Archiv für die Kategorie ‘Fundsachen’

Vom Code zur Ikone

Sonntag, 18. August 2013

Vor einigen Jahren erzählte mir ein Bekannter die folgende Geschichte: Bei fast jeder seiner Heimfahrten von Jena in einen anderen Teil thüringische Provinz wurde er von der Polizei herausgewunken. Seine Personalien wurden kontrolliert und man warf auch gern einen Blick in sein Auto. Nach einigen dieser Kontrollen fragte er die Beamten, ob es einen bestimmten Grund gäbe, warum gerade er so häufig kontrolliert würde. „Na bei Ihrem Kennzeichen, wundern Sie sich da?“ wurde ihm geantwortet. Sein Kennzeichen enthielt die Zahl 88.

Viele wissen mittlerweile, dass die 88 als „Geheimcode“ der rechtsradikalen Szene gilt. Die 8 repräsentiert dabei den 8. Buchstaben des Alphabets, das H. 88 steht demzufolge für HH, was wiederum die Abkürzung des faschistischen Grußes „Heil Hitler“ ist. Mein Bekannter hatte mit der rechten Szene natürlich nichts am Hut, er hatte einfach nur „Pech“ mit seinem Kennzeichen. Von solchen Zahlencodes gibt es eine ganze Menge, kann man bei Wikipedia nachlesen.

Vor 5 Jahren brachte Braugold ein Bier mit der Bezeichnung „Braugold 1888“ heraus. Fatalerweise begab es sich im Jahr 1888, dass Braugold den Firmensitz in der Löbervorstadt bezog. Und da dachte man sich bei Braugold, das gäbe einen guten Aufmacher für eine neue Biermarke her. Nun ist 1888 aber eine ganz besonders schlimme Zahl, denn: 18 = 1. und 8. Buchstabe = A.H. = Adolf Hitler, und dann noch die verrufene 88 hintendran.  Schnell waren die Thüringer Grünen dabei, in einem empörten Aufschrei die Umbenennung des „brisanten Biers“ zu fordern.

Ein ähnliches Problem hat derzeit Tchibo. Man hat dort unachtsamerweise rote Kinderturnschuhe mit der Aufschrift „18“ ins Sortiment genommen. Zum Problem wurde dies erst, nachdem das Watchblog publikative.org einen nicht ganz ernst gemeinten Eintrag auf seiner Facebook-Seite postete: „Vergesst Thor Steinar und alle anderen Neonazi-Marken: Jetzt kommt Tchibo…“

Die Folgen: Tchibo hat die Schuhe aus dem Sortiment genommen. Man erkennt, wie paranoid die Debatte über solche vermeintlichen  rechten „Geheimcodes“ mittlerweile geworden ist. Geheimcodes sind nur dann sinnvoll einsetzbar, wenn sie nur die Adressaten kennen. Folglich taugen die ikonisierten Codes 18, 88, etc. allenfalls noch als Provokation, indem sie tätowiert oder absichtlich (!) auf Autokennzeichen verwendet werden. Dort können Sie ihre Wirkung aber nur deshalb entfalten, weil eben alle Welt gleich panisch aufschreit, wenn diese Ziffern irgendwo und aus irgendeinem Kontext heraus auftauchen, und sei es als Zahl auf ein paar Kinderschuhen. Damit erreicht man gerade das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte. Man mystifiziert diese Symbole. Das Darstellen eines Hakenkreuzes in der Öffentlichkeit ist außerhalb eines geschichtlichen Kontextes heraus verboten. Das führte letzten Endes dazu, dass der Bundesgerichtshof vor 6 Jahren darüber zu befinden hatte, ob das Verbot auch ein durchgestrichenes Hakenkreuz als Zeichen der Antifa-Bewegung umfasst.

Dadurch, dass wir Geschichte verstecken und nicht transparent machen, dass wir Bücher und Symbole verbieten, schaffen wir Mythen und Märtyrer. Wir halten dem, was wir eigentlich aus unserem kollektiven Bewusstsein verbannen wollen, einen Steigbügel indem wir ihm den Reiz des Verbotenen verleihen. Heute ist übrigens der 18.8. Mein Thermometer zeigte heute Morgen 18,8° Celsius. Wer mag da noch an Zufälle glauben?

Warum ich AdBlock nicht abschalte

Mittwoch, 15. Mai 2013

Ist man nicht gerade Medientotalverweigerer, kann einen diese Meldung nicht verfehlt haben: Angelina Jolie hat sich die Brustdrüsen entfernen lassen. Ja, Nein, Ja, Nein, Ooooooch!

