Archiv für die Kategorie ‘Kulinarium’

Kulinarium XXVI – British Bastard Breakfast

Montag, 14. Mai 2012

Bevor hier jemand “dat is racist!” schreit – ich hab überhaupt nichts gegen unsere freundlichen Nachbarn vom Inselreich. Ja, es gab da so ein bisschen Gerangel in der Vergangenheit – aber seien wir doch mal ehrlich: nachdem 2010 auch diese unschöne Geschichte geglättet wurde, die damals in Wembley passiert ist, verbindet uns mit dem Empire mehr als uns trennt. Wir mögen Fußball. Wir lieben das Bier. Wir haben gemeinsam die Industrialisierung voran getrieben. Im Urlaub und in der EU mag man zwar unser Geld; auf unsere Anwesenheit würde man aber gern verzichten. Die Franzosen können weder uns noch die Briten so richtig doll leiden, und das beruht sicher auch ein wenig auf Gegenseitigkeit. Na gut, die britische Küche, das ist in der Tat so eine Sache. Verbrechen an der Menschheit – nein, das ginge jetzt doch zu weit. Es gibt ja doch so den einen oder anderen Leckerbissen auf der Insel. Somerset Maugham konterte Kritik am britischen Essen einst so: “Alles, was man tun muss, ist dreimal täglich frühstücken.”

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Deshalb gab es heute British Breakfast. Full British Breakfast. British BASTARD Breakfast, denn 1) ist 20.00 Uhr selbst für den faulsten Engländer keine typische Frühstückszeit. 2) Eine Thüringer Bärlauch-Bratwurst wird man auf einem englischen Frühstücksteller wohl selten finden, dann schon eher die Lamm-Würstchen. Wenigstens die Koch-Musik ist pure british: “Kings of Streetpunk” hämmert aus den Lautsprechern, während ich mir mein Bastard-Frühstücksabendbrot schmecken lasse!

Zutaten:

  • 2 Eier
  • 5-6 Scheiben Bauchspeck
  • 4-5 mittelgroße Champignons
  • 1 große Tomate
  • “Baked Beans”
  • 1 english Muffin
  • Salz, Worcestersauce
  • Butterschmalz und Butter zum Anbraten

Ehrlich gesagt ist die einzige Herausforderung hier das Timing. Der Bequemlichkeit halber heize ich den Ofen auf 50°, bevor es losgeht und halte einen Teller zum Zwischenlagern bereit. Zuerst werden die Tomaten in dicke Scheiben geschnitten und in einer heißen Pfanne ohne Öl angeröstet. Nun werden die Champignons geviertelt und in der Pfanne mit etwas Butterschmalz sautiert und einem kräftigen Schuss Worcestersauce abgeschmeckt. Als nächstes kommt der Speck an die Reihe, den man ohne weitere Fettzugabe knusprig ausbrät. Nun sind die Würstchen an der Reihe und werden in der Pfanne gebraten. Zum Schluss kommen die Eier mit etwas Butter in die Pfanne. Je nach Belieben baut man daraus Spiegel-, Setz- oder Rührei. Währenddessen habe ich die Baked Beans in einem kleinen Topf bei Stufe 1 langsam durchgewärmt.

Enjoy your meal!

Kulinarium XXV

Samstag, 18. Februar 2012

Ich hab’s rausgefunden. Ich weiß jetzt, warum man in vielen hiesigen Restaurants oder sagen wir lieber Gaststätten oftmals lieblos zubereitetes Essen serviert bekommt. Eklige Fertigsoßen, Großküchen-Convinience-Produkte, Pseudo-Gerichte. Sie wissen es einfach nicht besser. Da habe ich heute ein Youtube-Video gefunden, in dem die Zubereitung einer Sauce Hollandaise erläutert wird. Schenkt man den Kommentaren Glauben, dann lernen die Kochschüler an manchen Schulen, dass man eine Hollandaise auf Basis einer Zwiebel-Reduktion (!) zubereitet.

