Domspitzen-Wörterbuch

Der Erfurter Slang, von Insidern auch ‘Erfordsch’ genannt, ist geprägt von lokal benutzten Begriffen, bestimmten Ortsbezeichnungen und Floskeln, die sich dem Außenstehenden oft nicht im ersten Moment erschließen. Hier möchte Domspitzen aufklären und erklärt einige der wichtigsten Sprachartefakte aus der Erfurter Szene.

Allgemeines
Erfordsch bzw. der Mittelthüringer Dialekt als solcher wird von Auswärtigen (”Auswärtsch’n”) gern mit dem Sächsischen verwechselt. Das ist in etwa so, als würde man Bayrisch und Fränkisch verwechseln. Zwar sind einige Sprachmerkmale identisch, jedoch unterscheiden sich Thüringisch und Sächsisch vor allem im Klangbild deutlich.

Typische Merkmale für Erfordsch sind z.B.

  • E wird zu Ä; bestimmend für die Ausprache des Stadtnamens “Ärfort”; mit einem klaren ‘E’ sprechen dies nur Journalisten und andere Freunde aus dem Sprachraum der alten Bundesländer; “Ehrfuat”
  • Anhängen eines flach gesprochenen ‘e’ an jedes Verb; drückn’e, kaufn’e, holn’e, geh’e oder weglassen des schließenden ‘n’; “Musste neimache!”
  • -tig wird zu -sch; Risch’, fertsch; -g wird zu -sch; Morschen, zeischen, Bersch
  • ü wird besonders von älteren Erfurtern in ein ie gezogen; biescheln = bügeln
  • p wird zu b; Bolizei, Bost
  • g wird zu einem kehlig gesprochenen -ch wie in “Ach”; Montach, Dienstach; frachen, sachen (das lange “a” bleibt hier erhalten!) oder als k gesprochen; Gibt klei ä Paar…!
  • Verben werden gern mit Pronomen kombiniert; haben wir = hammar, können wir = kömmar, gehen wir = gehmar, globsch = glaube ich usw.

Wie alles begann…

Vor einigen Jahren wollte ich mit einem Kollegen aus Sachsen-Anhalt essen gehen. Da dieser ewig brauchte, um sich von seinem Platz loszueisen bat ich ihn „sich endlich auszumähren“. Der Kollege schaute mich nur verwundert an, da ihm der Ausdruck „mähren“ gänzlich unbekannt war. Damit war die Idee zum Domspitzen-Wörterbuch geboren.

Erfordsch-Deutsch als Buch?

Das „Domspitzen-Wörterbuch“ gibt es leider nicht in gedruckter Form zu kaufen. An dieser Stelle sei auf Rüdiger Bombergs Buch „Erfurter Mundart“ hingewiesen, das eine sehr umfangreiche Sammlung typischer Erfurter Begriffe sowie Interssantes und Wissenswertes rund um unsere schöne Stadt enthält. Sie können das Buch hier erwerben!

Wörterliste

Hinweis: In der folgenden Wörterliste finden sich Begriffe, die man in Erfurt „öfterst“ hört. Das heißt nicht, dass man diese Begriffe ausschließlich dort kennt. Und noch etwas: viele der aufgeführten Begriffe nimmt der feinere Erfurter natürlich nicht in den Mund.

Wenn dir noch weitere, typische Erfurter Wörter einfallen, nutze bitte unser neues Formular für Verbesserungsvorschläge!

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A

B

D

E

F

G

H

I

J

K

L

M

N

O

P

Q

R

S

T

U

V

W

Z

ä: ein; “’s is ä Traum!”, “Na das is ä Ding!”, “Ma ä ne bescheid’ne Frache…”

Alter Blücher: ehem. schlimme Kaschemme am Herrenberg / Blücherstraße

anderst, auch annerscht: anders

Anger, der: zentrale Erfurter Einkaufsmeile, bekannte Gebäude sind die ehemalige Hauptpost, das Kaufhaus Römischer Kaiser” (heute “Anger 1?), das Stadtmuseum, die beiden Angerbrunnen und das Haus Anger-Eck (momentan “Hugendubel”); Namensgeber für die bekannte Erfurter Band „Anger 77„; LIVE Maps

Anger-College, das: ehem. Förderschule neben dem „Anger-Eck“ gelegen, in der lernschwache Schüler unterrichtet wurden. Spöttelnde Erfurter gaben der Einrichtung den Namen College, die an die Hochschulen in Nordamerika erinnern sollte. Vogelperspektive bei Google Maps.

