Kommunalen Einrichtungen hängt der Ruf nach, in Sachen Kommunikation und insbesondere deren visueller Ausprägung gern zu versagen. Nun wollte unsere geliebte Heimatstadt mal alles richtig machen und beauftragte eine Vielzahl von Agenturen mit dem Entwurf eines neuen Corporate Design. Die besten Entwürfe wurden einer Juri vorgelegt, die sich für einen Entwurf des Atelier “Artus” entschied.
Was nach der Veröffentlichung folgte, war zunächst eine Flut von Protestbekundungen an die lokale “Thüringer Allgemeine”. Die widmet dem Thema nun bereits ein eigenes Themenportal.
Wir von Domspitzen stoßen mit ins Horn – denn die vorgebrachte Kritik hat durchaus Substanz.
1. Warum ein rotes “Er”?
Die farbliche Kennzeichnung der ersten beiden Buchstaben im Stadtnamen ist reiner Selbstzweck und entbehrt jedweder Logik. Die Herkunft des Namens “Erfurt” ist nicht vollständig geklärt. Der Ansatz, der Name setzte sich zusammen aus der historischen Bezeichnung eines Abschnittes der Gera (“Erpisa”) und der Bezeichnung einer Flussdurchfahrt (“Furt”) ist ein verbreiteter aber bei weitem nicht der Einzige. Oft ist auch von einem Müller names “Erf” die Rede, welcher als Namenspatron in Frage kommt. Wie auch immer, ich finde ja Erfurt ist eher eine “Sie” als ein “Er”
2. Das verpfuschte Rad
Tragischerweise hat man darauf verzichtet, zumindest eine DER beiden Erfurter Bildmarken vernünftig zu integrieren: Die vielen Erfurtern lieb gewordene Dom- und Severi-Silhouette wurde gar nicht und das Erfurter Rad nur als kurzlebig-zeitgeistige Karrikatur im Asterisk-Stil verwendet.
3. Falscher Untertitel
Man schreibt dort “Erfurt – Landeshauptstadt Thüringen”. Hier wird der Genitiv verlangt, also müsste der Untertitel korrekt lauten “Erfurt – Landeshauptstadt Thüringens“. Angeblich im Sinne der Verständlichkeit wurde das “s” geopfert. Nun könnte ein Außenstehender annehmen, dass “Thüringen” der Name der Stadt und “Erfurt” evtl. ein Ortsteil davon ist.
Möglicherweise ist es aber nicht so sehr das Logo selbst, das die Gemüter erregt. Das finde ich typografisch durchaus gelungen und auch die Farbgebung stimmt – vorbehaltlich der oben genannten Kritikpunkte liegt man also mit dem Ergebnis nicht völlig daneben. Nein, es hat einfach und wiederholt kein echter Meinungs- und Willensbildungsprozess stattgefunden. Die große gesellschaftliche Krankheit unserer Tage. Der Volksvertreter meint per se immer und automatisch Volkes Meinung zu vereinnahmen. Dank des exzessiv gelebten Berline Lobbyismus und der Art und Weise, wie politische Karrieren heutzutage entstehen (und was für Leute diesen Weg beschreiten!), kann dieses System nicht mehr funktionieren. Damit reiht sich die Diskussion um das Erfurter Stadtlogo auf lokaler Ebene in die Reihe der, ich nenne sie mal frei nach BILD, “Wut-Themen” ein wie Internetzensur, Afghanistaneinsatz oder Vorratsdatenspeicherung. Aber ich schweife schon wieder an… oder?

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