Archiv für die Kategorie ‘Fundsachen’

Hilfe, die Nazi-Satanisten kommen!

Montag, 31. Oktober 2011

Au weia – was muss man heute bei BILD-Online lesen? Satanisten-Bands kommen nach Berlin! Noch schlimmer, Nazi-Satanistenbands! Mit Schafsblut und nackten Frauen (also die schlechte Art nackter Frauen, nicht jene, welche in hübscher Regelmäßigkeit die BILD-Zeitung zieren)!! Und das an Allerheiligen!!!

Im Zentrum von BILDs gespielter Empörung steht die norwegische Blackmetal-Band “Gorgoroth”. Der Artikel, der sich vorwiegend aus hastig abgetippten Informationen der Wikipedia zusammensetzt, zitiert unter anderem das (sic!) “Berliner Institut für Faschistenforschung (BIFF)”. Nun, das “BIFFF” (Berliner Institut für Faschismus-Forschung und Antifaschistische Aktion e. V.) mit drei Pfeiffer-F ist eigentlich kein richtiges Institut – jedenfalls ist es nichts, was man sich als durchschnittlicher Bildungsbürger unter einem Institut vorstellt – sondern ein eingetragener Verein, über den man auch aufgrund eines nicht-vorhandenen Impressums nicht viel mehr herausfindet, als dass der Vereinsvorsitzende ein Diplom-Psychologe namens Peter Kratz ist. Institut klingt aber gleich viel seriöser – obwohl die unterstellte Nähe zur “norwegischen Neonazi-Szene” durch den auffallend Svastika-paranoiden Herrn Kratz mehr oder minder aus der Tatsache gefolgert wird, dass einige der Fans auf Myspace bzw. Youtube Runen bzw. Svastika-ähnliche Symbole in ihren Avatarbildern verwenden.

Nachdem es also bei BILD mit Copy+Paste mal wieder nicht so richtig klappen wollte, entschied man sich konsequenterweise auch gegen eine nähere Recherche der doch sehr dürftigen Beweiskette. Die Band Gorgoroth selbst distanziert sich jedenfalls von faschistischem Gedankengut – hätte man mit ganz wenig gegoogle auch bei Wikipedia nachlesen können.

Einen kleinen Trost gibt es dann aber doch noch für empörte Christen – denn wie BILD analysiert hat werden die satanistischen Texte “(…) so laut ins Mikro gebrüllt (…), dass man sie nicht verstehen kann.”

Ach, es geht doch nichts über ein anständiges Stück Qualitätsjournalismus!

Battlefield 3: Spyware frei Haus

Freitag, 28. Oktober 2011

Ach ja. Damals war’s. Der erste Brotkasten im Jugendzimmer. Ein Stapel 5 1/4″ Disketten daneben – voll mit Sicherheitskopien! Joysticks, deren Mikroschalter nach stundenlangen Ugh-Lympics oder Summer Games-Sessions den Gesetzen der Physik folgend barsten. So war das mit den Computerspielen. Früher…

Nach mehr oder minder enthaltsamen Jahren – zumindest was das Spielen auf dem PC angeht, die Wii steht selten frequentiert neben dem Fernseher – weckte ein Promo-Video des Spiels “Battlefield 3″ meine Aufmerksamkeit. Beim Betrachten des feuchten Asphalts auf dem Flugzeugträger bei dieser Kampfjet-Mission (ab 1:45 min) schließlich begann ich darüber nachzudenken, meinem nicht all zu schlecht ausgerüsteten PC eine brauchbare Grafikkarte zu spendieren und mir eben jenes “Battlefield 3″ zuzulegen.