antatschen: jmd. anfassen, begrabschen, anmähren

Arabella, das: erstes, offiziell lizensiertes Erfurter Bordell in der Salinenstraße

Arzenei, die: Arznei, Medizin; im Gegensatz zu „Battrie“, „Magrine“, „Zigrette“ und „Schoklade“ wird hier ein Vokal eingefügt

Assi, der, auch als Adjektiv: 1. Asozialer; jemand, der durch seine Lebensgestaltung den Konflikt mit der Gesellschaft sucht, alkoholabhängig ist, in verwahrloster Wohnung haust, reduzierte Körperhygiene zeigt, schmutzige Kleidung trägt; 2. als Adjektiv deskriptiv für besonders nieder-instinktives Verhalten, jedoch nicht zwingend im negativen Sinne; massiver Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit; “Hau ab, du Assi!”; “Wie war’s dieses Jahr auf’ m Highfield?” “Genauso assi wie letztes Jahr.”

au: auch

Aufwasch, der: Abwasch; auf dem Gebiet der ehem. DDR generell verbreiteter Terminus für das Reinigen von Geschirr

Backen machen: rumdiskutieren, rumzicken; „Nee, kein Bock auf Kino heute.“ „Ey, mach keine Backen!“

Balkan-Eck, das: Bierlokal im Wohngebiet Moskauer Platz

bammeln (dran-, rum-): hängen, baumeln; „Was bammelte das Dinge da so rum?“

Battrie, die: Batterie

bein: zum; „Ramona, ich geh mal bein Dokter!“

Bemme, die: geschmierte Scheibe Brot/ Schulbrot/ Brotschnitte – wird gerne bei der Arbeit, in der Schule und Kindergarten, aber auch mal zwischendurch genossen.

Berlscht: Berlstedt; Gemeinde im Landkreis Weimar, bekannt durch die ehemals dort beheimatete Diskothek “Queen” (Heute “Kulturhaus Berlstedt“); “Gehte heut?” “Na Berlscht!”

Biddel, der: Beutel, auch Dummbiddel: dummer, primitiver Mensch

bimmeln: klingeln; „’schab gebimmelt – macht keener off!“

Bimmelbahn: 1. Straßenbahn; 2. Klingelbahn, wahllos Klingelknöpfe drücken, bevorzugt in Neubaugebieten bzw. Mehrfamilienhäusern

bläde: blöd; „Mein Gott, ist der bläde!“

bläken (rum-, an-): jemanden anschreien, sehr laut sprechen

Blechbüchsenviertel, das: historisches Erfurt-Nord ohne Rieth, Berliner Platz und Moskauer Platz, begrenzt im Süd-Osten durch den Juri-Gagarin-Ring, im Süd-Westen durch das Nettelbeckufer über Studentenrasen und Salinenstraße, endet im Norden “An der Lache” bzw. Saline, im Osten durch die Hugo-John-Straße und Leipziger Straße. Das Blechbüchsenviertel erlangte bundesweite Bekanntheit nach dem sogenannten “Erfurter Mafia-Mord” an dem Türken Altan Y. Wie das traditionelle Arbeiterviertel zu seinem Spitznamen kam, ist umstritten. Eine Theorie besagt, dass die Kinder finanzschwacher Familien nur Blechbüchsen zum Fußball spielen hatten. Eine andere behauptet, der Name leite sich von den blechernen Brotbüchsen der dort tätigen Schichtarbeiter ab (Google-Maps zur Orientierung).

blem blem: dumm, bescheuert; „Dar ist doch blem blem!“

Blonde, die verrückte: seelisch-divergente Erfurterin, meist zwischen Anger und Domplatz unterwegs und echauffiert sich lautstark über alle anderen Frauen, Gerüchten zu Folge wurde sie von ihrem Mann, einem Arzt, wegen einer jüngeren Frau verlassen

Born-Senf, der: einziger legitimer Aufstrich für Bratwurst und Rostbrätel. Erfunden durch die 1820 von Wilhelm und Luis Born im Stadteil Ilversgehoven gegründete Firma “Gebr. Born”. Selbst Fürst Bismarck gilt als ausgesprochener Freund des Born-Senf, wie er die Firma in einem entsprechenden Dankesschreiben 1870 wissen ließ (Quelle: http://www.born-feinkost.de)

Botten, die: Schuhe; “Mit den Botten kommste hier nisch rein!”

bräteln, braten: Zubereiten von Rostbräteln (”bräteln”) bzw. Bratwürsten und anderem Bratgut (”braten”). Die Garung erfolgt durch direkte Wärmestrahlung, die mit Hilfe von Holzkohle erzielt wird. Das Verwenden von Alu-Bratschalen ist nicht gestattet. Durch heruntertropfendes Öl bzw. Bratensaft auflodernde Flammen sind mit Bier, im Idealfall Braugold Spezial, abzulöschen.

