Quotenossi

Irgendwie schaffe ich es seit ein paar Jahren, nach einer fröhlichen Runde an genau jenem Freitag im Jahr auf der Couch vor dem Fernseher zu sitzen, an dem RTL den Einzug in das „Dschungelcamp“ wiederholt. Meistens verliert sich meine Aufmerksamkeit nach einem kurzen Blick auf die Kandidaten und ich erwache mitten in der Nacht mit dem unguten Gefühl eine größere Menge an Gehirnzellen verloren zu haben.

Wer bei „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ einzieht, war entweder irgendwann mal ein „Star“ oder wäre gern einer. Ein Karrieresprungbrett ist die Sendung dabei für keinen der Protagonisten; allenfalls verschaffen sie sich einen ersten oder letzten größeren Schwung an Aufmerksamkeit, bevor sie mit etwas Glück Baumärkte und Autohäuser eröffnen dürfen.

Den einen oder anderen kennt man noch: Mola Adebisi moderierte bei VIVA, als dieser noch ein Musiksender mit durchaus anarchistischen Tendenzen war; Tanja Schubert kenne ich von „RTL Samstagnacht“. Winfried Glatzeder, den sie wie ich mich zu erinnern meine als „Don Juan der DEFA“ vorstellten, sprach von seinem „vielleicht letzten großen Abenteuer“ als Antwort auf die von ihm selbst gestellte Frage „Warum macht der das?“. Traurig.

Nun, die anderen Kandidaten bewegten sich zwischen „Name mal gehört“ und „wer zum Teufel ist das“. Offenbar fiel es auch dem SPIEGEL schwer, die Gewinnerin Melanie Müller in den richtigen Kontext zu setzen. Und so reduziert das Magazin das Erotikmodel auf eine ihrer wesentlichen Eigenschaften:

Nach einer letzten Prüfung (…) setzte sich die Ostdeutsche Melanie Müller überraschend als Dschungelkönigin durch.

Wenn man ein österreichiches Model ist, ist man auch beim Spiegel ein österreichiches Model. Wenn man Jochen Bendel ist, ist man einfach der „Ex-‚Ruck-Zuck'“-Moderator, aber wenn man aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen kommt ist man schlicht und ergreifend: Ostdeutscher.

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