Döpfner: „Diskriminierung“ durch Google

Ach herrje, da kommen einem doch wirklich die Tränen. Springer fühlt sich durch Google diskriminiert. Rufen wir uns noch einmal die Timeline der Ereignisse, die zu dieser vorgeblichen Diskriminierung geführt haben, in Erinnerung:

  • 2009: verschiedene Presseverlage, allen voran der Axel-Springer-Verlag mit seinem Schild & Schwert Christoph Keese, fordern ein „Leistungsschutzrecht für Presseverlage“. Google (und andere Suchmaschinen) sollen für Teaser in Suchergebnislisten Geld an die Verlage bezahlen. Damit versuchen die Verlage, marktwirtschaftliche Mechanismen per Gesetz zu untergraben (erstaunlich, besonders beim neo-kon geprägten Springer-Verlag)
  • Die Netzöffentlichkeit ist mehrheitlich erstaunt; ist doch das Anzeigen von Teasern durch Suchmaschinen ein Prinzip von Geben und Nehmen. Die Suchmaschinen bringen Traffic auf die Verlagsseiten, die ihrerseits durch dort geschaltete Werbeanzeigen davon unmittelbar profitieren. Und Google verdient durch eigene Werbeanzeigen, die neben den Suchergebnissen präsentiert werden. Mit dem Geld investieren Verlage in ihre journalistischen Angebote und Google in ihr Technologiecluster. Win-Win, Keese & Co. sehen das aber anders. Hinweise auf bereits existierende Möglichkeiten, Ergbenisse auf Suchmaschinen im Umfang zu reduzieren oder zu unterbinden, werden (wohlwissentlich um das eigentliche Ansinnen der Verlagslobby $$$) wegdiskutiert
  • 2012: Der Bundestag beschließt, dass im Urheberrechtsgesetz die Paragrafen 87f bis 87h hinzugefügt werden, in denen die von den Verlagslobbyisten geforderten Regelungen manifestiert werden
  • Die Verlagslobby jubelt
  • 2013: Google beugt sich dem Gesetz, welches ja nicht besagt, dass Google die erweiterten Inhalte zeigen und dafür bezahlen muss, sondern stellt Suchmaschinen vor die Wahl: Anzeigen und bezahlen oder eben nicht anzeigen. Google nutzt diesen Handelsspielraum, der per Gesetz eingeräumt wurde, aus und macht die künftige Anzeige von erweiterten Suchergebnissen der betroffenen Presseangebote von der Erklärung abhängig, auf ein Entgelt zu verzichten. Sonst werden eben nur noch Überschriften gelistet, wie es das Gesetz verlangt. Die Verlage stimmen zähneknirschend zu
  • 2014: Die VG Media, Geldeintreibeorgan der Verlage, poltert was von „Marktmissbrauch“ und „Monopolen“ (hier könnte man fragen, schafft man nicht durch eine Verwertungsgesellschaft auch eine Art Monopol?), versucht dann auch die Verlage in Sippenhaft zu nehmen, die dieses dämliche Spiel nicht mitspielen wollen („wenn auslisten, dann bitte die gesamte Presse“) und versucht sich beim Bundeskartellamt einen Titel zu holen
  • Das Bundeskartellamt sagt „Nö“
  • Die Verlage bekommen das große Heulen, reden von Diskriminierung und erlauben schließlich Google auch weiterhin das entgeltfreie Listen von Überschriften und Textausschnitten
  • Die Netzöffentlichkeit feiert

Ich zitiere an der Stelle mal Stromberg: „Fuchs musst du sein, nicht nur einen buschigen Schwanz haben“