Mit ‘ddr’ getaggte Artikel

Sie hat „Jehova“ gesagt!

Dienstag, 14. Mai 2013

Angela Merkel hat endlich gestanden. Ja, die Bundeskanzlerin hat tatsächlich eine „DDR-Vergangenheit“ was in Anbetracht der Tatsache, dass sie 35 Jahre lang in dem Staat lebte nicht wirklich verwundern kann. Anke Sirleschtov vom Tagesspiegel kommentiert dazu:

Und dann: „Auch ich war in der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft.“ Als sei nichts dabei, Mitglied dieser antidemokratischen Vereinigung gewesen zu sein, in der praktisch fast alle erwachsenen DDR-Bürger waren. Angela Merkel jedenfalls findet an diesem Sonntagabend nichts Verwerfliches mehr (…)

Soll das jetzt lustig sein? Ist das sarkastisch gemeint? Man kann natürlich streng logisch schlussfolgern, das in einem antidemokratischen Staat auch all dessen Organisationen antidemokratisch sind. Ich weiß nicht, wo Frau Sirleschtov aufgewachsen aber offenbar nicht in der DDR. Sonst könnte sie realistischer einschätzen, welchen Stellenwert diese „antidemokratischen“ Organisationen großenteils eingenommen haben. Sie schreibt ja selbst, sprachlich etwas holprig: „in der praktisch fast alle erwachsenen DDR-Bürger waren“. Wenn man also per default Mitglied einer Organisation zu sein hat, wie eben den Jungpionieren, der FDJ, dem FDGB oder der DSF liegt es eigentlich auf der Hand, dass nicht die Begeisterung für die Sache den Auschlag dazu gegeben haben kann. Wolfgang Schilling hat die Rolle der DSF heute früh im mdr schön zusammengefasst. dass es nämlich [sinng.] darum ging „ein Mal im Monat einen Russenfilm anzuschauen den man aber tunlichst nicht so nennen durfte“.

Genau so war es mit den Pionieren und der FDJ, und auch dem FDGB, dem man im Zweifel den einen oder anderen netten Ferienplatz verdankte. Von Angela Merkel deshalb eine Entschuldigung zu erwarten käme der Forderung gleich, sie entschuldigte sich in der DDR geboren zu sein.

Bürgerrechte – eine Modeerscheinung?

Dienstag, 02. August 2011

In der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 begannen NVA und Grenzpolizei, die damalige Grenze zwischen der DDR und Westberlin abzuriegeln. Dieses Datum markiert den Beginn des Mauerbaus – dem Symbol der Teilung der beiden deutschen Staaten nach dem 2. Weltkrieg. Die Mauer war bis 1989 sichtbares Manifest dafür, welchen Stellenwert Bürgerrechte in der DDR hatten. Die Linkspartei Mecklenburg-Vorpommern stellt hierzu fest, dass der Mauerbau für die DDR alternativlos war – eine, von dem verwendeten, altbekannten Vokabular der Genossen mal abgesehen, durchaus zutreffende Einschätzung. Wer jetzt gleich die Faust in der Tasche ballt, der mag bitte mal an das Ende des Dokuments scrollen, wo sich folgender, zentraler Absatz findet:

Die Lehre des Mauerbaus besteht für die LINKEN darin, zu erkennen, dass der Sozialismus nur auf Dauer erfolgreich sein kann, wenn ihn die Menschen wollen und dass kein Ideal die systematische Einschränkung von Demokratie, Freizügigkeit und Selbstbestimmung rechtfertigt.

Im Kontext dieser Erkenntnis lasse man sich nun bitte mal folgenden Satz Siegfried Kauders auf der Zunge zergehen:

„Es ist Mode geworden, die Freiheitsrechte des Bürgers in den Vordergrund zu stellen.“

Eines dieser beiden Zitate ist mit den Grundsätzen einer freiheitlichen Demokratie vereinbar. Siegfried Kauder ist übrigens Vorsitzender des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages.

Via Netzpolitik, Fefe

Manche sind eben gleicher, immer noch!

Dienstag, 02. August 2011

Wahrscheinlich geht es vielen so: Als in der DDR Aufgewachsener ist mein Gerechtigkeitssinn wohl besonders ausgeprägt. Weil „wir“ damals nämlich nur auf dem Papier alle gleich waren. Bereits ein Parteiabzeichen oder ein Streifen an der Pionierbluse machte manch einen gleicher als die anderen.

Irgendwie erlag man der Illusion, dass das in einer Demokratie anders ist. Denkste! In Rosenheim flog ein unseriöser Kurierdienst auf, der Mahn- und Vollstreckungsbescheide nicht zugestellt hatte:

Den säumigen Zahlern glaubten sie kein Wort – bis es einen Kripo-Beamten im gehobenen Dienst ebenfalls eiskalt erwischt hat. Er bekam eine Sonderbehandlung und durfte Anzeige gegen den amtlich zertifizierten Kurierdienst erstatten. So kam schließlich die Wahrheit ans Licht: Die Dokumente waren tatsächlich nicht zugestellt worden.

Via Lawblog

Zorniger alter Mann

Dienstag, 08. Februar 2011

In der Thüringer Allgemeinen läuft derzeit eine Serie: „Meine Wende“. Gestern kam dort ein ehemaliger Botschafter der DDR in Afrika, Alfred Peukert zu Wort.

Alfred Peukert hat die offizielle Linie des Regimes, die täglich in der simulierten Öffentlichkeit wahrnehmbare Propaganda zu 100% verinnerlicht. In allen erdenklichen Details.