Eine Meldung, die man natürlich in der BILD und deren Derivaten erwartet, in den „Frauen-Illus“, im Stern sowieso, auch im Focus und selbstverständlich trüge die prädestinierte Rubrik im Spiegel nicht den Scherznamen „Pornorama“ wenn sich nicht auch dort Platz für einen Tittengeschichte fände.

OK, man sollte den ernsten Hintergrund der Meldung nicht außen vor lassen. Die Schauspielerin lebt mit einem genetisch bedingt erhöhten Krebsrisiko. Nun ist auch überhaupt nichts verwerfliches dabei, im Zusammenhang mit der Meldung das Thema Brustkrebs zu thematisieren. Fraglich ist hingegen, warum der Spiegel 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 Artikel nebst Fotostrecke featured. Über den Artikeln wie generell über jedem Spiegel-Artikel prangt nun seit 2 Tagen ein auffälliges rotes Banner, das sich an die bösen AdBlock-Nutzer richtet und um das Abschalten des Werbeblockers bittet. Man müsse ja schließlich seine Kosten decken. Angesichts von satten 8 Artikeln für eine Meldung, die man auch mit 2 Artikeln gut hätte darstellen können muss ich natürlich davon ausgehen, dass die Einnahmen immer reichlich sprudeln.

Man könnte glauben, dass diese sich inhaltlich überschneidenden Beiträge vorrangig zum Ziel haben, mehr virtuelle Werbefläche anbieten zu können und die Klickraten zu erhöhen. Vielleicht könnte jemand vom Spiegel gegenargumentieren „ja das müssen wir machen, weil ihr kostenlos-mentalen AdBlocker unseren schönen Online-Spiegel für lau lest“. Nun stelle ich mir die Frage, warum der Spiegel eigentlich nicht bei Flattr mitmacht. Ich finde die Idee hinter Flattr ziemlich gut! Man klickt und bezahlt, wenn es einem gefällt. „Kasse des Vertrauens“ hieß das mal zu DDR-Zeiten wenn es sich nicht gelohnt hat, einen Blumenkohl zu 10 Pfennig von einer Verkäuferin veräußern zu lassen.

Anstatt sich um alternative Geschäftsmodelle zu bemühen greift man aber lieber zum Mimimi-Balken. Oder lässt sich per Gesetz von Google bezahlen.

Für Heise.de und Golem.de habe ich den AdBlock übrigens abgeschaltet. Nicht, weil sie mich darum gebeten haben. Sondern wegen der klaren Statements zum Leistungsschutzrecht.

Und weil der Spiegel ja kein Flattr macht, habe ich AdBlock für einen Artikel pausiert. Und zwar für jenen.

Sommerloch 2012

Dienstag, 21. August 2012

Der Preis für das Sommerloch 2012 geht an: Peter Ramsauer. Der Verkehrsminister hat mit seinen Plänen, den Städten und Gemeinden Gestaltungsfreiheit bei der Wahl von Kennzeichen zu geben (oder wie die BILD-Online es so schön formuliert „Irsinn mit den Nummernschildern„) sicherlich den Peak an politischer Irrelevanz erreicht. Nun wäre die BILD nicht die BILD, könnte sie diese Unmeldung nicht noch mit dem einen oder anderen Fnord anreichern:

Sollen alte DDR-Kennzeichen wieder eingeführt werden dürfen?

Nein. Das soll nicht erlaubt werden.

Ja, auf diese Spekulation muss man erst einmal kommen. Nun ist es aber nicht so, dass die BILD-Redakteure sich alles aus den Fingern saugen müssen. Rainer Wendt, berühmt-berüchtigter „DPoIG-Chef“ erklärt, hält die Vorschläge aus dem Verkehrsministerium für keine gute Idee, denn:

„Die Kollegen werden die kryptischen Buchstabenkombinationen kleiner Ort [sic!] schwerer entziffern können. In der Folge wird es schwerer werden, die Täter bei Ordnungswidrigkeiten und Straftaten zu ermitteln”, sagte er.

Um es mit Fefe zu sagen „die besten der besten Sir!“ Ob ein Kreis- oder Stadtkürzel „kryptisch“ ist, mag nun sicher im Auge des Betrachters liegen. Eines ist aber unstrittig: dass Polizisten beim Ermitteln eines KFZ-Halter kein „Kennzeichenraten“ wie im Stau auf der Autobahn spielen.

