Archiv für die Kategorie ‘Schabernack’

Medienkompetenz bei BILD-Online

Montag, 05. Dezember 2011

Heute zu lesen:

Ich meine: Um-bruch

Qualität im Abwärtstrend: Gottschalk geht zur ARD

Freitag, 15. Juli 2011

Prestige [pʁɛs.ˈtiːʒ] bezeichnet den Ruf (Leumund) einer Person, einer Sache (z. B. eines Gegenstandes, eines Ortes oder einer Institution), oder einer Gruppe von Personen oder von Sachen in der Öffentlichkeit eines bestimmten kulturellen Umfeldes.

Quelle: Wikipedia

Über das “Prestige”, also den Ruf von Thomas Gottschalk kann man sicherlich streiten. Ohne Zweifel ist Gottschalk eine der zentralen Figuren der deutschen Fernsehunterhaltung. Ich erinnere mich noch an das damals revolutionäre Format “Na sowas…”: Turnschuhe, flapsige Sprüche; endlich einer, der aufräumte im miefigen Endsiebziger-geprägten Unterhaltungsgrau zwischen mittäglicher Zweikanal-Versuchssendung und Testbild. Neben Frank Elstner gelang es Thomas Gottschalk, der Sendung “Wetten dass…” seinen Stempel aufzudrücken. Ein Format, in dem selbstreferentielle Kalauer und vorhersagbare Grapschereien durchaus ihre Daseinsberechtigung haben. Nun überrascht es ein wenig, in welchem Format die ARD “Deutschlands prestigeträchtigsten Moderator” künftig einsetzen möchte:

Was sie dem Show-Giganten offerieren, scheint erstmal alles andere als attraktiv: ein Quickie vor der “Tagesschau”, wo der Moderator ohne Live-Publikum im kleinen günstigen Studio über tagesaktuelle Dinge plaudern, twittern und skypen soll.

Das “klingt” nicht nur erst einmal alles andere als attraktiv – das ist vor die Wand fahren mit Anlauf. Bedenklich stimmt auch, dass Gottschalk mit der Sendung Teil einer Umstrukturierung der ARD sein soll, so zumindest die Meinung des Spiegel-Autors:

Zu dieser Image-Offensive gehört auch, dass die ARD-Neuerwerbung Kai Pflaume immer freitags zu seinem Quiz “Drei gegen Kai” antritt.

Denn die ARD hat großes vor:

Dem Vorabend soll ein neues, größeres und vor allem auch jüngeres Publikum erschlossen werden.

Mit Gottschalk und Kai Pflaume? Man möge mir verzeihen, wenn der Artikel an dieser Stelle endet. Der Autor krümmt sich gerade vor Lachen am Boden…

Via Spiegel.de

Symbolterroristen

Mittwoch, 06. Juli 2011

Update: Die “Junge Polizei Bremen” hat die Fotos zurück gezogen und ein entsprechendes Statement dazu veröffentlicht.
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Ach ja, die lieben Klischees. Der Franzose trägt Baskenmütze, gestreiften Pulli, hat ein Baguette unterm Arm und die Gitanes in den Mund geklemmt. Der Pole klaut gern, Italiener schreien sofort nach der Mama, Griechen haben immer eine Ouzo-Fahne und tanzen den ganzen Tag Sirtaki (wenn sie mal nicht gerade unseren Euro kaputt machen), Ungarn leben alle in der Puszta und der Deutsche trägt zu jeder Tages- und Nachtzeit Lederhosen und trinkt ausschließlich Bier. Solche Komplexitätsreduktionen mangels kulturellen Interesses oder begrenzten geistigen Horizonts sind Teil unserer Alltagskultur und so verwundert es nicht, dass sich die BILD mal wieder total lustig findet, wenn sie die seit gestern von Dänemark wieder verstärkt durchgeführten Grenzkontrollen einem ausgiebigen Test unterzieht.

