Archiv für die Kategorie ‘Nisch zu fassn!’

Ohrengraus

Montag, 05. Dezember 2011

Ja ich weiß, Geschmäcker sind verschieden. Deshalb rezensiere ich schon seit einer ganzen Weile nicht mehr, weder Filme noch Musik. Stattdessen versuche ich mich an das Motto “Leben und leben lassen” zu halten. Wenn sich ‘ne Mutti, Ende 40, das Vogelnest auf dem Kopf in weinrot getüncht und das Dekolletee mit einem Skorpion oder einer Rose verziert gern Andrea Berg reinzieht – sei es drum. Wenn sich erwachsene, vermeintlich intelligente Menschen “Die Atzen” oder Scooter geben, bitteschön. Macht alle was ihr wollt. Geht zu Semino Rossi in die Erfurter Messehalle. Kauft euch die neue Helene Fischer CD. Wünscht euch “Unheilig” bei Antenne Thüringen. Ja – von mir aus hört den ganzen Tag “Die Amigos” – die ich beinahe bewundere, weil sie mit minimaler musikalischer und lyrischer Varianz ihren Geldpeicher in der hessischen Heimat füllen. So abgebrüht muss man erst einmal sein. Was all die vorgenannten gemeinsam haben: sie sind; nun der Schwermetaller nennt es “true”. Also sich selbst und ihrem musikalischen Stil treu.

Doch an irgend einem Punkt hört der Spaß auf. Manche Sachen gehen einfach nicht! Dazu gehören die folgenden drei Alben, die seit einigen Wochen schmerzvoll penetrant auf verschiedenen Privatsendern beworben werden und meine persönlichen Schmerzcharts 2011 bilden.

Adya Classic

Was passiert, wenn zwei Belgier zu viel Pommes Frites gegessen haben und nach einer Nacht mit Magengrummeln und Albträumen mit einer im Fieberwahn geborenen Geschäftsidee aufwachen? Genau, Adya Classic – man nehme 17 “Ohrwurm”-Klassiker und unterlege diese mit einem Euro-Dance Beat: fertig ist das Grauen. Das Elend wird in diesem 4-Minutenclip auf den Punkt gebracht. Wer die Nerven dazu hat, bitteschön. Ich habe euch gewarnt.

 

Gregorian: Masters of Chant-Chapter 8

Ich will Michael Cretu nichts Böses unterstellen. Es ist ja das eine, originelle Ideen zu haben und gregorianische Chöre mit Ambient-Beats und gehauchten französischen Texten zu hinterlegen. Hätte der gute Mann geahnt, welches Grauen sein damaliger Spezi Frank Peterson 20 Jahre später daraus kreieren würde… er hätte sich vermutlich selbst ins musikalische Zölibat geschickt.

Ich bin ja kein besonders großer Oasis-Fan aber was bitte haben die Gallagher-Brüder verbrochen, dass ihr Hit “Wonderwall” nun von britischen Kastraten in schwarzen Mönchskutten geträllert wird? Mal ganz zu schweigen vom “Boss”, vor dessen “Streets of Philadelphia” auch nicht Halt gemacht wurde. Welcher schwanzlose Rechteinhaber gibt seine Erlaubnis für so einen Frevel? Genug der Worte. Das folgende Beispiel stammt von einem älteren Album: “Nothing else matters”. Ohne Worte.

 

Spiritus Dei

Zu guter letzt noch eine ganz besonders schlimme Entgleisung – nicht nur in musikalischer Hinsicht. Die Katholiken, Image-mäßig ja nun arg gebeutelt seit dem Kinderf*****-Skandal, probieren es ebenfalls mit seichtem Choral-Pop. “Die Priester” nennen sich die drei Lerchen und hinterlassen mit dem Album “Spiritus Dei” (Werk des Geistes) eine blutige Spur elektronisch verwurstetem Liedguts von Kirchemusik bis Klassik. Die Vermarktungsstrategen besitzen dabei noch die Frechheit, das ganze als Charity zu verkaufen. Ganze 50 ct. werden angeblich pro verkaufter CD für ein Hilfsprojekt in Tansania verwendet. Nur gut, dass von den 7 EUR Verkaufspreis dann noch genug für Universal übrig bleibt, die für diesen Klangmüll verantwortlich sind. Lieber Universal-Manager, der du dir von den Einnahmen gerade einen neuen Porsche Cayenne bestellt hast: Gäbe es eine Hölle; ein Platz ganz vorn am Fegefeuer wäre dir sicher!

