Archiv für die Kategorie ‘Paradoxon’

Bürgerrechte – eine Modeerscheinung?

Dienstag, 02. August 2011

In der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 begannen NVA und Grenzpolizei, die damalige Grenze zwischen der DDR und Westberlin abzuriegeln. Dieses Datum markiert den Beginn des Mauerbaus – dem Symbol der Teilung der beiden deutschen Staaten nach dem 2. Weltkrieg. Die Mauer war bis 1989 sichtbares Manifest dafür, welchen Stellenwert Bürgerrechte in der DDR hatten. Die Linkspartei Mecklenburg-Vorpommern stellt hierzu fest, dass der Mauerbau für die DDR alternativlos war – eine, von dem verwendeten, altbekannten Vokabular der Genossen mal abgesehen, durchaus zutreffende Einschätzung. Wer jetzt gleich die Faust in der Tasche ballt, der mag bitte mal an das Ende des Dokuments scrollen, wo sich folgender, zentraler Absatz findet:

Die Lehre des Mauerbaus besteht für die LINKEN darin, zu erkennen, dass der Sozialismus nur auf Dauer erfolgreich sein kann, wenn ihn die Menschen wollen und dass kein Ideal die systematische Einschränkung von Demokratie, Freizügigkeit und Selbstbestimmung rechtfertigt.

Im Kontext dieser Erkenntnis lasse man sich nun bitte mal folgenden Satz Siegfried Kauders auf der Zunge zergehen:

“Es ist Mode geworden, die Freiheitsrechte des Bürgers in den Vordergrund zu stellen.”

Eines dieser beiden Zitate ist mit den Grundsätzen einer freiheitlichen Demokratie vereinbar. Siegfried Kauder ist übrigens Vorsitzender des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages.

Via Netzpolitik, Fefe

Katholiken: Schwule dissen aber selber rosa Käppchen tragen

Montag, 01. August 2011

Manch einer ist ja der Meinung, die katholische Kirche sei eigentlich die weltgrößte Schwulenorganisation. Sollte dem so sein, ist dies jedenfalls nicht der Grund, warum ich für diese Sekte nichts weiter als Verachtung übrig habe.

Nach außen frönen die Katholiken ja nach wie vor einer gepflegtem und tief sitzenden Homophobie. Dies zeigt einmal mehr jenes schöne Beispiel. Weihbischof Heiner Koch sorgt sich um das heilige Sakrament der Ehe, weil ein homosexueller “Schützenkönig” seinen Lebensgefährten bei Schützenveranstaltungen an seiner Seite haben möchte:

Und unter Berufung auf die Statuten müsse daher festgestellt werden, dass der Lebensgefährte von dem Schützenkönig Dirk Winter beim Landesbezirks-Königsschiessen in Horstmar und Bundeskönigschiessen in Harsewinkel nicht neben dem schwulen Schützenkönig herlaufen dürfe. Davor und dahinter geht, aber nicht daneben.

Nun habe ich mit Schützenvereinen nicht viel am Hut und eigentlich könnten einem diese seltsamen Vögel in ihren aufällig keck-bunten Gewändern egal sein. Würden sich die Dogmatiker nicht ständig in Politik und Medien einmischen und mit Steuergeldern gemästet werden. Da darf ein wenig Verbalprügel doch sicher erlaubt sein.

Via Spiegel-Online.

Kaffeesatzleserei

Samstag, 23. Juli 2011

Im Zusammenhang mit dem gestrigen tragischen Attentat von Oslo, bei dem mehr als 90 Menschen ums Leben gekommen sind, bestätigt der Spiegel mal wieder, dass man ihn als Nachrichtenmagazin nicht mehr ernst nehmen kann:

Sollte es sich tatsächlich um einen Terroranschlag handeln, dürfte der Verdacht auf al-Qaida oder von dem Terrornetzwerk inspirierte Täter fallen.

