Archiv für die Kategorie ‘Na gucke nur!’

GEbeZmühlenartig…

Mittwoch, 14. März 2012

Die BILD schlägt ja gern drauf, im Zweifel auch auf den kleinen Mann, um sich wenig später wieder auf dessen Seite zu stellen. Ein beliebtes Haudrauf-Opfer der BILD ist dabei die Gebühreneinzugszentrale (GEZ). Heute ist es mal wieder so weit – BILD lässt die große GEZ-Keule kreisen:

Was dürfen GEZ-Fahnder?

heißt ein Absatz und behauptet dann gleich mal, GEZ-Fahnder „dürfen (…) durchs Fenster schauen, aber nicht bewusst eine Wohnung ausspähen.“ Das klingt nicht nur abenteuerlich sondern ist schlicht und ergreifend falsch – allein schon da es keine GEZ-Fahnder gibt. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass die „Gebührenbeauftragten“ für die GEZ tätig sind. Vielmehr werden diese von den jeweiligen Landesrundfunkanstalten beauftragt. Diese Tatsache kann und will die BILD natürlich nicht akzeptieren – denn anders lassen sich solche Artikel nicht erklären (Hervorhebung BILD):

Sie klingeln an der Haustür, zücken ihren Ausweis. Auf dem prangt nicht das Logo der Gebühreneinzugszentrale, sondern des Senders!  Wieso haben GEZ-Schnüffler einen RBB-Ausweis?

Weil sie für den RBB arbeiten, lieber Maximilian Kiewel! Was der Journalist Verfasser hier als „Türöffner“ brandmarkt, ist das korrekte Verhalten der Gebührenbeauftragten. Würden Sie mit einem GEZ-Ausweis wedeln – das wäre dann eine Täuschung der Befragten und fiele vermutlich in den Tatbestand der Urkundenfälschung. Unter anderem der Berichterstattung der BILD ist es ja zu verdanken, wenn viele Berliner nicht wissen, „dass die Eintreiber unter der Flagge des Lokalfernsehens unterwegs sind.“ Doch anstelle Aufklärung zu betreiben, fällt die BILD ungeachtet der eigenen Einsicht gleich wieder in den alten Slang zurück.

Wie viel die GEZ-Schnüffler kassieren, ist geheim. Sie arbeiten auf Provisionsbasis, bekommen nur bei Erfolg Geld.

Auch wenn in Sachen öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Deutschland unheimlich viel falsch läuft – die GEZ als ausführendes Organ ist der falsche Adressat für Polemik. Oder um es mit Sophokles zu sagen „töte nicht den Boten“. Den gesetzlichen Rahmen des ö/r Rundfunks gibt die Politik vor. Aber diesen Kontext fühlt die BILD sich wohl außer Stande ihrer Leserschaft zu vermitteln. Vielleicht, weil sie ihn selber nicht begreift.

Was dürfen GEZ-Fahnder?

Oho… der SPIEGEL hinterfragt „kritisch“

Dienstag, 13. September 2011

Jetzt, so der US-Präsident im Interview mit mehreren Medien, müsse Europa endlich richtig handeln. Bald sei es zu spät dafür.

Mit dieser Kernbotschaft berichten die deutschen Medienhäuser heute über ein Interview mit Barack Obama, in dem der amerikanische Präsident Europa mit deutlichen Worten zur wirksamen Bekämpfung der Währungskrise auffordert.

Doch meint es Obama wirklich ernst mit seiner Warnung? Oder steckt hinter dem Handeln des US-Präsidenten purer Aktionismus?

Erstaunlich – der SPIEGEL, der in letzter Zeit eher durch mediales Mitläufertum auffällt als durch kritischen oder gar investigativen Journalismus, hinterfragt Obamas Motivation hinter der Warnung an das alte Europa. Erstaunlich auch, dass der SPIEGEL Obamas durchschaubares Spiel beim Namen nennt.

Wenn es bis zur heißen Phase des Wahlkampfs keine Besserung der wirtschaftlichen Aussichten gibt, lässt sich die Schuld an der Misere immerhin auf Europa schieben.

Der deutsche Michel spielt brav seine Rolle in diesem Obamonopoly, indem er sich erst einmal fürchterlich über diesen depperten Ami aufregt. Soll der doch erstmal vor seiner eigenen Tür fegen! Was mischt der sich überhaupt in unsere Angelegenheiten ein? Und genau so will der Durchschnittsamerikaner uns Europärer natürlich sehen: Erst machen die Krauts unsere Wirtschaft kaputt und dann schimpfen sie, wenn unser Prez ihnen die helfende Hand reicht.