Bei gewissen Dingen muss man einfach pingelig sein und Zwiebel hat in einer Hollandaise nichts zu suchen. Eigelb, evtl. Weinessig oder Weißwein, Wasser, zerlassene Butter, Salz, evtl. Pfeffer und Zitronensaft. Manche hauen noch einen Schuss Worcestersauce dazu. Könnte man noch gelten lassen. Aber verdammt nochmal keine Zwiebel! Wer das nicht glauben mag, soll einfach bei Bocuse oder Escoffier nachschauen. Das hat übrigens nichts mit meinem heimlichen Faible für “Thomy Sauce Hollandaise” zu tun, denn das ist irgendwas, gelbes, soßiges aber hat definitiv gar nix mit einer richtigen Hollandaise zu tun.

Ich habe manches Mal überlegt, ob ich anstatt Büro nicht die Küche als Arbeitsplatz hätte wählen sollen. Nee, alles richtig gemacht. Kochen kann man auch in der Freizeit. Für die Lieben und für die Freunde, und nicht für meckernde Gäste und unter dem Zwang der Kostenoptimierung.

Kulinarium XXIV

Freitag, 30. Dezember 2011

Dieses Jahr gibt es keinen Domspitzen Jahresrückblick. Nicht, dass man da nicht einiges zu betrachten hätte. 2011 war ein Jahr mit vielen Höhen und Tiefen. Für mich war es das vielleicht durchwachsendste Jahr meines bisherigen Lebens. Deshalb wird sich heute nicht über Politik aufgeregt, über die Gesellschaft oder über unsere Welt als solche. Es gibt nur folgenden, wohlgemeinten Ratschlag von mir: Genießt das Leben, genießt jeden schönen Augenblick! Nehmt mit, was ihr kriegen könnt! Seid nicht traurig über das, was ihr nicht bekommen habt. Blickt nicht wehmütig in die Vergangenheit und nicht sorgenvoll in die Zukunft.

Und vergesst nicht, euch ab und an etwas leckeres zu kochen! Hier gab’s heute Frittierplatte. Kleine Schnitzel, panierte Champignons und “Bodag”, eine Art Fleischersatz aus den Zutaten der Panade gemischt. Mit einfachem Mischgemüse und Kartoffelpüreé. Herrlich!

frittierplatte

Extrem Einkaufing – Extrem Koching (Kulinarium XXIII)

Samstag, 10. Dezember 2011

So, das war’s für dieses Jahr. Mein gesamtes Qi ist aufgebraucht. Die gute Nachricht: man hat mal wieder dazu gelernt. Dass man Wacholderbeeren vorsichtig dosieren sollte, zum Beispiel. Außerdem habe ich fast 1 Liter Rote-Beete-Saft übrig. Aber alles der Reihe nach…

Das Drama begann mit dem Entschluss, der Umwelt mal was Gutes zu tun. Das Auto stehen lassen, mit dem Rad in den nächsten brauchbaren Supermarkt radeln zum Einkauf. Der befindet sich in der Goethe-Galerie, einem Standard-Einkaufszentrum in der Jenaer Innenstadt. Der dort im Tiefgeschoss ansässige Tegut kann mit einem recht anständigen Sortiment aufwarten, leidet jedoch unter einer fürchterlich unlogischen Warensortierung und ist entweder gefüllt mit Rentnern in Zeitnot (9.00-11.00 Uhr), lose marodierenden Patchworkfamilien (11.00-18.30 Uhr) oder stark alkoholisierten Jugendlichen (18.30 – 20.00 Uhr). Es gibt so ein paar wenige Zeitfenster, in denen strukturiert denkende Single-Einkäufer mit Einkaufszettel unterwegs sind, aber die verrate ich nicht.