Das konnte man gestern in einem der ersten Artikel zum Anschlag lesen und damit wusste der Spiegel offenbar schon weit mehr als die Ermittlungsbehörden zu diesem Zeitpunkt. Das hat schon etwas von einer Rekursion oder selbsterfüllender Prophezeiung. Wenn es ein Terroranschlag war (wann redet man eigentlich von einem Terror-Anschlag?), können eigentlich nur böse Muselmänner dahinter stecken. Dumm, wenn sich dann herausstellt, dass es sich beim mutmaßtlichen Attentäter um einen konservativen Christen handelt.

Genau das unterscheidet Berichterstattung von Meinungsmache. Objektivität. Eine sorgsame Analyse und Bewertung von Fakten. Fakten, die man nicht kennt, kann man nicht bewerten. Das erwarte ich von einem “Nachrichtenmagazin” und keine wilden Spekulationen über Täter oder Tätergruppen.

Qualität im Abwärtstrend: Gottschalk geht zur ARD

Freitag, 15. Juli 2011

Prestige [pʁɛs.ˈtiːʒ] bezeichnet den Ruf (Leumund) einer Person, einer Sache (z. B. eines Gegenstandes, eines Ortes oder einer Institution), oder einer Gruppe von Personen oder von Sachen in der Öffentlichkeit eines bestimmten kulturellen Umfeldes.

Quelle: Wikipedia

Über das “Prestige”, also den Ruf von Thomas Gottschalk kann man sicherlich streiten. Ohne Zweifel ist Gottschalk eine der zentralen Figuren der deutschen Fernsehunterhaltung. Ich erinnere mich noch an das damals revolutionäre Format “Na sowas…”: Turnschuhe, flapsige Sprüche; endlich einer, der aufräumte im miefigen Endsiebziger-geprägten Unterhaltungsgrau zwischen mittäglicher Zweikanal-Versuchssendung und Testbild. Neben Frank Elstner gelang es Thomas Gottschalk, der Sendung “Wetten dass…” seinen Stempel aufzudrücken. Ein Format, in dem selbstreferentielle Kalauer und vorhersagbare Grapschereien durchaus ihre Daseinsberechtigung haben. Nun überrascht es ein wenig, in welchem Format die ARD “Deutschlands prestigeträchtigsten Moderator” künftig einsetzen möchte:

Was sie dem Show-Giganten offerieren, scheint erstmal alles andere als attraktiv: ein Quickie vor der “Tagesschau”, wo der Moderator ohne Live-Publikum im kleinen günstigen Studio über tagesaktuelle Dinge plaudern, twittern und skypen soll.

Das “klingt” nicht nur erst einmal alles andere als attraktiv – das ist vor die Wand fahren mit Anlauf. Bedenklich stimmt auch, dass Gottschalk mit der Sendung Teil einer Umstrukturierung der ARD sein soll, so zumindest die Meinung des Spiegel-Autors:

Zu dieser Image-Offensive gehört auch, dass die ARD-Neuerwerbung Kai Pflaume immer freitags zu seinem Quiz “Drei gegen Kai” antritt.

Denn die ARD hat großes vor:

Dem Vorabend soll ein neues, größeres und vor allem auch jüngeres Publikum erschlossen werden.

Mit Gottschalk und Kai Pflaume? Man möge mir verzeihen, wenn der Artikel an dieser Stelle endet. Der Autor krümmt sich gerade vor Lachen am Boden…

Via Spiegel.de

Neues von der Verräterpartei

Dienstag, 21. Juni 2011

Irgendwie war es still geworden um die Verräterpartei AKA Asozialdemokraten. Die ehemalige Arbeiterpartei sonnte sich Monate lang im Windschatten des Sturms, der der Regierungskoalition seit geraumer Zeit entgegenschlägt. Nun melden sich die Genossen, zunächst allenfalls durch Personaldebatten in der Agenda vertreten, wieder zu Wort: Vorratsdatenspeicherung muss (wieder) her!

