Kresse halten, echt jetzt

21. Januar 2012

Nee nee nee, liebe CSU, so einfach ist das nicht mit der “Netzaffinität”. Da reicht es nicht, die große Buzzword-Grabbelbox rauszuholen und wahllos bunte Steinchen daraus aneinanderzubasteln. Dann kann nämlich auch gern mal so etwas passieren:

“Das Internet bietet die Chance, von der 2D zur 3D-Demokratie zu kommen, das heißt den Dialog in einer Open-Source-Gesellschaft mit den Bürgern zu führen. Deswegen gilt unser Wahlspruch, dass wir die Piraten im Internet stoppen und die Freiheit des Internets schützen.”

Nein, darin muss man keinen Sinn suchen, macht euch gar nicht erst die Mühe. Nehmt gleich den WTF-Stempel.

 

Via Netzpolitik

Kulinarium XXIV

30. Dezember 2011

Dieses Jahr gibt es keinen Domspitzen Jahresrückblick. Nicht, dass man da nicht einiges zu betrachten hätte. 2011 war ein Jahr mit vielen Höhen und Tiefen. Für mich war es das vielleicht durchwachsendste Jahr meines bisherigen Lebens. Deshalb wird sich heute nicht über Politik aufgeregt, über die Gesellschaft oder über unsere Welt als solche. Es gibt nur folgenden, wohlgemeinten Ratschlag von mir: Genießt das Leben, genießt jeden schönen Augenblick! Nehmt mit, was ihr kriegen könnt! Seid nicht traurig über das, was ihr nicht bekommen habt. Blickt nicht wehmütig in die Vergangenheit und nicht sorgenvoll in die Zukunft.

Und vergesst nicht, euch ab und an etwas leckeres zu kochen! Hier gab’s heute Frittierplatte. Kleine Schnitzel, panierte Champignons und “Bodag”, eine Art Fleischersatz aus den Zutaten der Panade gemischt. Mit einfachem Mischgemüse und Kartoffelpüreé. Herrlich!

frittierplatte

Extrem Einkaufing – Extrem Koching (Kulinarium XXIII)

10. Dezember 2011

So, das war’s für dieses Jahr. Mein gesamtes Qi ist aufgebraucht. Die gute Nachricht: man hat mal wieder dazu gelernt. Dass man Wacholderbeeren vorsichtig dosieren sollte, zum Beispiel. Außerdem habe ich fast 1 Liter Rote-Beete-Saft übrig. Aber alles der Reihe nach…

Das Drama begann mit dem Entschluss, der Umwelt mal was Gutes zu tun. Das Auto stehen lassen, mit dem Rad in den nächsten brauchbaren Supermarkt radeln zum Einkauf. Der befindet sich in der Goethe-Galerie, einem Standard-Einkaufszentrum in der Jenaer Innenstadt. Der dort im Tiefgeschoss ansässige Tegut kann mit einem recht anständigen Sortiment aufwarten, leidet jedoch unter einer fürchterlich unlogischen Warensortierung und ist entweder gefüllt mit Rentnern in Zeitnot (9.00-11.00 Uhr), lose marodierenden Patchworkfamilien (11.00-18.30 Uhr) oder stark alkoholisierten Jugendlichen (18.30 – 20.00 Uhr). Es gibt so ein paar wenige Zeitfenster, in denen strukturiert denkende Single-Einkäufer mit Einkaufszettel unterwegs sind, aber die verrate ich nicht.