Bratwurst, die: Thüringer Grundnahrungsmittel; gebietsweise auch Bezeichnung für eine ungeräucherte Knackwurst, was natürlich Unsinn ist.

Braugold, das: traditionelles Erfurter Bier, derzeit in drei Sorten angeboten; Braugold Spezial mit herber Betonung, Braugold hell mit eher mildem Geschmack sowie das Traditionsbier Braugold 18 Achtundachzig, welches zuletzt ausgelöst durch eine im Moment dauerhaften Zustand geistiger Umnachtung gesponnene Verschwörungstheorie der Bündnis ‘90/ Die Grünen Thüringen im Blickpunkt der lokalen Öffentlichkeit stand.

brettern: stürzen, fallen („hinbrettern“); rasen; „Man, ich hab mich gestern aufm Anger übelst hingebrettert!“; „Haste gesehen, wie Norman mim Golf grad um de Ecke gebrettert ist?“

Brommochse, auch Brummochse, der: Blödmann, Idiot, Dummkopf; „Was hupte mich der Brommochse so bläde an!?“

Brutzelkiste, die: einziger Imbiss in Erfurt, der rund um die Uhr geöffnet hat; Nähe Stotternheimer Straße

Bude, die: Fahrzeug, PKW; “Was sagste zu Ronnys Fünfer?” “Krasse Bude!”

Bummbaumel, die: Regionaler Terminus für Löwenzahn

dar: der

daddarzu: dazu, „Daddarzu sach isch nüscht!“

Dämse: drückende Schwüle; „Man, was ne Dämse heute!“

demmeln: treten, oft im Zusammenhang mit Radfahren; “Wennde ‘n Steiger nauf willst, musste ganz schön demmeln!”

ditschen: tunken, eintauchen; z.B. ein Stück Kuchen in den Kaffee tauchen; auch: jmd. unter Wasser drücken

Dolmes, der: der, einfältiger Mensch, vergleichbar mit dem Flöhahn

dreschen: sich prügeln

drohschen: starker Regen; „Heute drohschts aber wieder tüschtsch!

droff: 1. darauf; 2. unter Einfluss chemischer Drogen stehend; “Enrico is ja voll droff!”

Dummfotz, der: Trottel, Blödmann

düu: du, Satzsuffix; ähnlich wie Junge, (…) – mein Freund; „Passe ma off, düu!“

Duster, die: blöde Frau, blöde Kuh; „Guck derde Duster an…“

E-Burg, die (vereinfacht auch Burg): Engelsburg, erstmals namentlich erwähnt um 1383, Kulturzentrum Studentenzentrum mit Diskothek, Café und Biergarten “Steinhaus”, ehemaliger Studentenclub der medizinischen Akademie, eine der Geburtsstätten des deutschen Humanismus; LIVE Maps

-ema (auch -äma): -einmal; “Machema!” (Mach einmal), “Nochema!” (Noch einmal)

Esse, die: abwertend für Mund, Fresse; “Esse, du Knecht!”

Etze, die: MZ ETZ, damals unter Jugendlichen heiß begehrtes Erfolgsmotorrad der “Motorenwerke Zschopau”

FC Karl-Heinz, das; (auch Metallurg Schwerdlowsk Jenadze; SpVgg Lobeda Ost; FFV Kernberghausen): Freizeitfußballverein der verbotenen Stadt in Westsachsen und Erzfeind aller RWE-Fans

fertsch: fertig

fetzen: etw. ist toll, super, cool, großartig; „Ey, mein neuer Walkman fetzt urst!“

Fissemadentchen: Fissimatenten, Unfug, Blödsinn

Fläppe, die: 1. Gesicht, meist mit dämlichem Ausdruck, 2. Fahrerlaubnis (siehe auch Lappen)

fleetzen (hin-, rum-; aus dem Norddt.): betont bequem sitzen, halb liegen; “Jetzt setzd’sch ordentlich hin und fleetz nicht so rum, Silvio!”

