Archiv für die Kategorie ‘Du bist’n Huhn!’

Sommerloch 2012

Dienstag, 21. August 2012

Der Preis für das Sommerloch 2012 geht an: Peter Ramsauer. Der Verkehrsminister hat mit seinen Plänen, den Städten und Gemeinden Gestaltungsfreiheit bei der Wahl von Kennzeichen zu geben (oder wie die BILD-Online es so schön formuliert „Irsinn mit den Nummernschildern„) sicherlich den Peak an politischer Irrelevanz erreicht. Nun wäre die BILD nicht die BILD, könnte sie diese Unmeldung nicht noch mit dem einen oder anderen Fnord anreichern:

Sollen alte DDR-Kennzeichen wieder eingeführt werden dürfen?

Nein. Das soll nicht erlaubt werden.

Ja, auf diese Spekulation muss man erst einmal kommen. Nun ist es aber nicht so, dass die BILD-Redakteure sich alles aus den Fingern saugen müssen. Rainer Wendt, berühmt-berüchtigter „DPoIG-Chef“ erklärt, hält die Vorschläge aus dem Verkehrsministerium für keine gute Idee, denn:

„Die Kollegen werden die kryptischen Buchstabenkombinationen kleiner Ort [sic!] schwerer entziffern können. In der Folge wird es schwerer werden, die Täter bei Ordnungswidrigkeiten und Straftaten zu ermitteln”, sagte er.

Um es mit Fefe zu sagen „die besten der besten Sir!“ Ob ein Kreis- oder Stadtkürzel „kryptisch“ ist, mag nun sicher im Auge des Betrachters liegen. Eines ist aber unstrittig: dass Polizisten beim Ermitteln eines KFZ-Halter kein „Kennzeichenraten“ wie im Stau auf der Autobahn spielen.

Mal ganz davon abgesehen möchte ich an dieser Stelle auf die sogenannten „Vanity-Plates“ hinweisen, also Kennzeichen mit individuellen Kürzeln, wie sie in den USA oder z.B. auch bei unseren Nachbarn in Österreich üblich sind und mit denen sich die Kommunen sicher ein hübsches Zubrot verdienen. Herr Wendt kann die Kompetenz österreichicher Ermittlungsbehörden ja gern mal auf die Probe stellen, indem er probiert ohne Pickerl von Salzburg nach Wien zu fahren!

Der Christ und die Pressefreiheit

Dienstag, 10. Juli 2012

Die „Titanic“ illustriert ihre aktuelle Ausgabe mit einem Foto des Papstes, auf dem selbiger mit einem gelben Fleck auf seiner Soutane abgebildet ist. Die Bildunterschrift „Undichte Stelle gefunden“ spielt dabei auf die „Vatileaks“-Affaire an; kürzlich wurde ein Informant enttarnt, der Vatikan-Interna an die Presse lancierte. Das Foto kann man lustig finden (ich habe sehr gelacht) oder geschmacklos. Ja sogar würdelos. Aber genau das muss Satire dürfen: überspitzen, übertreiben, Grenzen ausloten. Wenn man in einem Land aufgewachsen ist, in dem man für einen politischen Witz eine Gefängnisstrafe riskierte, findet man Presse- und Kunstfreiheit wahrscheinlich besonders wichtig. Man kennt es eben auch anders. Das Verhältnis der CSU zur Freiheit der Kunst ist hingegen ein gänzlich anderes:

Der Chefredakteur sei seines Berufes nicht würdig. Er persönlich würde ihm „die Lizenz zum Schreiben entziehen“, so Goppel weiter.

Astreine Demokraten, diese Leute von der CSU. Wahrlich.

Die beste Demokratie, die man für Geld kaufen kann

Montag, 09. Juli 2012

Ein trauriges und würdeloses Schauspiel bietet sich, wenn man unsere Regierung derzeit beim Agieren zum Thema Meldegesetz beobachtet. Da wird vor 7 Monaten zunächst ein Gesetz vorgelegt, welches den Datenschutz der Bürger gegenüber den Meldeämtern verbessern soll. Ein Übel, das mir schon seit Jahren aufstößt, soll endlich aus der Welt geschafft werden: der Opt-Out bezüglich der Datenweitergabe durch die Meldebehörden.