Battlefield 3: Spyware frei Haus

Freitag, 28. Oktober 2011

Ach ja. Damals war’s. Der erste Brotkasten im Jugendzimmer. Ein Stapel 5 1/4″ Disketten daneben – voll mit Sicherheitskopien! Joysticks, deren Mikroschalter nach stundenlangen Ugh-Lympics oder Summer Games-Sessions den Gesetzen der Physik folgend barsten. So war das mit den Computerspielen. Früher…

Nach mehr oder minder enthaltsamen Jahren – zumindest was das Spielen auf dem PC angeht, die Wii steht selten frequentiert neben dem Fernseher – weckte ein Promo-Video des Spiels “Battlefield 3″ meine Aufmerksamkeit. Beim Betrachten des feuchten Asphalts auf dem Flugzeugträger bei dieser Kampfjet-Mission (ab 1:45 min) schließlich begann ich darüber nachzudenken, meinem nicht all zu schlecht ausgerüsteten PC eine brauchbare Grafikkarte zu spendieren und mir eben jenes “Battlefield 3″ zuzulegen.

Eine kurze Recherche des Grafikkartenmarktes nebst folgendem Preischeck bei Amazon ließen den Wunsch nach Abgleich mit meinem Barmittelbestand Form annehmen… bis, ja bis… nur 1 Stern Bewertung für die PC-Version? Das konnte nicht stimmen: war hier vielleicht die Konkurrenz am Werk? Ein näherer Blick auf die Rezensionen brachte Klarheit:

Es werden laut AGB u.a. IP- sowie MAC-Adresse, eure Daten und Medien, die ihr auf dem Rechner habt, erfasst, deren Nutzung und ob evtl. eine Lizenz vorhanden ist.

schreibt “mo3biuS”. “mer” hat offenbar noch einige Details in Erfahrung bringen können:

Daraufhin habe ich im EA Support Livechat angefragt was das denn solle. Die Antwort war einfach, sie scannen den PC auf Raubkopieen, da diese das Gameplay beeintraechtigen koennen. Auch Metadaten von MP3s und Filmen werden ausgelesen und an EA uebertragen. (ja, ihr lest richtig, dies hat mit der EA Support bestaetigt!)

Nun – den Plan mit der Grafikkarte und dem Kauf des Spiels habe ich begraben. Wenn mich wieder die Spielelust packt, tut es sicher auch eine Runde Wii Sports.

Update: frlan hat einen aufschlussreichen Artikel dazu auf SPON gefunden.

Liebe katholische Kirche!

Samstag, 22. Oktober 2011

Wenn in dem, was ihr predigt (ihr wisst schon, die Geschichte mit den Todsünden, dem Himmel und dem Fegefeuer) auch nur ein Fünkchen Wahrheit steckt, seid ihr ALLE am Arsch!

Dichloressigsäure

Dienstag, 20. September 2011

“Forschung ist die beste Medizin.”1

Das Selbstbild der Pharmaindustrie entspricht tendentiell dem des barmherzigen Samariters. Alles zum Wohle der Patienten. Und so ganz nebenbei lässt sich mit der Gesundheit des Menschen eine riesen Stange Geld verdienen. Das Interesse der Pharmaindustrie an der Erforschung neuer Heilmittel ebbt jedoch rapide ab, wenn die Aussicht auf monetäre Gewinne sinkt.

Ein Beispiel hierfür ist der Wirkstoff Dichloressigsäure (DCA). 2007 experimentierte die Universität Alberta mit DCA als potentiellem Mittel gegen Krebserkrankungen – mit vielversprechenden Ergebnissen. Es wäre sicherlich falsch und auf jeden Fall absolut verfrüht, von einem “Wundermittel” gegen Krebs zu sprechen. Ob das Potential von DCA als Krebsmedikamen jedoch in naher Zukunft erforscht wird, scheint fraglich. DCA ist billig herzustellen und vor allem:

Aufgrund fehlender Patentierbarkeit ist die Finanzierung klinischer Studien sehr schwierig (…), da insofern kein finanzieller Anreiz für Pharmakonzerne besteht.

