Archiv für die Kategorie ‘Fundsachen’

BILD-Wagner vs. NYC

Montag, 12. September 2011

BILD-Kolumnist Franz Josef Wagner schrieb heute Nacht eine Post an New York.

Alte Männer und Frauen, grotesk in ihrer Nike-Sportswear anzusehen…

40-jährige Frauen, deren Hintern so hart sind wie Eishockeypucks.

Der Geruch war in allen Starbucks-Coffees, in den schönen Brooks-Brothers-Hemden…

“(…) Es gibt eine Armani-Party. Ich bring dich da mit rein. (…)”

Ich weiß nicht, wie viele Boulevard-Journalisten ihr kennt die es schaffen, selbst in einer rührseeligen 9/11-Postille Sexismus und Schleichwerbung unterzukriegen. Ich kenne nur einen.

Nachtrag: Wagner ist bei der BILD in guter Gesellschaft. Kollege Herbert Bauernebel verleiht der durch eine am 11.9.2001 entstandene Fotografie bekannt gewordenen Marcy Borders den Titel “Staubfrau”.

GEZ-Fail (Klassiker)

Sonntag, 11. September 2011

Die TAZ berichtet heute über die geplante Aufstockung des GEZ-Personals, die mit der Reform des Rundfunkgebührensystems 2013 einher gehen soll:

Im Zweifelsfall kann die Zentrale Vermieter verpflichten, über ihre Mieter Auskünfte zu geben, eventuell stehen auch wieder GEZ-Mitarbeiter vor der Tür.

Nun denn, noch einmal zum mitmeißeln: Rundfunkgebührenbeauftragte werden von den LANDESRUNDFUNKANSTALTEN beschäftigt, nicht von der GEZ. Kriegt man z.B. durch simples Wikipedieren heraus.

“…feige in die Anonymität flüchten”

Mittwoch, 07. September 2011

Erzbube Uhl kann’s einfach nicht lassen:

“Wir brauchen eine solche Kultur der Offenheit und keine Foren oder Netzwerke, in denen man sich feige in die Anonymität flüchten kann”

Uhl und sein Amigo Krings kritisieren mit diesem Kopfschüttel-Statement die Forderung der Unterzeichner eines offenen Briefes an Google, Pseudonyme im sozialen Netz “Google+” zu erlauben.

die Entscheidung darüber liege letztlich beim Betreiber der Online-Plattform

…und die Entscheidung, eine solche Plattform zu nutzen, liegt beim Nutzer. Schon klar. Die Entscheidung, wer die Interessen der Bürger in einer parlamentarischen Demokratie vertreten darf, liegt übrigens beim Wähler. Ich hoffe, dass solche Konsorten wir Herr Uhl bald von der politischen Bildfläche verschwinden. Solche Politiker brauchen wir wirklich nicht!

USA! USA!

Mittwoch, 07. September 2011

Die einen sehen ihn zunehmend ins Boulevardeske abrutschen – andere kritisieren mangelnden, kritischen Abstand hinsichtlich bestimmter Themenkomplexe: Den Spiegel.

Sebastian Fischers Artikel “Deutsche wünschen sich starke USA”, der mit der Subline “Amerika-Bild” getaggt ist, indiziert zumindest grobe handwerkliche Mängel an journalistischer Sorgfaltspflicht. Fischer beschreibt Meinungsbilder, die Europäer von Amerika haben und stützt sich dabei auf eine Studie. Nun muss man mit den Ergebnissen von Studien und Befragungen immer sehr, sehr vorsichtig sein. “Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.” soll angeblich Winston Churchill festgestellt haben. Nun muss man nicht gleich gefälschte Ergebnisse unterstellen. Denn guter Journalismus zeichnet sich meines Erachtens durch ein hohes Maß an Objektivität aus. Ein guter Journalist gibt dem Leser die Informationen, mit deren Hilfe er sich eine Meinung bilden kann.

Warum Sebastian Fischer nun in seinem Artikel lediglich den Titel der Studie nennt, jedoch mit keinem Wort den Auftraggeber, den “German Marshall Fund of the United States“, erwähnt, ist mir schleierhaft. Das muss sich der Leser selber zusammengooglen – was nicht schwer ist: Bereits der erste Treffer bei der Suche nach “Transatlantic Trends” führt zu der entsprechenden Website. Mit ein paar Klicks gelangt man auch zu den Ergebnisdaten, zumindest bis zu den Umfrageergebnissen von 2009.

