Archiv für die Kategorie ‘Panik!’

So sind wir (18): Killerdackel!

Montag, 27. Juli 2015

Von vier Dackeln sind ein 28-jähriger Erfurter und dessen Schäferhündin angegriffen worden.

Via tlz

So sind wir (12)

Sonntag, 06. Juli 2014

Ein sogenanntes Event-Bike hat laut Polizeibericht in der Erfurter Innenstadt ein dreijähriges Kind angefahren und dadurch eine Massenschlägerei ausgelöst. Bis zu 60 Menschen prügelten zeitweise aufeinander ein.

 

Via TA & spiegel.de

Dreistheit kennt keine Grenzen

Dienstag, 30. Juli 2013

Das Thema PRISM/Tempora-Überwachung mag trotz aller Beschwichtigungsversuche nicht so richtig von der Agenda verschwinden. Nach den Phasen des Leugnens, des vermeintlichen Nichtwissens, der gespielten Empörung und des simulierten Aktionismus versuchen es verschiedene Stakeholder nun mit Kleinreden.  Otto Schily beispielsweise, ehemaliger Linker, dann Innenminister, mittlerweile auch hauptamtlicher Biometrielobbyist. Er versucht es mit einem legeren „Don’t panic, folks“ und warnt seine eigene Partei davor, das Thema für Wahlkampfzwecke auszuschlachten. Nun fragt sich auch Sigmar Gabriel zu Recht „Wer hat Opa an’s Mikro gelassen?“, wenn auch mit anderen Worten:

Schily komme eben „aus einer anderen Zeit“.

Doch dann lese ich heute das neueste Statement unseres Bundesinnenministers Friedrich. Und da mag einem echt der Sack platzen:

Es gehe beispielsweise um Telefonnummern potenzieller Terroristen in Ländern wie Somalia, Mali oder Pakistan. Man müsse auch über diejenigen Bescheid wissen, die von Berlin aus mit diesen Telefonnummern kommunizierten. Deshalb bitte er darum, sich nicht verunsichern zu lassen.

Der verdachts- und anlasslosen Massenüberwachung auf so eine dummdreiste Art und Weise einen Persilschein ausstellen zu wollen wäre unwürdig hier weiter zu kommentieren. Doch was dann kommt, ist weder dumm noch dreist sondern schlicht Orwell’sches Neusprech par excellence:

Friedrich zufolge haben sich etwa 1000 junge Menschen aus Europa in Syrien dem Dschihad – dem Heiligen Krieg – angeschlossen. Sie ließen sich an Waffen und Sprengstoff ausbilden. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder zurückkehren – mit dem klaren Auftrag, den Dschihad auch in Deutschland und Europa zu führen.

Wie bitte? Wir sollen uns also „nicht verunsichern lassen“ obwohl unser aller Leben jeden Augenblick enden könnte, weil irgendwo der Bund junger Dschihadisten rumspringt und machen kann, was er will wenn wir dessen Telefonnummern nicht kennen? Na jetzt bin ich ja beruhigt, dass wir von solchen Fachkräften wie Herrn Friedrich beschützt werden, oder etwa nicht?

Im Widerspruch zu den Ausführungen Snowdens behauptete Friedrich, eine „personenscharfe“ Aufklärung sei technisch nicht möglich.

Hä? Wenn es nun um „1000 junge Menschen“ geht, die uns die Kehle aufschlitzen wollen, und dieses ganze Milliardenschwere Prism/Tempora-Zeug nicht mal dafür genutzt werden kann, solche Leute gezielt zu überwachen: Warum zur Hölle existieren diese Programme denn überhaupt?

Friedrich ist ein Biedermann, der von unter dem Deckmantel der Sicherheit agierenden Machtfanatikern souffliert solche Aussagen produziert, die er vermutlich selber nicht versteht. Das sind die Eliten, die unsere Geschicke lenken und uns vor Terrorismus und organisisierter Kriminalität schützen wollen? Ja, wir sollten wirklich in Panik geraten.

Einer, den ich kürzlich wegen seiner Aussagen zu Edward Snowden kritisiert hatte, kam glücklicherweise zur Besinnung. Und dabei hat Joachim Gauck noch nicht mal einen Wahlkampf zu führen.