Fefe hat Recht: Man kann von Obama halten was man will – an Trollqualitäten mangelt es ihm jedenfalls nicht!

BILD-Wagner vs. NYC

Montag, 12. September 2011

BILD-Kolumnist Franz Josef Wagner schrieb heute Nacht eine Post an New York.

Alte Männer und Frauen, grotesk in ihrer Nike-Sportswear anzusehen…

40-jährige Frauen, deren Hintern so hart sind wie Eishockeypucks.

Der Geruch war in allen Starbucks-Coffees, in den schönen Brooks-Brothers-Hemden…

„(…) Es gibt eine Armani-Party. Ich bring dich da mit rein. (…)“

Ich weiß nicht, wie viele Boulevard-Journalisten ihr kennt die es schaffen, selbst in einer rührseeligen 9/11-Postille Sexismus und Schleichwerbung unterzukriegen. Ich kenne nur einen.

Nachtrag: Wagner ist bei der BILD in guter Gesellschaft. Kollege Herbert Bauernebel verleiht der durch eine am 11.9.2001 entstandene Fotografie bekannt gewordenen Marcy Borders den Titel „Staubfrau“.

Bürgerrechte – eine Modeerscheinung?

Dienstag, 02. August 2011

In der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 begannen NVA und Grenzpolizei, die damalige Grenze zwischen der DDR und Westberlin abzuriegeln. Dieses Datum markiert den Beginn des Mauerbaus – dem Symbol der Teilung der beiden deutschen Staaten nach dem 2. Weltkrieg. Die Mauer war bis 1989 sichtbares Manifest dafür, welchen Stellenwert Bürgerrechte in der DDR hatten. Die Linkspartei Mecklenburg-Vorpommern stellt hierzu fest, dass der Mauerbau für die DDR alternativlos war – eine, von dem verwendeten, altbekannten Vokabular der Genossen mal abgesehen, durchaus zutreffende Einschätzung. Wer jetzt gleich die Faust in der Tasche ballt, der mag bitte mal an das Ende des Dokuments scrollen, wo sich folgender, zentraler Absatz findet:

Die Lehre des Mauerbaus besteht für die LINKEN darin, zu erkennen, dass der Sozialismus nur auf Dauer erfolgreich sein kann, wenn ihn die Menschen wollen und dass kein Ideal die systematische Einschränkung von Demokratie, Freizügigkeit und Selbstbestimmung rechtfertigt.

Im Kontext dieser Erkenntnis lasse man sich nun bitte mal folgenden Satz Siegfried Kauders auf der Zunge zergehen:

„Es ist Mode geworden, die Freiheitsrechte des Bürgers in den Vordergrund zu stellen.“

Eines dieser beiden Zitate ist mit den Grundsätzen einer freiheitlichen Demokratie vereinbar. Siegfried Kauder ist übrigens Vorsitzender des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages.

Via Netzpolitik, Fefe

Qualität im Abwärtstrend: Gottschalk geht zur ARD

Freitag, 15. Juli 2011

Prestige [pʁɛs.ˈtiːʒ] bezeichnet den Ruf (Leumund) einer Person, einer Sache (z. B. eines Gegenstandes, eines Ortes oder einer Institution), oder einer Gruppe von Personen oder von Sachen in der Öffentlichkeit eines bestimmten kulturellen Umfeldes.

Quelle: Wikipedia

Über das „Prestige“, also den Ruf von Thomas Gottschalk kann man sicherlich streiten. Ohne Zweifel ist Gottschalk eine der zentralen Figuren der deutschen Fernsehunterhaltung. Ich erinnere mich noch an das damals revolutionäre Format „Na sowas…“: Turnschuhe, flapsige Sprüche; endlich einer, der aufräumte im miefigen Endsiebziger-geprägten Unterhaltungsgrau zwischen mittäglicher Zweikanal-Versuchssendung und Testbild. Neben Frank Elstner gelang es Thomas Gottschalk, der Sendung „Wetten dass…“ seinen Stempel aufzudrücken. Ein Format, in dem selbstreferentielle Kalauer und vorhersagbare Grapschereien durchaus ihre Daseinsberechtigung haben. Nun überrascht es ein wenig, in welchem Format die ARD „Deutschlands prestigeträchtigsten Moderator“ künftig einsetzen möchte:

Was sie dem Show-Giganten offerieren, scheint erstmal alles andere als attraktiv: ein Quickie vor der „Tagesschau“, wo der Moderator ohne Live-Publikum im kleinen günstigen Studio über tagesaktuelle Dinge plaudern, twittern und skypen soll.