Samstag, 12.30 Uhr, hohe Wahrscheinlicheit von Rudeln umherirrender Familienkonglomerate. Ich hatte mir vorgenommen, keine Kinder zu treten auch nicht die langsame Kassiererin zusammenzupfeifen, sollte ich denn zufällig an ihre Kasse geraten. Ich wollte mal total nett sein, weil doch bald Weihnachten ist. Ich ahnte bereits Schlimmes, als ich mein Rad angekettet und die Glastür zur Einkaufsmeile geöffnet hatte. In den Ohren dröhnte volkstümliches Weihnachtsgedudel, die Nase bemerkte ein starkes Aroma von “4711 Echt Kölnisch Wasser”. Nun, so etwas passiert um die Weihnachtszeit, dass irgendein Schlagervogel sein trauriges Dasein auf einer 3 x 5m² großen Bühne fristet, beklatscht von ein paar Hartz-4 Empfängern, die den langen Weg heraus aus dem idylisschen Gera-Lusan hierher gefunden haben. Nik P. habe ich dort schon gesehen und irgendeinen Heinz, der irgendwann mal an irgendeiner der zahllosen Voice-Of-Se-German-Superstar Shows teilgenommen hatte. Aber dieses Mal war es schlimmer, denn sämtliche Zugänge zum Tegut, der sich wie gesagt im Tiefgeschoss befindet, waren vollgestopft mit Rentnern. Ich hatte leider meine Ohrstöpsel nicht dabei, also Tunnelblick aufgesetzt, den Kragen hochgeklappt und straight durch die Gerontenbarriere marschiert. Der Markt war dann auch angenehm leer, da viele potentielle Kunden angesichts der Oma-Brigaden schnurstracks kehrt gemacht hatten und ihr Einkaufsglück in einem anderen Supermarkt suchten.

Ich kreuzte also die Gänge auf der Suche nach Kochzutaten, und der durch die Supermarktlautsprecher eingespielte Easy-Listening-Fahrstuhljazz ging eine unheilige Allianz mit dem “Rennsteiglied” ein, das gerade draußen gejodelt wurde. Das ist der Moment, in dem manch einer die Tech-9 aus der Tasche holt und zahlreiche Vollmantelgeschosse in die Umgebung pustet.

Ich weiß nicht, ob es die krude Mischung aus toitschem Liedgut und zeitgenössischem Einkaufsjazz war, die mich auf diese seltsame Idee brachte, ein traditionelles Tellergericht auf Etepetete zu pimpen. Nein, war es zugegebenermaßen nicht, sondern es war das Fernsehen. Vermutlich erging es dem Fernsehkoch aber genaus so, als er damals überlegte, was man aus Kassler und Sauerkraut so alles basteln könnte. Irgend ein Schlagertoni in irgendeinem Einkaufszentrum… nein, nicht irgendeiner! Als ich an der Kasse war, sah ich, dass es niemand anders als Gotthilf Fischer himself war, der die mundfaulen Thüringer verzweifelt zum Mitsingen zu animieren versuchte.

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Jetzt musste alles ganz schnell gehen: Das gute Zeugs einpacken, Fluchtweg freischlagen und nichts wie raus aus der Schlagerhölle!

Kasslerbraten mit Sauerkraut und Kartoffelpürree

Für 2 Personen:

  • 300g Kassler, ohne Knochen
  • 1 gr. Zwiebel
  • 3-4 Lorbeerblätter
  • 2-3 (!) Wacholderbeeren
  • ein paar Nelken
  • Salz, Pfeffer, Öl
  • 1 Tasse Wasser oder milde Brühe

Crêpes

  • 1 Ei
  • 50 ml Sprudelwasser
  • 100 ml Milch
  • 90g Weizenmehl
  • 1 kräftiger Schluck Rote-Beete-Saft
  • Salz

Beilagen

  • Sauerkraut
  • 5-6 mittelgroße Kartoffeln
  • 100 ml Milch
  • 40g Butter

Der Kassler wird in reichlich Öl in einem Topf von allen Seiten gut angebraten und mit Pfeffer und Salz gewürzt. Dazu kommen die Zwiebeln, die mit angedünstet werden. Das ganze mit Wasser oder Brühe ablöschen, Lorbeer, Wacholderbeeren und Nelken dazu und 45 Minuten köcheln lassen. Das Fleisch heraus nehmen und die Soße durch ein Sieb passieren, mit etwas Stärke andicken und aufkochen.

