Die Szenelandschaft Jugendkultur erreicht gerade einen neuen Tiefpunkt. Für die breite, internetnutzende Masse bisher lediglich anhand von Foto- und Videoindizien erkennbar (Domspitzen berichtete), machen die werbetreibende Industrie, Spiegel Online und Wikipedia die Jugendszene “Krocha” jetzt offiziell.
Dabei wird ein Stil gepflegt, für den man in der guten alten Zeit (also in den 80ern und frühen 90ern) fürchterlich verprügelt worden wäre – und das zu Recht! In einem Mix aus Emo-Stil und bestimmten gehypten, qualitativ oft minderwertigen Modemarken ist auch das Verwenden dümmlicher Sprachstummel (“BAM Oida!”, “Bombäää Oida!”) ein Diversifizierungsmerkmal. Und woher stammt diese üble Mischung aus häßlich & dumm? Aus Österreich (sic!), wo man sich offenbar denkt, dass es 95 Jahre nachdem der Mann mit dem Bart nach München kam mal wieder Zeit wird, den Piefkes eine neue Plage zu schicken. Und leider ist zu befürchten, dass, genau wie damals, diese Saat hierzulande auf fruchtbaren Boden fällt, wie ich erst letzte Woche im Vorbeifahren auf einem Hamburger Schulhof beobachtete.
Ja, auch früher gab es durchaus Seltsames zu beobachten, wenn man des Abends durch idyllische Vorstädte schlenderte. Ich erinnere nur an die an sich kurzlebige Acid-Kultur, aus der heraus sich letztendlich doch noch etwas Vernünftiges entwickelte. Aber ob nun Popper, Gothic, Punk, Metaller, Hip-Hopper, Skinhead, was auch immer – man verkörperte seine Szenezugehörigkeit doch stets mit einem wenn auch oft marginalen Rest an Würde. Den sucht man bei den Krochas jedoch vergebens, die die Vokuhila hochleben lassen und sich so lange Bräunungscreme ins Gesicht schmieren, bis sie aussehen wie eine holländische Gewächshausmöhre. Aber ja doch, ich weiß: leben und leben lassen, auch wenn’s manchmal schwer fällt.