Bisher läuft das so, dass die Modalitäten auf Länderebene geregelt werden. Zumeist halten die Bürgerämter Vordrucke bereit, auf denen man die Datenweitergabe im Rahmen untersagen kann (die GEZ darf natürlich trotzdem Daten ziehen). Nun sah die Gesetzesnovelle vor, diese Regelung auf Bundesebene zu verlagern und im Rahmen dessen aus dem Opt-Out ein Opt-In zu machen – dadurch müsste der Bürger der Weitergabe von Adressdaten an Adressverwerter und Parteien aktiv zustimmen.

Das wäre natürlich das Gegenteil von dem, was Adresshändler möchten: einen möglichst bequemen Weg, qualifizierte Adressen direkt von der Quelle abzuzapfen. Und so – wer, was und wie, das bleibt im Verborgenen – hat sich die Lobbymaschinerie in Bewegung gesetzt und es geschafft, die entscheidende Datenschutzstärkung ins Gegenteil zu verkehren. Nicht nur soll es nach dem vom Bundestag bereits abgenickten Entwurf beim Opt-Out bleiben, jenes wurde zusätzlich insofern unwirksam gemacht, als dass es nicht für das Abgleichen von Bestandsdaten gilt. Die Bestandsdaten müssen dabei nicht einmal von der Behörde stammen. So lange ein Adresshändler Stammdaten einer Person besitzt, würde ihm die Behörde, so sieht es die Änderung vor, die entsprechenden Updates dazu verkaufen dürfen.

Dass dieser Passus wahrscheinlich direkt von Lobbyisten verfasst und dann lanciert wurde, ist nun nichts sonderlich Neues. Man denke nur an die legendäre Hotel-Mehrwertsteuersenkung, mit der die FDP bei der letzten Bundestagswahl ihren Wahlkampf finanziert hat. Der wegen seines „Die-Entscheidung-war-richtig“-Tweets gescholtene FDP-Abgeordnete Manuel Höferlin weist in seiner Rechtfertigung darauf hin, dass der Gesetzesentwurf den Status quo nicht verschlechtern würde. Das mag zwar je nach länderspezifischer Regelung sogar stimmen, soll aber über die Tatsache hinwegtäuschen, dass hier ein klares Ziel, nämlich die Verbesserung des Datenschutzes gezielt ausgehebelt wurde.

Weiter schreibt Hölderlin

„Das Verfahren ist ordnungsgemäß und parlamentarisch einwandfrei abgelaufen.“

Nun, auch dies mag richtig sein, zeigt aber all zu deutlich, wie reformbedürftig unsere parlamentarische Demokratie mittlerweile geworden ist. Das Gesetz wurde kurz nach Anpfiff des Halbfinalspiels Deutschland – Italien von einigen wenigen Abgeordneten durchgewunken. Regelkonform: ja. Einer Demokratie würdig: nein. Wie so oft in letzter Zeit ist es „das Netz“, das für Transparenz sorgt und das Thema in die Agenda bringt. Und nun wacht nicht nur die Opposition auf, sondern auch unsere Verbraucherschutzministerin Aigner (CSU) versucht sich auf peinliche Art und Weise aus der Affaire zu ziehen. Wild mit den Armen fuchtelnd kritisiert sie den Entwurf pünktlich NACH der Abstimmung im Bundestag und verweist auf den Bundesrat. Dort wollen momentan zumindest die SPD/Grünen-geführten Länder rebellieren.

Wie nützlich eine Verbraucherschutzministerin ist, die ihrer Aufgabe erst im drohenden Shitstorm gerecht zu werden versucht, mag jeder für sich entscheiden. Einen Bärendienst erweist sie mit ihrem Verhalten so wie die gesamte schwarz-gelbe Koalition jedenfalls dem Vertrauen der Bürger in die parlamentarische Demokratie. Der besten, die man für Geld kaufen kann.

Update: Signifikante Zunahme des Absurditätsgrades, nachdem jetzt die Bundesregierung UND Horst Seehofer gegen das Gesetz sind, welches von der CSU in der kritisierten Art und Weise forciert wurde. Nur noch Friedrich hält die Stange.

Update #2: Nachdem nun selbst Friedrich umgefallen ist, kondensieren sich langsam zwei Schuldige heraus und sorgen so für weitere 100 Absurditätspunkte: Hans-Peter Uhl (na was für eine Überraschung) und die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende  und „Datenschutzexpertin“ Gisela Piltz.

So sind wir (7)

Sonntag, 29. April 2012

Zu einem sehr ungewöhnlichen Vorfall kam es am Sonnabend in der Erfurter Friedrich-Engels-Straße. Bei einem Streit wurde eine 33-jährige Frau plötzlich „bissig“ und nahm den Unterarm eines Mannes zwischen die Zähne.