Samstag, 12.30 Uhr, hohe Wahrscheinlicheit von Rudeln umherirrender Familienkonglomerate. Ich hatte mir vorgenommen, keine Kinder zu treten auch nicht die langsame Kassiererin zusammenzupfeifen, sollte ich denn zufällig an ihre Kasse geraten. Ich wollte mal total nett sein, weil doch bald Weihnachten ist. Ich ahnte bereits Schlimmes, als ich mein Rad angekettet und die Glastür zur Einkaufsmeile geöffnet hatte. In den Ohren dröhnte volkstümliches Weihnachtsgedudel, die Nase bemerkte ein starkes Aroma von “4711 Echt Kölnisch Wasser”. Nun, so etwas passiert um die Weihnachtszeit, dass irgendein Schlagervogel sein trauriges Dasein auf einer 3 x 5m² großen Bühne fristet, beklatscht von ein paar Hartz-4 Empfängern, die den langen Weg heraus aus dem idylisschen Gera-Lusan hierher gefunden haben. Nik P. habe ich dort schon gesehen und irgendeinen Heinz, der irgendwann mal an irgendeiner der zahllosen Voice-Of-Se-German-Superstar Shows teilgenommen hatte. Aber dieses Mal war es schlimmer, denn sämtliche Zugänge zum Tegut, der sich wie gesagt im Tiefgeschoss befindet, waren vollgestopft mit Rentnern. Ich hatte leider meine Ohrstöpsel nicht dabei, also Tunnelblick aufgesetzt, den Kragen hochgeklappt und straight durch die Gerontenbarriere marschiert. Der Markt war dann auch angenehm leer, da viele potentielle Kunden angesichts der Oma-Brigaden schnurstracks kehrt gemacht hatten und ihr Einkaufsglück in einem anderen Supermarkt suchten.

Ich kreuzte also die Gänge auf der Suche nach Kochzutaten, und der durch die Supermarktlautsprecher eingespielte Easy-Listening-Fahrstuhljazz ging eine unheilige Allianz mit dem “Rennsteiglied” ein, das gerade draußen gejodelt wurde. Das ist der Moment, in dem manch einer die Tech-9 aus der Tasche holt und zahlreiche Vollmantelgeschosse in die Umgebung pustet.

Ich weiß nicht, ob es die krude Mischung aus toitschem Liedgut und zeitgenössischem Einkaufsjazz war, die mich auf diese seltsame Idee brachte, ein traditionelles Tellergericht auf Etepetete zu pimpen. Nein, war es zugegebenermaßen nicht, sondern es war das Fernsehen. Vermutlich erging es dem Fernsehkoch aber genaus so, als er damals überlegte, was man aus Kassler und Sauerkraut so alles basteln könnte. Irgend ein Schlagertoni in irgendeinem Einkaufszentrum… nein, nicht irgendeiner! Als ich an der Kasse war, sah ich, dass es niemand anders als Gotthilf Fischer himself war, der die mundfaulen Thüringer verzweifelt zum Mitsingen zu animieren versuchte.

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Jetzt musste alles ganz schnell gehen: Das gute Zeugs einpacken, Fluchtweg freischlagen und nichts wie raus aus der Schlagerhölle!

Kasslerbraten mit Sauerkraut und Kartoffelpürree

Für 2 Personen:

  • 300g Kassler, ohne Knochen
  • 1 gr. Zwiebel
  • 3-4 Lorbeerblätter
  • 2-3 (!) Wacholderbeeren
  • ein paar Nelken
  • Salz, Pfeffer, Öl
  • 1 Tasse Wasser oder milde Brühe

Crêpes

  • 1 Ei
  • 50 ml Sprudelwasser
  • 100 ml Milch
  • 90g Weizenmehl
  • 1 kräftiger Schluck Rote-Beete-Saft
  • Salz

Beilagen

  • Sauerkraut
  • 5-6 mittelgroße Kartoffeln
  • 100 ml Milch
  • 40g Butter

Der Kassler wird in reichlich Öl in einem Topf von allen Seiten gut angebraten und mit Pfeffer und Salz gewürzt. Dazu kommen die Zwiebeln, die mit angedünstet werden. Das ganze mit Wasser oder Brühe ablöschen, Lorbeer, Wacholderbeeren und Nelken dazu und 45 Minuten köcheln lassen. Das Fleisch heraus nehmen und die Soße durch ein Sieb passieren, mit etwas Stärke andicken und aufkochen.

Die Kartoffeln schälen und 20 Minuten kochen, dann durch die Quetsche pressen (nicht mit dem Zauberstab pürieren! das wird nix) und mit Milch und Butter leicht aufkochen. Das Sauerkraut nach eigener Vorliebe zubereiten oder fertiges benutzen, so wie ich.