Eine kurze Recherche des Grafikkartenmarktes nebst folgendem Preischeck bei Amazon ließen den Wunsch nach Abgleich mit meinem Barmittelbestand Form annehmen… bis, ja bis… nur 1 Stern Bewertung für die PC-Version? Das konnte nicht stimmen: war hier vielleicht die Konkurrenz am Werk? Ein näherer Blick auf die Rezensionen brachte Klarheit:

Es werden laut AGB u.a. IP- sowie MAC-Adresse, eure Daten und Medien, die ihr auf dem Rechner habt, erfasst, deren Nutzung und ob evtl. eine Lizenz vorhanden ist.

schreibt “mo3biuS”. “mer” hat offenbar noch einige Details in Erfahrung bringen können:

Daraufhin habe ich im EA Support Livechat angefragt was das denn solle. Die Antwort war einfach, sie scannen den PC auf Raubkopieen, da diese das Gameplay beeintraechtigen koennen. Auch Metadaten von MP3s und Filmen werden ausgelesen und an EA uebertragen. (ja, ihr lest richtig, dies hat mit der EA Support bestaetigt!)

Nun – den Plan mit der Grafikkarte und dem Kauf des Spiels habe ich begraben. Wenn mich wieder die Spielelust packt, tut es sicher auch eine Runde Wii Sports.

Update: frlan hat einen aufschlussreichen Artikel dazu auf SPON gefunden.

Trojaner-Herrmann will Linkspartei beobachten lassen

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Schon wieder fordert ein CSU-Politiker, die Linkspartei möge künftig vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sieht sich aufgrund des am Wochenende beschlossenen Grundsatzprogrammes zu dieser Feststellung veranlasst, er sieht in der Partei eine “Gefahr für Deutschland”.

Dass sich nun ausgerechnet Herrmann als großer Bewahrer der Demokratie aufspielt, indem er eine Partei diskreditiert, weil er mit deren politischer Linie nicht einverstanden ist, wirkt in Hinblick auf die jüngsten Vorwürfe gegen den CSU-Mann im Zusammenhang mit der Staatstrojaner-Affaire geradezu grotesk. Man muss kein Freund der Linkspartei sein (ich bin keiner), man muss das Erfurter Programm auch nicht gut finden. Man kann der Linkspartei sogar eine gehörige Portion an verzweifeltem Populismus vorwerfen, weil sie sich plötzlich in der Breite als “internet-affin” präsentiert. Man könnte Oskar Lafontaine darauf hinweisen, dass Enkel auch enterbt werden können. Man sollte aber als vorgeblicher Demokrat sehr, sehr vorsichtig sein, wen man mit Dreck bewirft, während man selber bis zum Hals in der Schlammgrube sitzt.

Liebe katholische Kirche!

Samstag, 22. Oktober 2011

Wenn in dem, was ihr predigt (ihr wisst schon, die Geschichte mit den Todsünden, dem Himmel und dem Fegefeuer) auch nur ein Fünkchen Wahrheit steckt, seid ihr ALLE am Arsch!

Irgendwas mit Internet

Freitag, 21. Oktober 2011

Mit Erstaunen musste ich gerade feststellen, dass die BILD heute den CSU-DemagogenPolitiker Hans-Peter Uhl zum “Verlierer des Tages” erklärt.

Nun gibt es wahrlich viele Gründe, Hans-Peter Uhl als “Verlierer” (mit diesem Terminus sanktioniert die BILD normalweise Leute, die in den Augen des Satiremagazins irgendetwas falsch gemacht oder etwas falsches gesagt haben) zu betiteln. Zum Beispiel weil der ältere Herr die moderne Kommunikationstechnologie nicht mehr versteht, man in manchen seiner Statements rassistische Tendenzen erkennen könnte, Herr Uhl ein sehr seltsames Verständnis für das Recht auf freie (und auch anonyme!) Meinungsäußerung hat oder weil Uhl auf widerwärtige Art und Weise das Attentat von Norwegen für seine VDS-Hasspropaganda instrumentalisiert hat.

BILD hat sich jedoch etwas ganz anderes herausgesucht. Es ist die “Fiese Attacke” auf die Website Uhls, die ihn zum Verlierer macht:

Lahm gelegt wurde die Seite übrigens nach dem Defacement von den Admins der Seite, damit diese ein frisches Joomla installieren konnten. Der “verhöhnende” Spruch “it works” wird nämlich normalerweise von einer frischen Joomla-Installation angezeigt. Die Spezialexpertenverfasser des gestrigen Artikels hatten das übrigens noch so halbwegs korrekt aus anderen Medien abgeschrieben.