Flitzpiepe, die: Spinner, Nichtsnutz, Luftikus

Flöhahn, der: Schimpfwort i.S.v. Blödmann, Idiot, Trottel

flotter Otto, der: Durchfall, Diarrhoe

Fluntscher, der: Flutgraben, künstlich angelegter Flusslauf in Erfurt, der die Innenstadt vor Hochwasser schützt

friemeln: pfuschen, flüchtig arbeiten

Fritzer, der: Erfurter Jugendclub in der Talstraße

Funzel, die: Taschenlampe; „Is dunkel!“ „Mache o de Funzel an!“

Furzmulle, die: Bett, Schlafkoje; „So, naus aus dar Furzmulle!“

gägs’sch: zu süß

gaken; rum-: hysterisch schreien, quieken, plärren, bläken

ge: Erwartung von Zustimmung im Sinne von ‘oder?’; “Das war wohl nüscht, ge?”

Gelumpe, das: Universalsubstantiv i.S.v. Zeug, Kram; „Geh mir weg mit dem Gelumpe!“

geigeln; Subst. Geigel: Unfug anstellen, waghalsig mit etwas hantieren, etwas zweckentfremden oder unsachgemäß gebrauchen; „Wisste warum de dich gerammelt hast? Weil de dauernd nur rumgeigelst!“

giekeln, auch kiekeln oder piepeln: stochern, pieken; “Hör off mit dem rumgiekeln!”

Gesindelschleuder, die (auch Gesindelexpress, der): Erfurter Straßenbahn

Gispersleben: Ortsteil mit dörflichem Charakter, unterteilt in Ober- und Unterdorf (Kiliani und Viti); frühere Gemarkungsgrenze war der Grenzweg, heute beginnt Gispersleben hinter der Demminer Straße; Heimat von Schimmi’s Eiseck, dem ehem. Bierlokal “Sonne”, dem Frisör “Karl-Heinz” und dem ehem. Kino, in dem man auch mit 12 Jahren schon P-14 Filme schauen durfte uvm.; Google Maps

Glabberjacke, die: Klapperjacke; unzuverlässiger Kerl, Nichtsnutz, Flöhahn

Glas-Bier-Geschäft, das: Gaststättte/ Kneipe

Glennerbahn, die: härtere, meist etwas hügelige leichter oder stärker abfallende Schneepiste, die bevorzugt mit dem bloßen Schuhwerk oder mit Gleitschuhen befahren wird.

glotzen: gucken, schauen, starren; „Was glotzt’n so hä?“, auch als Substantiv; „Mach de Glotzn off!“

Gnewärdssche, die: Beine, Füße; Quanten

Grill, der: gibt es in Thüringen nicht; siehe Rost

Gusche, die: Mund; “Paar vor de Gusche?”

Haufn’, der: stark abwertend für eine männliche Person; “Hau ab, du Haufn’!”

Hornzche, die: verwahrlostes, heruntergekommenes Haus oder Grundstück; „Was isse das für enne Hornzche?“

Hubdehegschen, das: viel Gepäck, Kram, Gelumpe; „So ä Hubdehegschen schleppste hier an?“

Huckel-Buckel-Land, das: 1. Unbebautes Areal in der Nähe NQV / Moskauer Straße; 2. ehem. Tongrube in der Nähe des Erfurter Zooparks, gern genutzt von Rad- und Mopedpiloten, die mal so richtig die Sau rauslassen wollen; Google Maps; es ist nach wie vor umstritten, welches der beschriebenen Gebiete das “echte” Huckel-Buckel-Land ist bzw. war!

Huhn, das (pl. Hühner): Weibliche Person; „Du bist ein Huhn!“

Hum wie numm: Redensart; einerlei; Das ist gehupft wie gesprungen.

illern: lunzen, heimlich gucken

Junge, der: Satzpräfix oder -suffix in Verbindung mit dem Imperativ eingesetzt, das die Bedeutung der Anweisung unterstreicht; “Du säufst den Wodka jetzt pur, Junge!”; auch mgl. “Junge Junge…” oder auch in Ankündigung einer Drohung “Jetzt gibts auf’s Maul, mein Junge!”

Juri, der: Juri-Gagarin-Ring, zweispuriger Hauptverkehrsring in Erfurt

kampeln: ringen, streiten, sich prügeln (harmlos); „Steve und Maik, jetzt hörte ma uff mit Kampeln!

Käfterchen: kleine Abstellkammer, meist neben der Küche gelegen

Kaufalle, die: Kaufhalle, in der DDR gängige Bezeichnung für Supermarkt

Ketchup, das: beim Braten verpönte, stark zuckerhaltige Substanz mit Tomatenaroma, die niemals mit einer Bratwurst in Berührung kommen darf

Kiebchen, die: Bauern der umliegenden Dörfer;

klei: gleich; “Geht klei los!”

