Archiv für die Kategorie ‘Schabernack’

DJs – früher und heute

Montag, 08. September 2014

1997: Der kanadische DJ A-Trak gewinnt mit 15 Jahren die DMC World Championship.

 

2014: Natalia París, ein kolumbianisches Model und „DJane“ berührt die Regler eines DJ Mischpultes. Man beachte das Macbook links im Zusammenhang mit den Timecodes der beiden Player („00m:00s:00.0“). Pro Stunde Regler anfassen verdient sie 10.000 Dollar.

Wie oft denn noch?

Montag, 18. August 2014

Qualitätsjournalisten bezeichnen den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte immer wieder als „EU-Gericht„. Mindestens genau so oft wird behauptet, Adolf Hitlers Buch „Mein Kampf“ wäre in Deutschland verboten:

„Mein Kampf“ bleibt verboten.

Also, zum gefühlt tausendsten Male: Das Buch ist in Deutschland nicht verboten. Nach gängiger Rechtsauffassung liegen die Nutzungsrechte beim Freistaat Bayern. Der lässt das Buch nicht drucken; womit es defacto in Deutschland nicht verbreitet wird. Das bayerische Finanzministerium meint zwar, das Buch wäre aufgrund von Volksverhetzung verbotswürdig, aber das steht zunächst mal auf einem ganz anderen Blatt. Die ganze Geschichte findet man übrigens mit 2 Suchbegriffen und 2 Klicks bei Wikipedia anschaulich aufbereitet.

Quotenossi

Montag, 03. Februar 2014

Irgendwie schaffe ich es seit ein paar Jahren, nach einer fröhlichen Runde an genau jenem Freitag im Jahr auf der Couch vor dem Fernseher zu sitzen, an dem RTL den Einzug in das „Dschungelcamp“ wiederholt. Meistens verliert sich meine Aufmerksamkeit nach einem kurzen Blick auf die Kandidaten und ich erwache mitten in der Nacht mit dem unguten Gefühl eine größere Menge an Gehirnzellen verloren zu haben.

Wer bei „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ einzieht, war entweder irgendwann mal ein „Star“ oder wäre gern einer. Ein Karrieresprungbrett ist die Sendung dabei für keinen der Protagonisten; allenfalls verschaffen sie sich einen ersten oder letzten größeren Schwung an Aufmerksamkeit, bevor sie mit etwas Glück Baumärkte und Autohäuser eröffnen dürfen.

Den einen oder anderen kennt man noch: Mola Adebisi moderierte bei VIVA, als dieser noch ein Musiksender mit durchaus anarchistischen Tendenzen war; Tanja Schubert kenne ich von „RTL Samstagnacht“. Winfried Glatzeder, den sie wie ich mich zu erinnern meine als „Don Juan der DEFA“ vorstellten, sprach von seinem „vielleicht letzten großen Abenteuer“ als Antwort auf die von ihm selbst gestellte Frage „Warum macht der das?“. Traurig.

Nun, die anderen Kandidaten bewegten sich zwischen „Name mal gehört“ und „wer zum Teufel ist das“. Offenbar fiel es auch dem SPIEGEL schwer, die Gewinnerin Melanie Müller in den richtigen Kontext zu setzen. Und so reduziert das Magazin das Erotikmodel auf eine ihrer wesentlichen Eigenschaften:

Nach einer letzten Prüfung (…) setzte sich die Ostdeutsche Melanie Müller überraschend als Dschungelkönigin durch.

Wenn man ein österreichiches Model ist, ist man auch beim Spiegel ein österreichiches Model. Wenn man Jochen Bendel ist, ist man einfach der „Ex-‚Ruck-Zuck'“-Moderator, aber wenn man aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen kommt ist man schlicht und ergreifend: Ostdeutscher.

Faux-Palla

Samstag, 11. Januar 2014

Eines muss man der CSU ja lassen: sie haben wirklich Sinn für Humor.

 „Unser Problem in Deutschland ist doch eher, wenn man sich unsere Nachbarstaaten oder die USA anschaut, dass es zwischen Politik und Wirtschaft eher zu wenig als zu viel Austausch gibt“

lolwut???

http://www.tagesschau.de/inland/pofalla230.html

Vom Code zur Ikone

Sonntag, 18. August 2013

Vor einigen Jahren erzählte mir ein Bekannter die folgende Geschichte: Bei fast jeder seiner Heimfahrten von Jena in einen anderen Teil thüringische Provinz wurde er von der Polizei herausgewunken. Seine Personalien wurden kontrolliert und man warf auch gern einen Blick in sein Auto. Nach einigen dieser Kontrollen fragte er die Beamten, ob es einen bestimmten Grund gäbe, warum gerade er so häufig kontrolliert würde. „Na bei Ihrem Kennzeichen, wundern Sie sich da?“ wurde ihm geantwortet. Sein Kennzeichen enthielt die Zahl 88.