Diesen Satz gibt ein Webserver nach der Neuinstallation aus, wenn alles funktioniert.

Fast richtig, liebe BILD-Redaktion, fast richtig.

Edit:Se Ronny wies mich soeben darauf hin, dass “it works” die Initialmeldung eines frisch installierten Apachen ist. BILD hat also richtig abgeschrieben.

Selten so gelacht!

Dienstag, 18. Oktober 2011

Ein mutmaßlicher Bankräuber hatte, als die Polizei den flüchtigen Verdächtigen stoppen wollte, in seinem Fluchtfahrzeug eine Gasflasche geöffnet und das Luft-Gasgemisch entzündet. Bei der Explosion erlitt der Täter schwere Verbrennungen und sitzt seitdem im Rollstuhl, 5 Polizeibeamte wurden ebenfalls verletzt. Und wie findet BILD das Ganze?

Ja, wirklich total lustig.

Erfundene Krankheiten: Internetsucht

Montag, 26. September 2011

“560.000 Deutsche sind internetsüchtig” lautet die beängstigende Überschrift, mit der die Tagesschau heute über eine im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums durchgeführte Studie berichtet. Die Berliner Morgenpost setzt gleich noch einen drauf und siedelt die “Internetsucht” in einer Liga mit der nach Cannabis an. Natürlich nur rein zahlenmäßig, wie der Artikel später relativiert.

Nicht nur mischen sowohl Morgenpost als auch Tagesschau die Adjektive “süchtig” und “abhängig” munter vor sich hin. Sucht grenzt sich von Abhängigkeit insofern ab, als dass Abhängigkeit körperliche Entzugserscheinungen zur Folge hat, wenn man seinem Spleen nicht nachgeht. Kennt man von Alkohol, Nikotin oder Opiaten.

Internetnutzung als audio-visuelle Rezeption hingegen wird schwerlich zu einer körperlichen Abhängigkeit führen können. Das gilt für viele Habitus unserer westeuropäischen Gegenwartskultur. Wie viele Deutsche hätten wohl “Entzugserscheinungen”, wenn sie auf TV, Kaffee oder das Auto verzichten müssten? Oder das Handy? Wie viele sind süchtig nach Musik? Nach ihrem Partner? Nach Anerkennung? Oder nach Geld?

Wo endet die “normale” Internetnutzung, wo beginnt die Obsession? Machen es sich diejenigen, die mahnend den Zeigefinger heben nicht zu einfach, indem man Verhalten, was eben noch als ritualisiert durchgegangen wäre, dem Bereich des Pathologischen zuordnet?

Dichloressigsäure

Dienstag, 20. September 2011

“Forschung ist die beste Medizin.”1

Das Selbstbild der Pharmaindustrie entspricht tendentiell dem des barmherzigen Samariters. Alles zum Wohle der Patienten. Und so ganz nebenbei lässt sich mit der Gesundheit des Menschen eine riesen Stange Geld verdienen. Das Interesse der Pharmaindustrie an der Erforschung neuer Heilmittel ebbt jedoch rapide ab, wenn die Aussicht auf monetäre Gewinne sinkt.

Ein Beispiel hierfür ist der Wirkstoff Dichloressigsäure (DCA). 2007 experimentierte die Universität Alberta mit DCA als potentiellem Mittel gegen Krebserkrankungen – mit vielversprechenden Ergebnissen. Es wäre sicherlich falsch und auf jeden Fall absolut verfrüht, von einem “Wundermittel” gegen Krebs zu sprechen. Ob das Potential von DCA als Krebsmedikamen jedoch in naher Zukunft erforscht wird, scheint fraglich. DCA ist billig herzustellen und vor allem:

Aufgrund fehlender Patentierbarkeit ist die Finanzierung klinischer Studien sehr schwierig (…), da insofern kein finanzieller Anreiz für Pharmakonzerne besteht.