Die Kartoffeln schälen und 20 Minuten kochen, dann durch die Quetsche pressen (nicht mit dem Zauberstab pürieren! das wird nix) und mit Milch und Butter leicht aufkochen. Das Sauerkraut nach eigener Vorliebe zubereiten oder fertiges benutzen, so wie ich.

Eigentlich ist das Gericht jetzt fertig und könnte folgendermaßen aussehen:

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Könnte. Könnte aber auch ganz anders präsentiert werden! Die Crêpe in einer Pfanne dünn backen, vorher die Hälfte vom Teig mit dem Rote-Beet-Saft färben. Etwas abkühlen lassen. Mit Kartoffelbrei bestreichen und etwas Sauerkraut darauf verteilen. Den Kassler in ca. 1×1 cm dicke Streifen schneiden und in die Mitte des Crêpe legen, zusammenrollen, 2 Stunden im Kühlschrank in Frischhaltefolie eingewickelt ruhen lassen. Mit der Soße und Eßstäbchen servieren. Prego!

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Manöverkritik

  1. Vorsicht mit Wacholderbeeren! Die können sehr schnell dominant werden.
  2. Die Crêpe versuchen so zu backen, dass keine braunen Flecken entstehen.
  3. Das Püreé könnte noch etwas Salz vertragen.
  4. Zubereitungszeit: mindestens 1 Stunde, dazu noch die Kühlzeit beachten!

Viel Spaß beim Nachkochen, wer sich traut :-)

Könnt’ alles schlimmer kommen. Es könnte regnen!

Donnerstag, 12. Mai 2011

Es gibt Tage, die sind so durchwachsen wie ein anständiges Thüringer Brätel. Und geregnet hat’s auch. 3 4 Mal. Wenn ich die Quintessenz aus dem Tag ziehe, hätten wir auf der SOLL-Seite:

(-) Regen / Gewitter
(-) kein Mittagessen aufgrund von Terminen
(-) emotionales Tief am Nachmittag
(-) Slalom vorbei an tätowierten 50+ Muttis, die auf Nik P. warten

Die HABEN-Seite hingegen sieht so aus:

(+) Gute-Laune-Paket ist angekommen
(+) Dem Regen radelnderweise knapp entkommen
(+) Nik P. in der örtlichen Einkaufspassage noch knapper entkommen (Einkaufspassage ist doch gerade so über Baumarkt, oder? Der gute Nik sollte sich demnächst von Fenstern über Erdgeschosshöhe fern halten…)

Wie kann man den negativen Saldo nun ausgleichen? Da gibt es an sich nur eine Lösung: Soul Food! Und da wir ja gerade Saison haben, gibt es heute: Spargel! Man nehme (2 Portionen):

  • 500g Spargel (deutscher Bio-Spargel, 500g für schlappe 2 EUR)
  • 250g junge, rote Kartoffeln
  • 1/2 Schweinefilet
  • 1 Bio-Zitrone (1/2 – 1 EL Zitronensaft), 125g Butter, 1 Eigelb, Salz, weißer Pfeffer für die Sauce Hollandaise
  • Kochmusik, z.B. Tannhäuser (hier in der getragenen Furtwängler-Version mit den prägnanten Streichern und etwas penetranten Bläsern)
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Kochtechnisch ist das Gericht, mal abgesehen von der Sauce Hollandaise, eher ein logistisches Problem. Die Kartoffeln brauchen tendentiell am längsten, gefolgt vom Spargel. Das Filet brät sich schnell durch, aber man muss es dabei genau beobachten. Die Hollandaise ist IMMER der letzte Arbeitsgang und braucht unbedingt Konzentration! Am besten, man heizt sich den Ofen auf 60° vor, um die fertigen Komponenten warm halten zu können.

