Archiv für die Kategorie ‘Nisch zu fassn!’

Spanien verbietet Bürgerproteste

Freitag, 20. Mai 2011

Unsere Bundeskanzlerin hat sich ja kürzlich kritisch über die Arbeitsmoral einiger südeuropäischer Staaten geäußert. Vielleicht sollte sie sich dann aber doch lieber mit dem Demokratieverständnis einiger unserer europäischen Nachbarn auseinandersetzen.

Die spanischen Regierung, die ja gern mal den Notstand ausruft, wenn Fluglotsen streiken und mit Militärgerichten droht, hat nun die seit Tagen anhaltenden Bürgerproteste gegen die wirtschaftliche Situation im Land untersagt. Begründung:

Die Kundgebungen könnten den Ablauf der Regional- und Kommunalwahlen am Sonntag stören und die Wähler beeinflussen [...]

Verstehe. Übersetzt geht es also darum, dass die Wahlergebnisse nicht gefährdet werden. Wo kämen wir auch hin, wenn Bürger ihre Wahlentscheidung abseits medial gesteuerter Wahlkämpfe träfen.

Update: Bei uns pisackt man unliebsame Wahlgegner, indem man mal eben deren Kommunikationsinfrastruktur lahm legt. German Grundlichkeit.

Deutschlands dümmste Meinung

Dienstag, 10. Mai 2011

Dass ich der Boulevardzeitung mit den vier großen Buchstaben mit tendentieller Ablehnung begegne, sollte ja mittlerweile klar sein. Und doch schaffen es diese Krawallbrüder immer wieder, mich negativ zu überraschen.

Es geht mal wieder um Karl-Theodor zu Guttenberg, den gefallenen Engel des Post-Bildungsbürgertums oder wie andere sagen: Vollidioten!

Die Uni Bayreut hat es nämlich gewagt, ihre Arbeit zu machen, die Doktorarbeit geprüft und einen Bericht dazu auszugsweise veröffentlicht.Wenig überraschend kommt man dabei zu dem Schluss, Guttenberg habe entgegen eigener Aussage vorsätzlich getäuscht. Oder um es via Walter Schmitt-Glaeser in BILD-Sprech zu formulieren: Sie veranstalten eine “Treibjagd”. Schmitt-Glaeser weiter:

Mit ihrer Entscheidung hat sie Herrn zu Guttenberg in seiner gesellschaftlichen Existenz schwer beschädigt.

Verstehe ich das richtig? Nicht Guttenberg selber hat sich durch seine Schummelei beschädigt. Nein, hier wird dem Prinzip “Tötet den Boten” gefrönt. Nach Meinung von Schmitt-Glaeser wäre der strafrechtlichen Relevanz mit der (nach wie vor temporären) Aberkennung des Doktortitels und dem Rücktritt zu Guttenbergs als Minister genüge getan. Schmitt-Glaeser weiß auch, warum die Uni Bayreut in ihrem Gutachten die falschen Schlüsse zieht:

Die Feststellung ist schon klar, aber die Begründung für die angeblich bewusste Täuschung ist in Wahrheit keine. Vergeblich sucht man nach stichhaltigen Argumenten.

Der ehemalige Vizepräsident der Uni Bayreuth erklärt dann auch, warum das Gutachten zu falschen Schlüssen gekommen sein muss:

Ich bin mir absolut sicher, dass Herr Guttenberg nicht bewusst getäuscht hat. Ich kenne ihn noch als Student: Er hat es nicht nötig, sich mit fremden Federn zu schmücken.

Stichhaltiger kann man es eigentlich nicht formulieren. m(

Wer sind Sie und was haben Sie mit der CSU gemacht?

Samstag, 29. Januar 2011

Der Himmel färbt sich lila und es regnet blaue Frösche! Das muss der Anfang der 2012er Apokalypse sein:

(…) bestehen insbesondere erhebliche Bedenken gegen Internetsperren als  Instrument  im  Kampf  gegen  inkriminierte  Inhalte  wie  Kinderpornografie. Zwar mögen entsprechende Stoppschilder im Netz die Erreichbarkeit solcher Webseiten auf den ersten Blick erschweren. (…) Sperren können (von Anbietern und Konsumenten) leicht umgangen werden und schießen über ihr  Ziel  hinaus,  weil  durch  sie  auch  der  Zugang  zu  legalen  Inhalten  gesperrt  werden  kann.