Auffällig ist der Sprung bei den Antworten auf die Frage “Wie wünschenswert ist es, dass die Vereinigten Staaten von Amerika eine starke Führung in der internationalen Politik ausüben?”. Fanden dies ein Jahr zuvor lediglich 39% der Befragten “wünschenswert” bzw. “sehr wünschenswert”, kletterte das Ergebnis 2009 auf 65%. Obama-Effekt hin oder her – dass mehr als ein Viertel der Befragten ihre Meinung zur Führungsrolle der USA innerhalb eines Jahre um 180° wendet, erscheint dann doch fraglich. Dass dieser Trend trotz der Ernüchterung, die mittlerweile sicher bei vielen in Hinblick auf Barack Obamas Politik eingekehrt ist, nach wie vor anhält, erscheint dann geradezu unwahrscheinlich.

Das hier bei den Ergebnissen getrickst wurde, ist nun freilich reine Spekulation. So weit hätte der Journalist Fischer nicht gehen brauchen. Ein Link auf die Website des GMFUS hätte schon gereicht.

Lobbyists win

Dienstag, 06. September 2011

“Herr, lass Hirn regnen!” möchte es aus mir herausbrüllen. Gestern ging die Mediathek-APP des ZDF an den Start. Terminlich wohlkoordiniert ließ Kulturstaatsminister Neumann (CDU) nun verlauten, die Smartphone-Anwendungen der öffentlich-rechtlichen einer “kritischen Überprüfung” unterziehen zu wollen. Money Quote:

“Die Angebote müssen sich im Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags bewegen”, betonte Neumann. Dieser müsse gegebenenfalls reformiert werden. Die Meinungsvielfalt zu sichern sei wichtig, die deutschen Medienanbieter dürften aber nicht benachteiligt werden.

Wie soll man diese Aussage verstehen? Will Neuman also prüfen, inwieweit die Ö/R-Apps die Einnahmen seiner Busenkumpel von WAZ, Springer & Co. bedrohen und ggf. dann den Auftrag entsprechend abändern?

Zur Erinnerung, den Dreistufentest, den Neumann zitiert, gibt es bereits seit 2009. Er regelt, welche Rundfunkinhalte wie lange auch auf Online-Angeboten der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten publiziert werden dürfen. Mal unabhängig von aller (berechtigten) Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem: Eine App ist letzten Ende nichts anderes als eine Darstellungsform für Inhalte. Für Springer-Chef Döpfner hingegen ist beispielsweise die Tagesschau-App der Antichrist unter den mobilen Anwendungen:

Die “tagesschau”-App hat in Döpfners Augen mit dem klassischem öffentlichen Auftrag nichts zu tun; da sie kostenlos sei, werde der Wettbewerb verzerrt.

Dabei tut die Tagesschau-App im Grunde genommen nichts anderes, als eine für mobile Endgeräte optimierte Internetseite. Sie stellt Inhalte dar, die, nachdem sie den Dreistufentest passiert haben, bei Tagesschau.de publiziert werden. Inhalte, die bereits durch Rundfunkgebühren “bezahlt” wurden. Und Rundfunkgebühren sind keine “Gebühren”, sondern Bereitstellungsentgelte, da sie nutzungsunabhängig zu entrichten sind. Wo liegt also das Problem? Hat Springer Angst, dass man ihnen mit der Tagesschau-App die zahlenden BILD-App (iPhone/-pad) Nutzer abspenstig macht? Das ist nämlich Springers “geniales” Erlösmodell. Die Website “bild.de” ist von den Apple-Geräten iPhone und iPad (sicher auch iPod) nicht (ohne ein wenig Trickserei) aufrufbar. Möchte man sich die BILD-Inhalte trotzdem mobil anschauen, löhnt einmalig 79 ct. sowie mindestens jeweils 1,59 EUR für weitere 30 Tage BILD-lesen.

Android-Menschen hingegen können bild.de einfach in den Browser eintippen und sehen eine mobiloptimierte Version der Website – für lau. Ich kann mit diesem Geschäftsmodell gut leben, da die Springer-Postille für mich sowieso nur Trash-Unterhaltung darstellt, auf die man auch getrost verzichten könnte.

Was nun Kulturstaatsminister Naumann bewegt, sich in diese völlig sinnentleerte Debatte einzumischen – darüber kann man nur spekulieren. Krähen hacken ja bekanntermaßen einander keine Augen aus.

