Missbrauchsskandal: Hallo Frau von der Leyen? Frau Köhler? Ist da noch jemand?

Die aktuellen Missbrauchsvorwürfe gegen Bedienstete katholischer Einrichtungen weiten sich aus. Nachdem nun selbst die Schweigedoktrin des Vatikan zu bröckeln beginnt, fühlt sich endlich auch unsere Regierung in Persona Frau Leutheusser-Schnarrenberger zu einer Wortmeldung genötigt.

Nun, das kann man von einer Justizministerin auch erwarten. Wer hat sich ironischerweise nach wie vor in Schweigen hüllt, ist – genau: die oberste Kinderschützerin der Bundesrepublik und derzeitige Arbeitsministerin Ursula-”denkt denn nicht einer von euch mal an unsere Kinder???”-von der Leyen! Was hat die Frau für dramatische Appelle an uns gerichtet! Da wurden andere Staaten verunglimpft und Millionen von Internetnutzern unter Generalverdacht gestellt! Alles zum Wohle der Kinder! Und jetzt? Schweigen im Walde? Hallo? Da wurden (und werden möglicherweise immer noch) Kinder missbraucht und Täter geschützt! DA muss gehandelt werden! Und? Nichts passiert! Genau so Frau Köhler, die junge, fesche Familienministerin! Keine Reaktion, kein Statement – gar nichts!

Vor kurzem hieß es übrigens noch [1]:

“Ich möchte auch deutlich machen, dass die Würde eines Kindes, die Unverletzlichkeit eines Kindes ein höheres Gut ist als die Frage nach Massenkommunikation.”

Böswillige Geister könnten nun wieder unterstellen, dass es beim Zugangserschwerungsgesetz ja niemals um den Schutz von Kindern ging, sondern um Profilierungssucht und Blendgranaten. Von Asse ablenken, die Kanzlerin aus dem Sperrfeuer holen oder sich den vermeintlich richtigen Koalitionspartner über eine provozierte Attacke auf die Bürgerrechte in Position rücken (übrigens mein Lieblingsansatz!). Oder vielleicht gibt es ja auch noch andere Gründe für die erstaunliche Zurückhaltung unsere Kämpferin für die Schwachen, und Frau von der Leyen hat die Unverletzlichkeit eines Kindes gegenüber einer der mächtigsten Macht- und Finanzlobbys der Welt neu bewertet [2]:

So selbstverständlich, wie wir den Kindern die Muttersprache mitgeben, müssen wir ihnen Religion mitgeben.

Das hat Zensursula ja bereits 2006 untermauert, das Stichwort heißt “Bündnis für Erziehung“. Das verkommt Säkularität zu einer hohlen Phrase. Ist ja auch bloß im Grundgesetz (siehe u.a. Art. 2, 3, 4) verankert, sollte man bei Gelegenheit übrigens auch mal ändern.

Natürlich ist es leichter, auf skrupellose Kinderf… zu kloppen (das kann man gar nicht oft und heftig genug machen!), als festzustellen, dass sich hinter butzenverglasten Gutmenschenfassaden genau so fürchterliche Dinge abspielen können, weil Geistliche eben KEINE Heiligen sind, sondern auch nur: Menschen. Aber DAS erwarte ich von Parlamentariern, sich DEN Hut aufzusetzen und die verliehene Entscheidungsmacht zu nutzen, um solche Schweinereien öffentlich zu machen und zu ahnden! Auch wenn das weh tut. Schweigen ist feige!

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3 Antworten zu “Missbrauchsskandal: Hallo Frau von der Leyen? Frau Köhler? Ist da noch jemand?”

  1. JW sagt:

    Na wie wärs mal mit nem Stoppschild vor der Kirche….
    Aber im Ernst warum verklagt eigentlich kein Staatsanwalt den Ratzinger äääh Benedikt wegen Strafvereitelung im Amt, den nichts anderes macht die Kirche und er hats zu verantworten.

  2. Steffen sagt:

    Herr Ratzinger wurde bereits angezeigt wegen Beihilfe (glaube es war Beihilfe, net ganz sicher, find nich dass das wirklich wichtig is). Leider hat er als Staatsoberhaupt des “Staates” Vatikan diplomatische Immunität die er auch prompt einsetzte. Stoppschild vor der Kirche (festgenagelt, so dass die Tür nicht mehr auf geht) is aber ne gute Idee, was die den Kindern teilweise eintrichtern ist ja auch ohne Sex zweifellos Kindesmissbrauch.

  3. [...] …haben wir mindestens genau so spektakulär gekocht. Ganz groß: endlich nahmen die Mainstream-Medien von unserem illustren kleinen Blog Notiz! Unglaublich: manche zerbrachen sich immer noch den Kopf über eine prophane iPhone App. Weitaus weniger prophan und auch überhaupt nicht zum Lachen war das, was nach und nach aus Richtung insbesondere der katholischen Kirche an’s Licht kam. Man(n) hatte offenbar den Begriff der Nächstenliebe gänzlich fehlinterpretiert. Um so erstaunlicher, dass es um diejenigen, die im Jahr zuvor noch am lautesten nach mehr Schutz für Kinder geschrien hatten, plötzlich ganz ganz ruhig wurde… [...]

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