschloss hat der CSU-Politiker denn bisher gelebt? Nun gut, immerhin spricht er von “veröffentlichter” und nicht “öffentlicher” Meinung. Irgendwie erinnert mich Friedrich gerade an die Polit-Spitze der sterbenden DDR, die überrascht feststellen musste, dass das Volk die Schnauze voll hatte vom real-existierenden Sozialismus. Auch ein schönes Beispiel übrigens, dass sich Menschen nur noch in “einer geistigen Sauce” bewegen und damit am Ende ein System stürzen konnten. Vielleicht ist es ja das, wovor unser Innenminister Angst hat. Wollen wir hoffen, dass das nicht jenen gelingt, die Friedrich vorgibt bekämpfen zu wollen.

Schönen Sonntag noch!

Mediales Mittelalter

Dienstag, 12. Juli 2011

Google würde seine erfolgreiche Videoplattform “Youtube” gern zu einem Live-Streamingportal ausbauen. Auch in Deutschland. Das wird wohl vorerst nichts:

Wer ohne Erlaubnis durch die Medienanstalten als Rundfunkveranstalter auftritt, dem droht in Deutschland ein Bußgeld von bis zu 500.000 Euro. Einen Zulassungsantrag habe Google aber noch nicht gestellt.

Zum Verständnis dieses Umstandes sollte man sich die wortwörtliche Bedeutung des Begriffs “Rundfunk” vor Augen führen. Einst war die Regulierung des Rundfunks der Tatsache geschuldet, dass Frequenzen ein knappes Gut waren und jemand einfach festlegen musste, wer wann auf welchem Band was funken darf.

Dann entdeckte man den Rundfunk als Erlösmodell und Instrument der Meinungsmache. Und hält deshalb krampfhaft an der Regulierung fest – alles natürlich unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit, des Pluralismus und des Jugendschutzes. Was kann denn freiheitlicher und vielfältiger sein, als ein dereguliertes Sender-Empfänger-Massenmedium? Ein Medium, in dem Qualität die “Quote” und den Erlös bestimmt (Stichwort Flattr)? Ein Medium, in dem Inhalte nicht nur rezipiert, sondern öffentlich reflektiert und bewertet werden können?

Das wäre, ist ein Medium, das nicht in das Konzept von Macht und Gewinn passt und deshalb reguliert & kontrolliert gehört.

Update: Die Medienanstalten machen nicht mal einen Hehl aus ihren Intentionen (Hervorhebung DS):

Friederike Grothe, Pressesprecherin der deutschen Medienanstalten, erklärt deshalb: „Inwieweit konkrete Angebote betroffen sein könnten, muss im jeweiligen Einzelfall geprüft werden“. Es gelte immer abzuwägen, welche meinungsbildende Wirkung das Angebot hat.

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(via presseschauder.de, ein interessanter Beitrag zum Thema)

Trickser…

Donnerstag, 03. Juni 2010

2005 wurden Domains mit der Endung .eu freigegeben. Wie die FAZ heute online berichtet, hielt sich eine Firma aus Österreich für besonders clever und nutzte eine Regelung, nach der diejenigen Antragsteller bevorzugt Domains zugewiesen bekamen, wenn sie ein entsprechendes Markenrecht darauf besitzen. Nicht URL-konforme Sonderzeichen konnten dabei gestrichen oder ersetzt werden:

Um schon in der ersten Phase zum Zuge zu kommen, hatte die österreichische Internetportal- und Marketing GmbH in Schweden 33 Marken eintragen lassen, und dabei zwischen die Buchstaben immer das Sonderzeichen „&“ eingefügt. Laut EuGH stellte das Unternehmen 180 Anträge auf EU-Domains.  Aufgrund der Wegfall-Regel bekam es unter anderem für die für Sicherheitsgurte eingetragene Marke „&R&E&I&F&E&N&“ den Zuschlag für die Internetdomain „www.reifen. eu“.

Der Europäische Gerichtshof hat diesem Vorgehen nun “Bösgläubigkeit” bescheinigt. Die Österreicher müssen reifen.eu wieder abgeben.