Kalter Kaffee, denkt ihr? Sagen der CCC, AK Vorrat und alle anderen halbwegs gescheiten Netzmenschen schon seit Jahren, meint ihr? Stimmt! Nur stehen diese Sätze im Positionspapier des Netzrates der – tatsächlich – der CSU! Was ist da passiert? Hat die heimlich jemand ausgetauscht? Den Herrmann und den “spontan betroffenen” zu Guttenberg nebst gutmenschelnder Gattin? Ich glaube ja, da hat sich ein Hacker einen Spaß erlaubt und das PDF heimlich ausgetauscht.

Via Fefe.

Macht schmeckt besser als Gewissen

Freitag, 10. Dezember 2010

Glaubensenich? Bitteschön!

Spanische Regierung ruft Notstand aus

Samstag, 04. Dezember 2010

So, und falls noch irgend jemand glaubt, wir lebten in Europa (AKA EU) in demokratischen Strukturen: Spanien ruft Notstand aus

Noch Fragen, Kienzle?

“Freiwillige Selbstkontrolle” beim Datenschutz: Ja nee, is klar!

Mittwoch, 01. Dezember 2010

Prima, die Regierung AKA der Bundesinnenminister tut mal wieder was für den Datenschutz. Besser gesagt, sie tun so, als ob. Denn:

Die Bundesregierung setzt dabei auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie.

Super Idee! Hat ja bisher auch immer so gut funktioniert! Wenn es um Einzelne geht, werden Gesetze oktruiert. Die Wirtschaft hingegen darf sich freiwillig bemühen. Beispiele gefällig?

Als Arbeitnehmer darf man künftig bis 67 buckeln. So man dann noch in Lohn und Brot steht, aber darüber hat sich unsere Arbeitsministerin Zensursula Gedanken gemacht:

Die Ministerin sah hier die Wirtschaft am Zug. Ein Umdenken sei nötig. Die Unternehmen müssten sich stärker auf eine ältere Belegschaft einstellen.

Genau. Und wenn die Wirtschaft nicht mitzieht, muss halt wieder der Steuerzahler ran. Noch einen? Stichwort Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Der ist so konstruiert, dass große Content-Anbieter wie die Telekom oder BILD auch künftig keine Scherereien wegen etwaiger Tittenfotos vor 20.00 Uhr auf ihren Online-Angeboten berfürchten müssen.

Oh, fasst hätte ich’s vergessen: Warum soll Datenschutz für Unternehmen noch mal freiweillig bleiben?

da das Internet als öffentlicher Raum “grundsätzlich frei von staatlichen Restriktionen sein sollte”.

Kleben Sie sich den Satz mal über Ihren Schreibtisch, Herr de Maiziere!

Sie erstellen Profile!

Donnerstag, 04. November 2010

Ich glaub mein Schwein pfeift – und kriegt die Tür nicht zu!

Die Hamburger Sparkasse Haspa erstellt nach Recherchen von NDR Info psychologische Profile ihrer Kunden, um effektiver Versicherungen oder Aktien verkaufen zu können.

Das ist ja der Hammer! Diese Lümmel… da machen die doch tatsächlich Verkaufsmarketing! Nun, sowas traut man vielleicht einer Sparkasse nicht unbedingt zu – wobei die Haspa ja zu den innovativeren Institutionen ihrer Art gehört (ich spreche da aus Erfahrung!) Wie es dieser Umstand schafft, sich heute neben den vielen “USA hat gewählt”-News und Paketbomben als Topmeldung zu etablieren, ist mir allerdings schleierhaft.

Via SPON, Tagesschau, FAZ, TAZ, Hamburger Abendblatt, Süddeutsche, Welt, Focus, … und natürlich BILD-Online

Wildtiere gehören nicht in den Zirkus! (2)

Freitag, 29. Oktober 2010

Die Argumente sind fast immer dieselben:

“Wir sind doch die eigentlichen Tierschützer. Wo wird mehr getan dafür, dass Menschen so nah mit Tieren in Kontakt treten können wie bei uns im Circus?” Da sehen Kinder Tiere, denen sie sonst nie so nahe kommen. Und wo können sie schon mal ein Nashorn streicheln. Das gebe es ja nicht mal im Zoo.