Was zu erwarten war: Friedrich fordert mehr Überwachung

Sonntag, 16. Dezember 2012

Man brauchte wirklich nicht in die Glaskugel zu blicken, um diese Reaktion unseres Innenministers (neben weiteren heißen Kandidaten wie Uhl und Schünemann) vorherzusehen:

Dieser Fall und die tödlichen Schläge gegen einen jungen Mann am Berliner Alexanderplatz zeigten, dass die Beobachtung und Aufzeichnung effizienter werden müsse (…)

Und wieder einmal frage ich mich: wer, glaubt Herr Friedrich, nimmt ihm diesen Mist eigentlich noch ab? Nehmen wir doch mal an, die Ermittlungsbehörden verfügten über Videoaufnahmen und Frontalfotos des Täters in 1080p, Farbe. Nehmen wir weiter an, die Bombe wäre korrekt zusammengebaut gewesen und tatsächlich explodiert. 1.000 wohlpositionierte Kameras hätten dies nicht verhindern können! Abschreckung? Die Kameras existieren! Vielleicht nicht in der Zahl und der Qualität, von der Herr Friedrich nachts träumt aber es wird überwacht und das hat den oder die Täter NICHT davon abgehalten, ihre Bombe zu platzieren und auszulösen.

Genau so wenig hätte es die Schläger vom Alexanderplatz davon abgehalten, den 20-jährigen Jonny totzuprügeln. Das kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, denn die meisten der in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Verbrechen ähnlicher Natur waren bestens per Video dokumentiert. Und den 19 mutmaßlichen Selbstmordattentäter vom 11.9. wäre es schlicht und ergreifend egal gewesen, wenn man von Ihnen Echtzeitvideos aus den entführten Flugzeugen direkt an die NSA gestreamt hätte. Was können Kameras dagegen ausrichten, wenn sich Politiker weigern einzusehen, dass man wenn überhaupt nur bei den Ursachen ansetzen könnte? Je entschlossener ein Täter ist, desto unwahrscheinlicher lässt er sich durch Überwachung oder Strafandrohung von seinem Vorhaben abbringen.

Man muss, auch wenn es manchmal schwer fällt, Politikern wie Hans-Peter Friedrich keine 1984-Allmachtsfantasien unterstellen; doch dann ist es immer noch in höchstem Maße populistisch, einen Aktionismus vorzutäuschen der am eigentlichen Problem vorbei geht.

Und by the Way, ich warte ja immer noch auf Konsequenzen aus dem NSU-Skandalkonglomerat, wo die „Sicherheitsbehörden“ genug Informationen hatten um den Tätern auf die Spur zu kommen. Aber wahrscheinlich haben im entscheidenden Moment einfach nur hochaufgelöste Videoaufzeichnungen gefehlt.

Sommerloch 2012

Dienstag, 21. August 2012

Der Preis für das Sommerloch 2012 geht an: Peter Ramsauer. Der Verkehrsminister hat mit seinen Plänen, den Städten und Gemeinden Gestaltungsfreiheit bei der Wahl von Kennzeichen zu geben (oder wie die BILD-Online es so schön formuliert „Irsinn mit den Nummernschildern„) sicherlich den Peak an politischer Irrelevanz erreicht. Nun wäre die BILD nicht die BILD, könnte sie diese Unmeldung nicht noch mit dem einen oder anderen Fnord anreichern:

Sollen alte DDR-Kennzeichen wieder eingeführt werden dürfen?

Nein. Das soll nicht erlaubt werden.

Ja, auf diese Spekulation muss man erst einmal kommen. Nun ist es aber nicht so, dass die BILD-Redakteure sich alles aus den Fingern saugen müssen. Rainer Wendt, berühmt-berüchtigter „DPoIG-Chef“ erklärt, hält die Vorschläge aus dem Verkehrsministerium für keine gute Idee, denn:

„Die Kollegen werden die kryptischen Buchstabenkombinationen kleiner Ort [sic!] schwerer entziffern können. In der Folge wird es schwerer werden, die Täter bei Ordnungswidrigkeiten und Straftaten zu ermitteln”, sagte er.

Um es mit Fefe zu sagen „die besten der besten Sir!“ Ob ein Kreis- oder Stadtkürzel „kryptisch“ ist, mag nun sicher im Auge des Betrachters liegen. Eines ist aber unstrittig: dass Polizisten beim Ermitteln eines KFZ-Halter kein „Kennzeichenraten“ wie im Stau auf der Autobahn spielen.