Genau so sieht nämlich ein “Islamist” aus. Bart, Käppchen, Kaftan, Pali-Tuch. Der keck verkleidete BILD-Reporter wird durch die Grenzkontrolle gejagt und BILD stellt verwundert fest:

In der orientalischen Tracht darf er seinen Audi sogar neben den Grenzbaum der A 7 fahren. Verdächtig findet ihn keiner der dänischen Zöllner

Der Schabernack findet seine Fortsetzung, indem derselbe Reporter im selben Audi (der stets gut erkennbar ins Bild gerückt wird) als “Schwarzgeldkurier” (im Anzug mit Metalkoffer), als “Hippie” (“Afro-Perücke, Sonnenbrille”) und “Bierschmuggler” (in Fußball-WM Montur) vermutlich denselben Grenzübergang durchquert. Total lustig, wirklich. Aber zurück zum Islamisten: das Angebots-Nachfrage-Modell von BILD und das geistige Potential eines Großteils der BILD-Leserschaft bedingt quasi die archetypische Darstellung des potentiellen Terroristen als gruseligen Muselmann. Etwas beunruhigend wird die Sache allerdings, wenn man feststellt, welche gesellschaftlichen Instanzen sich noch solcher grotesk reduzierten Sinnbilder bedienen:

Jap. Die da. Unser Freund und Helfer.

Schampus-Schock!

Montag, 16. Mai 2011

Och menno… heute morgen, kurz nach 9: Ich fröne meinem täglichen Morgenritual; marschiere in den Norma, um mir meine Tagesration Champagner zu organisieren. Dann der Schock: leere Regale! Ganz hinten in der Ecke steht noch eine Flasche Rotkäppchen halbtrocken. Aber Gesindelbrause ist nicht! Ich schnappe nach Luft – wende mich verzweifelt an den Marktleiter: “Sorry, Großer. Lieferengpass!” Mist! Was ist da los? Ein seltener Rebenpilz, der Nordfrankreich heimgesucht hat? Nein, wie ich wenig später beim Abstecher zum örtlichen Trinkhallenkiosk erfahren muss:

Hab ich’s doch gewusst…

The Fall Of The Reissack & polnische Zuckerhamster

Donnerstag, 14. April 2011

Qualitätsjournalismus… oder wie nennt man es, wenn eine Thüringer Lokalzeitung online über eine Schulhof-Prügelei zwischen 13-jährigen berichtet?

Zu den Motiven gibt es derzeit noch keine Aussage.

Ich hoffe, da wurde schon eine 10-köpfige Soko gebildet mit Kriminologen und Profilern und dem ganzen Klimbim…

Man hätte ja wenigstens etwas übertreiben können (ersetze “Turnbeutel” durch “Sack mit Türklinken”), so wie es die BILD vormacht. Die Tagesschau weiß heute, dass Lidl und Kaufland in den grenznahen Gebieten zu Polen die Verkaufsmengen für Zucker begrenzen wollen – ob der hohen Nachfrage. BILD kommentiert dies folgendermaßen:

Drogen im Kaffee

Donnerstag, 07. April 2011

Vielleicht hat ja der Verzicht auf den morgentlichen Latte-Macchiato-Einlauf anlässlich des Weltgesundheitstages dem einen oder anderen Schreiberling das Hirn vernebelt. Von der BILD ist man ja so einiges gewohnt. Weniger verwunderlich als eher amüsant wirken daher auch die heutigen “Gewinner & Verlierer” in der Berliner Krawallpostille, von ereignisblick sehr schön kommentiert.

Etwas erstaunt bin ich hingegen über diesen realitätsfremden Kommentar zur FDP bei Spiegel-Online:

Eine Marktwirtschaft braucht Politiker, die strenge marktwirtschaftliche Prinzipien vertreten.

Ja, es geht tatsächlich um die FDP. Genau – DIE FDP, die gerade in der aktuellen Legislaturperiode vor allem durch Klientelpolitik auf sich aufmerksam machte. Seitliche Arabeske: Norbert Blüm, der heutige BILD-Gewinner, hat vor drei Jahren mal sehr schön gegen die Lobbypolitik gerantet!

Lehrstunden des Boulevards

Mittwoch, 26. Januar 2011

So fasziniert (Schlange-kaninchentechnisch betrachtet) manche Leute das “Dschungelcamp” verfolgen, lese ich in höchstem Maße amüsiert die BILD’sche Weltsicht der heutigen Guttenberg-Befragung. Ob meiner fatalistischen Weltsicht (Hurra wir verblöden alle!) bin ich indifferent, ob nicht auch der simpelste BILD-Rezipient diese dermaßen offensichtlich lancierte Glorifizierung des Barons zu Springers Gnaden durchschauen muss.