Eine große Tüte Mitleid

Dienstag, 23. März 2010

Frank Patalong stimmt im gestrigen Spiegel-Online in den Trauerchor um den vielbeschworenen Niedergang des Qualitätsjournalismus im Netz ein. Man kann nun über die formulierten Thesen (hier genannt “Symptome der Medienkrise”) denken was man will. Spätestens am Ende der ersten Seite des Artikels sollte der aufmerksame Internetauskenner jedoch stutzig werden:

Aus Onliner-Sicht fehlt nur noch ein Punkt, den Online-Medien höchst ungern thematisieren: Werbeblocker – Programme, die Werbung aus Web-Seiten ausblenden. [...] Der inzwischen 16 Jahre alte Deal zwischen Online-Medien und Mediennutzern lautet eigentlich so: Wir liefern Ihnen kostenfrei Inhalte, und Sie sehen sich dafür im Umfeld Werbung an.

Achso? Hey, ich habe niemals sowas unterschrieben! Und wie kommt Patalong überhaupt zu der Feststellung, das sei ein “inzwischen 16 Jahre alter Deal”? Ah ja: 1994 ging der Spiegel, nun, online. Vorher: Vakuum. Da gab es ja gar kein Internet. Jedenfalls nicht so richtig. Nur so ein paar Technikspinner, die sich HTML-Dokumente und Usenet-Posts um die Ohren gehauen haben. Dann kam Spiegel-Online und alles wurde gut, oder wie? Nun, nicht ganz, wie der noch nicht gelöschte Wikipedia-Artikel zum Thema verrät:

Das Entstehen eines kommerziellen Marktes für Internetanbieter anzuregen und zu fördern, war eines der Ziele der NSFnet-Initiative. [...] Die kommerziellen ISPs sollten Ende der 80er den Erhalt und Ausbau des Internet von den Universitäten und Forschungbehörden übernehmen. Dadurch entstand auch ein bedeutender Markt für internetbasierte Produkte.

So kannte ich das bisher auch, dass die kommerzielle Bedeutung des Internet über die Bereitstellung und Vergütung von technischer Infrastruktur wuchs. Doch dann kam irgendjemand auf die Idee, das Internet (genauer gesagt, das Usenet) für den ersten Werbespam zu nutzen. Von da an gab es kein Halten mehr. Javascript wurde zum Liebling der kommerziellen Penetranten und damit zum Feind vieler Internetnutzer, die Scripting einfach deaktiviert haben. Schuld daran waren vor allem: Popups. Und so kann folgende Feststellung eigentlich kaum verwundern:

Paul Mudter, Vorsitzender des Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW): “Wir gehen davon aus, dass rund 50 Prozent der deutschen Internetnutzer einen Pop-up-Blocker aktiviert haben. [...]

Genau! Sogar die Internet Explorer besitzen mittlerweile von Hause aus einen Popup-Blockierer.

[...] Allerdings spielen Pop-ups im Bereich der Online-Werbung nur noch eine untergeordnete Rolle. Komplette Werbeblocker kommen dagegen deutlich seltener zum Einsatz.”

Gesprochen wie ein wahres Wunderkind. Das sind nämlich genau die Mechanismen, die im hochreaktiven WWW geradezu vortrefflich funktionieren und die Grundlage für unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem darstellen: Angebot und Nachfrage. Actio und Reactio. Ein Produkt, das der Markt nicht möchte, wird sich nicht durchsetzen. Und manchmal passiert es eben auch, dass sich ein Produkt selber überlebt, als Beispiel sei hier die Polaroid-Kamera genannt. Es war früher ein famoser Spaß, Fotos zu schießen, die man sich 5 Minuten später anschauen konnte – und das trotz der mitunter bescheidenen Qualität der Bilder und der sauteuren Filmkassetten. Man stelle sich nun vor, Polaroid hätte den abtrünnigen Käufern vorgeworfen, durch den Kauf von Digitalkameras den Markt für Polaroid-Kameras zu zerstören.