Mal ganz davon abgesehen möchte ich an dieser Stelle auf die sogenannten „Vanity-Plates“ hinweisen, also Kennzeichen mit individuellen Kürzeln, wie sie in den USA oder z.B. auch bei unseren Nachbarn in Österreich üblich sind und mit denen sich die Kommunen sicher ein hübsches Zubrot verdienen. Herr Wendt kann die Kompetenz österreichicher Ermittlungsbehörden ja gern mal auf die Probe stellen, indem er probiert ohne Pickerl von Salzburg nach Wien zu fahren!

Der Christ und die Pressefreiheit

Dienstag, 10. Juli 2012

Die „Titanic“ illustriert ihre aktuelle Ausgabe mit einem Foto des Papstes, auf dem selbiger mit einem gelben Fleck auf seiner Soutane abgebildet ist. Die Bildunterschrift „Undichte Stelle gefunden“ spielt dabei auf die „Vatileaks“-Affaire an; kürzlich wurde ein Informant enttarnt, der Vatikan-Interna an die Presse lancierte. Das Foto kann man lustig finden (ich habe sehr gelacht) oder geschmacklos. Ja sogar würdelos. Aber genau das muss Satire dürfen: überspitzen, übertreiben, Grenzen ausloten. Wenn man in einem Land aufgewachsen ist, in dem man für einen politischen Witz eine Gefängnisstrafe riskierte, findet man Presse- und Kunstfreiheit wahrscheinlich besonders wichtig. Man kennt es eben auch anders. Das Verhältnis der CSU zur Freiheit der Kunst ist hingegen ein gänzlich anderes:

Der Chefredakteur sei seines Berufes nicht würdig. Er persönlich würde ihm „die Lizenz zum Schreiben entziehen“, so Goppel weiter.

Astreine Demokraten, diese Leute von der CSU. Wahrlich.

Ein Skandal, der keiner ist

Freitag, 08. Juni 2012

„Das ist ein Stasi-Überwachungsstaat!“ empörte sich gestern Abend eine in der Fußgängerzone befragte junge Frau in der Pro7-Unterhaltungssendung „Newstime“.

Doch ging es im konkreten Fall nicht um die kontrovers diskutierte Vorratsdatenspeicherung. Was die junge Dame so aufbrachte war eine NDR-Meldung, wonach die Schufa künftig soziale Netzwerke wie Facebook für ihr Scoring auswerten möchte.

Das ist dann schon ein wenig lustig, wenn Leute, die freiwillig persönliche Informationen freigeben „Hilfe, Wölfe!“ schreien, wenn diese Informationen tatsächlich benutzt werden.

Denn an eines sei an dieser Stelle noch einmal erinnert:

frlan hat auch was dazu!

Könnte alles so einfach sein

Samstag, 24. März 2012

One does not simply

Aufgabe: Kopiere alle Dateien von einer Festplatte auf eine andere. Klingt einfach – ist es aber nicht.Vor allem dann nicht, wenn es sich um eine signifikante Datenmenge handelt und man deshalb das ganze über nacht werkeln lassen möchte. Grundsätzlich gilt, dass Windows bei einem 3h-Kopiervorgang nach spätestens 10 Minuten beginnt, dämliche Fragen zu stellen und den Kopiervorgang stoppt. Ein Dateiname ist zu lang, eine Systemdatei kann nicht ohne Bestätigung kopiert werden oder Avira brüllt „ALARM“ weil es angeblich einen Trojaner in einer TurtoiseSVN DLL Datei gefunden hat.

PS: Mit Ubuntu wär das nicht passiert!

Das Schweigen der Lämmer

Samstag, 12. November 2011

Seit sich die 36-jährige Beate Z., mutmaßliches Mitglied der von den Medien getauften „Jenaer Zelle“ am Dienstag der Thüringer Polizei stellte, werden dem Trio fast jeden Tag neue Verbrechen zugeschrieben: Neben diversen Banküberfällen werden sie des Polizistenmords von Heilbronn verdächtigt. Sie sollen ebenso für die sogenannten „Döner-Morder“ verantwortlich sein, bei denen insgesamt 9 Menschen starben. Die BILD-Zeitung will wissen, dass es eine Spur zu zwei Bombenattentaten in Düsseldorf und Köln gibt. Fast alle Medien sprechen bereits von „rechtem Terror“, da die drei Verdächtigen, von denen letzte Woche zwei tot in einem ausgebrannten Wohnmobil aufgefunden wurden, offenbar der rechten Szene angehörten.