Viele wissen mittlerweile, dass die 88 als „Geheimcode“ der rechtsradikalen Szene gilt. Die 8 repräsentiert dabei den 8. Buchstaben des Alphabets, das H. 88 steht demzufolge für HH, was wiederum die Abkürzung des faschistischen Grußes „Heil Hitler“ ist. Mein Bekannter hatte mit der rechten Szene natürlich nichts am Hut, er hatte einfach nur „Pech“ mit seinem Kennzeichen. Von solchen Zahlencodes gibt es eine ganze Menge, kann man bei Wikipedia nachlesen.

Vor 5 Jahren brachte Braugold ein Bier mit der Bezeichnung „Braugold 1888“ heraus. Fatalerweise begab es sich im Jahr 1888, dass Braugold den Firmensitz in der Löbervorstadt bezog. Und da dachte man sich bei Braugold, das gäbe einen guten Aufmacher für eine neue Biermarke her. Nun ist 1888 aber eine ganz besonders schlimme Zahl, denn: 18 = 1. und 8. Buchstabe = A.H. = Adolf Hitler, und dann noch die verrufene 88 hintendran.  Schnell waren die Thüringer Grünen dabei, in einem empörten Aufschrei die Umbenennung des „brisanten Biers“ zu fordern.

Ein ähnliches Problem hat derzeit Tchibo. Man hat dort unachtsamerweise rote Kinderturnschuhe mit der Aufschrift „18“ ins Sortiment genommen. Zum Problem wurde dies erst, nachdem das Watchblog publikative.org einen nicht ganz ernst gemeinten Eintrag auf seiner Facebook-Seite postete: „Vergesst Thor Steinar und alle anderen Neonazi-Marken: Jetzt kommt Tchibo…“

Die Folgen: Tchibo hat die Schuhe aus dem Sortiment genommen. Man erkennt, wie paranoid die Debatte über solche vermeintlichen  rechten „Geheimcodes“ mittlerweile geworden ist. Geheimcodes sind nur dann sinnvoll einsetzbar, wenn sie nur die Adressaten kennen. Folglich taugen die ikonisierten Codes 18, 88, etc. allenfalls noch als Provokation, indem sie tätowiert oder absichtlich (!) auf Autokennzeichen verwendet werden. Dort können Sie ihre Wirkung aber nur deshalb entfalten, weil eben alle Welt gleich panisch aufschreit, wenn diese Ziffern irgendwo und aus irgendeinem Kontext heraus auftauchen, und sei es als Zahl auf ein paar Kinderschuhen. Damit erreicht man gerade das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte. Man mystifiziert diese Symbole. Das Darstellen eines Hakenkreuzes in der Öffentlichkeit ist außerhalb eines geschichtlichen Kontextes heraus verboten. Das führte letzten Endes dazu, dass der Bundesgerichtshof vor 6 Jahren darüber zu befinden hatte, ob das Verbot auch ein durchgestrichenes Hakenkreuz als Zeichen der Antifa-Bewegung umfasst.

Dadurch, dass wir Geschichte verstecken und nicht transparent machen, dass wir Bücher und Symbole verbieten, schaffen wir Mythen und Märtyrer. Wir halten dem, was wir eigentlich aus unserem kollektiven Bewusstsein verbannen wollen, einen Steigbügel indem wir ihm den Reiz des Verbotenen verleihen. Heute ist übrigens der 18.8. Mein Thermometer zeigte heute Morgen 18,8° Celsius. Wer mag da noch an Zufälle glauben?

Sie hat „Jehova“ gesagt!

Dienstag, 14. Mai 2013

Angela Merkel hat endlich gestanden. Ja, die Bundeskanzlerin hat tatsächlich eine „DDR-Vergangenheit“ was in Anbetracht der Tatsache, dass sie 35 Jahre lang in dem Staat lebte nicht wirklich verwundern kann. Anke Sirleschtov vom Tagesspiegel kommentiert dazu:

Und dann: „Auch ich war in der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft.“ Als sei nichts dabei, Mitglied dieser antidemokratischen Vereinigung gewesen zu sein, in der praktisch fast alle erwachsenen DDR-Bürger waren. Angela Merkel jedenfalls findet an diesem Sonntagabend nichts Verwerfliches mehr (…)