Das „klingt“ nicht nur erst einmal alles andere als attraktiv – das ist vor die Wand fahren mit Anlauf. Bedenklich stimmt auch, dass Gottschalk mit der Sendung Teil einer Umstrukturierung der ARD sein soll, so zumindest die Meinung des Spiegel-Autors:

Zu dieser Image-Offensive gehört auch, dass die ARD-Neuerwerbung Kai Pflaume immer freitags zu seinem Quiz „Drei gegen Kai“ antritt.

Denn die ARD hat großes vor:

Dem Vorabend soll ein neues, größeres und vor allem auch jüngeres Publikum erschlossen werden.

Mit Gottschalk und Kai Pflaume? Man möge mir verzeihen, wenn der Artikel an dieser Stelle endet. Der Autor krümmt sich gerade vor Lachen am Boden…

Via Spiegel.de

Schwein gehabt im Sommerloch!

Dienstag, 28. Juni 2011

Uiuiuiui… das war knapp!

Ein Gesteinsbrocken so groß wie ein Reisebus ist in 12.000 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeigeflogen – für kosmische Verhältnisse ein äußerst geringer Abstand.

So beteasert „Spiegel-Online“ heute einen Artikel, der uns darüber informiert, dass ein Asteroid in der Größe eines Reisebusses in 12.000 Kilometer Entfernung unseren blauen Planeten passiert hat. Klingt erst einmal dramatisch. Doch der Verfasser legt noch eine Kohle auf:

Für die Dinosaurier endete der Crash tödlich: Vor etwa 65 Millionen Jahren schlug ein mehrere Kilometer großer Asteroid auf die Erde ein und besiegelte das Ende der riesigen Lebewesen (…)

Wem spätestens jetzt noch kein kalter Schauer über den Rücken läuft, bitte mal die Hand heben. Die Kernbotschaft dieser Meldung erscheint übrigens erst im dritten Absatz:

Bei der Nasa geht man davon aus, dass ein derart kleiner Asteroid jedoch keinen Schaden anrichten würde, sollte er die Erde treffen.

Nun frage ich mich doch ernsthaft, warum SPON diese Meldung mit der Relevanz eines chinesischen Reissacks dennoch und ausgerechnet heute prominent auf der Startseite verlinkt. Die Spezialexperten für hochdramatische Nichtereignisse waren da ganze zwei Tage schneller!

Unbescholtene Verdächtige

Montag, 06. Juni 2011

Gar nicht schlecht, wenn man mal eine Woche keine Nachrichten liest. Dann muss man sich nicht über solche Stilblüten wie die von Innenminister Hans-Peter Friedrich aufregen. Friedrich wettert bei BILD gegen „linksliberale Fundamentalisten“, die ihm seine Anti-Terrorgesetze wegnehmen möchten. Die meinen nämlich:

Auch unbescholtene Bürger könnten in das Visier der Nachrichtendienste geraten. Falsch! Nicht „unbescholtene Bürger“, sondern ausschließlich Terrorverdächtige sind betroffen!

Also schließt Friedrich von vorn herein aus, dass auch ein „unbescholtener Bürger“ plötzlich unter Terrorverdacht geraten könne. Sowas passiert ja auch nur in Holland. Oder, falls bei uns jemand auf Berlins Innensenator Körting hören würde.

„Zu Risiken und Nebenwirkungen…“: Nachrichten lesen verursacht Übelkeit

Donnerstag, 26. Mai 2011

Manchmal wird einem einfach nur schlecht. Wie mir heute beim Überfliegen der morgentlichen Nachrichtenagenda. RWE-Chef Großmann zum Beispiel. Warnt die Kanzlerin vor einer „Ökodiktatur“ und sieht unsere Demokratie in Gefahr! Glauben solche Leute wirklich den Sondermüll, den sie da von sich geben? Oder der hier, unser HaPe Friedrich. Thema Anti-Terrorgesetze. Man habe sich „bereits deutlich auf das Justizministerium zubewegt“. Weshalb? „So halte der Innenminister die von der FDP geforderte erneute Befristung für vorstellbar.“ Wie meinen? Na da müssen wir wohl alle vor Dank auf die Knie fallen, dass bei uns nicht schon längst Notstandsgesetze aktiviert wurden! Andernorts sieht es auch nicht besser aus. „Obama verteidigt Führungsrolle des Westens„. Braucht man eigentlich gar nicht erst lesen. „Change we can believe in“. Da wirkt eine gesunde Dosis „Post von Wagner“ wie jene vom Dienstag gerade zu heilsam. Franz-Josef glaubt, die Deutschen hätten das Internet, den Zeppelin, das Auto und Röntgen erfunden. Nun, das mit dem Internet waren die Amis (ARPA-Net), den Zeppelin ein Ungar, das Auto streng genommen die Franzosen (Cugnots Dampfwagen) und Röntgen – war zunächst mal ein Mensch, der durch Zufall eine bestimmte Strahlung entdeckt hat. Das hilft uns aber allen nicht weiter, wenn sich die EHEC-Toten vor den „Labors“ meterhoch stapeln!!!