Warum gibt es zu dieser Geschichte eigentlich noch kein einziges Statement unserer führenden Sheriffs? Herr Friedrich, Herr Uhl, bitte dringend melden! Hier ist unsere Sicherheit in Gefahr!11!1!! Wir brauchen Vorratsdatenspeicherung, Trojanerüberwachung, Internetsperren, Fußfesseln und Präventivhaft! Klarnamenpflicht! Parteienverbote! Terroristen bedrohen unsere Freiheit! Herr Herrmann, sagen Sie doch auch mal was! Herr Schünemann! Wo sind Sie? Herr Dobrindt, bitte ein markanter Satz, ein Warnschuss an die Feinde unseres Landes! Nichts! Schweigen im Walde…

So ähnlich war das damals auch, als das Ausmaß des Mißbrauchs an Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Kirche ans Licht kamen. Da haben die KinderschützerInnen Frau von der Leihen und Frau Schröder plötzlich geschwiegen. Hat das Täterprofil der Schuldigen vielleicht nicht ins Feindbild gepasst?

Manchmal verstehe ich Politik einfach nicht. Oder ich verstehe sie nur all zu gut. Wer weiß.

 

Update: Hans-Peter Uhl äußert sich erstaunlich sachlich!

Update #2: Schünemann meldet sich ebenfalls

Update #3: „Friedrich spricht von Rechtsterrorismus

Update #4: Herrmann, dessen „Nürnberger Sonderkommission“ die Döner-Morder aufklären sollte, wurde nun ebenfalls gefragt und antwortet knapp im Amtsblatt des Freistaats Bayern.

Hilfe, die Nazi-Satanisten kommen!

Montag, 31. Oktober 2011

Au weia – was muss man heute bei BILD-Online lesen? Satanisten-Bands kommen nach Berlin! Noch schlimmer, Nazi-Satanistenbands! Mit Schafsblut und nackten Frauen (also die schlechte Art nackter Frauen, nicht jene, welche in hübscher Regelmäßigkeit die BILD-Zeitung zieren)!! Und das an Allerheiligen!!!

Im Zentrum von BILDs gespielter Empörung steht die norwegische Blackmetal-Band „Gorgoroth“. Der Artikel, der sich vorwiegend aus hastig abgetippten Informationen der Wikipedia zusammensetzt, zitiert unter anderem das (sic!) „Berliner Institut für Faschistenforschung (BIFF)“. Nun, das „BIFFF“ (Berliner Institut für Faschismus-Forschung und Antifaschistische Aktion e. V.) mit drei Pfeiffer-F ist eigentlich kein richtiges Institut – jedenfalls ist es nichts, was man sich als durchschnittlicher Bildungsbürger unter einem Institut vorstellt – sondern ein eingetragener Verein, über den man auch aufgrund eines nicht-vorhandenen Impressums nicht viel mehr herausfindet, als dass der Vereinsvorsitzende ein Diplom-Psychologe namens Peter Kratz ist. Institut klingt aber gleich viel seriöser – obwohl die unterstellte Nähe zur „norwegischen Neonazi-Szene“ durch den auffallend Svastika-paranoiden Herrn Kratz mehr oder minder aus der Tatsache gefolgert wird, dass einige der Fans auf Myspace bzw. Youtube Runen bzw. Svastika-ähnliche Symbole in ihren Avatarbildern verwenden.

Nachdem es also bei BILD mit Copy+Paste mal wieder nicht so richtig klappen wollte, entschied man sich konsequenterweise auch gegen eine nähere Recherche der doch sehr dürftigen Beweiskette. Die Band Gorgoroth selbst distanziert sich jedenfalls von faschistischem Gedankengut – hätte man mit ganz wenig gegoogle auch bei Wikipedia nachlesen können.

Einen kleinen Trost gibt es dann aber doch noch für empörte Christen – denn wie BILD analysiert hat werden die satanistischen Texte „(…) so laut ins Mikro gebrüllt (…), dass man sie nicht verstehen kann.“

Ach, es geht doch nichts über ein anständiges Stück Qualitätsjournalismus!