Man nennt es glaube ich Staatsversagen, wenn staatliche Kernaufgaben wie die Gesundheitsforschung gewinnorientierten Wirtschaftsunternehmen überlassen werden und man Forschung und Lehre die Finanzen wegstreicht, so dass sich diese an der Zitze der Industrie hängen.

1 aus: Fernsehwerbespot der “forschenden Pharmaunternehmen” VFA

BILD-Wagner vs. NYC

Montag, 12. September 2011

BILD-Kolumnist Franz Josef Wagner schrieb heute Nacht eine Post an New York.

Alte Männer und Frauen, grotesk in ihrer Nike-Sportswear anzusehen…

40-jährige Frauen, deren Hintern so hart sind wie Eishockeypucks.

Der Geruch war in allen Starbucks-Coffees, in den schönen Brooks-Brothers-Hemden…

“(…) Es gibt eine Armani-Party. Ich bring dich da mit rein. (…)”

Ich weiß nicht, wie viele Boulevard-Journalisten ihr kennt die es schaffen, selbst in einer rührseeligen 9/11-Postille Sexismus und Schleichwerbung unterzukriegen. Ich kenne nur einen.

Nachtrag: Wagner ist bei der BILD in guter Gesellschaft. Kollege Herbert Bauernebel verleiht der durch eine am 11.9.2001 entstandene Fotografie bekannt gewordenen Marcy Borders den Titel “Staubfrau”.

Gesellschaftsphilosophie nach Friedrich

Sonntag, 07. August 2011

Na, wie war der Guten-Morgen-Kaffee? Hat das Brötchgen geschmeckt oder steht der Sonntagsbraten bereits auf dem Tisch? Dann solltet ihr diesen Spiegel-Artikel vielleicht lieber nicht lesen. Euch könnte ziemlich übel werden.

Innenminister Friedrich verbreitet im Zusammenhang mit dem Norwegen-Attentat wirre Forderungen:

“Politisch motivierte Täter wie Breivik finden heute vor allem im Internet jede Menge radikalisierter, undifferenzierter Thesen, sie können sich dort von Blog zu Blog hangeln und bewegen sich nur noch in dieser geistigen Sauce”

Bin ich denn ein hoffnungsloser Träumer, wenn ich erwarte, dass ein “Spitzenpolitiker” insbesondere bei solch sensiblen Themen fundierte Thesen äußert, anstatt irgendwelchen populistischen Durchfall zu fabrizieren? Helfen wir dem Mann auf die Sprünge. Was er hier in BILD-Vokabular beschreibt, könnte man im weitesten Sinne den Mechanismen kognitiver Dissonanz zuordnen. Hat man eine bestimmte Meinung verinnerlicht, sucht man nach Bestätigung dieser Meinung. Nachrichten, Meinungen, Tatsachen, die dieser Meinung widersprechen, werden bewusst und unbewusst gemieden. Ein Raucher wechselt den Sender, wenn über die Gefahren des Rauchens berichtet wird. Ein Innenminister holt den Phrasendrescher raus, wenn er keine Argumente hat:

Die Grundsätze der Rechtsordnung “müssen auch im Netz gelten”, Blogger sollten “mit offenem Visier” argumentieren.

Da war er wieder, der “rechtsfreie Raum” Internet. Angesichts solcher Argumentationsketten kann man an dieser Stelle getrost aufhören, sich mit Friedrichs Thesen auseinanderzusetzen. Man käme zu keinem sinnvollen Ergebnis. Genauso gut könne man versuchen, einen Höhlenmenschen davon zu überzeugen, dass ein Fernseher kein Voodoo-Zauber ist.

Jemand, der eine bestimmte Meinung vertritt und willens ist, diese Meinung zu verbreiten und andere davon zu überzeugen, wird immer einen Weg finden. Dazu braucht es kein Internet. Und ob anonym oder nicht: Leuten wie Hitler oder David Koresh ist es schließlich auch gelungen, eine Anhängerschaft für ihre wirre Philosophie zu aktivieren. Man schafft Meinungen nicht aus der Welt, indem man sie verbietet. Eine Lektion, die bisher noch alle Unrechtssysteme lernen mussten.