Man nennt es glaube ich Staatsversagen, wenn staatliche Kernaufgaben wie die Gesundheitsforschung gewinnorientierten Wirtschaftsunternehmen überlassen werden und man Forschung und Lehre die Finanzen wegstreicht, so dass sich diese an der Zitze der Industrie hängen.

1 aus: Fernsehwerbespot der “forschenden Pharmaunternehmen” VFA

Potjemkinsche Ränge

Donnerstag, 15. September 2011

Die BILD findet es peinlich: Bis zu 100 Abgeordnete wollen der Papst-Rede im Bundestag am 22.9. fern bleiben. Die Tatsache, dass es sich wohl ausschließlich um Fraktionsmitglieder von SPD und Linkspartei handelt, treibt die Empörung des journalistischen und hauptberuflichen Klerus in ungeahnte Höhen:

„Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages müssen sich der Wirkung dieser Art von Protest im Ausland bewusst sein: Sie verstärken dadurch das Bild vom ‚hässlichen Deutschen‘, das leider immer noch existiert.“

Ich habe ja auch so einige Bilder im Kopf… von katholischen Seelsorgern, die sich an Kindern vergreifen; Pfaffen, die gegen Homosexuelle hetzen; einem Papst, der Kondome verteufelt und sich damit indirekt mitschuldig am Aidstod Tausender zwangsmissionierter, armer Seelen macht.

Vor allem aber habe ich Bilder im Kopf von Staatsbesuchen zu Zeiten der DDR, als hektisch Fassaden gepinselt und Schlaglöcher geflickt wurden. Wer in letzter Zeit die Baumaßnahmen in der Erfurter Innenstadt beobachtet hat, fühlt sich an genau jene Zeiten erinnert.

Die Strategie der Fraktionen, das Bild vom “hässlichen Deutschen” gerade zu rücken besteht übrigens darin, die leeren Plätze mit Pappkameraden Bundestagsmitarbeitern und ehemaligen Abgepordneten zu füllen.

Wie peinlich!

Oho… der SPIEGEL hinterfragt “kritisch”

Dienstag, 13. September 2011

Jetzt, so der US-Präsident im Interview mit mehreren Medien, müsse Europa endlich richtig handeln. Bald sei es zu spät dafür.

Mit dieser Kernbotschaft berichten die deutschen Medienhäuser heute über ein Interview mit Barack Obama, in dem der amerikanische Präsident Europa mit deutlichen Worten zur wirksamen Bekämpfung der Währungskrise auffordert.

Doch meint es Obama wirklich ernst mit seiner Warnung? Oder steckt hinter dem Handeln des US-Präsidenten purer Aktionismus?

Erstaunlich – der SPIEGEL, der in letzter Zeit eher durch mediales Mitläufertum auffällt als durch kritischen oder gar investigativen Journalismus, hinterfragt Obamas Motivation hinter der Warnung an das alte Europa. Erstaunlich auch, dass der SPIEGEL Obamas durchschaubares Spiel beim Namen nennt.

Wenn es bis zur heißen Phase des Wahlkampfs keine Besserung der wirtschaftlichen Aussichten gibt, lässt sich die Schuld an der Misere immerhin auf Europa schieben.

Der deutsche Michel spielt brav seine Rolle in diesem Obamonopoly, indem er sich erst einmal fürchterlich über diesen depperten Ami aufregt. Soll der doch erstmal vor seiner eigenen Tür fegen! Was mischt der sich überhaupt in unsere Angelegenheiten ein? Und genau so will der Durchschnittsamerikaner uns Europärer natürlich sehen: Erst machen die Krauts unsere Wirtschaft kaputt und dann schimpfen sie, wenn unser Prez ihnen die helfende Hand reicht.

Fefe hat Recht: Man kann von Obama halten was man will – an Trollqualitäten mangelt es ihm jedenfalls nicht!