Man kann nur darüber spekulieren, ob man im Willy-Brandt-Haus auf eine neue große Unheilskoalition schielt. Dabei hat man es offenbar aufgegeben, interessierte Netizens als potentielle Wähler zu betrachten – und das zu Recht! Wir erinnern uns nur all zu gut an die Patenthalse, die die SPD beim Thema Zugangserschwerungsgesetz hingelegt hat. Nun liegt mal wieder alle Hoffnung bei den “Liberalen”. Oh, dude, we are fucked!

Update: Der Soundtrack zur Tragödie (Klassiker) http://www.youtube.com/watch?v=8vFL0QWxugI
Update 2: Sowas kommt von sowas!
Update 3: *popcornmampf*

…der werfe eine Ladung Steine!

Donnerstag, 12. Mai 2011

Ähm… vermutlich sollte ich den Titel dieses Blogs bald in Richtung “BILD-Blog” abändern. Das unsympathische Käseblatt ist aber auch ein Quell nie endenden an den Kopf greifens.

Nachdem gestern mal wieder Deutschlands bekanntester Plagiator zaghaft hofiert wurde (siehe auch “Deutschlands dümmste Meinung“), ruft die BILD heute den Medienkrieg gegen den Spiegel aus.

Es geht um diesen Artikel, in dem Spiegel Redakteur René Pfister Horst Seehofer portraitierte. Dafür wurde ihm zunächst der Henri-Nannen-Preis verliehen – und nun aufgrund mutmaßlich unsauberer journalistischer Methoden wieder aberkannt.

Nun ist meine Meinung zum zunehmend in Richtung Boulevard abdriftenden Spiegel sicher nicht (mehr) die allerbeste. Allerdings spricht es Bände, von welch grotesker Absurdität das Selbstbild der Springer-Postille geprägt sein muss. Es würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, würde man die unzähligen Artikel aufzählen, in denen BILD nicht nur den Eindruck des “dabei Seins” vermittelt hat, sondern dies schlicht behauptete. Mal unabhängig von den unzähligen, unwahren Tatsachenbehauptungen. Mal unabhängig von den unzähligen Rüfflern des Presserates, die BILD über die Jahre kassiert hat. Das kann man alles beim echten BILDblog nachlesen.

Aber – just for the Records; bevor man all zu hart über die Bigotterie von BILD urteilt: sie haben dafür ja andere Qualitäten. Zum Beispiel, wenn es mal wieder um Luftbildtotenschädel und Nazigold geht!

Deutschlands dümmste Meinung

Dienstag, 10. Mai 2011

Dass ich der Boulevardzeitung mit den vier großen Buchstaben mit tendentieller Ablehnung begegne, sollte ja mittlerweile klar sein. Und doch schaffen es diese Krawallbrüder immer wieder, mich negativ zu überraschen.

Es geht mal wieder um Karl-Theodor zu Guttenberg, den gefallenen Engel des Post-Bildungsbürgertums oder wie andere sagen: Vollidioten!

Die Uni Bayreut hat es nämlich gewagt, ihre Arbeit zu machen, die Doktorarbeit geprüft und einen Bericht dazu auszugsweise veröffentlicht.Wenig überraschend kommt man dabei zu dem Schluss, Guttenberg habe entgegen eigener Aussage vorsätzlich getäuscht. Oder um es via Walter Schmitt-Glaeser in BILD-Sprech zu formulieren: Sie veranstalten eine “Treibjagd”. Schmitt-Glaeser weiter:

Mit ihrer Entscheidung hat sie Herrn zu Guttenberg in seiner gesellschaftlichen Existenz schwer beschädigt.

