Archiv für die Kategorie ‘Fundsachen’

Das Land der verbotenen Bücher

Mittwoch, 25. April 2012

Zugegeben – der Titel dieses Beitrags ist etwas irreführend gewählt. Das Buch, um das es hier geht, ist entgegen verbreiteter Annahmen nicht verboten. Die Verwertungsrechte an Adolf Hitlers “Mein Kampf” liegen beim Freistaat Bayern, der es wahlweise aus dem Vermögen Adolf Hitlers bzw. von dem liquidierten Franz-Eher-Verlag übernommen hat.

Der Freistaat hat jedoch seit 1945 keinen Gebrauch von seinem Verwertungsrecht und Hitlers Buch somit jahrzehntelang für den Normalbürger unzugänglich gemacht. In dem achtbaren Bestreben, die Deutschen vor Hitlers Propaganda zu schützen, hat man allerdings versäumt, das Buch zu “entmystifizieren” wie es so schön heißt. Natürlich kann man das Buch dank Internet bereits seit geraumer Zeit lesen, wenn man das denn möchte und die notwendige Geduld mitbringt. Dann wer schon einmal versucht hat, mehrere Kapitel des Buchs zu lesen, wird schnell feststellen, dass man dazu eine gehörige Portion Durchhaltevermögen braucht: verschwurbelte Sprache, unzählige Wiederholungen – selbst geschichtlich interessierte Menschen werden der Lektüre schnell überdrüssig.

Im April 2015, zum 70. Todestags Hitlers, wird das Buch gemeinfrei und darf verlegt werden, ohne dass der Freistaat Bayern dies genehmigen muss. Jener beginnt nun wild mit seinen amtlichen Armen zu rudern und bemüht sich, die kommerzielle Ausbeutung des Buchs durch die Herausgabe einer kommentierten Fassung einzudämmen. Eine gute Idee an sich, nur leider kommt sie einige Jahzehnte zu spät.

Sven Regener schimpft

Freitag, 23. März 2012

Richtig gute Unterhaltung: Sven Regener von “Element of Crime” rantet gegen das Google, Youtube, die Piratenpartei und “Deppen”, die sich beschweren, dass EOC Videos bei Youtube gesperrt sind. Mit Deppen meint er übrigens die EOC-Fans, denn nur ein echter EOC-Fan ist erpicht darauf, sich die Videos der Band unbedingt anschauen zu wollen.

Die Argumentationskette Regeners ist erschreckend dünn. Angefangen mit falschen Behauptungen (z.B. dass die Piratenpartei verlangt, dass Musiker umsonst arbeiten oder das “Youtube nicht pro Klick bezahlen möchte”) über Mimimi-Gejammer, das böse Youtube haut sich die Taschen voll und die Künstler gehen leer aus (selbst Plattenlabels wie Sony-Music beklagen mittlerweile, dass ihnen Geld durch fehlende Youtube-Promotion entgeht …) bis hin zu würdelosen Schimpftiraden auf die eigenen Fans möchte man Herrn Regener doch am liebsten ein Taschentuch reichen. Mal im Ernst, es ist ohne Zweifel richtig, das Thema Urheberrecht allumfassend zu diskutieren und dabei verschiedene Perspektiven zuzulassen, aber so ein haltloser Rant lädt gerade zu ein, zerlegt zu werden. Das hat Christoph Lauer in einer Interviewantwort dann gleich mal übernommen.

Knapp daneben

Montag, 19. März 2012

Die illustre Kolumne “Zehn um Zehn” von BILD-Online berichtet “verrät” heute, was in den letzten Folgen von 10 “Kultserien” geschah.

Dazu heißt es zur Schlussepisode der Krimiserie “Magnum”:

(…) Higgins (John Hillerman) gesteht*, in Wirklichkeit der mysteriöse Robin Masters zu sein (…)

Das ist so zwar nicht ganz falsch, trotzdem haben die selbsternannten Journalisten bei BILD ein klitzi-bitzi-kleines Detail übersehen. Der Schlussdialog der letzten Episode “Resolutions (2)” geht nämlich so:

Higgins: Magnum, remember what I told you about Robin Masters?*
Magnum: Yeah…
Higgins: I lied. (smiles)

Quelle: http://magnum-mania.com/Episodes/Season8/Resolutions_2.html

GEbeZmühlenartig…

Mittwoch, 14. März 2012

Die BILD schlägt ja gern drauf, im Zweifel auch auf den kleinen Mann, um sich wenig später wieder auf dessen Seite zu stellen. Ein beliebtes Haudrauf-Opfer der BILD ist dabei die Gebühreneinzugszentrale (GEZ). Heute ist es mal wieder so weit – BILD lässt die große GEZ-Keule kreisen:

Was dürfen GEZ-Fahnder?

heißt ein Absatz und behauptet dann gleich mal, GEZ-Fahnder “dürfen (…) durchs Fenster schauen, aber nicht bewusst eine Wohnung ausspähen.” Das klingt nicht nur abenteuerlich sondern ist schlicht und ergreifend falsch – allein schon da es keine GEZ-Fahnder gibt. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass die “Gebührenbeauftragten” für die GEZ tätig sind. Vielmehr werden diese von den jeweiligen Landesrundfunkanstalten beauftragt. Diese Tatsache kann und will die BILD natürlich nicht akzeptieren – denn anders lassen sich solche Artikel nicht erklären (Hervorhebung BILD):

Sie klingeln an der Haustür, zücken ihren Ausweis. Auf dem prangt nicht das Logo der Gebühreneinzugszentrale, sondern des Senders!  Wieso haben GEZ-Schnüffler einen RBB-Ausweis?

Weil sie für den RBB arbeiten, lieber Maximilian Kiewel! Was der Journalist Verfasser hier als “Türöffner” brandmarkt, ist das korrekte Verhalten der Gebührenbeauftragten. Würden Sie mit einem GEZ-Ausweis wedeln – das wäre dann eine Täuschung der Befragten und fiele vermutlich in den Tatbestand der Urkundenfälschung. Unter anderem der Berichterstattung der BILD ist es ja zu verdanken, wenn viele Berliner nicht wissen, “dass die Eintreiber unter der Flagge des Lokalfernsehens unterwegs sind.” Doch anstelle Aufklärung zu betreiben, fällt die BILD ungeachtet der eigenen Einsicht gleich wieder in den alten Slang zurück.

Wie viel die GEZ-Schnüffler kassieren, ist geheim. Sie arbeiten auf Provisionsbasis, bekommen nur bei Erfolg Geld.

Auch wenn in Sachen öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Deutschland unheimlich viel falsch läuft – die GEZ als ausführendes Organ ist der falsche Adressat für Polemik. Oder um es mit Sophokles zu sagen “töte nicht den Boten”. Den gesetzlichen Rahmen des ö/r Rundfunks gibt die Politik vor. Aber diesen Kontext fühlt die BILD sich wohl außer Stande ihrer Leserschaft zu vermitteln. Vielleicht, weil sie ihn selber nicht begreift.

Was dürfen GEZ-Fahnder?

Leistungsschutzrecht: Willkommen im Fight Club

Mittwoch, 07. März 2012

Das Netz diskutiert gerade eifrig über das zu implementierende Leistungsschutzrecht. Zusammengefasst geht es darum, Google zahlen zu lassen, wenn bestimmte Verlagsinhalte als Suchergebnis angezeigt werden. Um mal die Handpuppen heraus zu holen: Google verdient sein Geld mit Werbung. Die Verlage verdienen ihr Geld im Internet mit Werbung. Beide benötigen dafür Traffic. Möglichst viel Traffic. Mittlerweile sind bei vielen Browsern URL-Leiste und Suchmaschineneingabe miteinander verheiratet (meint Mutter tippt URLs grundsätzlich bei Google ein!)

Ich freue mich schon auf den Tag, an dem der Suchmaschinenquasimonopolist Google die Springer-Seiten aus dem Index schmeißt. Hell yeah!

Kulinarium XXV

Samstag, 18. Februar 2012

Ich hab’s rausgefunden. Ich weiß jetzt, warum man in vielen hiesigen Restaurants oder sagen wir lieber Gaststätten oftmals lieblos zubereitetes Essen serviert bekommt. Eklige Fertigsoßen, Großküchen-Convinience-Produkte, Pseudo-Gerichte. Sie wissen es einfach nicht besser. Da habe ich heute ein Youtube-Video gefunden, in dem die Zubereitung einer Sauce Hollandaise erläutert wird. Schenkt man den Kommentaren Glauben, dann lernen die Kochschüler an manchen Schulen, dass man eine Hollandaise auf Basis einer Zwiebel-Reduktion (!) zubereitet.

Bei gewissen Dingen muss man einfach pingelig sein und Zwiebel hat in einer Hollandaise nichts zu suchen. Eigelb, evtl. Weinessig oder Weißwein, Wasser, zerlassene Butter, Salz, evtl. Pfeffer und Zitronensaft. Manche hauen noch einen Schuss Worcestersauce dazu. Könnte man noch gelten lassen. Aber verdammt nochmal keine Zwiebel! Wer das nicht glauben mag, soll einfach bei Bocuse oder Escoffier nachschauen. Das hat übrigens nichts mit meinem heimlichen Faible für “Thomy Sauce Hollandaise” zu tun, denn das ist irgendwas, gelbes, soßiges aber hat definitiv gar nix mit einer richtigen Hollandaise zu tun.