Interessant ist übrigens auch folgende Feststellung Friedrichs:

“Die Sarrazin-Debatte hat gezeigt, dass es zum Thema Islam eine Stimmung und einen Gesprächsbedarf gibt, die sich weder in der veröffentlichten Meinung noch in der Politik widerspiegeln”

Nicht doch! Das hätte jetzt wirklich keiner ahnen können, dass es in unserer Gesellschaft islam- und ausländerfeindliche bzw. rechtsradikale Gedankenströme gibt. Das ist Herrn Friedrich erst durch Thilo Sarazzin bewusst geworden? Dann muss ich mich ernsthaft fragen, in welchem Dornröschenschloss hat der CSU-Politiker denn bisher gelebt? Nun gut, immerhin spricht er von “veröffentlichter” und nicht “öffentlicher” Meinung. Irgendwie erinnert mich Friedrich gerade an die Polit-Spitze der sterbenden DDR, die überrascht feststellen musste, dass das Volk die Schnauze voll hatte vom real-existierenden Sozialismus. Auch ein schönes Beispiel übrigens, dass sich Menschen nur noch in “einer geistigen Sauce” bewegen und damit am Ende ein System stürzen konnten. Vielleicht ist es ja das, wovor unser Innenminister Angst hat. Wollen wir hoffen, dass das nicht jenen gelingt, die Friedrich vorgibt bekämpfen zu wollen.

Schönen Sonntag noch!

Bürgerrechte – eine Modeerscheinung?

Dienstag, 02. August 2011

In der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 begannen NVA und Grenzpolizei, die damalige Grenze zwischen der DDR und Westberlin abzuriegeln. Dieses Datum markiert den Beginn des Mauerbaus – dem Symbol der Teilung der beiden deutschen Staaten nach dem 2. Weltkrieg. Die Mauer war bis 1989 sichtbares Manifest dafür, welchen Stellenwert Bürgerrechte in der DDR hatten. Die Linkspartei Mecklenburg-Vorpommern stellt hierzu fest, dass der Mauerbau für die DDR alternativlos war – eine, von dem verwendeten, altbekannten Vokabular der Genossen mal abgesehen, durchaus zutreffende Einschätzung. Wer jetzt gleich die Faust in der Tasche ballt, der mag bitte mal an das Ende des Dokuments scrollen, wo sich folgender, zentraler Absatz findet:

Die Lehre des Mauerbaus besteht für die LINKEN darin, zu erkennen, dass der Sozialismus nur auf Dauer erfolgreich sein kann, wenn ihn die Menschen wollen und dass kein Ideal die systematische Einschränkung von Demokratie, Freizügigkeit und Selbstbestimmung rechtfertigt.

Im Kontext dieser Erkenntnis lasse man sich nun bitte mal folgenden Satz Siegfried Kauders auf der Zunge zergehen:

“Es ist Mode geworden, die Freiheitsrechte des Bürgers in den Vordergrund zu stellen.”

Eines dieser beiden Zitate ist mit den Grundsätzen einer freiheitlichen Demokratie vereinbar. Siegfried Kauder ist übrigens Vorsitzender des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages.

Via Netzpolitik, Fefe

Manche sind eben gleicher, immer noch!

Dienstag, 02. August 2011

Wahrscheinlich geht es vielen so: Als in der DDR Aufgewachsener ist mein Gerechtigkeitssinn wohl besonders ausgeprägt. Weil “wir” damals nämlich nur auf dem Papier alle gleich waren. Bereits ein Parteiabzeichen oder ein Streifen an der Pionierbluse machte manch einen gleicher als die anderen.

Irgendwie erlag man der Illusion, dass das in einer Demokratie anders ist. Denkste! In Rosenheim flog ein unseriöser Kurierdienst auf, der Mahn- und Vollstreckungsbescheide nicht zugestellt hatte:

Den säumigen Zahlern glaubten sie kein Wort – bis es einen Kripo-Beamten im gehobenen Dienst ebenfalls eiskalt erwischt hat. Er bekam eine Sonderbehandlung und durfte Anzeige gegen den amtlich zertifizierten Kurierdienst erstatten. So kam schließlich die Wahrheit ans Licht: Die Dokumente waren tatsächlich nicht zugestellt worden.