Ähm… genau; hatten wir doch schon einmal!

via TA Online

Sven Regener schimpft

Freitag, 23. März 2012

Richtig gute Unterhaltung: Sven Regener von „Element of Crime“ rantet gegen das Google, Youtube, die Piratenpartei und „Deppen“, die sich beschweren, dass EOC Videos bei Youtube gesperrt sind. Mit Deppen meint er übrigens die EOC-Fans, denn nur ein echter EOC-Fan ist erpicht darauf, sich die Videos der Band unbedingt anschauen zu wollen.

Die Argumentationskette Regeners ist erschreckend dünn. Angefangen mit falschen Behauptungen (z.B. dass die Piratenpartei verlangt, dass Musiker umsonst arbeiten oder das „Youtube nicht pro Klick bezahlen möchte“) über Mimimi-Gejammer, das böse Youtube haut sich die Taschen voll und die Künstler gehen leer aus (selbst Plattenlabels wie Sony-Music beklagen mittlerweile, dass ihnen Geld durch fehlende Youtube-Promotion entgeht …) bis hin zu würdelosen Schimpftiraden auf die eigenen Fans möchte man Herrn Regener doch am liebsten ein Taschentuch reichen. Mal im Ernst, es ist ohne Zweifel richtig, das Thema Urheberrecht allumfassend zu diskutieren und dabei verschiedene Perspektiven zuzulassen, aber so ein haltloser Rant lädt gerade zu ein, zerlegt zu werden. Das hat Christoph Lauer in einer Interviewantwort dann gleich mal übernommen.

Leistungsschutzrecht: Willkommen im Fight Club

Mittwoch, 07. März 2012

Das Netz diskutiert gerade eifrig über das zu implementierende Leistungsschutzrecht. Zusammengefasst geht es darum, Google zahlen zu lassen, wenn bestimmte Verlagsinhalte als Suchergebnis angezeigt werden. Um mal die Handpuppen heraus zu holen: Google verdient sein Geld mit Werbung. Die Verlage verdienen ihr Geld im Internet mit Werbung. Beide benötigen dafür Traffic. Möglichst viel Traffic. Mittlerweile sind bei vielen Browsern URL-Leiste und Suchmaschineneingabe miteinander verheiratet (meint Mutter tippt URLs grundsätzlich bei Google ein!)

Ich freue mich schon auf den Tag, an dem der Suchmaschinenquasimonopolist Google die Springer-Seiten aus dem Index schmeißt. Hell yeah!

Kulinarium XXV

Samstag, 18. Februar 2012

Ich hab’s rausgefunden. Ich weiß jetzt, warum man in vielen hiesigen Restaurants oder sagen wir lieber Gaststätten oftmals lieblos zubereitetes Essen serviert bekommt. Eklige Fertigsoßen, Großküchen-Convinience-Produkte, Pseudo-Gerichte. Sie wissen es einfach nicht besser. Da habe ich heute ein Youtube-Video gefunden, in dem die Zubereitung einer Sauce Hollandaise erläutert wird. Schenkt man den Kommentaren Glauben, dann lernen die Kochschüler an manchen Schulen, dass man eine Hollandaise auf Basis einer Zwiebel-Reduktion (!) zubereitet.

Bei gewissen Dingen muss man einfach pingelig sein und Zwiebel hat in einer Hollandaise nichts zu suchen. Eigelb, evtl. Weinessig oder Weißwein, Wasser, zerlassene Butter, Salz, evtl. Pfeffer und Zitronensaft. Manche hauen noch einen Schuss Worcestersauce dazu. Könnte man noch gelten lassen. Aber verdammt nochmal keine Zwiebel! Wer das nicht glauben mag, soll einfach bei Bocuse oder Escoffier nachschauen. Das hat übrigens nichts mit meinem heimlichen Faible für „Thomy Sauce Hollandaise“ zu tun, denn das ist irgendwas, gelbes, soßiges aber hat definitiv gar nix mit einer richtigen Hollandaise zu tun.

Ich habe manches Mal überlegt, ob ich anstatt Büro nicht die Küche als Arbeitsplatz hätte wählen sollen. Nee, alles richtig gemacht. Kochen kann man auch in der Freizeit. Für die Lieben und für die Freunde, und nicht für meckernde Gäste und unter dem Zwang der Kostenoptimierung.