Klunkern: rumhängen, abhängen, nichts tun; „Was machst du heute?“ „Bisschen rumklunkern!“

knastern: eine Zigarette rauchen; „Gehmer eine knastern?“

Knetsch, der: Quatsch, Unfug; “Mach kein Knetsch!”

knetschen: Tratschen, sich unterhalten

Knifte, die: Zigrette

kniepen: jmd. kneifen; „De Nancy hat misch gekniept!“

knubbern: an etwas herumpulen, siehe auch piepeln; „Hör off an deinen Pickeln rumzuknubbern!“

kommersch: Lärm, Unruhe; „Was machen de Wänster hier fürn Kommersch?“

kommunal, auch ostkommunal: kulturelle Artefakte aus DDR-Zeiten; “Wasn’ das für’n Laden?” “Voll ostkommunal!”

Konsum, der: zu DDR-Zeiten Bezeichnung für kleineren Einkaufsmarkt

Krepel, der: dünner Mann, Wicht, Zwerg; allg. etw. mickriges, unscheinbares; „Guck dar den Krepel an!“

Kriepsch, der (auch Krebsch, Griebsch): Kerngehäuse eines Apfels

Krude, die: früher Kohlekrude; Lagerraum für Kohle zum Heizen

kuddeln: Tauschen wertähnlicher Gegenstände; “Wo hast’n das Ärzte-Poster her?” “Aus’m Westpaket.” “Können wir kuddeln?”

Kuhstall, der: ehem. bekannte Diskothek in Erfurt-Schmira

Kunde, der: allgemeine Bezeichnung für eine männliche Person, tendentiell abwertend gemeint, historisch gewachsen in der DDR-Alternativszene der 80er Jahre (damals wertfrei bis positiv); “Wer war’n das?” “Ach, irgend so’n Kunde.”

kutzen, (hin-): sich hinhocken

Labbuhm, das: eigentlich “La Boum”; bekannte Diskothek in Gebesee, einer Kleinstadt nördlich von Erfurt

Lappen, der: siehe Fleppe

latschen, (auch rum-): 1. laufen, gehen; 2. jmd. treten; “Ich latsch dich gleich…”

einen laufen haben: bescheuert sein, irrational handeln; “Du bist wohl verückt!?”, “Du hast wohl ein’ laufen!?”

sich lettern: Sich schlagen, raufen, verprügeln; „Beim Derby’n gestern hamm se sich widder urst geleddert!“

Loden: Haare; „Wie sehne deine Loden wieder aus? Geh mal bein Frisör!“

Lodenschneider: Frisör

Lumpensammler, der: Erfurter Nachtbar am Rande des Blechbüchsenviertels; erlangte regionale Bekanntheit, nachdem Pepe Linhard dort von einer Erfurter Unterweltgröße niedergeschlagen und um 1.000 DM erleichtert wurde.

lunzen: spähen, schielen, abgucken, heimlich beobachten; „Ich hab ne zwei in dar Mathearbeit!“ „Haste doch bestimmt bei dar Nadin gelunzt!“

Lutscher, der: abwertend für eine männliche Person; “Schnauze, Lutscher!”

Magrine, die: Magarine

mähren (auch rummähren, ausmähren): 1. herumtrödeln, sich langsam bewegen oder langsam arbeiten; 2. auch anmähren i.S.v. jemanden anbaggern; 3. etw. vermähren im Sinne von verbummeln/verlieren; “Der hat doch gestern de Sindie angemährt!”

mausen: stehlen, klauen; „Mir hamse gestern das Rad gemaust!“

Mäusschen, das: Kosename für Frau / Freundin; “Na, mei Mäusschen!”

Mensa-Jürgen, der: Erfurter Multitalent; bekocht die Erfurter Studenten, Sänger, Alleinunterhalter und gern gesehener Gast in diversen Erfurter Lokalitäten; Mensa-Jürgen beim Musik-Wikia

Mostrich, der: umg. Synonym für Senf; eigentlich ist ein Senf gemeint, der nicht mit Essig, sondern unvergorenem Traubensaft („Most“) zubereitet wird

Mucke: dem Thüringischen entstammende, nach Meinung heutiger Autoren jedoch allgemeingültige jugendsprachliche Bezeichnung für Musik, ursprünglich tendenziell auf Tanz- und Unterhaltungsmusik bezogen; “Ich habe 10 Jahre lang rumgemuckt”; “Geile Mucke!”