Eigentlich ist das Gericht jetzt fertig und könnte folgendermaßen aussehen:

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Könnte. Könnte aber auch ganz anders präsentiert werden! Die Crêpe in einer Pfanne dünn backen, vorher die Hälfte vom Teig mit dem Rote-Beet-Saft färben. Etwas abkühlen lassen. Mit Kartoffelbrei bestreichen und etwas Sauerkraut darauf verteilen. Den Kassler in ca. 1×1 cm dicke Streifen schneiden und in die Mitte des Crêpe legen, zusammenrollen, 2 Stunden im Kühlschrank in Frischhaltefolie eingewickelt ruhen lassen. Mit der Soße und Eßstäbchen servieren. Prego!

kassler_sushi

Manöverkritik

  1. Vorsicht mit Wacholderbeeren! Die können sehr schnell dominant werden.
  2. Die Crêpe versuchen so zu backen, dass keine braunen Flecken entstehen.
  3. Das Püreé könnte noch etwas Salz vertragen.
  4. Zubereitungszeit: mindestens 1 Stunde, dazu noch die Kühlzeit beachten!

Viel Spaß beim Nachkochen, wer sich traut :-)

Medienkompetenz bei BILD-Online

05. Dezember 2011

Heute zu lesen:

Ich meine: Um-bruch

Ohrengraus

05. Dezember 2011

Ja ich weiß, Geschmäcker sind verschieden. Deshalb rezensiere ich schon seit einer ganzen Weile nicht mehr, weder Filme noch Musik. Stattdessen versuche ich mich an das Motto “Leben und leben lassen” zu halten. Wenn sich ‘ne Mutti, Ende 40, das Vogelnest auf dem Kopf in weinrot getüncht und das Dekolletee mit einem Skorpion oder einer Rose verziert gern Andrea Berg reinzieht – sei es drum. Wenn sich erwachsene, vermeintlich intelligente Menschen “Die Atzen” oder Scooter geben, bitteschön. Macht alle was ihr wollt. Geht zu Semino Rossi in die Erfurter Messehalle. Kauft euch die neue Helene Fischer CD. Wünscht euch “Unheilig” bei Antenne Thüringen. Ja – von mir aus hört den ganzen Tag “Die Amigos” – die ich beinahe bewundere, weil sie mit minimaler musikalischer und lyrischer Varianz ihren Geldpeicher in der hessischen Heimat füllen. So abgebrüht muss man erst einmal sein. Was all die vorgenannten gemeinsam haben: sie sind; nun der Schwermetaller nennt es “true”. Also sich selbst und ihrem musikalischen Stil treu.

Doch an irgend einem Punkt hört der Spaß auf. Manche Sachen gehen einfach nicht! Dazu gehören die folgenden drei Alben, die seit einigen Wochen schmerzvoll penetrant auf verschiedenen Privatsendern beworben werden und meine persönlichen Schmerzcharts 2011 bilden.

Adya Classic

Was passiert, wenn zwei Belgier zu viel Pommes Frites gegessen haben und nach einer Nacht mit Magengrummeln und Albträumen mit einer im Fieberwahn geborenen Geschäftsidee aufwachen? Genau, Adya Classic – man nehme 17 “Ohrwurm”-Klassiker und unterlege diese mit einem Euro-Dance Beat: fertig ist das Grauen. Das Elend wird in diesem 4-Minutenclip auf den Punkt gebracht. Wer die Nerven dazu hat, bitteschön. Ich habe euch gewarnt.

 

Gregorian: Masters of Chant-Chapter 8

Ich will Michael Cretu nichts Böses unterstellen. Es ist ja das eine, originelle Ideen zu haben und gregorianische Chöre mit Ambient-Beats und gehauchten französischen Texten zu hinterlegen. Hätte der gute Mann geahnt, welches Grauen sein damaliger Spezi Frank Peterson 20 Jahre später daraus kreieren würde… er hätte sich vermutlich selbst ins musikalische Zölibat geschickt.

Ich bin ja kein besonders großer Oasis-Fan aber was bitte haben die Gallagher-Brüder verbrochen, dass ihr Hit “Wonderwall” nun von britischen Kastraten in schwarzen Mönchskutten geträllert wird? Mal ganz zu schweigen vom “Boss”, vor dessen “Streets of Philadelphia” auch nicht Halt gemacht wurde. Welcher schwanzlose Rechteinhaber gibt seine Erlaubnis für so einen Frevel? Genug der Worte. Das folgende Beispiel stammt von einem älteren Album: “Nothing else matters”. Ohne Worte.