Kresse halten, echt jetzt

Samstag, 21. Januar 2012

Nee nee nee, liebe CSU, so einfach ist das nicht mit der „Netzaffinität“. Da reicht es nicht, die große Buzzword-Grabbelbox rauszuholen und wahllos bunte Steinchen daraus aneinanderzubasteln. Dann kann nämlich auch gern mal so etwas passieren:

“Das Internet bietet die Chance, von der 2D zur 3D-Demokratie zu kommen, das heißt den Dialog in einer Open-Source-Gesellschaft mit den Bürgern zu führen. Deswegen gilt unser Wahlspruch, dass wir die Piraten im Internet stoppen und die Freiheit des Internets schützen.”

Nein, darin muss man keinen Sinn suchen, macht euch gar nicht erst die Mühe. Nehmt gleich den WTF-Stempel.

 

Via Netzpolitik

Hilfe, die Nazi-Satanisten kommen!

Montag, 31. Oktober 2011

Au weia – was muss man heute bei BILD-Online lesen? Satanisten-Bands kommen nach Berlin! Noch schlimmer, Nazi-Satanistenbands! Mit Schafsblut und nackten Frauen (also die schlechte Art nackter Frauen, nicht jene, welche in hübscher Regelmäßigkeit die BILD-Zeitung zieren)!! Und das an Allerheiligen!!!

Im Zentrum von BILDs gespielter Empörung steht die norwegische Blackmetal-Band „Gorgoroth“. Der Artikel, der sich vorwiegend aus hastig abgetippten Informationen der Wikipedia zusammensetzt, zitiert unter anderem das (sic!) „Berliner Institut für Faschistenforschung (BIFF)“. Nun, das „BIFFF“ (Berliner Institut für Faschismus-Forschung und Antifaschistische Aktion e. V.) mit drei Pfeiffer-F ist eigentlich kein richtiges Institut – jedenfalls ist es nichts, was man sich als durchschnittlicher Bildungsbürger unter einem Institut vorstellt – sondern ein eingetragener Verein, über den man auch aufgrund eines nicht-vorhandenen Impressums nicht viel mehr herausfindet, als dass der Vereinsvorsitzende ein Diplom-Psychologe namens Peter Kratz ist. Institut klingt aber gleich viel seriöser – obwohl die unterstellte Nähe zur „norwegischen Neonazi-Szene“ durch den auffallend Svastika-paranoiden Herrn Kratz mehr oder minder aus der Tatsache gefolgert wird, dass einige der Fans auf Myspace bzw. Youtube Runen bzw. Svastika-ähnliche Symbole in ihren Avatarbildern verwenden.

Nachdem es also bei BILD mit Copy+Paste mal wieder nicht so richtig klappen wollte, entschied man sich konsequenterweise auch gegen eine nähere Recherche der doch sehr dürftigen Beweiskette. Die Band Gorgoroth selbst distanziert sich jedenfalls von faschistischem Gedankengut – hätte man mit ganz wenig gegoogle auch bei Wikipedia nachlesen können.

Einen kleinen Trost gibt es dann aber doch noch für empörte Christen – denn wie BILD analysiert hat werden die satanistischen Texte „(…) so laut ins Mikro gebrüllt (…), dass man sie nicht verstehen kann.“

Ach, es geht doch nichts über ein anständiges Stück Qualitätsjournalismus!

Trojaner-Herrmann will Linkspartei beobachten lassen

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Schon wieder fordert ein CSU-Politiker, die Linkspartei möge künftig vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sieht sich aufgrund des am Wochenende beschlossenen Grundsatzprogrammes zu dieser Feststellung veranlasst, er sieht in der Partei eine „Gefahr für Deutschland“.

Dass sich nun ausgerechnet Herrmann als großer Bewahrer der Demokratie aufspielt, indem er eine Partei diskreditiert, weil er mit deren politischer Linie nicht einverstanden ist, wirkt in Hinblick auf die jüngsten Vorwürfe gegen den CSU-Mann im Zusammenhang mit der Staatstrojaner-Affaire geradezu grotesk. Man muss kein Freund der Linkspartei sein (ich bin keiner), man muss das Erfurter Programm auch nicht gut finden. Man kann der Linkspartei sogar eine gehörige Portion an verzweifeltem Populismus vorwerfen, weil sie sich plötzlich in der Breite als „internet-affin“ präsentiert. Man könnte Oskar Lafontaine darauf hinweisen, dass Enkel auch enterbt werden können. Man sollte aber als vorgeblicher Demokrat sehr, sehr vorsichtig sein, wen man mit Dreck bewirft, während man selber bis zum Hals in der Schlammgrube sitzt.