Zunächst wird das Filet ordentlich gesalzen und gepfeffert. Jetzt kann das Wasser für die Kartoffeln auf den Herd. Danach ist der Spargel an der Reihe. Schälen & die festen Enden abschneiden (die kann man aber mitkochen, auch die Schale und sich aus dem Kochwasser eine feine Spargelcrémesuppe zaubern!)

Wenn das Kartoffelwasser kocht, hinein mit den Erdäpfeln und die Hitze reduzieren. Nun kann man das Spargelwasser aufsetzen. Die Kartoffeln brauchen etwa 20-25 Minuten je nach Größe im köchelnden, der Spargel zwischen 12 und 15 Minuten im kochenden (!) Wasser. Während das Gemüse vor sich hin gart, widmet man sich dem Filet, das am besten in heißem Butterschmalz ca. 8 Minuten in der Pfanne gebraten wird. Dabei öfter wenden, damit alle Seiten schön angebraten werden. Bei einem größeren Stück lohnt sich übrigens auch umgekehrtes Niedertemperaturgaren für die Zubereitung.

Das Gemüse ist bissfest, das Fleisch im richtigen Garzustand. Ab damit in den Ofen zum warm halten. Das Kartoffelwasser aber nicht wegschütten – man benötigt es für die Hollandaise! Zuerst schmilzt man vorsichtig die Butter in einem Topf und stellt ihn zur Seite. In einer Schüssel schlägt man Eigelb, Wasser und Zitronensaft im Wasserbad zu einer cremigen Masse. Vorsicht, die Grenze zum Gerinnen ist sehr dünn! Sowie die Cremigkeit eintritt, gibt man vorsichtig die flüssige Butter dazu. Zuerst in sehr kleinen Mengen, die man nach und nach erhöhen kann. Ist die Butter eingerührt, wird die Sauce mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt und sofort serviert.

Hat man alles richtig gemacht, steht am Ende folgendes Gericht auf dem Tisch:

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Kulinarium XXII: Servierringliga!

Montag, 18. April 2011

Endlich: Wir haben mal wieder gekocht. (OK, wir haben dieses Jahr natürlich schon mal gekocht, aber darüber habe ich nicht gebloggt ;-)

215456_1893905594921_1459991221_2086658_2245142_n Das Motto lautete dieses Mal “Abschiedskochen” – da Nadia und Christian bald in eine geräumigere Casa ziehen. Wir haben trotzdem alles ganz gelassen und unsere volle Aufmerksamkeit den erlesenen Zutaten und Rezepturen gewidmet. Zu den gefühlten 50 Gemüsezutaten gesellte sich diverses totes Tier: Rinderhack, Roastbeef, Schinken. Fleisch mit Fleisch!

 

1. Gang: Gefüllte Bresaola-Säckchen auf einem Süßkartoffelrösti

img_1105 Bresaola ist es am Ende nicht geworden – der italienische Rinderschinken ist in der Umgebung schwerlich zu ergattern. Aber die Fleischbeauftragte hatte für würdigen Ersatz gesorgt. Die Schinkenscheiben werden mit einer Mischung aus gerösteten & gehackten Pinienkernen, Rucola, Créma die Balsamico und Parmesan-Spänen gefüllt und mit blanchierten Schnittlauch zu Säckchen gebunden. Das Süßkartoffelrösti wird aus gehobelten Süßkartoffeln, Parmesan, Mehl und Ei zusammengebastelt und in der Pfanne ausgebacken.