Worum geht es? Zurzeit gastiert der “Circus Voyage” in Thüringen, der mit dem Slogan „Eine Reise durch die größte tierische Circusshow“ wirbt. Gezeigt werden laut Homepage “über 80 Tiere”, darunter auch afrikanische Elefanten, ein Nashorn und ein Flusspferd. Zu Recht wird diese Form der “Unterhaltung” von immer mehr Menschen kritisiert.

Mit einem sehr seltsamen Verständnis von “Tierschutz” halten die Zirkusbetreiber gegen. Was hat es mit Tierschutz zu tun, Wildtiere zum Vergnügen vorzuführen, ihnen “Tricks” beizubringen, die mit dem natürlichen Verhalten der Tiere nichts zu tun haben? Wie kann man von Tierschutz sprechen, ohne eine artgerechte Haltung auch nur ansatzweise sicherstellen zu können und die Tiere stattdessen hunderte Kilometer, eingepfercht in Transportcontainer, durch die Gegend zu bugsieren? Welches Verständnis von Tierschutz vermittelt man Kindern, wenn man damit meint, Wildtiere müssten sich begaffen und begrapschen lassen?

Und außerdem: Die Tiere, die im Circus leben, tun das schon seit Generationen, haben also nie die afrikanische Steppe oder den Urwald gesehen. “Wir tun also etwas für den Erhalt der Arten!”, betont Bettina Richter [...]

Es war auch bis vor nicht allzu langer Zeit üblich, Menschen mit Behinderungen und Missbildungen oder einfach nur mit dunkler Hautfarbe in Freakshows oder sogenannten Völkerschauen zu präsentieren…

Via OTZ, TSV Jena (PDF)

Kategorie WTF: Spezialeinheit gegen Handy-Knacker

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Das muss man sich mal vorstellen: Es wird ja gerne mal gemeckert über den Personalmangel bei der Polizei. Und dann liest man sowas:

Allein in Göttingen arbeiten seit Juni acht Beamte in der sogenannten “Ermittlungsgruppe SIM”. Sie ermittelt auch gegen 600 Endkunden.

Nein, hier geht es nicht um Terroristen, Stalker oder Pädophile – es geht um “Handy-Knacker”. Also Leute, die sich das Recht nehmen, die SIM-Sperre ihres Handys zu entfernen. Und die sind bekanntlich schlimmer als Hitler… WIR haben echt Probleme in diesem Land!

Via Fefe, SPON

Zündfunke Stuttgart?

Freitag, 01. Oktober 2010

Im subjektiv eher als beschaulich und konservativ wahrgenommenen Baden-Württemberg demonstriert die CDU-Landesregierung gerade Demokratieverständnis und Achtung der Bürgerrechte am lebenden Objekt. Nun gut, das ist an und für sich hierzulande nichts neues. Neu ist, dass der Identifikation pauschaler Schuldinstanzen nunmehr offensichtlich eine glaubhafte Basis fehlt. Es sind dieses mal weder gewaltbereite Autonome, radikale Ökoterroristen oder brutale Fußballhooligans, denen man den schwarzen Peter zuschieben kann, sondern ein eher repräsentativer Schnitt durch die bundesdeutsche Bevölkerung, der die Sinnhaftigkeit des Milliardenprojekts “Stuttgart 21″ in Frage stellt und seinem Unmut auf der Straße Luft macht.

Mit einem gewissen Unbehagen denke ich gerade (und GERADE im Oktober 2010, 20 Jahre nach der Wiedervereinigung) an die Montagsdemos, die ich auch selber miterlebt habe und auf denen ich übrigens weder mit Wasserwerfern, Gummiknüppeln oder Reizgaskartuschen konfrontiert war. Dass mich keiner falsch versteht; natürlich ist im Laufe der “friedlichen Revolution” genügend staatliche Gewalt auf die Bevölkerung eingeprasselt. Aber selbst der diktatorische Staatsapparat der DDR musste irgendwann klein beigeben.

Es ist sicher nicht falsch, den Stuttgartern gegenüber, die von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch machen, Solidarität zu bekunden. Ob nun in Erfurt oder Jena oder woauchimmer in unserer schönen und friedlichen Republik…