Ein Christ und die Toleranz

Sonntag, 04. September 2011

Beim Blättern im aktuellen “Vorwärts” (nein, natürlich nicht im eigenen!) fiel mir ein Kommentar in’s Auge, der aus meiner Sicht ziemlich perfekt die christliche Interpretation von Toleranz deutlich macht.

Die Widersprüchlichkeit dieses “Zwischenrufs” manifestiert sich bereits im Titel:

Das Mittelalter liegt hinter uns!

Herr Lietz wirft den Laizisten Intoleranz vor, um dann gleich im Teaser zu fordern, sie:

(…) dürfen [...] kein Arbeitskreis der SPD werden

Ein Musterbeispiel an Toleranz. Wer zweifelt jetzt noch daran, dass das Mittlelalter in den Köpfen mancher Christen vorbei ist!

Gesellschaftsphilosophie nach Friedrich

Sonntag, 07. August 2011

Na, wie war der Guten-Morgen-Kaffee? Hat das Brötchgen geschmeckt oder steht der Sonntagsbraten bereits auf dem Tisch? Dann solltet ihr diesen Spiegel-Artikel vielleicht lieber nicht lesen. Euch könnte ziemlich übel werden.

Innenminister Friedrich verbreitet im Zusammenhang mit dem Norwegen-Attentat wirre Forderungen:

“Politisch motivierte Täter wie Breivik finden heute vor allem im Internet jede Menge radikalisierter, undifferenzierter Thesen, sie können sich dort von Blog zu Blog hangeln und bewegen sich nur noch in dieser geistigen Sauce”

Bin ich denn ein hoffnungsloser Träumer, wenn ich erwarte, dass ein “Spitzenpolitiker” insbesondere bei solch sensiblen Themen fundierte Thesen äußert, anstatt irgendwelchen populistischen Durchfall zu fabrizieren? Helfen wir dem Mann auf die Sprünge. Was er hier in BILD-Vokabular beschreibt, könnte man im weitesten Sinne den Mechanismen kognitiver Dissonanz zuordnen. Hat man eine bestimmte Meinung verinnerlicht, sucht man nach Bestätigung dieser Meinung. Nachrichten, Meinungen, Tatsachen, die dieser Meinung widersprechen, werden bewusst und unbewusst gemieden. Ein Raucher wechselt den Sender, wenn über die Gefahren des Rauchens berichtet wird. Ein Innenminister holt den Phrasendrescher raus, wenn er keine Argumente hat:

Die Grundsätze der Rechtsordnung “müssen auch im Netz gelten”, Blogger sollten “mit offenem Visier” argumentieren.

Da war er wieder, der “rechtsfreie Raum” Internet. Angesichts solcher Argumentationsketten kann man an dieser Stelle getrost aufhören, sich mit Friedrichs Thesen auseinanderzusetzen. Man käme zu keinem sinnvollen Ergebnis. Genauso gut könne man versuchen, einen Höhlenmenschen davon zu überzeugen, dass ein Fernseher kein Voodoo-Zauber ist.

Jemand, der eine bestimmte Meinung vertritt und willens ist, diese Meinung zu verbreiten und andere davon zu überzeugen, wird immer einen Weg finden. Dazu braucht es kein Internet. Und ob anonym oder nicht: Leuten wie Hitler oder David Koresh ist es schließlich auch gelungen, eine Anhängerschaft für ihre wirre Philosophie zu aktivieren. Man schafft Meinungen nicht aus der Welt, indem man sie verbietet. Eine Lektion, die bisher noch alle Unrechtssysteme lernen mussten.

Interessant ist übrigens auch folgende Feststellung Friedrichs:

“Die Sarrazin-Debatte hat gezeigt, dass es zum Thema Islam eine Stimmung und einen Gesprächsbedarf gibt, die sich weder in der veröffentlichten Meinung noch in der Politik widerspiegeln”

Nicht doch! Das hätte jetzt wirklich keiner ahnen können, dass es in unserer Gesellschaft islam- und ausländerfeindliche bzw. rechtsradikale Gedankenströme gibt. Das ist Herrn Friedrich erst durch Thilo Sarazzin bewusst geworden? Dann muss ich mich ernsthaft fragen, in welchem Dornröschenschloss hat der CSU-Politiker denn bisher gelebt? Nun gut, immerhin spricht er von “veröffentlichter” und nicht “öffentlicher” Meinung. Irgendwie erinnert mich Friedrich gerade an die Polit-Spitze der sterbenden DDR, die überrascht feststellen musste, dass das Volk die Schnauze voll hatte vom real-existierenden Sozialismus. Auch ein schönes Beispiel übrigens, dass sich Menschen nur noch in “einer geistigen Sauce” bewegen und damit am Ende ein System stürzen konnten. Vielleicht ist es ja das, wovor unser Innenminister Angst hat. Wollen wir hoffen, dass das nicht jenen gelingt, die Friedrich vorgibt bekämpfen zu wollen.