2. Gang: Edelburger an frischem Salat nach Jamie Oliver

img_1116 Der Salat war eine Idee von Nadia nach einem Jamie-Oliver-Rezept. Die Burger eine reine Eigenentwicklung. Das Rinderhack wird mit einer Geheimsoße geschmacklich aufgepeppt. Die Burger werden in frisches Pita-Pfannenbrot gebaut mit Salat, Tomate, gedünsteten Zwiebeln, Speck, Cheddar, selbstgemachter Burger Sauce und einem Klecks Créme Fraiche. Der Salat aus Früchten und Gemüse. Für die benötigten Kokos-Raspel haben wir natürlich weder Kosten noch Mühen gescheut und eine Kokosnuss geopfert.

3. Gang: Feines Püreé und Roastbeef

img_1120 Mehlig kochende Kartoffeln und verschiedene Gemüse (u.a. Pastinaken) werden in Milch gekocht und gestampft. Das Fleisch. Ja, das Fleisch… 1,5 Kilo feinstes Roastbeef, das zunächst im Bräter scharf angebraten wird, um die nächsten 3 Stunden bei kuscheligen 75° – 80° in der Backröhre zu ruhen, bis eine Kerntemperatur von ca. exakt 57,8° Celsius erreicht ist. Die Sauce schließlich, eine bewährte Rinderfond-Portwein-Reduktion, wird mit etwas Mehlschwitze angedickt und dazugereicht. Ein Gedicht!

 

4. Gang: Birnensorbet auf Wallnussand mit Vanilleschaum

img_1124 Das Sorbet muss am Vortag zubereitet werden. Dazu werden Birnen geschält und gestückelt, in Zuckersirup gekocht, passiert und gefroren. Der Walnussand besteht im Wesentlichen aus Wallnüssen, Mehl und Zucker. Der Schaum wird aus Milch, Mineralwasser und einer Vanilleschote zubereitet.

Ein Steitz-Riesling, ein anständiger Barolo, den man sich merken sollte, ein Merlot und Nadias liebevoll gestaltete Tischdeko lieferten den angemessenen Rahmen für diesen kulinarischen Abend, der mit einem guten Gläschen Whisky endete.

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Ich freue mich schon auf das “Willkommens-Kochen” im Juni!

Kulinarium XXI: Weihnachtskochen!

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Wir haben gekocht! Mal wieder! Und weil ja bald Weihnachten ist, nannte sich das Ganze auch “Weihnachtskochen”. Und es war mal wieder ziemlich spektakulär…

1. Amuse-Gueule

img_0958 Was bastelt man aus 3,5 Kilo Tomaten, Zwiebeln, Balsamico, Klärmasse, Passiertüchern und 2 großen Töpfen? Genau, wohl eines der aufwendigsten Amuse-Guele ever! Heraus kommen übrigens ca. 400 ml klare Tomatenessenz – und das ist wirklich ein Aromaerlebnis der Extraklasse. Die Tomaten werden gekocht, mindestens 2, eher 3 Mal passiert, bis man eine klare Essenz erhält. In Gläser gefüllt, mit einem Basilikum-Sahneschaum gehäuptet und zu einem gespießten Stück Räucherfisch serviert liegt die Benchmark für Vorspeisen damit wieder ein paar Zentimeter höher.

2. Gemischter Wildteller mit Kartoffel-Vogerl-Salat

img_0961 Das Rezept für den Salat kommt aus Österreich und erhält seinen Pfiff durch die Zugabe von Kürbiskernöl. Die Fleischkomponenten bestanden aus Medallions vom Hirsch, umgekehrt niedertemperaturgegart, weil sich das bewährt hat. Und Bauchlappen vom Karnickel (ja, Kaninchen ist kein Wild…), die ich zur Abwechslung mal mit diesem sensationellen Fenchel-Gemüse gefüllt und eingerollt habe. Das Ganze gerahmt mit einer Soßenreduktion aus Portwein und Wildfond und einem sehr delikaten Roten “Glen Carlou” aus Südafrika.