Ich habe manches Mal überlegt, ob ich anstatt Büro nicht die Küche als Arbeitsplatz hätte wählen sollen. Nee, alles richtig gemacht. Kochen kann man auch in der Freizeit. Für die Lieben und für die Freunde, und nicht für meckernde Gäste und unter dem Zwang der Kostenoptimierung.

Kresse halten, echt jetzt

Samstag, 21. Januar 2012

Nee nee nee, liebe CSU, so einfach ist das nicht mit der “Netzaffinität”. Da reicht es nicht, die große Buzzword-Grabbelbox rauszuholen und wahllos bunte Steinchen daraus aneinanderzubasteln. Dann kann nämlich auch gern mal so etwas passieren:

“Das Internet bietet die Chance, von der 2D zur 3D-Demokratie zu kommen, das heißt den Dialog in einer Open-Source-Gesellschaft mit den Bürgern zu führen. Deswegen gilt unser Wahlspruch, dass wir die Piraten im Internet stoppen und die Freiheit des Internets schützen.”

Nein, darin muss man keinen Sinn suchen, macht euch gar nicht erst die Mühe. Nehmt gleich den WTF-Stempel.

 

Via Netzpolitik

Medienkompetenz bei BILD-Online

Montag, 05. Dezember 2011

Heute zu lesen:

Ich meine: Um-bruch

Guttenberg rettet Maischberger

Mittwoch, 30. November 2011

Bei Sandra Maischberger wurde gestern über Müll philosophiert. Ich habe ein paar Minuten davon angesehen, bis ich die gewohnt nervige Claudia Roth nicht mehr aushielt und den Sender wechselte. Dadurch ist mir wohl einer der charmatesten Späße, der Gag of the Gags – ja ein wahrer Diamant unter den humoristischen Bonbons entgangen:

Dies will er mit einem Zitat von Franz Alt deutlich machen – und zieht plötzlich einen Zettel aus seinem Jackett.
„Ich habe mir das jetzt extra aufgeschrieben, weil ich habe zu Zahlen ein schlechtes Verhältnis – und in meiner Familie muss man mit Zitieren bekanntlich aufpassen.”

Ihr fallt noch nicht vor Lachen vom Stuhl? Klar, denn ihr wisst ja gar nicht, wer diesen Kichergaranten von sich gab:

Vater von Karl-Theodor zu Guttenberg spielt auf die Zitier-Schwäche seines Sohnes an

Na… na??? So, ich melde mich mal ab und werde mich die nächsten 2 Stunden lachend auf dem Boden krümmen!

Aus den Augen, aus dem Sinn? Verbietet das Sandmännchen!

Sonntag, 13. November 2011

Bisher dachte ich immer, für Scherz und Schabernack wäre bei der Jungen Union deren evangelikaler Ableger RCDS zuständig. Weit gefehlt. Die Jugendorganisation der ehemaligen DDR-Blockpartei CDU fordert auf dem CDU-Bundesparteitag in Leipzig ein Verbot von “DDR-Symbolen” und “Ostalgie-Produkten”.

Im Stern relativiert eine entsprechende Meldung – offensichtlich eine Pressemitteilung der JU – zwar die Forderung, indem ausdrücklich ein Verbot der Symbole von Staatssicherheit und NVA gefordert wird. Bei mdr Info klang das gerade in den Nachrichten noch ganz anders; die Meldung ist jedoch auf wundersame Art und Weise gerade aus dem Internet verschwunden.

Nun, ob Hammer & Sichel oder FDJ-Sonnenlogo; es geht hier um das Verbot bestimmter Symbole. Doch gerade das Verbot von Gedanken und Symbolen war kennzeichnendes Merkmal des DDR-Unrechtsstaates. Genutzt hat es ihm nichts und auch nicht vor dem Untergang bewahrt. Wir sind zwar an das Hakenkreuz-Verbot gewöhnt: konnte es aber verhindern, dass sich trotzdem Menschen für nationalsozialistisches Gedankengut begeistern können? Nicht wirklich, wie gerade in diesen Tagen die “Jenaer Zwickauer Zelle” deutlich macht. Aufklärung sollte das Instrument der Wahl sein, um menschenfeindliche Ideologien zu entlarven. Verbote schaffen immer nur Märtyrertum. Aber das wissen die Leute von der Jungen Union vielleicht gar nicht – dazu sind sie noch zu jung. Und genau deshalb ist Aufklärung so wichtig!