Amokläufe, so wie im jüngsten Fall von Lörrach, sind immer tragisch und lassen Betroffene und Beobachter in Trauer und Fassungslosigkeit zurück. Was treibt einen Menschen dazu, andere und unbeteiligte Menschen aus seinem Umfeld zu töten? Hier gilt es, individuelle Antworten zu finden und mitunter auch unschönen Tatsachen ins Auge zu blicken: Wieso versagen hier gesellschaftliche Systeme? Gab es Frühwarnzeichen? Wie hätte man die Tat verhindern können? Solche Fragen sind schwer zu beantworten und bedürfen eine umfassenden und komplexen Analyse der jeweiligen Lebenswelt des Täters. Die Politik macht es sich gern einfach und schafft pauschale Schuldinstanzen. Am besten solche, die immer passen. Oder zumindest in 90% aller Fälle. Man sucht sich dazu gezielt Themen, die dem eigenen Wählerklientel gegenüber möglichst einfach zu diskreditieren sind. Musik zum Beispiel, Paintball oder auch immer wieder sogenannte “Killerspiele“.
Im Fall Lörrach hat die Politik ein Problem: Die Täterin (weiblich, heterosexuell, verheiratet, katholisch, Juristin) passt nicht in die eingefahrene Schablone des verschrobenen, männlichen, Killerspiele-zockenden Einzelgängers. Und obwohl hier zum wiederholten Mal die Waffen direkt bzw. aus dem Umfeld von Sportschützenvereinen beschafft wurden, beeilt man sich, jene möglichst schnell aus der Schusslinie (schlimmes Wortspiel) zu nehmen. Stichwort Wählerklientel.
Verstehen muss man das nicht; es sei denn, man ist selber Teil dieser politischen “Elite”.