Ich habe über 40 Jahre lang als Lehrer, stellvertretender Schulrat, Lehrerbildner und Botschaft diesen Staat mitgestaltet und kenne das Leben in der DDR, wie es wirklich war.

Stünden die folgenden Zeilen nicht für eine Retrospektive seines Lebens, könnte dieses Statement auch 1:1 aus einem Staatsbürgerkundeunterrichtsbuch stammen:

Ich war da schon Kommunist, freiwillig und gern – dass KPD und SPD angeblich zwangsvereint wurden, ist auch so eine Lüge unserer Feinde.

Peukert meint auch, einen der Fehler erkannt zu haben, die das DDR-Regime begangen hat:

Wir haben in der DDR nicht genügend auf die Gefährlichkeit und Brutalität der deutschen Faschisten hingewiesen.

Nun gut; JEDER, der sich an die DDR-Schulzeit bzw. die Ausbildung und die propagierte Lebensrealität erinnern kann, weiß, dass das Wort „Antifaschismus“ in geradezu inflationärer Weise allgegenwärtig war. Auf nicht mehr als ein gebetsmühlenartig phrasiertes Dogma reduziert, mag dies sogar einer der Gründe sein, warum einige diese Metaphern nur noch als solche verinnerlichten und ins Gegenteil verkehrten. Sie stellten sich auf die Seite der „Feinde des Regimes“, so wie es ihnen von frühester Kindheit an eingetrichtert wurde.

Man nennt es „kognitive Dissonanz“, diese „was-nicht-sein-kann-das-nicht-sein-darf“-Mentalität, mit Hilfe derer der Verstand versucht, das eigene vergangene Handeln durch gefilterte Wahrnehmung und Interpretation zu rechtfertigen. Das ist in gewisser Weise sogar verständlich. Nicht anders argumentierten viele, denen seinerzeit eine Mitschuld an der Karriere des Faschismus in Deutschland vorgeworfen wurde.

Hinter der Verteufelung der Stasi nach der Wende steckt der Hass, dass die DDR Anfeindungen des Westens Paroli bieten konnte.

Man sei gewarnt davor, später einmal selber so zu denken.

Über "Ostdeutschland"

Mittwoch, 29. September 2010

Jana Hensel schreibt in der „Zeit“ über die mediale Wahrnehmung des „Ostens“ in überregionalen Medien und stellt dabei allerlei Richtiges fest. Etwas mehr Analyse wäre an der einen oder anderen Stelle nicht verkehrt gewesen; z.B. zu hinterfragen, WARUM so relativ wenig „Ossis“ in Chefetagen sitzen. Was zum Beispiel damit zusammen hängen könnte, dass die ehemaligen DDR-Eliten zu einem Großteil aufgrund politischer Vorbelastung für solche Positionen nicht taugen, mittlerweile auch zu alt sind und die Nachfolger noch zu jung oder dass man nicht einfach mal so in 20 Jahren *Netzwerke (um)lernen und aufbauen kann, wofür die „Wessis“ immerhin 40 Jahre Zeit hatten. Eine „aus dem Osten“ sitzt übrigens ganz oben

Die Begriffe „Ossis“, „Wessis“ bzw. „Ostdeutschland“ stehen hier absichtlich in Anführungsstrichen – ich mag sie nicht. Denn der zentrale Satz des Artikels lautet:

Wir sollten 20 Jahre nach dem Mauerfall beginnen, eine neue Differenz zu wagen.

Sehr richtig! Und so könnte man zum Beispiel endlich mal anfangen, über arm und reich zu sprechen anstatt über „Westen“ und „Osten“, über „modern“ und „marode“, über München, Leipzig, Berlin und Rostock, Thüringen, Bayern, Niedersachsen und Brandenburg. Atompolitik, Überwachung und Lobbyismus sind gesamtdeutsche Probleme. Die Differenzierung nach „Ost“ und „West“ hat nach 20 Jahren ausgedient.

Dieter Nuhr auf Pro7

Dienstag, 23. Februar 2010

„In der DDR gab’s ja keine Handys; nicht mal Klingeltöne!“

„Da hat man ja den Verkäufer gefragt: ‚Ich hätte gern ’ne Matratze‘ Sagt der Verkäufer: ‚Ja, hätte ich auch gern!'“

LOL

Privilegierte 2.0

Sonntag, 18. Oktober 2009

Früher, also vor > 20 Jahren, konnte man sich noch prima über die sogenannten Privilegierten echauffieren. Menschen, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit Vorteile genießen durften. Als Privilegierter musste man keine 15 Jahre auf einen Trabant warten, sondern brauchte zumeist nicht mal Reifen wechseln, da bereits vor dem Verschleiß selbiger ein neues Fahrzeug zugeteilt wurde. Privilegierte bekamen ohne Probleme ein Telefon. Privilegierte kamen an Baugrundstücke oder Wohnungen, von denen die Nicht-Privilegierten nur träumen konnten. Privilegierte mussten sich niemals um einen Urlaubsplatz bemühen. Privilegierte verdienten natürlich auch besser, als Nicht-Privilegierte.

Zum Glück haben wir dieses bigotte System hinter uns gelassen, oder?

Die Mitglieder der Bundesregierung sowie Beamte der Ministerien sollen einem Medienbericht zufolge mit einem besonderen Mittel gegen Schweinegrippe geimpft werden. Es enthält keine der umstrittenen Zusatzstoffe – im Unterschied zum Impfstoff für den Rest der Bevölkerung.

Via Stern.de