Mal ganz davon abgesehen möchte ich an dieser Stelle auf die sogenannten „Vanity-Plates“ hinweisen, also Kennzeichen mit individuellen Kürzeln, wie sie in den USA oder z.B. auch bei unseren Nachbarn in Österreich üblich sind und mit denen sich die Kommunen sicher ein hübsches Zubrot verdienen. Herr Wendt kann die Kompetenz österreichicher Ermittlungsbehörden ja gern mal auf die Probe stellen, indem er probiert ohne Pickerl von Salzburg nach Wien zu fahren!

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

Freitag, 13. Juli 2012

Nochmal TITANIC: Das Thema ist mittlerweile auch bei BILD angekommen. Betitelt mit einer klassischen So-Headline („So diskutiert das Netz über die Papst-Satire“) hat BILD verschiedene Links zu Seiten veröffentlicht, die sich mit der durch den Vatikan initiierten einstweiligen Verfügung auseinandersetzen. Zu Udo Vetters Beitrag schreibt BILD-Kolumnist Görlach:

Ihr prominentester Vertreter, der Lawblogger Udo Vetter, räumt der Titanic im „Gerichtsprozess gegen den Papst schlechte Chancen ein“.

Nun findet sich weder das in Anführungszeichen gesetzte Zitat in Vetters Text wieder noch geht aus dem Beitrag in irgendeiner Art und Weise hervor, die TITANIC hätte bei einem Prozess „schlechte Karten“. Im Gegenteil; Vetter weist auf frühere Prozesse hin, die das Satiremagazin gewonnen hat:

In ähnlich religiösem Kontext hat übrigens vor Jahren schon Jürgen Klinsmann gegen die taz verloren.

Udo Vetters Fazit (von mir hervorgehoben):

Es wird spannend sein, ob der Papst unter diesen ungünstigen Auspizien tatsächlich gegen die Titanic vor Gericht zieht.

Der „Lawblogger“ ist so überzeugt davon, der Papst würde das Verfahren verliert, dass er bereits einen Nachtrag mit Hinweis auf eine Revision der einstweiligen Verfügung durch das Bundesverfassungsgericht mit Platzhalterdatum unter den Beitrag gesetzt hat.

So etwas fällt übrigens unter den Tatbestand der schlampigen Recherche, sollte aber von den gesetzlichen Regeln zur Pressefreiheit abgedeckt werden 🙂

Wie jetzt?

Mittwoch, 20. Juni 2012

Ach Sabine, altes Mädchen, was haste dir dabei wieder gedacht?

Es sei nicht Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Sender, den privaten Verlagen Konkurrenz zu machen.

soll Frau Minister haben verlauten lassen, glaubt man Heise.de. Das Statement galt übrigens der „Tagesschau-App“, gegen die verlegende Schreihälse gerade Sturm laufen. Die ARD erdreistet sich nämlich, gedruckte (nicht im Gutenberg’schen Sinne, sondern in Form von elektrischen Lettern) Nachrichten für Mobilgeräte zu produzieren. Das hat zwar beim Videotext jahrelang niemanden gestört aber das Internet gehört plötzlich zum Print und da haben sich die öffentlich-rechtlichen gefälligst rauszuhalten.

Man muss nämlich wissen, dass seit es die Tagesschau-App gibt, niemand mehr die vielen, vielen kostenpflichtigen Apps der privaten Verlage nutzt und sie dort mittlerweile schon Armenküchen eingerichtet haben, damit die hungernden Redakteure wenigstens eine warme Mahlzeit am Tag zu sich nehmen können. Deshalb wollen die privaten Verlage auch unbedingt das Leistungsschutzrecht durch den Bundestag prügeln (lassen), weil ja sonst der ganze privat finanzierte Journalismus morgen stirbt und dann sehen wir alle, was wir davon haben!

Jenes Leistungsschutzrecht war eigentlich des Pudels Kern in Leutheusser-Schnarrenbergers Rede auf dem 24. Medienforum in NRW, der Hinweis auf die ARD-App lediglich eine seitliche Arabeske. Und doch löst dieses Statement bei mir Verwunderung aus. Ist denn nicht der Binnenpluralismus das Prinzip des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland? Müsste man nicht, folgte man konsequent Leutheusser-Schnarrenbergers Philosophie, sofort etwas gegen die Ausstrahlung von Spielfilmen, Soaps und „Infotainmentformaten“ auf ARD & Co. tun? Was bliebe denn noch, wenn die Ö/R lediglich die Informations- und Qualitätslücken schließten, die die Privatsender hinterlassen? Richtig, Nachrichten und Dokumentationen, und eine Ausprägung dieser Nachrichten ist jene Tagesschau-App.