Soll das jetzt lustig sein? Ist das sarkastisch gemeint? Man kann natürlich streng logisch schlussfolgern, das in einem antidemokratischen Staat auch all dessen Organisationen antidemokratisch sind. Ich weiß nicht, wo Frau Sirleschtov aufgewachsen aber offenbar nicht in der DDR. Sonst könnte sie realistischer einschätzen, welchen Stellenwert diese „antidemokratischen“ Organisationen großenteils eingenommen haben. Sie schreibt ja selbst, sprachlich etwas holprig: „in der praktisch fast alle erwachsenen DDR-Bürger waren“. Wenn man also per default Mitglied einer Organisation zu sein hat, wie eben den Jungpionieren, der FDJ, dem FDGB oder der DSF liegt es eigentlich auf der Hand, dass nicht die Begeisterung für die Sache den Auschlag dazu gegeben haben kann. Wolfgang Schilling hat die Rolle der DSF heute früh im mdr schön zusammengefasst. dass es nämlich [sinng.] darum ging „ein Mal im Monat einen Russenfilm anzuschauen den man aber tunlichst nicht so nennen durfte“.

Genau so war es mit den Pionieren und der FDJ, und auch dem FDGB, dem man im Zweifel den einen oder anderen netten Ferienplatz verdankte. Von Angela Merkel deshalb eine Entschuldigung zu erwarten käme der Forderung gleich, sie entschuldigte sich in der DDR geboren zu sein.

Die Welt ist nicht genug

Freitag, 01. März 2013

Warum nicht gleich das ganze Universum?

tagesschau_paps

 

 

 

Liebe Tagesschauredaktion, zur Erinnerung: Ca. 6 Mrd. Menschen geht der katholische Papst am Arsch vorbei.

Mr. Unfehlbar

Dienstag, 26. Februar 2013

Wenn die BILD über den Papst und den Vatikan berichtet, wird es feierlich. Kerzen werden angezündet, die Luft beginnt zu flimmern. Weihrauchschwaden vernebeln den verklärten Blick.

Es muss den Qualitätsjournalisten von Springer offensichtlich schwer fallen, über die jüngeren Kirchenskandale im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen zu berichten. Ungewohnt nüchtern lesen sich die Artikel über bekannt gewordene Missbrauchsfälle. Auf das BILD-typische Vokabular („Sex-Bestie„, „Sex-Monster„) verzichtet das Blatt stets, wenn es sich beim Täter um katholische Geistliche handelt. Ebenso spart sich BILD die Suche nach Verantwortlichen. Wenn es um Stellungnahmen und Reaktionen geht, ist stets verallgemeinernd von „der Kirche“ die Rede.

Besonders der Vorstandsvorsitzende der in Linienorganisation strukturierten Glaubensgemeinschaft, Papst Benedikt, kam im BILD-Universum ohne einen Flecken auf der Soutane davon:

Auf der einen Seite das diffuse, namenlose Böse, auf der anderen Seite der Papst der die Ärmel hochkrempelt und aufräumt.

Wenig verwunderlich stimmt folglich die Lektüre des BILD-Artikels zu den jüngsten Missbrauchsvorwürfen gegen den britischen Kurienkardinal Keith O’Brien, der als Hardliner (ja, Link geht auf Fox-News!) im Kampf gegen gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften gilt.

So heißt es gleich zu Beginn:

Papst Benedikt XVI. (85) wollte nicht davonlaufen vor den Problemen. Er wollte den Stuhl Petri erst räumen, wenn sich die Wogen um die Vatileaks-Affäre und die Missbrauchsvorwürfe geglättet haben…

Nach der BILD-Logik läuft man also vor Problemen davon, wenn man als Konsequenz aus einem Skandal von seinem Amt zurück tritt. Lässt man Gras über die Sache wachsen, ist das natürlich in Ordnung. Ähm… nun ja. BILD nutzt übrigens die Chance, im Schatten des O’Brien Rücktritts auf die Spekulationen der „La Repubblica“ einzugehen, die bereits am Donnerstag über einen Zusammenhang zwischen dem Papst-Rücktritt und der Vatileaks-Affaire spekulierte.

Auslöser für den neuen Wirbel ist nun ein Bericht der Zeitung „La Repubblica“ (…), die seit Monaten im Clinch mit dem Heiligen Stuhl liegt, [die Zeitung] hatte zuvor schon mehrmals zurückrudern müssen.

BILD stellt die nun folgenden Vorwürfe zunächst also in den „richtigen“ Kontext.

Von Machtkämpfen und Karriere-Seilschaften in der Kurie schrieb die Zeitung, gar von einer einflussreichen „Schwulen-Lobby“.  Als wäre es im 21. Jahrhundert noch eine Nachricht oder ein Skandal, dass auch hinter den Mauern des Kirchenstaates Homosexuelle leben und arbeiten.