3. Geschmorte Entenkeulen mit grünen Klößen

img_0975 Das klingt schon fast etwas prophan – ist es aber nicht! Die Keulen werden im Rotwein mit jeder Menge Chalotten im Bräter geschmort. Klöße macht man natürlich selber – mit Hilfe der guten alten Malina. Halb und halb aus geriebenen rohen und gekochten Kartoffeln und mit Semmelbröseln gefüllt. Einfach wunderbar!

4. Lebkuchen-Créme-Brûlée und Nougat-Datteln

img_0979 Nachtisch geht immer, sagt man. Das war nach den ersten 3 Gängen zwar eine echte Herausforderung – aber an dieser Leckerei kann man einfach nicht vorbei gehen! Die mit Nougat gefüllten Datteln wurden in Wan-Tan-Teig frittiert und zur Créme gereicht, von der ich zwar nicht genau weiß, was drin war aber festellten musste, dass ich selten eine bessere Brûlée genießen durfte! Dazu ein sehr guter 2003er Forditas aus Tokaj, der im September höchstpersönlich vor Ort eingekauft und nach Deutschland verbracht wurde.

Mal sehen, was die Weihnachtsküche dieses Jahr noch zu bieten hat – überbieten, wohl eher nein :-)

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Kabel1: “Pommesbudentest” in Erfurt

Mittwoch, 01. Dezember 2010

Bei “Abenteuer Leben” auf Kabel1 haben sie letztens Erfurter Imbisse getestet. Die Sendung gibt es auch im Netz:

Teil 1
Teil 2

Kulinarium XXIII: Egri Bikavér

Samstag, 27. November 2010

Es gibt ein paar Weine, um die man lieber einen großen Bogen macht. Rosenthaler Kadarka zum Beispiel, der auch gern mal mit Wasser und Zucker versetzt wird, wenn er denn überhaupt dem bulgarischen Rosenthal entstammt und aus Kadarka-Trauben gekeltert wurde.

Früher gehörte auch das “Erlauer Stierblut” in diese Ecke. Durch die Vergenossenschaftung der Winzer, so wie es im Ostblock ja üblich war, konnte jahrzehntelang kein ordentlicher Bikavér gekeltert werden. Alle Trauben wurden in zentralen Lagern gesammelt – Gleichschaltung statt Diversifizierung. Nach 1990, als die Winzer wieder eigenständig produzieren konnten, begann die Renaissance des Stierbluts. Im September hatte ich die Möglichkeit, mich vor Ort zu überzeugen, dass es tatsächlich wieder guten Bikavér gibt.

Der Wein wird in der Gegend um Eger (deutsch: Erlau) in Nordungarn hergestellt. Dort kann man im Tal der schönen Frauen (Szépasszonyvölgy) bei etwa 40 verschiedenen Winzern einkehren und deren Spezialitäten für’n schmalen Knopf kosten. Ich persönlich glaube ja, dass das Tal seinen Namen dadurch bekam, dass nach einer Runde durch die Weinkeller alle Frauen irgendwie gut aussehen…

Eines sei vorweg gesagt: Preis und Qualität der angebotenen Weine variieren sehr stark zwischen den einzelnen Winzern. Ich will jetzt nicht bashen, aber insbesondere der erste Weinkeller, den wir ansteuerten, war in Sachen Kundenfreundlichkeit und Weinqualität eher im unteren Drittel anzusiedeln. Zufälligerweise hatten wir doch gleich beim zweiten Keller Glück: der Nr. 19 des Weinguts “Hagymasi“. Nachdem der Betreiber bemerkte, dass die beiden Herren von Welt durchaus guten von schlechtem Rotwein unterscheiden konnten (übrigens im Gegensatz zu den Polen am Nachbartisch, die mit süßem Fusel “Gul-Gul”, die polnische Version des Kampftrinkens, spielten), wurde uns ein Highlight nach dem anderen präsentiert. Die Auswahl und Reihenfolge entsprach natürlich einer gewissen Dramaturgie und wurde gekrönt mit einem 2005er Superior Bikavér – ein Wein, der definitiv Vorspiel und das Kuscheln danach ersetzt!

