Nachdem die BILD-Zeitung einige Fotos entdeckt hat, die Bundeswehrsoldaten bei heiteren Spielen mit Gebeinen Verstorbener zeigen, hat Deutschland endlich sein eigenes “Abu Ghuraib”. Vielen gereicht dieser Skandal zur Platzierung ganz eigener Interessen – ohne jedes politisches Fingerspitzengefühl und weit abseits jeglicher journalistischer Verantwortung.
In Sachen Kriegsverbrechen brauchen wir Deutschen uns nun wahrlich nicht zu verstecken. Da erscheint der “Skandal”, der seit ca. 2 Wochen die Medienöffentlichkeit beschäftigt, doch eher vernachlässigbar. Das sieht die BILD natürlich ganz anders und ist damit bei weitem nicht allein.
Da liest man beispielsweise diese Woche im Spiegel, wie die Bevölkerung des Alpenstädtchens Mittenwald darunter leidet, dass die ersten Fotos Gebirgsjäger aus der örtlichen Bundeswehrkaserne zeigen. “Nicht übertreiben, nicht aufbauschen, im Grunde habe die Sache mit Mittenwald ja gar nichts zu tun” zitiert der Artikel die Einheimischen so, als wäre das eine feige Ausrede. Und vergisst einige Zeilen später auch nicht den obligatorischen Hieb auf die “Skandalpresse” (“Seit sechs Uhr lauern zwei Übertragungswagen der TV-Stationen auf Informationen”), um gleichzeitig selber Teil dieser medialen Inszenierung zu sein.
Und heute schließlich bringt es wiederum die BILD-Zeitung auf den Punkt und textet “Terroralarm in Deutschland”. Gleichzeitig bekommt die Diskussion um die Fotos einen, ganz BILD-typischen Namen: “Totenkopf-Skandal”.

Heute in BILD: Jaaaah! – endlich ist Krieg!
Medien und Politik reden eine reale Gefährung herbei
Und zwar in einer Art und Weise, dass man eine Absicht dahinter vermuten könnte. BILD belegt ihre These durch die fehlgeschlagenen Bombenattacken auf Züge der Deutschen Bahn im August. Wie sich zeigt, “reichten bereits” lieferten vermutlich die in einer dänischen Zeitung veröffentlichten Mohammed-Karrikaturen das Motiv für die Beinhahe-Attentäter. Nun bin ich kein Islam-Experte, aber die Umstände lassen zumindest vermuten, dass für eingefleischte Islamisten eine Mohammed-Karrikatur in einer ganz anderen Liga spielt, als Bundeswehrsoldaten, die mit den Gebeinen toter, russischer Soldaten posieren.
Denkt man nur an die Aufnahmen von Irakern, die getötete GIs durch Falludscha geschleift haben, so wäre die ganze Affaire wahrscheinlich am Interesse der islamischen Welt vorbeigegangen wäre. Aber zum Glück gibt es ja die BILD-Zeitung und deren Erfüllungsgehilfen Beckstein, Struck, Schäuble und wie sie alle heißen.
Es bedarf sicherlich einer gehörigen Portion Pietätlosigkeit, Fotos mit den Knochen von Toten zu drappieren. Inwieweit man dies Menschen vorwerfen sollte, die täglich mit grausamen Bildern konfrontiert werden und für die der Tod zum Alltag gehört, darüber kann man freilich diskutieren. Aber sobald es im Zusammenhang mit den Fotos aber tatsächlich zu einem Anschlag kommt – in Deutschland, Afghanistan oder irgendwo anders auf der Welt, steht für mich fest, wo die Schuldigen zu suchen sind.