Vermutlich wäre uns allen mit einer umfassenden Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und einem damit einhergehenden Paradgimenwechsel auf das außenpluralistische Prinzip besser gedient.  Überlassen wir doch die seichte Unterhaltung den RTLs und PRO7s und investieren die Rundfunkgebühren in ein interessantes und vielfältiges Informations- und Nachrichtenangebot. Warum müssen ARD und ZDF Bundesligarechte kaufen? Warum gibt es Sendungen wie „Brisant“?

Bisher hielt ich unsere Justizministerin immer noch für die am wenigsten schlimme Politakteuse aber all das oben Geschriebene hatte Frau Leutheusser-Schnarrenberger sicher nicht im Kopf, als sie sich zu der zitierten Aussage hinreißen ließ. Das war pure Lobbyarbeit.

Das Land der verbotenen Bücher

Mittwoch, 25. April 2012

Zugegeben – der Titel dieses Beitrags ist etwas irreführend gewählt. Das Buch, um das es hier geht, ist entgegen verbreiteter Annahmen nicht verboten. Die Verwertungsrechte an Adolf Hitlers „Mein Kampf“ liegen beim Freistaat Bayern, der es wahlweise aus dem Vermögen Adolf Hitlers bzw. von dem liquidierten Franz-Eher-Verlag übernommen hat.

Der Freistaat hat jedoch seit 1945 keinen Gebrauch von seinem Verwertungsrecht und Hitlers Buch somit jahrzehntelang für den Normalbürger unzugänglich gemacht. In dem achtbaren Bestreben, die Deutschen vor Hitlers Propaganda zu schützen, hat man allerdings versäumt, das Buch zu „entmystifizieren“ wie es so schön heißt. Natürlich kann man das Buch dank Internet bereits seit geraumer Zeit lesen, wenn man das denn möchte und die notwendige Geduld mitbringt. Dann wer schon einmal versucht hat, mehrere Kapitel des Buchs zu lesen, wird schnell feststellen, dass man dazu eine gehörige Portion Durchhaltevermögen braucht: verschwurbelte Sprache, unzählige Wiederholungen – selbst geschichtlich interessierte Menschen werden der Lektüre schnell überdrüssig.

Im April 2015, zum 70. Todestags Hitlers, wird das Buch gemeinfrei und darf verlegt werden, ohne dass der Freistaat Bayern dies genehmigen muss. Jener beginnt nun wild mit seinen amtlichen Armen zu rudern und bemüht sich, die kommerzielle Ausbeutung des Buchs durch die Herausgabe einer kommentierten Fassung einzudämmen. Eine gute Idee an sich, nur leider kommt sie einige Jahzehnte zu spät.

Sven Regener schimpft

Freitag, 23. März 2012

Richtig gute Unterhaltung: Sven Regener von „Element of Crime“ rantet gegen das Google, Youtube, die Piratenpartei und „Deppen“, die sich beschweren, dass EOC Videos bei Youtube gesperrt sind. Mit Deppen meint er übrigens die EOC-Fans, denn nur ein echter EOC-Fan ist erpicht darauf, sich die Videos der Band unbedingt anschauen zu wollen.

Die Argumentationskette Regeners ist erschreckend dünn. Angefangen mit falschen Behauptungen (z.B. dass die Piratenpartei verlangt, dass Musiker umsonst arbeiten oder das „Youtube nicht pro Klick bezahlen möchte“) über Mimimi-Gejammer, das böse Youtube haut sich die Taschen voll und die Künstler gehen leer aus (selbst Plattenlabels wie Sony-Music beklagen mittlerweile, dass ihnen Geld durch fehlende Youtube-Promotion entgeht …) bis hin zu würdelosen Schimpftiraden auf die eigenen Fans möchte man Herrn Regener doch am liebsten ein Taschentuch reichen. Mal im Ernst, es ist ohne Zweifel richtig, das Thema Urheberrecht allumfassend zu diskutieren und dabei verschiedene Perspektiven zuzulassen, aber so ein haltloser Rant lädt gerade zu ein, zerlegt zu werden. Das hat Christoph Lauer in einer Interviewantwort dann gleich mal übernommen.

Knapp daneben

Montag, 19. März 2012

Die illustre Kolumne „Zehn um Zehn“ von BILD-Online berichtet „verrät“ heute, was in den letzten Folgen von 10 „Kultserien“ geschah.