Muschebubu: Schummerlicht, unzureichende Beleuchtung; „Wassä das für ä Muschebubu-Licht hier?“

Muttiäh!: Mutter, besonders in Verwendung beim Rufen nach selbiger, um die Dringlichkeit zu unterstreichen; „Muttiäh! Abwischn!“

Mutscheküpschn, das; auch Muhküpchen: Regionaler Terminus für Marienkäfer

N-Four, das: legendärer Erfurter Underground-Technoclub der ersten Stunde

närschen: herumlaufen, durch die Gegend spazieren; „’sch bin heute de ganzen Tach nur rumgenärscht innar Stadt!“

nauf: hinauf

nei: 1. hinein; 2. zusammen mit eine im Sinne von eine rein, einen Fausthieb abbekommen; “Gibt klei eine nei!”

naus: heraus

nunner, nunter: herunter; “Wie war’s gestern mit Schakklihn?” “Wie immer, nauf – nei – naus – nunner.”

Nibbelwetter, kaltes Wetter

nichoch: nicht doch, auf keinen Fall; „De Ramona hat mittm Rico rumgemacht!“ „Nichoch!“

Niffer, der: Schimpfwort für eine männl. Person; “Du Niffer!”

no (o kurz gesprochen, auch nor): ja; “Das war risch’ gut, ge?” “No!”

Nöhl: Unfug, Firlefanz, Schabernack; “Dummer Nöhl!”

nöhlen: meckern, sich beschweren

Nurzen: Riethnordhausen; Gemeinde bei Erfurt

NQV, die: Abkürzung für “Nördliche Querverbindung”, alternative Bezeichnung für die Straße der Nationen, die das Wohngebiet Moskauer Platz mit dem “Roten Berg” bis hin zur Stotternheimer Straße / Saline verbindet.

nüber: 1. hinüber; 2. Territorium der Bundesrepublik Deutschland bis 1990; “Wo issn dar Mirko?” “Der hat letzte Woche nüber gemacht!”

nuddeln: ausleihern, übermäßig beanspruchen; “Dä Karre is nisch angesprung weil dä Battrie dodahl runtergenuddlt woar!”

Nüschel, die: Kopf (bezogen auf den Intellekt); “Nur bunte Knete in dar Nüschel!”

nuscheln: etw. murmeln, undeutlich sprechen

nüscht: nichts

o, och: auch, „du mußt doch o mal widdar arweiten gähn“ ( du mußt doch auch mal wieder arbeiten gehen)

öfterst: öfter

ortzen: etwas auf dem Teller lassen, Bestandteile einer Malzeit aussortieren; “Mensch, du hast heut schon wieder so geortzt!”

PH, die; (auch PHauker, heute Uni-Kum): Studentenclub der ehem. Pädagogischen Hochschule (heute Universität Erfurt)

piepeln: pulen, fummeln, knubbern; siehe auch giekeln

Plärre, die: Kaffee von schlechter Qualität

plärren, Geplärre: schreien, brüllen, gaken; „Echt Jens, immer das Geplärre beim Anziehen!“

Platte; die: Kopf, Nüschel; “Nüscht in dar Platte aber großes Maul haben!”

pochen: 1. (an-)klopfen; 2. jmd. schlagen; “Ich poch dir glei ä paar, Vochel!”

Puffbohne, die: Stadtmasskotchen; hat seinen Ursprung in den besonders großen Bohnen, die auf dem guten Erfurter Boden gediehen und ihrer Größe wegen “Buffbohnen” (dicke Bohnen; man bezeichnet im Umland auch heute noch wohlgenährte Kinder als “Buffen”) genannt wurden; auch häufig als Bezeichnung für Einwohner Erfurts verwendet. Näheres dazu auf Erfurt.de

Quanten, die: Beine; „Nimm sofort deine dreckschen Quanten da nunner!“

rammeln: sich stoßen; “Man isch hab mir de Nüschel gerammelt!”

Riethschleuder, die: ehem. Kurzstreckenverbindung der Deutschen Reichsbahn, die den Hauptbahnhof mit dem Nordbahnhof verband und dabei das Wohngebiet „Rieth“ durchfuhr.

rinter: hinter, nach hinten; „Bringste ma de Asche rinter?“

risch’: richtig; “Risch geil!”

Rosen-Rosi: Singende Erfurter Rosenverkäuferin und Gegenmodell zum gemeinen Rosen-Inder. Youtubevideo!

Rost, der: Vorrichtung für die Zubereitung von Bratwurst oder Rostbräteln unter Beachtung folgender Regeln: 1) Es wird Holzkohle verwendet 2) Es werden keine Bratschalen verwendet 3) es wird mit Bier abgelöscht

Rostbrätel, das: auch kurz Brätel; Steak vom Schweinekamm, welches traditionell in einer Mischung aus Senf, Zwiebeln, Bier, Salz und Pfeffer mariniert und auf einem Rost zubereitet wird

rungsen: 1. etwas oder jmd. grob behandeln; 2. Geschlechtsverkehr; “Risch’ rungsen!”