Verstehe ich das richtig? Nicht Guttenberg selber hat sich durch seine Schummelei beschädigt. Nein, hier wird dem Prinzip “Tötet den Boten” gefrönt. Nach Meinung von Schmitt-Glaeser wäre der strafrechtlichen Relevanz mit der (nach wie vor temporären) Aberkennung des Doktortitels und dem Rücktritt zu Guttenbergs als Minister genüge getan. Schmitt-Glaeser weiß auch, warum die Uni Bayreut in ihrem Gutachten die falschen Schlüsse zieht:

Die Feststellung ist schon klar, aber die Begründung für die angeblich bewusste Täuschung ist in Wahrheit keine. Vergeblich sucht man nach stichhaltigen Argumenten.

Der ehemalige Vizepräsident der Uni Bayreuth erklärt dann auch, warum das Gutachten zu falschen Schlüssen gekommen sein muss:

Ich bin mir absolut sicher, dass Herr Guttenberg nicht bewusst getäuscht hat. Ich kenne ihn noch als Student: Er hat es nicht nötig, sich mit fremden Federn zu schmücken.

Stichhaltiger kann man es eigentlich nicht formulieren. m(

Wahrhaft bigott

Mittwoch, 04. Mai 2011

Mit Religionen und insbesondere mit dem Christentum habe ich nicht sonderlich viel am Hut. Doch selbst ich kenne das fünfte Gebot: “Du sollst nicht töten”, wahlweise auch “Du sollst nicht morden”. Da gibt es keine weiteren Nebenabreden, wie “… es sei denn, der Getötete / Ermordete hat es verdient” oder “es sei denn, es handelt sich um Heiden/Moslems/…”.

Dieses Gebot repräsentiert den Respekt vor Menschenleben. Bin Laden hatte keinen Respekt vor Menschenleben. Das ist es, was ihm die gesamte westliche Welt vorwirft.

“Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten.”

Sagt Angela Merkel, Christin, Tochter eines Pfarrers und Vorsitzende der Christlich Demokratischen Union. Ich glaube nicht, dass sich ein Christ anmaßen sollte, jemandens Tod als gerecht zu beurteilen. Man muss den Tod Bin Ladens deshalb nicht betrauern. Man muss kein Mitgefühl haben. Man kann es wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Aber ist “Freude” über den Tod eines Menschen, egal was für ein Menschenfeind es war, eine christliche Reaktion? Ich denke nein.

BILD sieht das mal wieder anders. Bild, die den Papst verehrt.

Demokratieverständnis auf Katholisch

Dienstag, 26. April 2011

Robert Zollitsch zur im September stattfindenden Papst-Rede im Bundestag:

„Die demokratische Grundeinstellung unserer Abgeordneten wird sich an deren Präsenz im Bundestag während der Rede zeigen. Es würde für sich sprechen, wenn jemand aus Protest dieser für unser Land historischen Stunde fern bliebe.“

Noch Fragen?

Via Focus.de

Drogen im Kaffee

Donnerstag, 07. April 2011

Vielleicht hat ja der Verzicht auf den morgentlichen Latte-Macchiato-Einlauf anlässlich des Weltgesundheitstages dem einen oder anderen Schreiberling das Hirn vernebelt. Von der BILD ist man ja so einiges gewohnt. Weniger verwunderlich als eher amüsant wirken daher auch die heutigen “Gewinner & Verlierer” in der Berliner Krawallpostille, von ereignisblick sehr schön kommentiert.

Etwas erstaunt bin ich hingegen über diesen realitätsfremden Kommentar zur FDP bei Spiegel-Online:

Eine Marktwirtschaft braucht Politiker, die strenge marktwirtschaftliche Prinzipien vertreten.

Ja, es geht tatsächlich um die FDP. Genau – DIE FDP, die gerade in der aktuellen Legislaturperiode vor allem durch Klientelpolitik auf sich aufmerksam machte. Seitliche Arabeske: Norbert Blüm, der heutige BILD-Gewinner, hat vor drei Jahren mal sehr schön gegen die Lobbypolitik gerantet!