Egri Bikavér von 1997 und 2005 Man entschied sich aber schließlich für einen etwas “preiswerteren” 2002er und einen 1997er zum darniederknien. Beide Weine zeichnen sich durch ein wundervolles Bukett aus mit intensiven Fruchtaromen und einem entsprechenden Körper. Ich würde mich nicht unbedingt als Rotweinkenner bezeichnen – aber diese Tropfen sind ein echtes Highlight! Nicht ohne Grund wurden denn auch 2 Kisten mitgenommen – zu Recht. Denn eines kann man mit Sicherheit sagen: Der Bikavér hat seinen schlechten Ruf längst hinter sich gelassen und gehört definitiv in dasselbe Regal, wie die berühmten ungarischen Roten von Gere Tamás & Co. aus dem Villany-Gebiet. Zum Wohl!

Kulinarium XXII: Kochevent

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Es ist bei uns eine schöne Tradition geworden, die gesammelten Erkenntnisse diverser Kochexperimente mit Freunden zu teilen. Am Samstag war es mal wieder so weit: Kochevent! 8 Stunden schnippeln, kochen, essen und trinken…

1. Gang: Gespießte Garnele mit Kürbis-Süßkartoffelgemüse

img_0903 Die Garnelen werden auf Zitronengras gespießt und in der Pfanne in Knoblauch und Öl gebraten. Das Gemüse besteht im Wesentlichen aus Kürbis (Hokkaido oder wie hier Patisson) und Süßkartoffel, welche jeweils in atomare Würfel zu zerschneiden sind.

2. Gang: Jókai Bableves (Bohnensuppe nach Jokai Art)

img_0907 Dieser Klassiker der ungarischen Küche wird aus bunten Bohnen und diversem Suppengemüse zubereitet. Für den Geschmack kommt Fleisch dazu; entweder Eisbein, Kassler oder eine weiche Kolbász. Und natürlich Paprika, etwas mehr vom süßen und etwas weniger vom scharfen. Mit Gemüsebrühe aufgegossen und Mehlschwitze verfeinert ergibt das eine sehr gehaltvolle und aromatische Vor- oder Hauptspeise.

3. Gang: Variationen vom Lamm mit grüner Mousse und Polenta

img_0912 Fangen wir mit dem Lamm an: Nach dem Prinzip des umgekehrten Niedertemperaturgarens kommen Rücken und Karree bei 70° C eine Stunde in den Ofen und werden dann in der Pfanne scharf angebraten.

Für die Mousse verwendet man viel Blattpetersilie und Spinat. Die Petersilie wird gezupft (Sisyphos-Arbeit!), mit dem Spinat blanchiert, gemixt und gewürzt. Am Ende mit Créme Fraiche verfeinern – eine wunderbare Beilage!

Die Polenta wird am Abend vorher gekocht und auf ein Holzbrett gestrichen. Am anderen Tag schneidet man Ecken heraus. Diese werden paniert (z.B. in Parmesanbröseln) und in der Pfanne in Butter ausgebacken.

4. Gang: Schoko-Fondant-Küchlein und Vanilleeis

img_0918 Die Schoko-Küchlein werden aus Kuvertüre, Butter, Zucker, Eiern und wenig Mehl in Formen ausgebacken. Dazu serviert man z.B. Vanilleeis; an diesem Abend auch die einzige Fertigkomponente :-)

So eine Mahlzeit verlangt selbstverständlich nach einem edlen Tropfen: Vom Weingut Hagymasi gibt es diverse spektakuläre Bikaver (“Erlauer Stierblut”, 97er und 2003er) und einen Cabernet zum darniederknieen.

schnippeln wein karret

polenta anrichten tafel