RWE, (nur) der: Thüringens Fußballverein Nummer 1 – der FC Rot-Weiß-Erfurt. Gegründet 1895 als Erfurter Kricket Club, dann Sportclub Erfurt 1895. Teilnahme an der Gründungsversammlung des DFB in Leipzig im Jahr 1900. Gaumeister 1903 bis 1910 von Thüringen / Nord-Thüringen. Mitteldeutscher Meister 1909. Mehrfach Gaumeister in den Folgejahren, in den 30er Jahren Nutzung der “Mitteldeutschen Kampfbahn” (heute Steigerwaldstadion) als Heimspielstätte. Ab den 50er Jahren Abrutschen in die Mittelmäßigkeit aufgrund politischer Seilschaften, die auf Kosten der restlichen Vereine gezielt die Förderung des SC Wismut Karl-Marx-Stadt, Dynamo Dresden, des Berliner BFC Dynamo und natürlich auch des FC Karl-Heinz-Jenapharm vorantrieben.

Schäddel, der: Kopf, Platte, Nüschel

Schimmi’s (Eiseck): legendäre Eisdiele in Erfurt-Gispersleben

Schiffshebewerk: Spitzname für das Ende der 80er Jahre begonnene, jedoch nie fertig gestellte Kultur- und Freizeitzentrum in der Regierungsstraße auf dem Areal des Hirschgartens. Das unmittelbar gegenüber der Kurmainzischen Statthalterei errichtete Bauwerk erhielt seinen Spitznamen aufgrund des während der Bauphase gut sichtbaren Stahlskeletts. Nach dem Untergang der kommunistischen Diktatur wurde zunächst die Fertigstellung des bei der Bevölkerung unbeliebten Gebäudes diskutiert. Schließlich wurde es 1994 abgebrochen. Nachdem das Grundstück jahrelang brach lag, wurde 2009 die ursprüngliche Gestaltung als Park „Hirschgarten“ wiederhergestellt.

Schittchen:(Weihnachts)stollen

Schlübber:Unterhose, Schlüpfer; auch als Schimpfwort; „Du Dreggschlübber!“

schlumpern: bummeln gehen, einkaufen gehen

Schmuh, beschmuhen: betrügen, schummeln, täuschen

Schnitzelheinz, der: Fankneipe des FC Rot-Weiß-Erfurt in unmittelbarer Nähe des Steigerwaldstadions; LIVE Maps

Schnulli, der: Quatsch, Unsinn; „Na so ä Schnulli!“

Schoklade, die: Schokolade

Schrutz, der: Gegenstand von minderer Qualität, Unrat, Müll, auch i.S.v. Unsinn; „Im Centrum ham se heut nur Schrutz verkauft“; „Maik hat de ganze Zeit nur Schrutz gefaselt!“

jmd. auf den Schwimmer / Zeicher gehen: Jemanden nerven, belästigen, hartnäckig bedrängen; „Geh´ mir nich auf´n Zeicher, du Kunde!“

seischen: auch schiffenurinieren; “Was stinkte hier so?” “Da hat einer hingeseischt!”

stärz’sch: bezogen auf Gegenstände, meist Pflanzen oder Nahrung; kahl, dünn, armselig; „Wasse das für ’ne stärz’sche Tanne, düu?“

Steiger, der: Waldgebiet im Süden der Stadt, beliebtes Ausflugsziel mit den Lokalitäten Waldhaus, Waldkasino und Bachstelzencafé; Google Maps

Steigerwaldstadion, das: Zentrum des Thüringer Fußballs, erbaut 1931 und eröffnet unter dem Namen “Daberstedter Schanze”, später umbenannt in “Mitteldeutsche Kampfbahn”, nach dem Krieg in “Georgij-Dimitroff-Stadion” und schließlich in “Steigerwaldstadion”; LIVE Maps

Stöcker: Stock, Stöcke; „Komm, wir suchen uns Stöcker und damit spielen Ritters!“

Stromkuh, die: Straßenbahn; „Ich hab kein Bock zu latschen.“ „Nimm doch de Stromkuh!“

Strümmelstrütze: Straßenbahn

Strürtzer, der: Ein tolpatschiger Mensch, meist auf dem Fußballplatz anzutreffen; „Der stürtzer da am Ball mensch mensch…“

