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Fracking: Die Lobbymaschine läuft an

Montag, 18. Februar 2013

Es ist unwahrscheinlich wenn auch nicht ausgeschlossen, dass Politiker, die bereits ins Amt gewählt wurden, sich des Volkes Stimmung annehmen. Besonders, wenn der nächste Wahltermin in Sichtweite gerät. So geschehen nach der japanischen Atomkatastrophe, die den Austieg aus dem Atomausstieg revidierte. Aktuell beschäftigt sich das Wutbürgertum mit dem Thema „Hydraulic Fracturing“ oder kurz Fracking.

Bundesumweltminister Altmaier ließ kürzlich verlauten, er schließe ein komplettes Fracking-Verbot in Deutschland nicht aus. Das freut den umweltbewussten Bürger, denn trotz aller Beteuerungen bleibt Fracking eine umweltgefährdende Fördermethode für Erdgas bzw. -öl, bei der eine Giftbrühe in den Boden gepumpt wird, um die begehrten Rohstoffe aus bestimmten Gesteinsschichten zu lösen. Das kann dann bei schlampig ausgeführten Bohrungen zu einer unfreiwilligen Konvergenz des Gas- und Wassernetzes führen, wie der Film „Gasland“ anschaulich darstellt.

Da wird es höchste Zeit für die Energiewirtschaft, ihre PR-Geschütze in Stellung zu bringen. Letzte Woche beispielsweise schrieb Wolfgang Münchau im SPIEGEL von „diffusen Umweltbedenken“ und preist Fracking als möglichen Ausweg aus der Schuldenkrise. Eine „der wenigen Chancen“, die wir dummen Deutschen bzw. Europäer aus uns entgehen ließen.

Die FAZ lockt mit güldenen Honigtöpfen und zitiert PriceWaterhouseCoopers mit den Worten „Turbo für die Weltwirtschaft“, so als ob gar nicht unser fragiles und überhitztes Finanzsystem daran Schuld ist, wenn Staaten sich für ihre Banken ins wirtschaftliche Elend stürzen.

Nun wäre die BILD nicht die BILD, würde sie nicht noch eine viel größere Keule aus dem Hut zaubern. Und weil Terrorismus ja immer geht, lesen wir heute:

Die USA wollen bei Öl bis 2035 komplett importunabhängig sein. Staaten wie Saudi-Arabien brechen Milliarden-Einnahmen weg. Damit wird es für die Saudis schwerer, auf der ganzen Welt Koran-Schulen zu errichten und zu finanzieren, so eine besonders radikale Form des Islam zu verbreiten.

Das muss nun selbst den konservativen Leser wundern, hat doch Verteidigungsminister de Maizière nicht noch im September die Rolle Saudi-Arabiens für die „Stabilität im Nahen Osten“ unterstrichen und damit unsere Waffenexporte dorthin schöngeredet?

Nun gut, selbst ein blindes Huhn findet ja bekanntlich das eine oder andere Korn, und so liegt die BILD zumindest was die Rolle der Saudis im Zusammenhang mit dem islamistischen Terrorismus angeht nicht ganz daneben. Daraus eine Herleitung zur kritischen Einstellung der Deutschen zum Fracking zumindest gedanklich zu konstruieren, ist mal wieder so ganz Springer.