Ekel-Rituale, Sex-Attacken, menschenunwürdiger Drill (…)

Dies stimmt den Leser ein und entspricht dem bigotten Wortschatz des bunten, mit Lettern versehenen Einwickelpapiers. Kontextunabhängig; Sex kommt immer gut bei Diekmanns Truppen. Aber ich schweife ab… Also weiter, unspektakuläres Blahfasel zur Aktuellen Stunde, die einberaumt wurde… weil?

Denn die Opposition verlangt Aufklärung, schießt sich auf den beliebtesten Minister der schwarz-gelben Regierung ein.

Da sind sie wieder, die militärischen Metaphern. Der arme Baron unter schwerem Artilleriefeuer! Das nun folgende heitere Protokoll sollte man aus Gründen der Logik von hinten nach vorn lesen:

10.33 Uhr: Minister Guttenberg kommt federnden Schrittes zum Verteidigungsausschuss.

Where I stand the sun is shining all over the place” *muahahaha* Bitte greifen Sie jetzt zum Popcorn!

Hinter verschlossenen Türen wollen dort vor allem die Oppositions-Abgeordneten den Verteidigungsminister „grillen“.

Die arme Wurst!

Unions-Abgeordnete fanden ihn überzeugend, die SPD natürlich nicht.

Natürlich nicht. Es ist ja auch die SPD! Spielverderber, elendige! Es wird fleißig spekuliert; man wäre so gern Fliege an der Wand. Also bleibt das weitere Geschriebs sekundärbequellter Spekulatius (“Teilnehmer berichten” usw.) Schließlich hat der Spuk ein Ende und der schwarze Baron tritt vor die Pressemeute:

Die erhobenen „Vorwürfe sind alle unbewiesen“. Gleichzeitig mahnt er dazu, erst die Aufklärung der Vorfälle abzuwarten.

Ahh! Deshalb hat er den Captain also abgesägt. Weil nichts weder bewiesen noch aufgeklärt ist. Ähm, wo versteckt sich hier die Logik? Ich habe sie noch nicht gefunden! Jedoch scheint die Befragung nicht vollends spurenlos am Minister vorbei gegangen zu sein:

Deshalb verteidigt er auch erneut seine (…) Suspendierung des Kommandanten der „Gorch Fock“. Sie sei jedoch nur vorläufig.

Na da schau her! Das ist gemeint, wenn von “hartem Durchgreifen” schwadroniert wird! Ich diagnostiziere Symptome einer akuten Umfalleritis. Und wir lernen – er ist eben doch nur ein Mensch Politiker!

PS: Bitte dieses Gesamtkunstwerk unbeding selber lesen! Schaut euch nur mal das “fiese” Foto von Hellmut Könighaus an. Da haben sie in der Redaktion bestimmt Stunden gesucht! Die Umfrage ist auch der Knaller! Ich würde darauf wetten, dass da rumgeschraubt wird. Und die Kommentare… ich sehe vor meinem geistigen Auge gerade 20 Leute im Springerbuilding sitzen und fleißig tippen. Großes Kino!

* Alle hervorhebungen von DS. *

Dioxin stammt aus altem Frittenfett

Samstag, 22. Januar 2011

Das verbotene Dioxin soll durch altes Fett ins Tierfutter gekommen sein.

Na dann ist ja alles gut! Bitte weitergehen!

Via Tagesschau

Kreisverkehr Fail

Freitag, 07. Januar 2011

Es muss nicht immer eine 3m hohe Rabatte sein, die das Zentrum eines Kreisverkehrs markiert. Was sich die Erfurter Verkehrsplaner allerdings bei dieser Konstruktion gedacht haben, wird wohl ein Mysterium bleiben…

So sind wir (3)

Sonntag, 26. Dezember 2010

Ein Streit um heruntergefallenen Schnee hat für zwei Erfurter im Krankenhaus geendet.

Via Bild-Online