Stützer, der: Getränkefachhandel, Getränkestützpunkt

SuSi: Sulzer Siedlung (Wikipedia)

Tach: Guten Tag, Hallo, Begrüßungsform der meisten Erfurter

Triene, die: träge Person, Schlafmütze

übelst: arg, schlimm, stark; “Mandy un Nancy ham sich übelst angebläkt!”

ulfen: (in der ursprünglichen Bedeutung) spucken, außerhalb Erfurts auch sich übergeben; seltener für rülpsen

Urne, die: Jugendclub am Erfurter Herrenberg in der Stielerstraße. Vor der Wende beliebter Jugendclub, Anfang der 90er Jahre als Treffpunkt der rechten Szene bekannt, erhielt seinen Namen wohl wegen des unmittelbar angrenzenden Friedhof; LIVE Maps; weitere (frühere) bekannte Erfurter Szeneclubs: „Kreml“ am Moskauer Platz, „Rubensklub“ in der Rubensstraße, „Drei-Zwanscher“ / WBZ 320 in der Schmidtstedter Straße, „Schleppheim“ an der früheren Straßenbahnwendeschleife gegnüber der EGA, „JuTou“ / Jugendtouristhotel am Juri-Gagarin-Ring, Stadtgarten, „De Villa“ in Gispersleben, „Hirsch“ in Daberstedt

urst: aus der Mode gekommenes Adjektiv im Sinne von sehr, total, absolut; “Guck mal, meine neue Etze!” “Urst geil!”

verkniest: dreckig, schäbig; versifft, vertekst,

versifft: schutzig, dreckig, Ekel erregend; vertekst

vertekst: stark verschmutzt; „Dodal verdägst das Gelumpe!“

Verbotene Stadt, die: ehem. slawische Siedlung mit Stadtrecht am Fuße der sog. Kernberge (dsh. auch Kernberghausen); heute westsächsische Enklave; von der Bundesautobahn A4 aus erkennbar an den unansehnlichen Plattenbauten, weshalb dort nun ein künstlicher Tunnel aufgeschüttet wird, um Durchreisenden den unschönen Anblick zu ersparen. Geprägt durch jahrelange sächsische Regentschaft.

versteckeln: verstecken

Vieselbach: Erfurter Ortsteil im Osten des Stadtgebiets; erstmalige urkundliche Erwähnung im Jahre 1193 und damit gerade einmal 11 Jahre, nachdem die verbotene Stadt erstmals schriftlich beschimpft wurde (witzigerweise wurde die erste urkundliche Erwähnung mittlerweise aus dem Wikipedia-Artikel entfernt, wobei diese im Allgemeinen als Gründungsjahr einer Stadt bzw. Gemeinde betrachtet wird); Google Maps

Vochel, der (pl. Vöchel; eig. “Vogel”): Stark abwertende Bezeichnung einer männlichen Person; “Hallo, ich bin Fancy!” “Hau ab, du Vochel!”

wammsen: sich prügeln; „Rico un Maik ham sisch grad risch gewammst!“

Wanst, der (pl. Wänster): Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren.

Warumme, auch W’rumme: Warum denn?, Wieso denn?

Wasse: Was ist denn los? Was gibt’s denn?; “Wasse?” “Na nüscht!”

wie: als; „Ich find de Cindy besser wie de Nicole!“

Wie enn/ Wie änn/ Wiähn: Saloppe Grußformel, in etwa vergleichbar mit dem ähnlich lautenden “Wie geht’s denn?”

Wisstewie!?: Frage nach Bestätigung, vgl. ge, wörtlich “Weißt du, wie?”; “Wisstewie!?” “Wisschowie!”

wirschen (Subst. Gewirsche, das): abfällig für eine beliebige, meist manuelle Tätigkeit; an etwas herumfriemeln, rummähren; “Was wirschste denn da die ganze Zeit rum?”

Wo’ä: Wo denn?; „Maik hamse vorhin eine gepocht!“ „Escht? Wo’ä?“

Wurscht: egal; „Das is mir Wurscht!“

Zeicher, der: siehe Schwimmer

Zigretten, die: Zigaretten

Für sachdienliche Hinweise bedankt sich Domspitzen bei animo, Je-Pe, Metzchen, Bine K., Annika, Anderl, dar W., Mariohana, Sascha K., Ben G., René T., Stefan M., Ronny H., Janine M., Thomas B., Uwe B., Jule H. und besonders bei Frau Gloer!

Wenn dir noch weitere, typische Erfurter Wörter einfallen, nutze bitte unser neues Formular für Verbesserungsvorschläge!

Update: 24. Januar 2014