Via Lawblog

Katholiken: Schwule dissen aber selber rosa Käppchen tragen

Montag, 01. August 2011

Manch einer ist ja der Meinung, die katholische Kirche sei eigentlich die weltgrößte Schwulenorganisation. Sollte dem so sein, ist dies jedenfalls nicht der Grund, warum ich für diese Sekte nichts weiter als Verachtung übrig habe.

Nach außen frönen die Katholiken ja nach wie vor einer gepflegtem und tief sitzenden Homophobie. Dies zeigt einmal mehr jenes schöne Beispiel. Weihbischof Heiner Koch sorgt sich um das heilige Sakrament der Ehe, weil ein homosexueller “Schützenkönig” seinen Lebensgefährten bei Schützenveranstaltungen an seiner Seite haben möchte:

Und unter Berufung auf die Statuten müsse daher festgestellt werden, dass der Lebensgefährte von dem Schützenkönig Dirk Winter beim Landesbezirks-Königsschiessen in Horstmar und Bundeskönigschiessen in Harsewinkel nicht neben dem schwulen Schützenkönig herlaufen dürfe. Davor und dahinter geht, aber nicht daneben.

Nun habe ich mit Schützenvereinen nicht viel am Hut und eigentlich könnten einem diese seltsamen Vögel in ihren aufällig keck-bunten Gewändern egal sein. Würden sich die Dogmatiker nicht ständig in Politik und Medien einmischen und mit Steuergeldern gemästet werden. Da darf ein wenig Verbalprügel doch sicher erlaubt sein.

Via Spiegel-Online.

Symbolterroristen

Mittwoch, 06. Juli 2011

Update: Die “Junge Polizei Bremen” hat die Fotos zurück gezogen und ein entsprechendes Statement dazu veröffentlicht.
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Ach ja, die lieben Klischees. Der Franzose trägt Baskenmütze, gestreiften Pulli, hat ein Baguette unterm Arm und die Gitanes in den Mund geklemmt. Der Pole klaut gern, Italiener schreien sofort nach der Mama, Griechen haben immer eine Ouzo-Fahne und tanzen den ganzen Tag Sirtaki (wenn sie mal nicht gerade unseren Euro kaputt machen), Ungarn leben alle in der Puszta und der Deutsche trägt zu jeder Tages- und Nachtzeit Lederhosen und trinkt ausschließlich Bier. Solche Komplexitätsreduktionen mangels kulturellen Interesses oder begrenzten geistigen Horizonts sind Teil unserer Alltagskultur und so verwundert es nicht, dass sich die BILD mal wieder total lustig findet, wenn sie die seit gestern von Dänemark wieder verstärkt durchgeführten Grenzkontrollen einem ausgiebigen Test unterzieht.

Genau so sieht nämlich ein “Islamist” aus. Bart, Käppchen, Kaftan, Pali-Tuch. Der keck verkleidete BILD-Reporter wird durch die Grenzkontrolle gejagt und BILD stellt verwundert fest:

In der orientalischen Tracht darf er seinen Audi sogar neben den Grenzbaum der A 7 fahren. Verdächtig findet ihn keiner der dänischen Zöllner

Der Schabernack findet seine Fortsetzung, indem derselbe Reporter im selben Audi (der stets gut erkennbar ins Bild gerückt wird) als “Schwarzgeldkurier” (im Anzug mit Metalkoffer), als “Hippie” (“Afro-Perücke, Sonnenbrille”) und “Bierschmuggler” (in Fußball-WM Montur) vermutlich denselben Grenzübergang durchquert. Total lustig, wirklich. Aber zurück zum Islamisten: das Angebots-Nachfrage-Modell von BILD und das geistige Potential eines Großteils der BILD-Leserschaft bedingt quasi die archetypische Darstellung des potentiellen Terroristen als gruseligen Muselmann. Etwas beunruhigend wird die Sache allerdings, wenn man feststellt, welche gesellschaftlichen Instanzen sich noch solcher grotesk reduzierten Sinnbilder bedienen:

Jap. Die da. Unser Freund und Helfer.