Apfelmus

Ab heute finde ich Apple doof. Habe ich gerade beschlossen. Da will man einem Freund ein Geburtstagsgeschenk bereiten und sein brandneues iPhone 3GS unlocken… was sich als Mammutaufgabe entpuppt.

Auf ins Ländle

Ja, ich hab’s verkackt. Ein bisschen zumindest. Als der Herr Doktor mich letzte Woche anrief und um Tipps zum Unlocken seines iPhones bat, hatte ich noch die leise Hoffnung, er würde es alleine schaffen (der Herr Doktor hat sich gerade per SMS nach dem Befinden seines Spielzeugs erkundikt, nur mal so nebenbei). Als der Selbstversuch bereits daran scheiterte, dass Baurulpse die Telefonleitung des Herrn Doktor gekappt hatten und der befreundete Nachbar nur Mac-OS bieten konnte (das Unlock-Tool will Windows), versprach ich ihm zu helfen. Da der Herr Doktor gerade Geburtstag und ein Häusle gekauft hatte, stand sowieso ein Besuch an. So saß ich denn vorhin in meinem bayerischen Schlaglochsuchgerät auf dem Weg in die Kleinstadt, in der der Herr Doktor wohnt; mein Netbook und den Surfstick im Handgepäck.

Noch in gefährlich naivem Optimismus begriffen durfte ich an der Führung durch da neue Domizil gleich zweimal teilnehmen, denn der Hannes kam etwas später und der Hannes wollte das Häusle natürlich auch begutachten. Nachdem wir uns dann mit einer vorzüglichen Soljanka und einem Weißbier gestärkt hatten, beschloss der Herr Doktor, dass man nunmehr das Projekt “mach, dass mein iPhone mit meiner O2-Karte funktioniert” in Angriff zu nehmen.

Der erste Schlag ins Gemächt.

Also machte ich mich voller Tatendrang an’s Werk, nicht ohne vorher kräftig mit meinem 9h-Akku zu protzen. Surfstick dran, eingewählt, Ernüchterung: mit 5 kB war ich zuletzt vor 10 Jahren unterwegs. Hallo 21. Jahrhundert! “Nun gut”, dachte ich mir, “wie groß kann so ein Unlock-Tool schon sein…?!” Das Unlock-Tool erwies sich in der Tat als Dateizwerg. Dumm nur, dass die Anleitung, die ich mir aufgerufen hatte, als Schritt #2 gleich mal die Installation von iTunes befahl.

Nun habe ich bereits leidvolle Erfahrungen mit dieser Software gemacht, so dass ich alle Überzeugungskraft aufwand, um den Herrn Doktor davon zu überreden, iTunes doch gleich auf seinem Notebook und nicht auf meinem kleinen, hilflosen Netbook zu installieren. Das hat er schließlich auch eingesehen, denn ein iPhone ohne iTunes zu betreiben ist wie Porsche im 2. Gang fahren. Macht nicht wirklich Laune. Apple hat nun offenbar sein geballtes Know-How und unzählige DLL-Bilbiotheken oder was auch immer für Crap in sein Produkt gesteckt – es sind 88,8 (eh ne böse Zahl!) MB (der erste Download-Versuch der aktuellen iPod Firmware, dazu später mehr, hat sich gerade mit einem Timeout nach 20 Minuten verabschiedet, NUR MAL SO NEBENBEI *argggh*)!

Geduld ist eine Tugend!

88,8 MB bei einer Verbindungsgeschwindigkeit zwischen 5-10 kB dauern etwa 3 Stunden. Grund genug für mich, Plan B aus der Tasche zu ziehen und schon mal über eine stationäre Behandlung des Patienten, also in Gegenwart einer halbwegs fixen Internetverbindung, nachzudenken. Die Vorfreude im Gesicht des Herrn Doktors verspürend brachte ich es aber nicht über’s Herz, meine Mühen so schnell abzubrechen und überließ den Download, nachdem ich einen Platz mit halbwegs akzeptabler Netzstärke gefunden hatte, seinem Schicksal. 3 Stunden und viele nette Gespräche später waren iTunes und PurpleRa1n (das Unlock-Tool) heruntergeladen; endlich konnte es weitergehen.

Fail!