 

Spiritus Dei

Zu guter letzt noch eine ganz besonders schlimme Entgleisung – nicht nur in musikalischer Hinsicht. Die Katholiken, Image-mäßig ja nun arg gebeutelt seit dem Kinderf*****-Skandal, probieren es ebenfalls mit seichtem Choral-Pop. “Die Priester” nennen sich die drei Lerchen und hinterlassen mit dem Album “Spiritus Dei” (Werk des Geistes) eine blutige Spur elektronisch verwurstetem Liedguts von Kirchemusik bis Klassik. Die Vermarktungsstrategen besitzen dabei noch die Frechheit, das ganze als Charity zu verkaufen. Ganze 50 ct. werden angeblich pro verkaufter CD für ein Hilfsprojekt in Tansania verwendet. Nur gut, dass von den 7 EUR Verkaufspreis dann noch genug für Universal übrig bleibt, die für diesen Klangmüll verantwortlich sind. Lieber Universal-Manager, der du dir von den Einnahmen gerade einen neuen Porsche Cayenne bestellt hast: Gäbe es eine Hölle; ein Platz ganz vorn am Fegefeuer wäre dir sicher!

Guttenberg rettet Maischberger

30. November 2011

Bei Sandra Maischberger wurde gestern über Müll philosophiert. Ich habe ein paar Minuten davon angesehen, bis ich die gewohnt nervige Claudia Roth nicht mehr aushielt und den Sender wechselte. Dadurch ist mir wohl einer der charmatesten Späße, der Gag of the Gags – ja ein wahrer Diamant unter den humoristischen Bonbons entgangen:

Dies will er mit einem Zitat von Franz Alt deutlich machen – und zieht plötzlich einen Zettel aus seinem Jackett.
„Ich habe mir das jetzt extra aufgeschrieben, weil ich habe zu Zahlen ein schlechtes Verhältnis – und in meiner Familie muss man mit Zitieren bekanntlich aufpassen.”

Ihr fallt noch nicht vor Lachen vom Stuhl? Klar, denn ihr wisst ja gar nicht, wer diesen Kichergaranten von sich gab:

Vater von Karl-Theodor zu Guttenberg spielt auf die Zitier-Schwäche seines Sohnes an

Na… na??? So, ich melde mich mal ab und werde mich die nächsten 2 Stunden lachend auf dem Boden krümmen!

Guess who’s back…

25. November 2011

Alles begann mit einem Auftritt des gefallenen Biedermanns im kanadischen Halifax: Als ob es derzeit keine wichtigeren Themen gäbe, stürzte sich die Presse auf Guttenberg 2.0. Gel alle, Brille kaputt? Fast könnte man glauben, Guttenberg wolle sich der Öffentlichkeit mit Hilfe eines redesignten Outfits als geläuterter Paulus präsentieren. “Der scheue MinisterMister Guttenberg” titelte das Boulevardmagazin “Spiegel”, doch mit der Scheu war es bald vorbei.

Der Auftritt im fernen Nordamerika markierte vielmehr den Start der Promotion-Kampagne für ein Buch, das den beängstigenden Titel (sic!) “Vorerst gescheitert” trägt und es scheint so, als werkelten der ehemalige Dr. jur. und sein PR-Team tatsächlich an einem politischen Comeback. Dazu, dramaturgisch perfekt getimed, die Nachricht, dass  Guttenbergs Plagiats-Verfahren gegen eine Zahlung von 20.000 EUR eingestellt wurde. Das geht juristisch durchaus in Ordnung; auch einem weniger prominenten und hartnäckigeren Leugner hätte man so eine Einigung sicher zugestanden.  Besser macht das den enttarnten Betrug natürlich nicht. Doch wie geläutert gibt sich Guttenberg tatsächlich? „Bewusstlosigkeitsnachweis durch Unwahrscheinlichkeit der Tat“ nennt Jürgen Kaube in der FAZ diese Variante der Chewbacca-Verteidigung treffend. Einzig eine “chaotische Arbeitsweise” attestiert sich der um seine Ehre bemühte ehemalige Verteidigungsminister in der BILD. Und man mag ihn beinahe dafür bewundern, wie er es schaffen konnte, eine auf 80 Datenträgern und mindestens 4 Computern an unterschiedlichen Standorten verteilte Zitate- und Stichpunktsammlung aus Büchern und Webseiten in eine mit “summa cum laude” gewürdigte Doktorarbeit überführen konnte.

