Premiumjournalismus (Update)

Update: Was die dpa aus dem Fall Bluewater gelernt hat; lesenswert!

Vor gut 13 Jahren signalisierte ein bestimmtes Medienereignis, wo die Reise in Sachen Journalismus und Internet hingeht. Die Rede ist vom Clinton-Lewinsky-Skandal. Michael Isikoff, Journalist bei der Newsweek, hatte die Hintergründe recherchiert, konnte die Story aber bei seinem Arbeitgeber nicht lancieren. Ein anderer, Matt Drudge, empfand die Tatsachenlage für ausreichend und brachte das Verhältnis in seinem (heute würde man Blog sagen) “Drudge Report” an die Öffentlichkeit.

Damit hatte erstmals ein transnationales Medienereignis seinen Ursprung im WWW. Und gab es nicht wenige, die meinten, dem Qualitätsjournalismus könne man von nun an beim Sterben zusehen. Ich habe das damals bezweifelt; sah das Internet eher als Chance, Informationszyklen zu beschleunigen. Im Gegensatz zu allen anderen Medien (mal vom guten alten Videotext abgesehen) bot das Internet erstmals die Möglichkeit einer Echtzeit-Berichterstattung und einen dauerhaften Rückkanal. Einen solchen hatten die Rundfunkmedien auch (z.B: den TED) und auch zeitnahe Berichterstattung war mit Hilfe von Live-Übertragungen bereits seit der Krönung von Queen Elisabeth II. möglich. Für Ad-Hoc-Ereignisse waren diese Möglichkeiten natürlich eher ungeeignet, da ihre Etablierung immer eine gewisse Vorlaufzeit benötigte.

Doch muss “Schneller & Mehr” zwangsläufig mit einem Qualitätsverlust in der Berichterstattung einher gehen? Sicher hatte die Berichterstattung im Internet anfangs ein Glaubwürdigkeitsproblem. Erst nachdem die klassischen Medien und Nachrichtendienste die Online-Berichterstattung ernst nahmen, stieg auch die Validität der Inhalte.

Ist es da nicht erstaunlich, dass in den vergangenen Tagen ausgerechnet zwei traditionsreiche Presseagenturen mit völligem Systemversagen wiederum ihrerseits für Schlagzeilen sorgten?

Was zeigen diese Beispiele?

1. Qualität in der journalistischen Berichterstattung hat in erster Linie mit Medienkompetenz zu tun; wo auch immer Quellen oder Nachrichten ihren Ursprung haben mögen. Dass es die kalifornische Stadt Bluewater gar nicht gibt und sämtliche Online-Nachrichtenquellen (bis die dpa das ganze hoffähig machte) auf dieselbe Person zurück führten, hätte man mit überschaubarem Aufwand herausbekommen können. Im zweiten Fall hätte einfaches Lesen & Verstehen gereicht.

2. Offenbar sind die klassischen Medien durch Konvergenz in Richtung Online-Medien angreifbarer weil leichtgläubiger geworden. Ausgerechnet, wenn es um Internetquellen geht, mangelt es anscheinend (immer noch) an Medienkompetenz und journalistischer Sorgfalt.

Quellen: bildblog, Wikipedia

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Eine Antwort zu “Premiumjournalismus (Update)”

  1. [...] gemacht hat und den StarWars 2.0-Raketenschild vom Einkaufszettel streichen musste. Durch “Bluewater” zeigte sich, warum die etablierte, klassischen Medien immer noch mit dem Internet hadern [...]

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