Man beachte bitte das Henne-Ei-Prinzip. Nur weil ihr, liebe Werbeerlössuchende “Journalisten” meint, uns Internetnutzer mit blinkenden, tönenden, vollflächigen Flash-Orgien vom eigentlichen Inhalt eures Angebotes abzulenken zu müssen, brauchen wir das noch lange nicht gut finden. Ihr müsst es endlich begreifen, nach 16 Jahren: Das WWW ist mit NICHTS vergleichbar, was es vorher gab. Jeder kann publizieren. Jeder kann sich die angebotenen Inhalte so umbiegen, wie es ihm passt. Im Notfall eben mit Lynx. Ihr verliert euer Informationsmonopol! Den elitären Club, der vor dem Newsticker sitzt und Meldungen interpretiert, gibt es nicht mehr! Warum tut ihr immer noch so, als gehe es euch um die “Freiheit von Informationen”, Meinung für alle. Ihr seid nicht die verdammte Jeanne d’Arc, ihr wollt einfach nur Kohle machen. Nichts anderes indiziert doch die wirtschaftliche Konzentration der Medienanbieter, die man seit Jahren beobachten kann. Man kann in Thüringen drei große Tageszeitungen lesen und sicher sein, dass immer dieselbe Mischpoke dahinter sitzt, mit allen negativen Folgen. Mit den Idealen des Journalismus habt ihr doch schon lange nichts mehr am Hut – Inhalt ist zum Träger für Werbung verkommen. Und ihr wurdet immer gieriger, wollt natürlich auch im WWW große Kasse machen. Keine Druckkosten, keine Logistik, dafür ungeahnte technische Möglichkeiten, den Nutzer mit Produktinformationen zu beschießen.

Jetzt setzt ihr euch wie ein verzogener Kevin vor das Bonbon-Regal im Supermarkt und trommelt mit den Fäusten auf den Boden! So wird das nicht funktionieren! Seid flexibel! Seid kreativ! Bewegt etwas! Sonst endet ihr wie die Musikindustrie und müsst eure eigene Kundschaft kriminalisieren. Oh ja, macht ihr ja schon längst.

Was bleibt? Eine letzte Frage, die Herr Patalong stellt:

Wann schalten Sie Ihren Werbeblocker ab?

Ich antworte: From my cold, dead hands!

Premiumjournalismus (Update)

Montag, 14. September 2009

Update: Was die dpa aus dem Fall Bluewater gelernt hat; lesenswert!

Vor gut 13 Jahren signalisierte ein bestimmtes Medienereignis, wo die Reise in Sachen Journalismus und Internet hingeht. Die Rede ist vom Clinton-Lewinsky-Skandal. Michael Isikoff, Journalist bei der Newsweek, hatte die Hintergründe recherchiert, konnte die Story aber bei seinem Arbeitgeber nicht lancieren. Ein anderer, Matt Drudge, empfand die Tatsachenlage für ausreichend und brachte das Verhältnis in seinem (heute würde man Blog sagen) “Drudge Report” an die Öffentlichkeit.
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Wartet, wartet noch ein Weilchen…

Mittwoch, 01. Juli 2009

Auf heise.de kann man heute etwas über eine Forsa-Umfrage lesen, bei der die Befragten die Bedeutung des Internets als politisches Instrument beurteilen sollen:

Weniger als die Hälfte der Deutschen sehen laut einer Umfrage das Internet als geeignetes Mittel zur politischen Beteiligung.

Mich würde hier ja brennend interessieren, wie viele der Befragten das Internet denn überhaupt nutzen. Ich unterstelle mal, dass sich die Gewichtung des Internet als politisches Instrument antiproportional zum Alter des Befragten verhält. Folglich arbeitet die Zeit für uns und gegen «die anderen». Denn wie ich bereits gestern getwittert habe, scheint ja von der Generation “U-20″ keiner mehr nicht im Netz unterwegs zu sein.

Vielleicht ist die Umfrage auch nur als Sedativum für unsere Internet-affinen Volksvertreter gedacht.