By the way: da ist er wieder, der gute alte Karl-Theodor. Schönreden – relativieren – umdeuten. Wenn man sich sein Foto auf dem Buchcover genau ansieht, erkennt man bereits wieder erste Gel-Spuren im Haar.  Bei Springer hat man die Jubelmaschine angeworfen, Guttenberg wird von Nikolaus Blome ermuntert und bekommt “Post von Wagner“.

Der Ausgang von Guttenbergs Relaunch liegt freilich im Dunklen. Spreng bezweifelt, dass der Versuch von Erfolg gekrönt sein wird. Die CSU, deren Parteivorsitzender Horst Seehofer das eingestellte Verfahren noch am Mittwoch als Sieg Guttenbergs verkaufen wollte und dem ehemaligen Politstar die Hand reichte, rudert heute bereits zurück. „Wir haben keine vakanten Stellen“ heißt es plötzlich, nachdem Guttenberg in der ZEIT gegen seine Partei gepöbelt hatte und “Sympathien für die Gründung einer neuen Partei erkennen” ließ.

Nun denn. Die Manege ist eröffnet. Die Clowns sind schon da.

Edit: Selbst der Spiegel hat mitbekommen, dass KT kein Minister mehr ist. Mea culpa :-)

Aus den Augen, aus dem Sinn? Verbietet das Sandmännchen!

13. November 2011

Bisher dachte ich immer, für Scherz und Schabernack wäre bei der Jungen Union deren evangelikaler Ableger RCDS zuständig. Weit gefehlt. Die Jugendorganisation der ehemaligen DDR-Blockpartei CDU fordert auf dem CDU-Bundesparteitag in Leipzig ein Verbot von “DDR-Symbolen” und “Ostalgie-Produkten”.

Im Stern relativiert eine entsprechende Meldung – offensichtlich eine Pressemitteilung der JU – zwar die Forderung, indem ausdrücklich ein Verbot der Symbole von Staatssicherheit und NVA gefordert wird. Bei mdr Info klang das gerade in den Nachrichten noch ganz anders; die Meldung ist jedoch auf wundersame Art und Weise gerade aus dem Internet verschwunden.

Nun, ob Hammer & Sichel oder FDJ-Sonnenlogo; es geht hier um das Verbot bestimmter Symbole. Doch gerade das Verbot von Gedanken und Symbolen war kennzeichnendes Merkmal des DDR-Unrechtsstaates. Genutzt hat es ihm nichts und auch nicht vor dem Untergang bewahrt. Wir sind zwar an das Hakenkreuz-Verbot gewöhnt: konnte es aber verhindern, dass sich trotzdem Menschen für nationalsozialistisches Gedankengut begeistern können? Nicht wirklich, wie gerade in diesen Tagen die “Jenaer Zwickauer Zelle” deutlich macht. Aufklärung sollte das Instrument der Wahl sein, um menschenfeindliche Ideologien zu entlarven. Verbote schaffen immer nur Märtyrertum. Aber das wissen die Leute von der Jungen Union vielleicht gar nicht – dazu sind sie noch zu jung. Und genau deshalb ist Aufklärung so wichtig!

Das Schweigen der Lämmer

12. November 2011

Seit sich die 36-jährige Beate Z., mutmaßliches Mitglied der von den Medien getauften “Jenaer Zelle” am Dienstag der Thüringer Polizei stellte, werden dem Trio fast jeden Tag neue Verbrechen zugeschrieben: Neben diversen Banküberfällen werden sie des Polizistenmords von Heilbronn verdächtigt. Sie sollen ebenso für die sogenannten “Döner-Morder” verantwortlich sein, bei denen insgesamt 9 Menschen starben. Die BILD-Zeitung will wissen, dass es eine Spur zu zwei Bombenattentaten in Düsseldorf und Köln gibt. Fast alle Medien sprechen bereits von “rechtem Terror”, da die drei Verdächtigen, von denen letzte Woche zwei tot in einem ausgebrannten Wohnmobil aufgefunden wurden, offenbar der rechten Szene angehörten.