Es gibt da noch so eine „Erfindung“, die Katharsis-Theorie. Haben sich auch nicht die Deutschen ausgedacht, sondern Österreicher. Wurde mittlerweile auch widerlegt. Mir ist das egal. Manchmal hilft es, sich einfach mal den Frust von der Seele zu schreiben!

…der werfe eine Ladung Steine!

Donnerstag, 12. Mai 2011

Ähm… vermutlich sollte ich den Titel dieses Blogs bald in Richtung „BILD-Blog“ abändern. Das unsympathische Käseblatt ist aber auch ein Quell nie endenden an den Kopf greifens.

Nachdem gestern mal wieder Deutschlands bekanntester Plagiator zaghaft hofiert wurde (siehe auch „Deutschlands dümmste Meinung„), ruft die BILD heute den Medienkrieg gegen den Spiegel aus.

Es geht um diesen Artikel, in dem Spiegel Redakteur René Pfister Horst Seehofer portraitierte. Dafür wurde ihm zunächst der Henri-Nannen-Preis verliehen – und nun aufgrund mutmaßlich unsauberer journalistischer Methoden wieder aberkannt.

Nun ist meine Meinung zum zunehmend in Richtung Boulevard abdriftenden Spiegel sicher nicht (mehr) die allerbeste. Allerdings spricht es Bände, von welch grotesker Absurdität das Selbstbild der Springer-Postille geprägt sein muss. Es würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, würde man die unzähligen Artikel aufzählen, in denen BILD nicht nur den Eindruck des „dabei Seins“ vermittelt hat, sondern dies schlicht behauptete. Mal unabhängig von den unzähligen, unwahren Tatsachenbehauptungen. Mal unabhängig von den unzähligen Rüfflern des Presserates, die BILD über die Jahre kassiert hat. Das kann man alles beim echten BILDblog nachlesen.

Aber – just for the Records; bevor man all zu hart über die Bigotterie von BILD urteilt: sie haben dafür ja andere Qualitäten. Zum Beispiel, wenn es mal wieder um Luftbildtotenschädel und Nazigold geht!

Deutschlands dümmste Meinung

Dienstag, 10. Mai 2011

Dass ich der Boulevardzeitung mit den vier großen Buchstaben mit tendentieller Ablehnung begegne, sollte ja mittlerweile klar sein. Und doch schaffen es diese Krawallbrüder immer wieder, mich negativ zu überraschen.

Es geht mal wieder um Karl-Theodor zu Guttenberg, den gefallenen Engel des Post-Bildungsbürgertums oder wie andere sagen: Vollidioten!

Die Uni Bayreut hat es nämlich gewagt, ihre Arbeit zu machen, die Doktorarbeit geprüft und einen Bericht dazu auszugsweise veröffentlicht.Wenig überraschend kommt man dabei zu dem Schluss, Guttenberg habe entgegen eigener Aussage vorsätzlich getäuscht. Oder um es via Walter Schmitt-Glaeser in BILD-Sprech zu formulieren: Sie veranstalten eine „Treibjagd“. Schmitt-Glaeser weiter:

Mit ihrer Entscheidung hat sie Herrn zu Guttenberg in seiner gesellschaftlichen Existenz schwer beschädigt.

Verstehe ich das richtig? Nicht Guttenberg selber hat sich durch seine Schummelei beschädigt. Nein, hier wird dem Prinzip „Tötet den Boten“ gefrönt. Nach Meinung von Schmitt-Glaeser wäre der strafrechtlichen Relevanz mit der (nach wie vor temporären) Aberkennung des Doktortitels und dem Rücktritt zu Guttenbergs als Minister genüge getan. Schmitt-Glaeser weiß auch, warum die Uni Bayreut in ihrem Gutachten die falschen Schlüsse zieht:

Die Feststellung ist schon klar, aber die Begründung für die angeblich bewusste Täuschung ist in Wahrheit keine. Vergeblich sucht man nach stichhaltigen Argumenten.

Der ehemalige Vizepräsident der Uni Bayreuth erklärt dann auch, warum das Gutachten zu falschen Schlüssen gekommen sein muss:

Ich bin mir absolut sicher, dass Herr Guttenberg nicht bewusst getäuscht hat. Ich kenne ihn noch als Student: Er hat es nicht nötig, sich mit fremden Federn zu schmücken.

Stichhaltiger kann man es eigentlich nicht formulieren. m(