Ach! Plötzlich tut BILD so, als würde die ganze Diskussion zur Einstellung der katholischen Kirche gegenüber Homosexuellen überhaupt nicht existieren! Und als wäre im Titel des Artikels nicht die Rede von „bösen Gerüchten“. Was ist denn so „böse“ an diesen Gerüchten? Stimmt ja, diese Hetzmedien giften gegen den Papst und damit gegen uns (denn „Wir sind Papst“!)

Wie auch immer – Benedikts Abschied wird von diesen bösen Gerüchten überschattet. Verdient hat er das nicht!

Bigotterie ist ja nun „weiß Gott“ nichts neues, wenn es um BILD geht. Doch selten wurde sie in einem einzigen Artikel so anschaulich dargestellt.

Neues aus dem Glashaus

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Zugegeben: das Internet hat den Konsum von Pornographie ungemein vereinfacht. Früher wurden auf dem Schulhof heimlich Bildchen oder Heftchen getauscht, manche verrauschte VHS-Kassette aufwendig kopiert. Heute genügen wenige Klicks, um entblößte Genitalien zu sehen und nackte Menschen beim Kopulieren beobachten zu können, hochaufgelöst. Man kann geteilter Meinung sein, wie die Gesellschaft mit dieser Tatsache umgehen soll. Da Verbote und Zugangsschranken noch nie wirklich funktioniert haben (s.o.), könnte man die Hochverfügbarkeit von P-18-Material als gesellschaftliche Herausforderung sehen.

Man kann natürlich auch laut schimpfen über den ganzen Schmuddelkram, das ist legitim und von der Meinungsfreiheit gedeckt. Nehmen wir mal folgende Aussage:

Sie zerstören die Liebe. Den ersten Kuss. Das Erröten. Die Schwitzhand. Das Zittern, wenn die Hand von der Schulter hinuntergleitet.

Ja, etwas plakativ formuliert. Schon ziemlich plakativ formuliert, und manche haben den Autor wohl bereits am Stil erkannt. Und es macht dieses ganze Statement über die Verhaftung des „YouPorn-Chefs“ zur Satire des Jahres, denn es wurde von Franz Josef Wagner verfasst. Genau, der von der BILD. VON DER BILD!1111!!!EINSELF!

Sie zerstören den Traum, dass Mädchen Blumen sind, mehr als Titten und Hintern.

Muahahahahaa….

Sommerloch 2012

Dienstag, 21. August 2012

Der Preis für das Sommerloch 2012 geht an: Peter Ramsauer. Der Verkehrsminister hat mit seinen Plänen, den Städten und Gemeinden Gestaltungsfreiheit bei der Wahl von Kennzeichen zu geben (oder wie die BILD-Online es so schön formuliert „Irsinn mit den Nummernschildern„) sicherlich den Peak an politischer Irrelevanz erreicht. Nun wäre die BILD nicht die BILD, könnte sie diese Unmeldung nicht noch mit dem einen oder anderen Fnord anreichern:

Sollen alte DDR-Kennzeichen wieder eingeführt werden dürfen?

Nein. Das soll nicht erlaubt werden.

Ja, auf diese Spekulation muss man erst einmal kommen. Nun ist es aber nicht so, dass die BILD-Redakteure sich alles aus den Fingern saugen müssen. Rainer Wendt, berühmt-berüchtigter „DPoIG-Chef“ erklärt, hält die Vorschläge aus dem Verkehrsministerium für keine gute Idee, denn:

„Die Kollegen werden die kryptischen Buchstabenkombinationen kleiner Ort [sic!] schwerer entziffern können. In der Folge wird es schwerer werden, die Täter bei Ordnungswidrigkeiten und Straftaten zu ermitteln”, sagte er.

Um es mit Fefe zu sagen „die besten der besten Sir!“ Ob ein Kreis- oder Stadtkürzel „kryptisch“ ist, mag nun sicher im Auge des Betrachters liegen. Eines ist aber unstrittig: dass Polizisten beim Ermitteln eines KFZ-Halter kein „Kennzeichenraten“ wie im Stau auf der Autobahn spielen.

Mal ganz davon abgesehen möchte ich an dieser Stelle auf die sogenannten „Vanity-Plates“ hinweisen, also Kennzeichen mit individuellen Kürzeln, wie sie in den USA oder z.B. auch bei unseren Nachbarn in Österreich üblich sind und mit denen sich die Kommunen sicher ein hübsches Zubrot verdienen. Herr Wendt kann die Kompetenz österreichicher Ermittlungsbehörden ja gern mal auf die Probe stellen, indem er probiert ohne Pickerl von Salzburg nach Wien zu fahren!