Schönen Sonntag noch!

Manche sind eben gleicher, immer noch!

Dienstag, 02. August 2011

Wahrscheinlich geht es vielen so: Als in der DDR Aufgewachsener ist mein Gerechtigkeitssinn wohl besonders ausgeprägt. Weil “wir” damals nämlich nur auf dem Papier alle gleich waren. Bereits ein Parteiabzeichen oder ein Streifen an der Pionierbluse machte manch einen gleicher als die anderen.

Irgendwie erlag man der Illusion, dass das in einer Demokratie anders ist. Denkste! In Rosenheim flog ein unseriöser Kurierdienst auf, der Mahn- und Vollstreckungsbescheide nicht zugestellt hatte:

Den säumigen Zahlern glaubten sie kein Wort – bis es einen Kripo-Beamten im gehobenen Dienst ebenfalls eiskalt erwischt hat. Er bekam eine Sonderbehandlung und durfte Anzeige gegen den amtlich zertifizierten Kurierdienst erstatten. So kam schließlich die Wahrheit ans Licht: Die Dokumente waren tatsächlich nicht zugestellt worden.

Via Lawblog

Katholiken: Schwule dissen aber selber rosa Käppchen tragen

Montag, 01. August 2011

Manch einer ist ja der Meinung, die katholische Kirche sei eigentlich die weltgrößte Schwulenorganisation. Sollte dem so sein, ist dies jedenfalls nicht der Grund, warum ich für diese Sekte nichts weiter als Verachtung übrig habe.

Nach außen frönen die Katholiken ja nach wie vor einer gepflegtem und tief sitzenden Homophobie. Dies zeigt einmal mehr jenes schöne Beispiel. Weihbischof Heiner Koch sorgt sich um das heilige Sakrament der Ehe, weil ein homosexueller “Schützenkönig” seinen Lebensgefährten bei Schützenveranstaltungen an seiner Seite haben möchte:

Und unter Berufung auf die Statuten müsse daher festgestellt werden, dass der Lebensgefährte von dem Schützenkönig Dirk Winter beim Landesbezirks-Königsschiessen in Horstmar und Bundeskönigschiessen in Harsewinkel nicht neben dem schwulen Schützenkönig herlaufen dürfe. Davor und dahinter geht, aber nicht daneben.

Nun habe ich mit Schützenvereinen nicht viel am Hut und eigentlich könnten einem diese seltsamen Vögel in ihren aufällig keck-bunten Gewändern egal sein. Würden sich die Dogmatiker nicht ständig in Politik und Medien einmischen und mit Steuergeldern gemästet werden. Da darf ein wenig Verbalprügel doch sicher erlaubt sein.

Via Spiegel-Online.

Kaffeesatzleserei

Samstag, 23. Juli 2011

Im Zusammenhang mit dem gestrigen tragischen Attentat von Oslo, bei dem mehr als 90 Menschen ums Leben gekommen sind, bestätigt der Spiegel mal wieder, dass man ihn als Nachrichtenmagazin nicht mehr ernst nehmen kann:

Sollte es sich tatsächlich um einen Terroranschlag handeln, dürfte der Verdacht auf al-Qaida oder von dem Terrornetzwerk inspirierte Täter fallen.

Das konnte man gestern in einem der ersten Artikel zum Anschlag lesen und damit wusste der Spiegel offenbar schon weit mehr als die Ermittlungsbehörden zu diesem Zeitpunkt. Das hat schon etwas von einer Rekursion oder selbsterfüllender Prophezeiung. Wenn es ein Terroranschlag war (wann redet man eigentlich von einem Terror-Anschlag?), können eigentlich nur böse Muselmänner dahinter stecken. Dumm, wenn sich dann herausstellt, dass es sich beim mutmaßtlichen Attentäter um einen konservativen Christen handelt.

Genau das unterscheidet Berichterstattung von Meinungsmache. Objektivität. Eine sorgsame Analyse und Bewertung von Fakten. Fakten, die man nicht kennt, kann man nicht bewerten. Das erwarte ich von einem “Nachrichtenmagazin” und keine wilden Spekulationen über Täter oder Tätergruppen.