Die Installation der Software war fertig, das iPhone angeklemmt. PurpleRa1n gestartet. Schön, alles sah so aus, wie in der Anleitung. Außer der Fehlermeldung, PurpleRa1n müsse wegen eines Fehlers beendet werden. Tolle Wurst! Also Google gefragt, das auch recht zügig eine Antwort lieferte. Zügig, nachdem der Surfstick mehrach neu connectet hat und zwischenzeitlich mein Netbook einfach abgeschmiert ist. Danke, E-Plus! Die Antwort war ernüchternd. Ich war doch glatt einer Anleitung für das Vorgängermodell gefolgt! Ob das “S” beim iPhone 3GS für “noch mehr Sackgang” steht, mag eine emotionale aber durchaus zutreffende Feststellung sein. Am schlimmsten der folgende Satz der korrekten Anleitung: “Haben Sie diese [Firmware 3.1; Anm. d. V.], brauchen Sie nicht einmal iTunes zum Unlock Ihres Handys.” Schön auch der motivierende Hinweis gleich am Anfang: “Die gesamte Prozedur ist in etwa 10 Minuten erledigt.” *atomrofl*

Plan B.

Nunmehr hatte auch der Herr Dotkor angesichts der vorangeschrittenen Zeit und der noch anstehenden Downloads ein Einsehen und stimmte meinem Vorschlag zu, das Telefon (ja, im Endeffekt ist es doch ein T-e-l-e-f-o-n!) in Ruhe in meinem eigenen fein Kämmerlein zu knacken. Ich eilte gen Heimat und war auch wieder recht zuversichtlich, diese Rätselnuss noch doch noch zu lösen. Die Zuversicht wurde jäh zerstört, denn der Schmerz wollte einfach nicht enden…

Recovery Mode.

Ob es nun an dem falschen Tool oder dem vorhergegangenen abrupten Trennen des iPhone vom Rechner lag – der Handschmeichler wollte nun partout nicht mehr starten. Das Display zeigte ein hübsches aber ganz offensichtlich in irriger Annahme gewähltes Icon einer iTunes-Verbindung an. Wieder half Google und empfahl zunächst einen Reset, der leider wirkungslos war, und eine Wiederherstellung mit Hilfe von, genau: iTunes. Da ich vor einiger Zeit iTunes wegen eines defekten iPod-Shuffle (bin ich hier eigentlich die Mac-Werkstatt oder wie???) installieren musste, war ich wieder so naiv zu glauben, das Problem mit wenigen Handgriffen beheben zu können. iTunes, welches ich in weiser Voraussicht in einem virtuellen Layer installiert hatte, erkannte dann auch zeitnah, dass sich das angeschlossene iPhone im “Recovery-Modus” befände und man es durch “Wiederherstellung & Update” aus dem Dornröschenschlaf erwecken könne. Natürlich war meine iTunes viel zu alt, um das funkelnigelnagelneue 3GS wiederherststellen zu können. Nun, ich hatte die Installationsdatei ja noch auf dem USB-Stick. “5 Minuten”, dachte ich, “dann ist das Zeug installiert und das iPhone rennt wieder”. Und einmal mehr hatte ich mich schwer getäuscht.

Erst kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.

Mein PC ist schon etwas betagt, nach heutigen Maßstäben. Sollte man nicht trotzdem annehmen können, dass ein Athlon 3000+ mit 1,5 GB RAM und SATA Festplatte mit so einem iTunes halbwegs locker klarkommen sollte? Mitnichten; oder sind 45 Minuten Installationszeit vielleicht normal? Immerhin gab mir die nicht enden wollende Installation Zeit zum Verfassen dieses kleinen Romans; wenn man mal etwas Positives in dieser Misere sehen möchte. Auch die längste Installation ist irgendwann einmal beendet, und so konnte ich nun endlich die Wiederherstellung des iPhone starten. Wenn schon nicht geknackt, dann doch wenigstens funktionsfähig. Auch hier sah zunächst alles ganz gut aus, wobei die angekündigten 35 Minuten Downloadzeit für die neue Firmware schon enorm waren. Und es kam wie es kommen musste; dem ersten Timeout folgte ein zweiter, ein dritter, und aktuelle versuche ich zum vierten Mal, die aktuelle Apple iPhone Firmware aus dem Netz auf meinen Rechner zu bekommen. Ich bin zuversichtklich, dass es auch dieses Mal wieder nicht klappen wird.

To be continued…

Neuer Tag, neues Pech?

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