Warum gibt es zu dieser Geschichte eigentlich noch kein einziges Statement unserer führenden Sheriffs? Herr Friedrich, Herr Uhl, bitte dringend melden! Hier ist unsere Sicherheit in Gefahr!11!1!! Wir brauchen Vorratsdatenspeicherung, Trojanerüberwachung, Internetsperren, Fußfesseln und Präventivhaft! Klarnamenpflicht! Parteienverbote! Terroristen bedrohen unsere Freiheit! Herr Herrmann, sagen Sie doch auch mal was! Herr Schünemann! Wo sind Sie? Herr Dobrindt, bitte ein markanter Satz, ein Warnschuss an die Feinde unseres Landes! Nichts! Schweigen im Walde…

So ähnlich war das damals auch, als das Ausmaß des Mißbrauchs an Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Kirche ans Licht kamen. Da haben die KinderschützerInnen Frau von der Leihen und Frau Schröder plötzlich geschwiegen. Hat das Täterprofil der Schuldigen vielleicht nicht ins Feindbild gepasst?

Manchmal verstehe ich Politik einfach nicht. Oder ich verstehe sie nur all zu gut. Wer weiß.

 

Update: Hans-Peter Uhl äußert sich erstaunlich sachlich!

Update #2: Schünemann meldet sich ebenfalls

Update #3: “Friedrich spricht von Rechtsterrorismus

Update #4: Herrmann, dessen “Nürnberger Sonderkommission” die Döner-Morder aufklären sollte, wurde nun ebenfalls gefragt und antwortet knapp im Amtsblatt des Freistaats Bayern.

Hilfe, die Nazi-Satanisten kommen!

31. Oktober 2011

Au weia – was muss man heute bei BILD-Online lesen? Satanisten-Bands kommen nach Berlin! Noch schlimmer, Nazi-Satanistenbands! Mit Schafsblut und nackten Frauen (also die schlechte Art nackter Frauen, nicht jene, welche in hübscher Regelmäßigkeit die BILD-Zeitung zieren)!! Und das an Allerheiligen!!!

Im Zentrum von BILDs gespielter Empörung steht die norwegische Blackmetal-Band “Gorgoroth”. Der Artikel, der sich vorwiegend aus hastig abgetippten Informationen der Wikipedia zusammensetzt, zitiert unter anderem das (sic!) “Berliner Institut für Faschistenforschung (BIFF)”. Nun, das “BIFFF” (Berliner Institut für Faschismus-Forschung und Antifaschistische Aktion e. V.) mit drei Pfeiffer-F ist eigentlich kein richtiges Institut – jedenfalls ist es nichts, was man sich als durchschnittlicher Bildungsbürger unter einem Institut vorstellt – sondern ein eingetragener Verein, über den man auch aufgrund eines nicht-vorhandenen Impressums nicht viel mehr herausfindet, als dass der Vereinsvorsitzende ein Diplom-Psychologe namens Peter Kratz ist. Institut klingt aber gleich viel seriöser – obwohl die unterstellte Nähe zur “norwegischen Neonazi-Szene” durch den auffallend Svastika-paranoiden Herrn Kratz mehr oder minder aus der Tatsache gefolgert wird, dass einige der Fans auf Myspace bzw. Youtube Runen bzw. Svastika-ähnliche Symbole in ihren Avatarbildern verwenden.

Nachdem es also bei BILD mit Copy+Paste mal wieder nicht so richtig klappen wollte, entschied man sich konsequenterweise auch gegen eine nähere Recherche der doch sehr dürftigen Beweiskette. Die Band Gorgoroth selbst distanziert sich jedenfalls von faschistischem Gedankengut – hätte man mit ganz wenig gegoogle auch bei Wikipedia nachlesen können.

Einen kleinen Trost gibt es dann aber doch noch für empörte Christen – denn wie BILD analysiert hat werden die satanistischen Texte “(…) so laut ins Mikro gebrüllt (…), dass man sie nicht verstehen kann.”

Ach, es geht doch nichts über ein anständiges Stück Qualitätsjournalismus!