Dazu heißt es zur Schlussepisode der Krimiserie „Magnum“:

(…) Higgins (John Hillerman) gesteht*, in Wirklichkeit der mysteriöse Robin Masters zu sein (…)

Das ist so zwar nicht ganz falsch, trotzdem haben die selbsternannten Journalisten bei BILD ein klitzi-bitzi-kleines Detail übersehen. Der Schlussdialog der letzten Episode „Resolutions (2)“ geht nämlich so:

Higgins: Magnum, remember what I told you about Robin Masters?*
Magnum: Yeah…
Higgins: I lied. (smiles)

Quelle: http://magnum-mania.com/Episodes/Season8/Resolutions_2.html

GEbeZmühlenartig…

Mittwoch, 14. März 2012

Die BILD schlägt ja gern drauf, im Zweifel auch auf den kleinen Mann, um sich wenig später wieder auf dessen Seite zu stellen. Ein beliebtes Haudrauf-Opfer der BILD ist dabei die Gebühreneinzugszentrale (GEZ). Heute ist es mal wieder so weit – BILD lässt die große GEZ-Keule kreisen:

Was dürfen GEZ-Fahnder?

heißt ein Absatz und behauptet dann gleich mal, GEZ-Fahnder „dürfen (…) durchs Fenster schauen, aber nicht bewusst eine Wohnung ausspähen.“ Das klingt nicht nur abenteuerlich sondern ist schlicht und ergreifend falsch – allein schon da es keine GEZ-Fahnder gibt. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass die „Gebührenbeauftragten“ für die GEZ tätig sind. Vielmehr werden diese von den jeweiligen Landesrundfunkanstalten beauftragt. Diese Tatsache kann und will die BILD natürlich nicht akzeptieren – denn anders lassen sich solche Artikel nicht erklären (Hervorhebung BILD):

Sie klingeln an der Haustür, zücken ihren Ausweis. Auf dem prangt nicht das Logo der Gebühreneinzugszentrale, sondern des Senders!  Wieso haben GEZ-Schnüffler einen RBB-Ausweis?

Weil sie für den RBB arbeiten, lieber Maximilian Kiewel! Was der Journalist Verfasser hier als „Türöffner“ brandmarkt, ist das korrekte Verhalten der Gebührenbeauftragten. Würden Sie mit einem GEZ-Ausweis wedeln – das wäre dann eine Täuschung der Befragten und fiele vermutlich in den Tatbestand der Urkundenfälschung. Unter anderem der Berichterstattung der BILD ist es ja zu verdanken, wenn viele Berliner nicht wissen, „dass die Eintreiber unter der Flagge des Lokalfernsehens unterwegs sind.“ Doch anstelle Aufklärung zu betreiben, fällt die BILD ungeachtet der eigenen Einsicht gleich wieder in den alten Slang zurück.

Wie viel die GEZ-Schnüffler kassieren, ist geheim. Sie arbeiten auf Provisionsbasis, bekommen nur bei Erfolg Geld.

Auch wenn in Sachen öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Deutschland unheimlich viel falsch läuft – die GEZ als ausführendes Organ ist der falsche Adressat für Polemik. Oder um es mit Sophokles zu sagen „töte nicht den Boten“. Den gesetzlichen Rahmen des ö/r Rundfunks gibt die Politik vor. Aber diesen Kontext fühlt die BILD sich wohl außer Stande ihrer Leserschaft zu vermitteln. Vielleicht, weil sie ihn selber nicht begreift.

Was dürfen GEZ-Fahnder?

Leistungsschutzrecht: Willkommen im Fight Club

Mittwoch, 07. März 2012

Das Netz diskutiert gerade eifrig über das zu implementierende Leistungsschutzrecht. Zusammengefasst geht es darum, Google zahlen zu lassen, wenn bestimmte Verlagsinhalte als Suchergebnis angezeigt werden. Um mal die Handpuppen heraus zu holen: Google verdient sein Geld mit Werbung. Die Verlage verdienen ihr Geld im Internet mit Werbung. Beide benötigen dafür Traffic. Möglichst viel Traffic. Mittlerweile sind bei vielen Browsern URL-Leiste und Suchmaschineneingabe miteinander verheiratet (meint Mutter tippt URLs grundsätzlich bei Google ein!)

Ich freue mich schon auf den Tag, an dem der Suchmaschinenquasimonopolist Google die Springer-Seiten aus dem Index schmeißt. Hell yeah!